05/06/2020
Der Besuch beim Friseur ist für viele Menschen ein fester Bestandteil ihrer Pflegeroutine und oft auch ein Moment der Entspannung und des Wohlbefindens. Doch wie nennt man diese Fachkraft eigentlich korrekt? Ist es ein Friseur, ein Coiffeur, ein Hairstylist oder gar ein Figaro? Und welche Aufgaben umfasst dieser vielseitige Beruf wirklich? In diesem Artikel tauchen wir tief in die Welt der Haarkunst ein, beleuchten die verschiedenen Begrifflichkeiten und geben Ihnen einen umfassenden Einblick in ein Handwerk, das weit mehr ist als nur das Schneiden von Haaren.

Was ist ein Coiffeur? Definition und Herkunft eines vielfältigen Berufs
Der Begriff „Coiffeur“ stammt aus dem Französischen und leitet sich von „coiffe“ ab, was so viel wie „Haube“ oder „Kappe“ bedeutet und seinen Ursprung im mittellateinischen „cofia“ sowie germanischen Wurzeln hat. Historisch gesehen war ein Coiffeur jemand, der Kopfbedeckungen oder Frisuren gestaltete, die einer Haube ähnelten. Heute ist „Coiffeur“ ein Synonym für Friseur und bezeichnet eine Fachkraft, die sich um die Pflege, das Schneiden, Färben und Stylen von Haaren kümmert. Während der Begriff „Friseur“ im deutschsprachigen Raum am weitesten verbreitet ist, findet man „Coiffeur“ insbesondere in der Schweiz, in Österreich und in Salons mit einem gewissen gehobenen oder französischen Flair. Gelegentlich werden auch scherzhafte oder künstlerische Bezeichnungen wie „Figaro“ oder Haarkünstler verwendet, die die kreative und oft auch dramatische Seite des Berufs betonen.
Die Rolle des Coiffeurs geht jedoch über das reine Handwerk hinaus. Er ist oft auch Berater, Vertrauter und Trendsetter. Prominente Beispiele wie der verstorbene Star-Friseur Udo Walz, dem Persönlichkeiten aus Deutschland und Hollywood vertrauten, zeigen die gesellschaftliche Bedeutung und das Ansehen, das dieser Beruf erreichen kann. Die Branche ist dynamisch und passt sich ständig neuen Trends und gesellschaftlichen Gegebenheiten an. So wurden Coiffeure beispielsweise während der Corona-Pandemie in Genf neben anderen Dienstleistern von Schließungen betroffen, was die Relevanz ihrer Dienstleistungen im Alltag der Menschen unterstreicht.
Die vielfältigen Aufgaben eines modernen Coiffeurs
Die Kernaufgaben eines Coiffeurs sind seit jeher das Waschen, Schneiden, Föhnen und Färben der Haare. Doch der moderne Friseurberuf ist weitaus komplexer und erfordert ein breites Spektrum an Fähigkeiten und Kenntnissen. Ein professioneller Coiffeur bietet heute eine umfassende Haarpflege und -beratung an:
- Haarwäsche und -pflege: Dies beinhaltet nicht nur das Reinigen der Haare, sondern auch die Anwendung von auf den Haartyp abgestimmten Pflegeprodukten, Kopfhautmassagen und spezielle Behandlungen für strapaziertes oder problematisches Haar.
- Haarschnitt: Das Schneiden ist die Königsdisziplin. Es erfordert Präzision, ein gutes Auge für Proportionen und die Fähigkeit, die Gesichtsform und den persönlichen Stil des Kunden zu berücksichtigen. Ob klassischer Schnitt, moderne Trendfrisur oder eine radikale Typveränderung – der Schnitt bildet die Basis für jede Frisur.
- Färben und Tönen: Von der einfachen Grauabdeckung über Strähnchen und Balayage bis hin zu komplexen Farbtechniken und Farbkorrekturen – das Färben erfordert fundiertes Wissen über Haarchemie, Farblehre und die Fähigkeit, die perfekte Nuance für den Kunden zu finden.
- Styling und Föhnen: Nach dem Schnitt und der Farbe kommt das Styling. Hierbei geht es darum, die Haare in die gewünschte Form zu bringen, sei es eine elegante Hochsteckfrisur, lockere Wellen oder ein glatter Look. Der Coiffeur beherrscht verschiedene Föhntechniken und den Einsatz von Stylingprodukten.
- Beratung: Ein wesentlicher Bestandteil des Berufs ist die individuelle Kundenberatung. Dies umfasst die Analyse des Haarzustands, die Empfehlung passender Frisuren und Farben, die Aufklärung über Haarpflege zu Hause und die Beratung zu Stylingprodukten.
- Trendwissen: Coiffeure müssen stets über aktuelle Modetrends und neue Techniken informiert sein, um ihren Kunden innovative Looks anbieten zu können. Regelmäßige Weiterbildungen sind daher unerlässlich.
- Kundenbeziehung: Viele Salons dienen als wichtige soziale Treffpunkte. Der Coiffeur pflegt oft eine langjährige Beziehung zu seinen Kunden, die auf Vertrauen und persönlicher Bindung basiert.
Friseuse, Friseurin, Coiffeuse, Hairstylistin: Ein Begriffsdschungel entschlüsselt
Wenn es um die Berufsbezeichnung für weibliche Fachkräfte im Friseurhandwerk geht, wird es oft knifflig. Während der männliche „Friseur“ unkompliziert ist, scheiden sich bei der weiblichen Form die Geister. Ist es eine „Friseuse“ oder eine „Friseurin“? Und wo passen „Coiffeuse“ und „Hairstylistin“ hine?
Friseuse vs. Friseurin: Eine Frage des Images und der Modernität
Der Duden klärt auf: „Friseuse“ ist die weibliche Form von „Friseur“, gilt aber als veraltet und wird heute hauptsächlich umgangssprachlich verwendet. Die bevorzugte und korrekte Bezeichnung ist „Friseurin“. Dieser Wandel ist vergleichbar mit der Entwicklung von der „Stewardess“ zur „Flugbegleiterin“.

