Was ist der Unterschied zwischen chemischer und dauerhafte Haarglättung?

Chemische vs. Dauerhafte Haarglättung

28/12/2019

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Der Wunsch nach glattem, seidigem Haar ist für viele Menschen eine treibende Kraft, die sie dazu bringt, verschiedene Haarglättungsmethoden zu erforschen. Von temporären Lösungen wie Glätteisen bis hin zu langfristigen Behandlungen, die eine dauerhafte Veränderung versprechen, ist der Markt vielfältig. Doch zwei der populärsten und oft verwechselten Methoden sind die chemische Haarglättung und die dauerhafte Haarglättung, die auch als thermische oder japanische Haarglättung bekannt ist. Obwohl beide darauf abzielen, lockiges oder welliges Haar zu glätten, unterscheiden sie sich grundlegend in ihrer Wirkungsweise, Dauerhaftigkeit und den potenziellen Auswirkungen auf das Haar. Das Verständnis dieser Unterschiede ist entscheidend, um die richtige Entscheidung für Ihre Haarbedürfnisse und -gesundheit zu treffen. Tauchen wir ein in die Welt der Haarglättung und beleuchten wir die Feinheiten dieser beiden mächtigen Transformationen.

Was ist der Unterschied zwischen chemischer und dauerhafte Haarglättung?
Inhaltsverzeichnis

Was ist chemische Haarglättung?

Die chemische Haarglättung, oft auch als Relaxing oder Haarentspannung bezeichnet, ist eine Methode, die darauf abzielt, die natürliche Struktur von lockigem oder krausem Haar durch den Einsatz starker chemischer Mittel aufzubrechen. Das Hauptziel ist es, die Disulfidbrücken im Haar dauerhaft zu verändern, die für die Lockenbildung verantwortlich sind. Diese Methode wird typischerweise mit Produkten durchgeführt, die alkalische Chemikalien wie Natriumhydroxid (Lye Relaxer) oder Guanidiniumhydroxid (No-Lye Relaxer) enthalten. Lye Relaxer sind sehr stark und wirken schnell, sind aber auch potenziell aggressiver für die Kopfhaut und das Haar. No-Lye Relaxer gelten als milder, können aber dennoch austrocknend wirken.

Der Prozess beginnt mit dem Auftragen des chemischen Glättungsmittels auf das Haar. Dieses Mittel dringt in die Haarfaser ein und schwächt die Schwefelbrücken, die die Haarstruktur zusammenhalten. Sobald diese Bindungen gelockert sind, wird das Haar mechanisch gestreckt, oft mit einem Kamm, um es in eine glatte Form zu bringen. Nach einer bestimmten Einwirkzeit, die sorgfältig überwacht werden muss, um Schäden zu vermeiden, wird das Produkt gründlich ausgespült. Anschließend wird oft ein neutralisierendes Shampoo verwendet, um den chemischen Prozess zu stoppen und den pH-Wert des Haares wiederherzustellen. Das Ergebnis ist deutlich glatteres Haar, das jedoch aufgrund des chemischen Eingriffs und der mechanischen Beanspruchung oft anfälliger für Trockenheit und Bruch ist.

Die Haltbarkeit einer chemischen Haarglättung ist nicht absolut dauerhaft, da nur das behandelte Haar glatt bleibt. Das nachwachsende Haar behält seine natürliche Textur. Daher sind regelmäßige Nachbehandlungen am Ansatz notwendig, typischerweise alle 8-12 Wochen, abhängig von der Wachstumsgeschwindigkeit des Haares. Eine unsachgemäße Anwendung oder zu häufige Behandlungen können zu erheblichen Haarschäden, Haarbruch und Irritationen der Kopfhaut führen. Daher ist es essentiell, diese Behandlung nur von erfahrenen Fachleuten durchführen zu lassen.

Was ist dauerhafte Haarglättung (Thermische/Japanische Haarglättung)?

Die dauerhafte Haarglättung, oft auch als thermische Rekonstruktion, japanische Haarglättung oder Rebonding bezeichnet, ist eine fortschrittlichere Methode, die eine tatsächlich dauerhafte Glättung des behandelten Haares verspricht. Im Gegensatz zur chemischen Glättung, die primär auf chemische Veränderungen setzt, kombiniert die dauerhafte Haarglättung chemische Mittel mit intensiver Hitze, um die Haarstruktur neu zu formen und zu fixieren.

