02/12/2025
Nach einer langen Phase der Ungewissheit und des Verzichts auf verbindliche Regelungen bricht für das Friseurhandwerk in Niedersachsen eine neue Ära an. Sechs Jahre lang mussten sich Friseurinnen und Friseure, aber auch die Auszubildenden, auf unverbindliche Empfehlungen verlassen, wenn es um ihre Entlohnung ging. Diese Zeit des Stillstands ist nun vorbei. Mit der Wiedereinführung eines Entgelttarifvertrags und eines Tarifvertrags über Ausbildungsvergütungen, die seit dem 1. August 2018 Gültigkeit besitzen und mittlerweile sogar für allgemeinverbindlich erklärt wurden, kehrt eine dringend benötigte Struktur und Fairness in die Branche zurück. Diese Entwicklung markiert einen Meilenstein für Tausende von Beschäftigten und Betrieben im Lande.

- Das Ende einer sechsjährigen Durststrecke: Warum Tarifverträge so wichtig sind
- Was genau wurde vereinbart? Ein Blick auf die neuen Regelungen
- Die Bedeutung der Allgemeinverbindlichkeit: Ein Wendepunkt für die Branche
- Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber
- Laufzeit und Zukunftsaussichten
- Wichtige Daten im Überblick
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- 1. Seit wann gibt es wieder Tarifverträge für das Friseurhandwerk in Niedersachsen?
- 2. Für wen gelten die neuen Tarifverträge?
- 3. Wann wurden die Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklärt?
- 4. Wie lange sind die aktuellen Tarifverträge gültig?
- 5. Wo kann ich die genauen Inhalte der Tarifverträge einsehen?
- 6. Was ist der Unterschied zwischen einem "Empfehlungstarifvertrag" und einem "verbindlichen Tarifvertrag"?
- 7. Welche positiven Auswirkungen haben die neuen Tarifverträge auf die Auszubildenden?
Das Ende einer sechsjährigen Durststrecke: Warum Tarifverträge so wichtig sind
Die Jahre von 2012 bis 2018 waren für das Friseurhandwerk in Niedersachsen von einer besonderen Herausforderung geprägt: Es gab keine verbindlichen Tarifverträge für Löhne und Ausbildungsvergütungen. Stattdessen mussten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf Empfehlungen verlassen, was oft zu Unsicherheit, ungleichen Bedingungen und einem scharfen Wettbewerb auf Kosten der Beschäftigten führte. Ein Tarifvertrag hingegen ist ein Vertrag zwischen den Sozialpartnern – in diesem Fall dem Landesinnungsverband des Friseurhandwerks und der Gewerkschaft ver.di –, der Arbeitsbedingungen, insbesondere Löhne und Gehälter, verbindlich regelt. Er schafft Transparenz, Planungssicherheit und schützt vor Lohndumping. Für die Angestellten bedeutet er eine faire und sichere Entlohnung, die es ihnen ermöglicht, ihre Lebenshaltungskosten zu decken und ihre Zukunft zu planen. Für die Betriebe bietet er klare Rahmenbedingungen, vermeidet unfairen Wettbewerb durch Unterbietung der Löhne und hilft, qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu halten.
Was genau wurde vereinbart? Ein Blick auf die neuen Regelungen
Die Einigung zwischen dem Landesinnungsverband und der Gewerkschaft ver.di umfasst zwei zentrale Tarifverträge, die beide am 28. Mai 2018 unterzeichnet wurden und rückwirkend zum 1. August 2018 in Kraft traten:
- Der Entgelttarifvertrag für Arbeitnehmer/innen: Dieser Vertrag legt die Mindestlöhne und Gehaltsstrukturen für alle angestellten Friseurinnen und Friseure im Lande Niedersachsen fest. Dies bedeutet, dass qualifizierte Fachkräfte nun endlich wieder eine klare Basis für ihre Verdienstmöglichkeiten haben, die über bloße Empfehlungen hinausgeht und rechtlich einklagbar ist.
- Der Tarifvertrag über Ausbildungsvergütungen: Dieser Vertrag regelt die Vergütung für Auszubildende im Friseurhandwerk. Eine faire Ausbildungsvergütung ist essenziell, um junge Menschen für den Beruf zu begeistern und ihnen eine solide finanzielle Grundlage während ihrer Ausbildung zu bieten. Dies ist ein entscheidender Schritt, um den Fachkräftenachwuchs in der Branche zu sichern und die Attraktivität des Friseurberufs zu steigern.
