13/10/2018
In einer Welt, in der chemische Haarfärbemittel oft mit Kompromissen für die Haargesundheit einhergehen, gewinnt eine alte Tradition wieder an Bedeutung: das Färben mit Henna. Henna, gewonnen aus den Blättern des Hennastrauchs (Lawsonia inermis), ist weit mehr als nur ein Farbstoff. Es ist eine natürliche Alternative, die nicht nur faszinierende Farbergebnisse liefert, sondern auch das Haar pflegt und stärkt. Tauchen Sie ein in die Welt des Hennas und entdecken Sie, wie diese sanfte Methode Ihrem Haar zu neuem Leben verhelfen kann.

Was ist Henna und wie wirkt es?
Henna ist ein pflanzliches Pulver, das aus den getrockneten und gemahlenen Blättern des Hennastrauchs gewonnen wird. Der Hauptfarbstoff in Henna ist Lawson, der sich mit dem Keratin des Haares verbindet. Im Gegensatz zu chemischen Haarfarben, die in die Haarstruktur eindringen und die natürliche Pigmentierung verändern, legt sich Henna wie ein Schutzfilm um jedes einzelne Haar. Dieser schützende Mantel versiegelt die Schuppenschicht des Haares, was zu mehr Glanz, Volumen und einer spürbar verbesserten Haarstruktur führt. Es ist wichtig zu beachten, dass in Deutschland Henna offiziell primär als Haarfärbemittel zugelassen ist, oft in Kombination mit PPD (Paraphenylendiamin) für spezifische Farbtöne. Reines Henna ohne unerwünschte Zusatzstoffe ist jedoch die bevorzugte Wahl für eine schonende Anwendung.
Henna vs. Chemische Haarfarben: Ein Vergleich
Die Entscheidung zwischen chemischen und natürlichen Haarfarben ist oft eine Frage der Prioritäten. Während chemische Färbemittel eine breite Farbpalette und präzise Ergebnisse bieten, gehen sie oft mit einer Belastung für Haar und Umwelt einher. Henna hingegen punktet mit seiner natürlichen Zusammensetzung und seinen pflegenden Eigenschaften.
| Merkmal | Chemische Haarfarben | Henna-Haarfarbe |
|---|---|---|
| Wirkungsweise | Dringt in Haarstruktur ein, verändert Pigmente | Legt sich als Schutzfilm um das Haar |
| Haargesundheit | Kann Haare schädigen, austrocknen, Struktur verändern | Stärkt und pflegt das Haar, verleiht Glanz |
| Farbpalette | Sehr breit, präzise Farbtöne | Natürliche, individuelle Farbergebnisse, weniger Vielfalt |
| Grauabdeckung | Vollständige, oft uniforme Abdeckung | Gute Abdeckung, erzeugt natürliche Reflexe |
| Inhaltsstoffe | Chemische Substanzen, Ammoniak, PPD etc. | Pflanzlich, Gerbstoffe, (Vorsicht bei Zusätzen) |
Die Vorteile von Henna-Haarfarbe im Detail
Die Liste der Vorteile von Henna ist beeindruckend und erklärt, warum immer mehr Menschen auf diese natürliche Färbemethode setzen:
- Hennafarbe dringt nicht in die Haarstruktur ein, sondern umhüllt sie.
- Sie legt sich wie ein schützender Film um jedes einzelne Haar, der es vor äußeren Einflüssen schützt.
- Mit Henna gefärbte Haare wirken dicker und kräftiger.
- Die Haare erhalten neue Spannkraft und Elastizität.
- Es führt zu deutlich mehr Volumen und Fülle im Haar.
- Henna wirkt sich positiv auf die Schuppenschicht der Haare aus, da es Gerbstoffe enthält, die das Zusammenziehen der Schuppenschicht bewirken.
- Aufgerautes Haar wird geglättet und wirkt sofort gesünder.
- Die Haarfarbe passt sich der individuellen Haarfarbe an und wirkt dadurch niemals unnatürlich.
- Es ist eine sanfte Alternative, die das Haar nicht schädigt.