Der Prozess ist komplex und zeitaufwendig, kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Zuerst wird eine spezielle Glättungscreme, die in der Regel Thiol-Verbindungen enthält, auf das Haar aufgetragen. Diese Creme bricht die Disulfidbrücken im Haar auf ähnliche Weise wie bei der chemischen Glättung. Nach einer sorgfältig kontrollierten Einwirkzeit wird das Haar gründlich gespült und anschließend föhngetrocknet. Der entscheidende Schritt folgt nun: Das Haar wird in sehr feinen Strähnen mit einem speziellen, auf hoher Temperatur eingestellten Glätteisen geglättet. Diese Hitze fixiert die neu geformten Bindungen im Haar und macht das Haar dauerhaft glatt und oft spiegelglänzend. Nach dem Glätten wird ein Neutralisator aufgetragen, der die neuen Disulfidbrücken im Haar fixiert und den Glättungsprozess abschließt. Das Haar wird erneut gespült und gepflegt.

Das Ergebnis der dauerhaften Haarglättung ist in der Regel ein sehr glattes, glänzendes und oft seidig fallendes Haar. Das behandelte Haar bleibt permanent glatt. Wie bei der chemischen Glättung wächst jedoch das natürliche Haar am Ansatz nach, was bedeutet, dass für ein durchgehend glattes Aussehen regelmäßige Nachbehandlungen am Ansatz erforderlich sind, normalerweise alle 4-6 Monate, je nach Haarwachstum. Diese Methode gilt als weniger schädlich für das Haar als aggressive chemische Relaxer, da die Neutralisierung und Fixierung der Bindungen präziser ist, erfordert aber dennoch höchste Präzision und Fachkenntnis des Friseurs, um Hitzeschäden zu vermeiden. Eine falsche Anwendung kann zu extremen Haarschäden führen.

Hauptunterschiede im Überblick

Um die Entscheidung zwischen diesen beiden Methoden zu erleichtern, ist es hilfreich, ihre Hauptunterschiede in einer übersichtlichen Form zu betrachten:

MerkmalChemische Haarglättung (Relaxing)Dauerhafte Haarglättung (Thermische/Japanische Glättung)
WirkungsweiseBricht Disulfidbrücken chemisch auf und glättet das Haar mechanisch.Bricht Disulfidbrücken chemisch auf und fixiert die neue, glatte Form mittels Hitze (Glätteisen) und Neutralisator.
DauerhaftigkeitNicht dauerhaft; das behandelte Haar bleibt glatt, aber die Wirkung lässt nach und das Haar kann sich wieder wellen. Das nachwachsende Haar ist natürlich.Dauerhaft für das behandelte Haar; das Haar bleibt glatt, bis es herauswächst oder geschnitten wird. Das nachwachsende Haar ist natürlich.
ChemikalienStarke alkalische Relaxer (Natriumhydroxid, Guanidiniumhydroxid).Thiol-Verbindungen (mildere Chemie als Relaxer), in Kombination mit Neutralisator.
HitzeverwendungMinimal oder keine Hitze während des Prozesses.Intensive Hitze durch Glätteisen ist ein zentraler Bestandteil des Prozesses.
ErgebnisGlatteres Haar, oft mit mehr Volumen oder "Frizz". Kann manchmal weniger "natürlich" wirken.Sehr glattes, glänzendes, oft spiegelglattes Haar. Wirkt oft sehr "gerade" und flach am Ansatz.
Prozessdauer1-3 Stunden.3-8 Stunden, je nach Haarlänge und -dichte.
KostenIn der Regel günstiger pro Behandlung.Teurer aufgrund des komplexeren Prozesses und der benötigten Expertise.
NachbehandlungRegelmäßige Ansatzbehandlungen (alle 8-12 Wochen).Regelmäßige Ansatzbehandlungen (alle 4-6 Monate).
HaartypenEher für sehr krauses, stark gelocktes Haar.Für welliges bis mäßig gelocktes Haar; nicht ideal für sehr feines oder extrem stark geschädigtes Haar.
Potenzielle SchädenAustrocknung, Haarbruch, Kopfhautverbrennungen bei falscher Anwendung.Hitzeschäden, Haarbruch, wenn nicht korrekt oder an ungeeignetem Haar angewendet.