Viele junge Friseurinnen distanzieren sich bewusst von der Bezeichnung „Friseuse“. Das liegt oft am negativen und klischeebehafteten Bild, das mit dem Begriff assoziiert wird: „Minirock, pinke Nägel, toupierte Tolle und ein Modegeschmack, der in den 90ern hängen geblieben ist.“ Dieses comic-hafte Image wird von vielen als abwertend empfunden und steht im Widerspruch zum professionellen Anspruch des heutigen Handwerks. Ballermann-Hits wie „10 n… Friseusen“ haben dieses zweifelhafte Bild leider noch verstärkt.
Alteingesessene Handwerkerinnen hingegen bestehen manchmal stolz auf die Bezeichnung „Friseuse“, die für sie vielleicht eine Tradition oder die Art und Weise repräsentiert, wie sie ihren Gesellen- oder Meisterbrief erhalten haben. Denn tatsächlich stand auf älteren Prüfungsurkunden oft noch „Friseuse“, während auf neueren Dokumenten „Friseurin“ vermerkt ist.
Coiffeuse: Die französische Variante
Die weibliche Form des französischen „Coiffeur“ ist „Coiffeuse“. In Frankreich ist diese Bezeichnung gebräuchlich, doch in Deutschland ist es eher selten, dass sich eine Friseurin als „Coiffeuse“ bezeichnet, auch wenn der eine oder andere Salon den französischen Ursprung im Namen trägt.

Hairstylistin: Die moderne Profession
Um den Diskussionen um „Friseuse“ und „Friseurin“ aus dem Weg zu gehen und die umfassenderen Fähigkeiten des Berufs zu betonen, entscheiden sich viele für die Bezeichnung „Hairstylist“ oder „Hairstylistin“. Diese Begriffe mögen zwar nicht auf offiziellen Prüfungsurkunden stehen, klingen aber moderner und treffen die Dienstleistung und das Können oft besser. Das Handwerk umfasst heute deutlich mehr als nur das reine Frisieren und Haare schneiden; es beinhaltet auch Aspekte wie Beratung, Typveränderung, chemische Behandlungen und das Schaffen komplexer Looks, was die Bezeichnung „Hairstylistin“ treffender macht. Sie signalisiert ein umfassenderes Verständnis von Haarästhetik und -pflege.
Die Wahl der Berufsbezeichnung ist also oft eine Mischung aus persönlichem Geschmack, der Tradition des Salons und dem Wunsch, das eigene Handwerk und die eigene Kreativität angemessen widerzuspiegeln.
Vergleich der weiblichen Berufsbezeichnungen
| Bezeichnung | Duden-Empfehlung | Aktuelle Nutzung | Assoziationen / Image |
|---|---|---|---|
| Friseuse | Veraltet, umgangssprachlich | Selten, eher von älteren Generationen | Oft negativ, klischeebehaftet, „comic-haft“ |
| Friseurin | Empfohlen, korrekt | Weit verbreitet, bevorzugt von Fachkräften | Professionell, modern, qualifiziert |
| Coiffeuse | Nicht speziell erwähnt (französisch) | Sehr selten in Deutschland, eher in der Schweiz/Österreich | Französisches Flair, oft gehobener |
| Hairstylistin | Nicht speziell erwähnt (englischer Ursprung) | Zunehmend beliebt, besonders bei jüngeren Kräften | Modern, umfassenderes Können, international |
Die richtige Schreibweise: Friseur oder Frisör?
Die deutsche Rechtschreibung hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt, was oft zu Verwirrung führt. Glücklicherweise ist die Frage, ob „Friseur“ oder „Frisör“ richtig ist, relativ einfach zu beantworten: Beide Versionen sind korrekt!
Allerdings empfiehlt der Duden die Schreibweise mit „-eu“:
- ✓ Friseur (Duden-Empfehlung)
- ✓ Frisör
Wichtig ist lediglich, dass Sie das Wort immer mit einem normalen „-i“ schreiben. Ein langes „-ie“ wäre falsch:
- ✗ Frieseur
- ✗ Friesör
Die Existenz beider Schreibweisen ist ein Überbleibsel aus der Zeit, als das französische „-eur“ eingedeutscht wurde, teilweise mit einem saloppen „ö“. Heutzutage ist die „-eu“-Form die gängigere und von den meisten bevorzugte Variante.
Die Entwicklung des Friseurberufs: Vom Handwerk zur Kunstform
Der Friseurberuf hat sich im Laufe der Geschichte stetig weiterentwickelt. Was einst ein reines Handwerk des Haareschneidens war, ist heute eine hochspezialisierte Dienstleistung, die technisches Können, künstlerisches Talent und ein tiefes Verständnis für Ästhetik und Kundenbedürfnisse erfordert. Moderne Friseure sind nicht nur für den klassischen Haarschnitt zuständig, sondern auch für:
- Spezialtechniken: Dazu gehören Techniken wie Balayage, Ombré, innovative Strähnchentechniken, Dauerwellen, Haarglättungen oder Haarverlängerungen und -verdichtungen.
- Barbering: Insbesondere für Herren gibt es eine Renaissance des Barbierhandwerks, das neben Haarschnitten auch die professionelle Bartpflege und Rasuren umfasst.
- Haar- und Kopfhautgesundheit: Viele Coiffeure bieten spezialisierte Behandlungen und Beratungen für Haarprobleme wie Haarausfall, Schuppen oder trockene Kopfhaut an und arbeiten mit hochwertigen Pflegeprodukten.
- Styling für besondere Anlässe: Hochsteckfrisuren für Hochzeiten, Gala-Events oder andere festliche Anlässe sind ein wichtiger Bestandteil des Angebots und erfordern besondere Kreativität und Präzision.
- Kontinuierliche Weiterbildung: Um auf dem Laufenden zu bleiben und den sich ständig ändernden Modetrends gerecht zu werden, nehmen Coiffeure regelmäßig an Schulungen und Workshops teil.
Der Salon selbst hat sich ebenfalls gewandelt. Während früher die „guten alten Salons“ eine Rolle als Nahversorger spielten, gibt es heute eine Vielzahl von Konzepten, von luxuriösen Spas bis hin zu spezialisierten Boutiquen. Die Branche ist vielfältig und anpassungsfähig, was den Beruf des Coiffeurs auch in Zukunft attraktiv und unverzichtbar macht.