Beide Verträge sind ein starkes Signal für die Wertschätzung des Friseurhandwerks und seiner Beschäftigten. Sie sorgen dafür, dass die Arbeit der Friseurinnen und Friseure angemessen entlohnt wird und die Betriebe auf einer fairen Grundlage miteinander konkurrieren können.
Die Bedeutung der Allgemeinverbindlichkeit: Ein Wendepunkt für die Branche
Ein besonders wichtiger Aspekt der neuen Tarifverträge ist die Erteilung der Allgemeinverbindlichkeit. Ursprünglich galten die Tarifverträge nur für Betriebe, die Mitglied in einer Friseurinnung sind, und für Beschäftigte, die Mitglied der Gewerkschaft ver.di sind. Dies ist die übliche Regelung bei Tarifverträgen. Das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung hat jedoch auf Antrag der Sozialpartner die Allgemeinverbindlichkeit für beide Verträge erteilt:
- Für den Entgelttarifvertrag zum 23. Oktober 2018.
- Für den Tarifvertrag über Ausbildungsvergütungen zum 18. Oktober 2018.
Was bedeutet dies konkret? Die Allgemeinverbindlichkeit erweitert den Geltungsbereich der Tarifverträge auf alle Betriebe und alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Friseurhandwerk in Niedersachsen, unabhängig davon, ob sie Mitglied in einer Innung oder Gewerkschaft sind. Dies ist ein entscheidender Schritt, da er Lohndumping wirksam bekämpft und gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle schafft. Kein Betrieb kann sich mehr durch die Zahlung niedrigerer Löhne einen unfairen Vorteil verschaffen. Dies fördert nicht nur die Gerechtigkeit für die Beschäftigten, sondern stabilisiert auch die gesamte Branche und sorgt für eine höhere Qualität und Professionalität.
Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber
Die neuen Tarifverträge bringen eine Vielzahl von Vorteilen mit sich, die sowohl den Arbeitnehmern als auch den Arbeitgebern zugutekommen:
Für Arbeitnehmer:
- Transparenz und Sicherheit: Klares Wissen über die zu erwartende Entlohnung.
- Gerechtere Bezahlung: Deutlich mehr Geld im Portemonnaie ab dem 1. August 2018.
- Verbesserte Arbeitsbedingungen: Tarifverträge regeln oft nicht nur Löhne, sondern auch andere Arbeitsbedingungen, was zu einer besseren Work-Life-Balance führen kann (auch wenn hier spezifische Details nicht genannt wurden, ist dies eine allgemeine Funktion von Tarifverträgen).
- Stärkung der Berufsattraktivität: Ein fairer Lohn macht den Friseurberuf attraktiver für Nachwuchskräfte.
Für Arbeitgeber:
- Planungssicherheit: Klare Kostenkalkulationen durch verbindliche Lohnstrukturen.
- Fairer Wettbewerb: Keine Unterbietung der Löhne durch Konkurrenten.
- Qualitätssicherung: Attraktion und Bindung qualifizierter Fachkräfte.
- Stärkung des Branchenimages: Ein professionelles Handwerk mit fairen Löhnen genießt ein höheres Ansehen.
Laufzeit und Zukunftsaussichten
Die neuen Tarifverträge sind seit dem 1. August 2018 gültig und haben eine Laufzeit bis zum 31. Juli 2020. Dies bedeutet, dass für diesen Zeitraum eine verbindliche Grundlage für Löhne und Ausbildungsvergütungen besteht. Die relativ kurze Laufzeit von zwei Jahren ist im Tarifgeschäft nicht ungewöhnlich und ermöglicht es den Sozialpartnern, in regelmäßigen Abständen auf wirtschaftliche Entwicklungen und die Bedürfnisse der Branche zu reagieren. Die Tatsache, dass nach sechs Jahren wieder eine Einigung erzielt und die Allgemeinverbindlichkeit durchgesetzt werden konnte, zeigt die Stärke und den Willen der Sozialpartner, das Friseurhandwerk in Niedersachsen nachhaltig zu stärken. Es ist zu erwarten, dass diese positive Entwicklung fortgesetzt wird und auch nach dem 31. Juli 2020 weitere Verhandlungen stattfinden werden, um faire und zeitgemäße Arbeitsbedingungen zu gewährleisten.