Wie Henna dem Haar hilft, gesund zu werden
Jedes Haar ist von einer Schuppenschicht umgeben, die es vor Umwelteinflüssen schützt. Ist diese Schuppenschicht beschädigt, kann das Haar brüchig werden oder schädliche Stoffe können eindringen. Hennafarbe enthält Gerbstoffe, die bewirken, dass sich die Schuppenschicht zusammenzieht. Dadurch wird aufgerautes Haar geglättet und erhält eine neue Schutzschicht. Das Haar wirkt sofort gesünder, glänzender und ist widerstandsfähiger. Neben der neuen Farbe erhält das Haar auch mehr Volumen und wird leichter frisierbar. Für diejenigen, die ihre Haare nicht färben, aber dennoch die pflegenden Eigenschaften von Henna nutzen möchten, gibt es farbloses oder neutrales Henna. Dies wirkt wie eine intensive Haarkur.
Die richtige Henna-Haarfarbe finden und anwenden
Henna-Haarfarbe ist in verschiedenen Ausführungen erhältlich und passt sich individueller an die persönliche Haarfarbe an als chemische Produkte. Da die eigene Haarfarbe nicht ersetzt, sondern lediglich in ihrer Strahlkraft unterstrichen wird, sieht mit Henna gefärbtes Haar stets natürlich aus. Auch wenn die Farbpalette von Henna nicht so vielfältig ist wie die chemischer Haarfarben, ist dies nicht notwendig, da die Ergebnisse einzigartig und lebendig sind.

Um den gewünschten Farbton zu erzielen, ist es ratsam, die Mischung und Einwirkzeit an einer einzelnen Haarsträhne zu testen. Das Ergebnis hängt stark von Ihrer Haarstruktur und Ihrer natürlichen Haarfarbe ab. Chemisch vorbehandeltes Haar (gefärbt oder dauergewellt) kann anders reagieren als unbehandeltes Haar und die Farbe ungleichmäßiger aufnehmen. Auf grauen Haaren lassen sich jedoch spektakuläre Farbergebnisse erzielen; sie ergeben tolle hellere Farbreflexe, die das Gesamtbild natürlich und lebendig wirken lassen.
Mischungsverhältnis und Einwirkzeit
Natürliche Haarfarben glänzen in allen Schattierungen und Reflexen. Dieses Ergebnis lässt sich nur mit natürlichen Färbemitteln wie Henna erzielen. Durch Variation des Mischungsverhältnisses und der Einwirkzeit kann das Farbergebnis beeinflusst werden. Je heller der Ausgangston, desto kürzer die Einwirkzeit. Dunkles Haar benötigt wesentlich länger, um die gewünschten Farbtöne anzunehmen. Hellblondes Haar kann schon nach fünf bis zehn Minuten intensiv rotblond werden. Intensives Karottenrot erhält man meist nur, wenn die Haare zuvor blondiert waren oder die Hennafarbe auf hellblondem Haar sehr lange einwirken gelassen wird.
Grundrezept für Rote Henna-Haarfarbe
Dieses Rezept ist eine gute Basis für halblanges Haar:
Zutaten:
- 1 Tasse rot färbendes Hennapulver
- 1 EL Olivenöl
- Ausreichend Wasser
Anleitung:
- Zunächst das Olivenöl leicht erwärmen.
- Gib das Öl zusammen mit dem Hennapulver in eine Porzellanschüssel.
- Rühre die beiden Zutaten zu einem dickflüssigen Brei zusammen.
- Anschließend nach und nach etwas Wasser einrühren, bis eine geschmeidige, aber nicht zu flüssige Paste entsteht, die sich gut auftragen lässt und nicht tropft.
- Reste können leider nicht aufbewahrt werden.
Natürliche Haarfarbe mit Henna in 4 Schritten
- Vorbereitung: Wasche deine Haare und trockne sie handtuchtrocken. Schütze deine Hände mit Handschuhen und trage eine Fettcreme entlang des Haaransatzes auf die Haut auf, um Verfärbungen zu vermeiden.
- Auftragen: Trage die Hennapaste mit einem Pinsel ins handtuchtrockene Haar auf. Wenn du zum ersten Mal mit Henna färbst, beginne am Haaransatz und arbeite dich dann zu den Längen vor. Bei einer Nachfärbung konzentriere dich nur auf die Ansätze. Beim Ausspülen wird genügend Farbe an die Längen abgegeben, um diese aufzufrischen. Kämme die Haare gut durch, um die Farbe optimal zu verteilen.
- Einwirken lassen: Wickle ein altes Handtuch, eine Plastik- oder Alufolie um den Kopf. Wärme verstärkt die Färbe- und Pflegewirkung der Hennapaste, halte den Kopf also warm. Die Einwirkzeit variiert je nach gewünschter Farbintensität und Haartyp.