Häufig gestellte Fragen (FAQs) zum Coiffeur
Hier finden Sie Antworten auf einige der am häufigsten gestellten Fragen rund um den Beruf des Coiffeurs:
Was ist der Unterschied zwischen Friseur und Coiffeur?
Im Wesentlichen gibt es keinen funktionalen Unterschied. „Friseur“ ist die gebräuchlichere deutsche Bezeichnung, während „Coiffeur“ aus dem Französischen stammt und oft in der Schweiz, in Österreich oder in Salons mit einem bestimmten Stil verwendet wird. Beide bezeichnen denselben Beruf.
Warum wird „Friseuse“ nicht mehr gerne verwendet?
Der Begriff „Friseuse“ gilt als veraltet und umgangssprachlich. Viele weibliche Fachkräfte empfinden ihn als abwertend und mit einem klischeebehafteten, nicht-professionellen Image verbunden. Sie bevorzugen die moderne und korrekte Bezeichnung „Friseurin“, die ihren Beruf und ihre Qualifikation besser widerspiegelt.
Ist „Friseur“ oder „Frisör“ richtig?
Beide Schreibweisen sind korrekt. Der Duden empfiehlt jedoch die Schreibweise „Friseur“ mit „-eu“. Wichtig ist, dass Sie kein langes „-ie“ verwenden (also nicht „Frieseur“).

Was sind die Hauptaufgaben eines modernen Friseurs?
Zu den Hauptaufgaben gehören das Waschen, Schneiden, Färben und Föhnen von Haaren. Darüber hinaus bieten moderne Friseure umfassende Beratung zu Haarpflege und Styling, führen spezielle Behandlungen durch, sind über aktuelle Trends informiert und pflegen eine gute Kundenbeziehung. Der Beruf erfordert technisches Geschick, Kreativität und ein gutes Auge für Ästhetik.
Kann ich mich auch als „Hairstylist“ bezeichnen?
Ja, viele Fachkräfte verwenden die Bezeichnung „Hairstylist“ oder „Hairstylistin“, um die umfassenden Fähigkeiten und Dienstleistungen ihres Berufs widerzuspiegeln, die über das reine Schneiden hinausgehen. Obwohl es kein offizieller Titel auf Prüfungsurkunden ist, wird er von vielen als moderner und treffender empfunden.
Der Beruf des Coiffeurs, Friseurs oder Hairstylisten ist ein lebendiges und sich ständig weiterentwickelndes Handwerk. Es vereint Tradition mit Innovation, technisches Können mit künstlerischer Ausdruckskraft und ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Alltags, der nicht nur unser Äußeres, sondern oft auch unser Wohlbefinden maßgeblich beeinflusst.
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