Wichtige Daten im Überblick
Um die Entwicklung der Tarifverträge besser zu verstehen, hier eine Zeittafel der entscheidenden Ereignisse:
| Datum | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| 28. Mai 2018 | Unterzeichnung der Tarifverträge | Einigung zwischen Landesinnungsverband und ver.di nach 6 Jahren. |
| 1. August 2018 | Inkrafttreten der Tarifverträge | Beginn der Gültigkeit für Innungsmitglieder und ver.di-Mitglieder. |
| 18. Oktober 2018 | Allgemeinverbindlichkeit für Ausbildungsvergütungen | Tarifvertrag für Ausbildungsvergütungen gilt für alle im Friseurhandwerk Niedersachsen. |
| 23. Oktober 2018 | Allgemeinverbindlichkeit für Entgelttarifvertrag | Entgelttarifvertrag gilt für alle im Friseurhandwerk Niedersachsen. |
| 31. Juli 2020 | Ende der Laufzeit | Die aktuelle Laufzeit der Tarifverträge endet. |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
1. Seit wann gibt es wieder Tarifverträge für das Friseurhandwerk in Niedersachsen?
Nach sechs Jahren ohne verbindliche Regelungen gibt es seit dem 1. August 2018 wieder einen Entgelttarifvertrag und einen Tarifvertrag über Ausbildungsvergütungen für das Friseurhandwerk in Niedersachsen.
2. Für wen gelten die neuen Tarifverträge?
Ursprünglich galten die Tarifverträge für Arbeitgeber, die Mitglied in einer Innung sind, und für Beschäftigte bzw. Auszubildende, die ver.di-Mitglied sind. Durch die erteilte Allgemeinverbindlichkeit gelten sie jedoch nun für alle Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Friseurhandwerk in Niedersachsen, unabhängig von ihrer Mitgliedschaft.
3. Wann wurden die Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklärt?
Das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung hat die Allgemeinverbindlichkeit für den Entgelttarifvertrag zum 23. Oktober 2018 und für den Tarifvertrag über Ausbildungsvergütungen zum 18. Oktober 2018 erteilt.
4. Wie lange sind die aktuellen Tarifverträge gültig?
Die Tarifverträge, die am 1. August 2018 in Kraft traten, haben eine Laufzeit bis zum 31. Juli 2020.

5. Wo kann ich die genauen Inhalte der Tarifverträge einsehen?
Die Druckwerke der Tarifverträge wurden an die Kreishandwerkerschaften/Innungen versandt und können dort von Innungsmitgliedern bezogen werden. Darüber hinausgehende Bedarfe können beim Landesinnungsverband bestellt werden.
6. Was ist der Unterschied zwischen einem "Empfehlungstarifvertrag" und einem "verbindlichen Tarifvertrag"?
Ein Empfehlungstarifvertrag ist, wie der Name schon sagt, nicht rechtlich bindend. Die darin enthaltenen Regelungen sind lediglich Vorschläge. Ein verbindlicher Tarifvertrag hingegen ist ein rechtsgültiger Vertrag, dessen Bestimmungen von den beteiligten Parteien (und im Falle der Allgemeinverbindlichkeit von allen Betrieben und Arbeitnehmern im Geltungsbereich) eingehalten werden müssen.
7. Welche positiven Auswirkungen haben die neuen Tarifverträge auf die Auszubildenden?
Die Auszubildenden erhalten nun eine verbindlich geregelte und faire Vergütung, die ihre Ausbildung finanziell absichert. Dies erhöht die Attraktivität des Friseurberufs für junge Menschen und trägt zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses bei.
Die Wiedereinführung und vor allem die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge sind ein starkes Zeichen für die Professionalisierung und Stärkung des Friseurhandwerks in Niedersachsen. Sie schaffen eine Grundlage für fairen Wettbewerb, gerechte Entlohnung und eine positive Zukunft für alle Beteiligten in dieser wichtigen Branche.
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Friseurhandwerk Niedersachsen: Neue Ära kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Haarpflege besuchen.