- Ausspülen: Wenn die gewünschte Einwirkzeit erreicht ist, spüle den Farbbrei gründlich mit viel klarem Wasser aus, bis keine Farbreste mehr im Spülwasser zu sehen sind. Eine kurze Spülung mit kaltem Wasser zum Schluss hilft, die Schuppenschicht zusammenzuziehen, wodurch das Haar glatter wirkt und die Farbe länger hält.
Farbreflexe mit natürlichen Zusätzen
Durch das Beimischen bestimmter Zutaten zum roten Hennapulver kann das Farbergebnis beeinflusst werden. Viele Pflanzenstoffe enthalten natürliche Pigmente, die wunderbar mit Henna harmonieren und Ihrem Haar einzigartige Nuancen verleihen:
- Heidelbeeren: Verleihen Ihrem Haar ein sattes Rot mit einem leichten Blauton.
- Krappwurzel: Bringt ein sanftes Mittelblond hervor.
- Rotes Sandelholz: Zaubert in dunkles Haar rotbraune Reflexe.
- Rhabarber: Gibt blondem Haar einen tollen Goldton und pflegt zusätzlich mit Vitaminen und Gerbstoffen.
- Kamille: Hellt blondes Haar leicht auf und verleiht goldene Reflexe.
- Gemahlener Kaffee: Zaubert tolle braune Reflexe in das Hennarot und lässt es dunkler wirken.
Zusätzlich können weitere pflegende Stoffe beigefügt werden:
- Kamillentee: Lässt helles Henna goldener wirken.
- Olivenöl: Ein Schuss Olivenöl pflegt trockenes Haar und Spitzen intensiv.
- Joghurt: Pflegt das Haar beim Färben und wirkt wie eine Feuchtigkeitskur.
- Schwarzer Tee: Lässt das Rot dunkler ausfallen.
- Rotwein: Lässt rotes Henna dunkler und den Farbton tiefer erscheinen, besonders gut bei braunem Haar.
- Ätherisches Öl: Macht das Färben zu einer angenehmen Aroma-Therapie.
Rezept für eine Henna-Haarkur
Um strapaziertes Haar zu pflegen und ihm neue Lebendigkeit zu verleihen, können Sie folgende Kur ausprobieren, auch wenn Sie Ihre Haare nicht färben möchten:
Zutaten:
- 8 EL neutrales Hennapulver (farblos)
- 1 EL Hochwertiges Olivenöl oder Avocadoöl
- Spritzer Zitronensaft
- 1 Eigelb
- 250 ml destilliertes Wasser oder schwarzer Tee
Anleitung:
- Bringen Sie das destillierte Wasser (oder den schwarzen Tee) zum Kochen und gießen Sie es über das Hennapulver. Lassen Sie die Mischung mindestens 15 Minuten quellen.
- Anschließend das Öl und das Eigelb hinzugeben und gut verrühren.
- Sobald der Brei eine tropffreie Konsistenz hat, tragen Sie ihn auf Ihr handtuchtrockenes, gewaschenes Haar auf.
- Umwickeln Sie das Haar danach mit einem Handtuch oder Frischhaltefolie.
- Die Einwirkzeit sollte mindestens 20 Minuten betragen.
- Anschließend alles gründlich ausspülen.
Achtung bei fertig gekauften Henna-Haarfarben!
Im Handel gibt es eine große Auswahl an fertigen Henna-Haarfarben. Hier ist besondere Vorsicht geboten: Achten Sie unbedingt auf die Inhaltsstoffe! Viele fertige Mischungen enthalten synthetische Zusätze wie PPD oder Metallsalze, die die pflegende Wirkung des ursprünglichen Hennas zerstören oder sogar allergische Reaktionen hervorrufen können. Solche Produkte gehören nicht auf die Haut – auch nicht auf die Kopfhaut. Achten Sie auf Naturkosmetik- und BIO-Siegel und bevorzugen Sie reine Henna-Naturprodukte ohne Zusätze. Hersteller wie Khadi, Sante und Logona bieten beispielsweise reine Henna-Haarfarben an.
Häufig gestellte Fragen zur Henna-Haarfarbe
Hier finden Sie Antworten auf die gängigsten Fragen rund um das Thema Henna und Haarefärben:
Welche Henna-Haarfarbe sollte ich verwenden?