Die Wahl der richtigen Methode: Was ist zu beachten?

Die Entscheidung zwischen chemischer und dauerhafter Haarglättung sollte nicht leichtfertig getroffen werden. Verschiedene Faktoren müssen berücksichtigt werden, um sicherzustellen, dass Sie die beste Option für Ihr Haar und Ihre Lebensweise wählen:

  • Haartyp und -zustand: Ist Ihr Haar fein, dick, geschädigt, gefärbt oder chemisch vorbehandelt? Stark geschädigtes Haar ist für beide Behandlungen ungeeignet. Feines Haar könnte unter der intensiven Hitze der dauerhaften Glättung leiden, während sehr dickes, krauses Haar möglicherweise eine stärkere chemische Glättung benötigt.
  • Gewünschtes Ergebnis: Möchten Sie perfekt glattes, spiegelglänzendes Haar oder reicht Ihnen eine Reduzierung von Locken und Frizz? Die dauerhafte Glättung liefert oft ein sehr gerades, fast künstliches Ergebnis, während die chemische Glättung je nach Produkt und Anwendung ein weicheres, aber immer noch glatteres Aussehen erzielen kann.
  • Budget und Zeit: Dauerhafte Glättungen sind in der Regel teurer und zeitaufwendiger in der Durchführung. Bedenken Sie auch die Kosten und den Zeitaufwand für die regelmäßigen Nachbehandlungen.
  • Pflegeaufwand: Obwohl beide Methoden den täglichen Styling-Aufwand reduzieren, erfordern sie eine spezielle Nachpflege, um die Haargesundheit zu erhalten.
  • Professionelle Beratung: Der wichtigste Schritt ist eine umfassende Beratung durch einen erfahrenen Friseur. Ein Profi kann Ihren Haartyp, seinen Zustand und Ihre Erwartungen beurteilen und die am besten geeignete Methode empfehlen. Er kann auch auf mögliche Risiken hinweisen und eine Teststrähne durchführen.

Nachbehandlung und Pflege von geglättetem Haar

Unabhängig davon, für welche Glättungsmethode Sie sich entscheiden, ist die richtige Nachbehandlung und Pflege von entscheidender Bedeutung, um die Langlebigkeit des Ergebnisses zu gewährleisten und Haarschäden zu minimieren. Geglättetes Haar ist chemisch behandelt und daher anfälliger für Trockenheit und Bruch.

  • Vermeiden Sie das Waschen oder Binden des Haares: Nach der Behandlung sollte das Haar für mindestens 48-72 Stunden nicht gewaschen, gebunden oder hinter die Ohren gesteckt werden, um die neue Struktur vollständig fixieren zu lassen.
  • Verwenden Sie spezielle Produkte: Investieren Sie in sulfat- und parabenfreie Shampoos und Conditioner, die speziell für chemisch behandeltes oder geglättetes Haar entwickelt wurden. Diese Produkte helfen, die Feuchtigkeit zu bewahren und die Haarfaser zu stärken.
  • Feuchtigkeit spenden: Regelmäßige Haarmasken und Leave-in-Conditioner sind unerlässlich, um das Haar hydratisiert und geschmeidig zu halten. Achten Sie auf Inhaltsstoffe wie Keratin, Arganöl oder Sheabutter.
  • Hitze vermeiden: Versuchen Sie, die Verwendung von Glätteisen und Lockenstäben zu minimieren, da zusätzliche Hitze das bereits behandelte Haar weiter schädigen kann. Wenn Sie Hitze anwenden müssen, verwenden Sie immer einen Hitzeschutzspray.
  • Schonendes Kämmen: Verwenden Sie einen grobzinkigen Kamm oder eine Bürste mit weichen Borsten und kämmen Sie das Haar vorsichtig von den Spitzen zum Ansatz, um Haarbruch zu vermeiden.
  • Regelmäßiges Trimmen: Lassen Sie die Spitzen regelmäßig schneiden, um Spliss zu entfernen und das Haar gesund zu halten.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Hier sind einige häufig gestellte Fragen, die Ihnen helfen können, ein umfassenderes Bild zu bekommen:

F: Ist Haarglättung schädlich für mein Haar?
A: Jede chemische Behandlung verändert die Haarstruktur und birgt ein gewisses Risiko für Schäden. Mit professioneller Anwendung, geeigneten Produkten und sorgfältiger Nachpflege können Schäden minimiert werden. Ungeschultes Personal oder eine unsachgemäße Anwendung können jedoch zu schwerwiegenden Schäden führen.

F: Kann ich mein Haar nach der Glättung färben?
A: Es wird generell empfohlen, zwischen der Glättung und dem Färben einen Abstand von mindestens zwei Wochen einzuhalten, um das Haar nicht zu überfordern. Besprechen Sie dies unbedingt mit Ihrem Friseur, da die Haarporosität nach der Glättung verändert sein kann und die Farbe anders aufgenommen wird.

F: Wie lange hält der Glätte-Effekt wirklich an?
A: Bei der chemischen Glättung lässt der Effekt mit der Zeit nach und die behandelten Haare können wieder an Frizz und Welligkeit zunehmen, da die chemischen Bindungen schwächer werden. Bei der dauerhaften Glättung bleibt das behandelte Haar glatt, bis es herauswächst oder abgeschnitten wird. Die Dauerhaftigkeit bezieht sich hier auf die einmal behandelte Haarlänge.

F: Kann ich mein Haar zu Hause glätten?
A: Obwohl es Heimpflegeprodukte für die chemische Glättung gibt, wird dringend davon abgeraten, sie selbst anzuwenden, insbesondere bei der dauerhaften Glättung. Die Komplexität der chemischen Reaktionen und die Notwendigkeit präziser Hitzeanwendung erfordern die Expertise eines ausgebildeten Friseurs, um Schäden und ungleichmäßige Ergebnisse zu vermeiden. Die Risiken sind zu hoch.

F: Was ist, wenn mein Haar bereits geschädigt ist?
A: Wenn Ihr Haar bereits stark geschädigt, brüchig oder sehr trocken ist, sollten Sie von einer chemischen oder dauerhaften Glättung absehen. Die zusätzlichen chemischen Belastungen können den Zustand Ihres Haares drastisch verschlechtern. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf intensive Reparatur- und Feuchtigkeitspflege, bevor Sie solche Behandlungen in Betracht ziehen.

F: Gibt es sanftere Alternativen zur Glättung?
A: Ja, es gibt Keratinbehandlungen, die oft als „Brasilianische Glättung“ bezeichnet werden. Diese Behandlungen glätten das Haar nicht dauerhaft, sondern reduzieren Frizz und Welligkeit und machen das Haar leichter frisierbar. Sie sind in der Regel weniger aggressiv als chemische oder dauerhafte Glättungen und waschen sich nach einigen Monaten aus.

Fazit

Sowohl die chemische als auch die dauerhafte Haarglättung bieten effektive Wege zu glatterem Haar, doch sie sind keine universelle Lösung. Die chemische Glättung ist eine stärkere, oft aggressivere Behandlung, die Locken und Kräuseln drastisch reduziert, aber eine regelmäßige Nachbehandlung und sorgfältige Pflege erfordert, um Haarschäden zu vermeiden. Die dauerhafte Glättung hingegen bietet eine lang anhaltende, glatte Oberfläche für das behandelte Haar, erfordert jedoch einen komplexeren Prozess und ist in der Regel teurer. Die Wahl der richtigen Methode hängt stark von Ihrem individuellen Haartyp, Ihrem gewünschten Ergebnis und Ihrem Engagement für die Nachpflege ab. Letztendlich ist die Konsultation eines qualifizierten Friseurs unerlässlich, um eine fundierte Entscheidung zu treffen und sicherzustellen, dass Ihr Weg zu glattem Haar sicher und erfolgreich ist. Investieren Sie in die Gesundheit Ihres Haares, denn schön gepflegtes Haar ist immer im Trend.

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