Beim Kauf von Henna-Haarfarben sollten Sie unbedingt darauf achten, dass es reines Henna enthält. Vielen fertigen Mischungen sind synthetische Stoffe zugesetzt, die die pflegende Wirkung des ursprünglichen Hennas zerstören. Lassen Sie die Finger von solchen Produkten. Am besten achten Sie bei fertigen Mischungen und Haarfarben auf das Naturkosmetik-Symbol oder kaufen reines Hennapulver zum Selbstanmischen.

Kann ich graue Haare mit Henna färben?
Ja, unbedingt! Auf grauen Haaren lassen sich spektakuläre Farbergebnisse erzielen. Die Hennafarbe ist auch für graue Haare geeignet und bietet eine gute Grauabdeckung. Trotz grauer und weißer Haare ergibt Henna-Haarfarbe tolle Farbreflexe im Haar. Dadurch sieht das Haar leicht gesträhnt aus und wirkt natürlicher und lebendiger.
Kann ich chemisch gefärbte Haare mit Henna färben?
Chemisch gefärbte Haare profitieren von der pflegenden Wirkung von Henna. Es kann jedoch vorkommen, dass chemisch behandelte Haare in ihrer Struktur kaputt sind und so die Farbe unregelmäßig aufnehmen. Hier empfiehlt es sich, vor dem Färben eine farblose Hennapackung aufzutragen. So wird durch eine Filmbildung verhindert, dass die Haare partiell zu viel Farbe aufnehmen. Das Ergebnis wird gleichmäßiger. Aber Vorsicht: Dies funktioniert nicht mit herkömmlichen Pflegekuren, da diese oft Silikone enthalten, welche verhindern, dass Henna sich um die Haare legen kann.
Ich habe noch altes Hennapulver – wie lange kann ich das verwenden?
Hennapulver sieht man seine färbende Wirkung nicht direkt an. Frisches Hennapulver ist grünlich. Ist Ihr Hennapulver bereits bräunlich verfärbt, ist es schon älter und färbt nicht mehr richtig. Kaufen Sie sich in diesem Fall lieber eine neue Packung, um ein optimales Farbergebnis zu erzielen.
Wie bekomme ich Henna-Haarfarbe wieder raus?
Wenn das Ergebnis einmal nicht so geworden ist, wie Sie es sich gewünscht haben, müssen Sie sich nicht damit abfinden. Es ist möglich, erneut mit Hennapulver zu färben, einen anderen Farbton oder ein anderes Mischungsverhältnis zu wählen. Dem Haar schadet eine erneute Anwendung nicht. Ferner kann man eine missratene Tönung mit einer Öl-Intensivpackung wieder entfernen. Bitte greifen Sie nicht zu chemischen Bleich- oder Entfärbemitteln, da diese Ihr Haar nur unnötig und nachhaltig schädigen würden.
Intensivpackung zum Entfernen von Henna-Haarfarbe:
Zutaten:
- 50 ml Olivenöl
- 5 ml Klettwurzelextrakt
- 3 g Cetylalkohol (als Emulgator, in Apotheken erhältlich)
- 1 g Kurquat KDM (als Konditionierer, in Apotheken oder Online-Shops für Kosmetikrohstoffe erhältlich)
- 3 Tropfen Zitronensaftkonzentrat
- 5 Tropfen ätherisches Öl (z.B. Lavendel oder Rosmarin)
- 85 ml destilliertes Wasser
Anleitung:
- Zuerst das Olivenöl großzügig in Ihr Haar geben und einwirken lassen.
- Währenddessen die Packung vorbereiten: Erhitzen Sie das Wasser, den Cetylalkohol und Kurquat in einem Topf auf etwa 85 Grad Celsius.
- Den Topf vom Herd nehmen, gut umrühren und das Klettwurzelextrakt zugeben.
- Nachdem der Brei abgekühlt ist, können Sie das ätherische Öl und den Zitronensaft hinzufügen.
- Anschließend die Packung auf das eingeölte Haar geben und für mindestens 20 Minuten einwirken lassen.
- Abschließend alles gründlich ausspülen. Wenn noch immer Farbe im Haar ist, können Sie diese Packung wiederholen, bis die Farbe verschwunden ist.
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Henna: Natürliche Schönheit für Ihr Haar kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Haarpflege besuchen.
