24/10/2023
Der Traum vom Friseurberuf lockt viele junge Menschen an. Bevor es jedoch an die Schere geht und die ersten Kunden frisiert werden, führt der Weg oft über ein Praktikum. Ein Praktikum bietet eine unschätzbare Gelegenheit, den Arbeitsalltag in einem Salon kennenzulernen, erste praktische Erfahrungen zu sammeln und einen Einblick in die vielfältigen Facetten des Handwerks zu erhalten. Doch eine Frage brennt vielen angehenden Friseuren auf der Seele: Wie viel verdient man eigentlich als Praktikant?
Die Antwort auf diese Frage ist komplexer, als man zunächst annehmen mag, denn die Vergütung eines Praktikums im Friseurhandwerk kann stark variieren. Es gibt keine pauschale Regelung, die für alle Praktika gilt. Vielmehr spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle, von der Art des Praktikums über dessen Dauer bis hin zur Größe und dem Standort des Friseursalons. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Praktikumsvergütung, erklärt die zugrunde liegenden Prinzipien der Gehaltsberechnung und gibt Ihnen eine realistische Einschätzung dessen, was Sie erwarten können.

Praktikum im Friseurhandwerk: Mehr als nur Haareschneiden lernen
Ein Praktikum im Friseurhandwerk ist weit mehr als nur eine Gelegenheit, ein paar Wochen in einem Salon zu verbringen. Es ist ein erster, wichtiger Schritt in eine potenzielle Karriere. Praktikanten lernen nicht nur grundlegende Techniken wie Haarewaschen, Föhnen oder das Vorbereiten von Färbungen, sondern auch den Umgang mit Kunden, die Salonorganisation und die Bedeutung von Hygiene und Professionalität. Es geht darum, ein Gefühl für den Beruf zu entwickeln und herauszufinden, ob die Leidenschaft für Haare und Schönheit wirklich zur Berufung werden soll.
Es gibt verschiedene Arten von Praktika, die jeweils unterschiedliche Rahmenbedingungen und Erwartungen an die Vergütung mit sich bringen:
- Schülerpraktikum: Oft nur wenige Wochen lang, dient der Berufsorientierung und ist in der Regel unbezahlt.
- Freiwilliges Praktikum: Kann von einigen Wochen bis zu mehreren Monaten dauern. Die Bezahlung ist hier nicht gesetzlich vorgeschrieben, kann aber je nach Salon und Dauer variieren.
- Pflichtpraktikum: Wird im Rahmen einer Ausbildung oder eines Studiums verlangt. Auch hier ist die Vergütung nicht zwingend, aber bei längeren Pflichtpraktika ab drei Monaten kann der Mindestlohn greifen.
- Vorpraktikum für eine Ausbildung: Dient dazu, vor Beginn einer Friseurausbildung erste Erfahrungen zu sammeln. Die Vergütung ist auch hier oft gering oder nicht vorhanden.
Diese Unterscheidung ist entscheidend, wenn es um die Frage der Bezahlung geht. Denn die gesetzlichen Regelungen zum Mindestlohn greifen nicht in jedem Fall für Praktikanten.
Die Realität der Praktikumsvergütung: Was sagt das Gesetz?
In Deutschland ist der gesetzliche Mindestlohn ein wichtiger Faktor bei der Gehaltsfrage. Aktuell liegt dieser bei einem bestimmten Stundenlohn (der sich regelmäßig anpasst). Doch gilt dieser Mindestlohn auch für Praktikanten? Die Antwort ist: nicht immer.
Der Mindestlohn gilt für Praktika, die länger als drei Monate dauern und nicht verpflichtend im Rahmen einer Ausbildung oder eines Studiums vorgeschrieben sind (also freiwillige Langzeitpraktika). Für kürzere freiwillige Praktika oder für Pflichtpraktika, die in Lehrplänen vorgeschrieben sind, greift der Mindestlohn in der Regel nicht. Das bedeutet, dass viele Praktikanten im Friseurhandwerk – insbesondere Schülerpraktikanten oder solche, die nur für wenige Wochen hospitieren – entweder gar kein Gehalt oder lediglich eine geringe Aufwandsentschädigung erhalten. Diese Aufwandsentschädigung soll oft Fahrtkosten oder Verpflegung decken und liegt selten über ein paar hundert Euro im Monat, wenn überhaupt.
Es ist wichtig zu verstehen, dass ein Praktikum oft als eine Art Investition in die eigene Zukunft betrachtet wird. Die gesammelte Erfahrung und die erlernten Fähigkeiten sind in vielen Fällen wertvoller als ein hohes Gehalt in dieser Phase. Viele Salons sehen ein Praktikum als Chance, potenzielle Auszubildende zu sichten und zu fördern, und nicht primär als bezahlte Arbeitskraft.
Einflussfaktoren auf das Praktikumsgehalt
Auch wenn es keine festen Sätze gibt, beeinflussen verschiedene Aspekte, ob und wie viel ein Praktikant im Friseursalon verdienen könnte:
- Art des Praktikums: Wie bereits erwähnt, sind Pflichtpraktika und kurze freiwillige Praktika seltener vergütet als längere freiwillige Praktika.
- Dauer des Praktikums: Je länger ein Praktikum dauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Vergütung, insbesondere wenn es über die Dreimonatsgrenze für den Mindestlohn hinausgeht.
- Standort des Salons: In Ballungsgebieten und Großstädten wie München, Hamburg oder Berlin können die Lebenshaltungskosten wesentlich höher sein. Dies spiegelt sich manchmal – aber nicht immer – in einer etwas höheren Praktikumsvergütung wider, obwohl dies für Praktika weniger ausgeprägt ist als für Festanstellungen.
- Größe und Renommee des Salons: Größere oder sehr renommierte Salons haben möglicherweise eher die finanziellen Mittel, eine kleine Vergütung zu zahlen, auch wenn dies keine Garantie ist. Kleinere Salons oder Einzelbetriebe sind oft finanziell stärker eingeschränkt.
- Aufgabenbereich: Wenn Praktikanten bereits eigenständigere Aufgaben übernehmen können, die über reine Hilfstätigkeiten hinausgehen, kann dies die Argumentation für eine Vergütung stärken.
Kaufkraftberechnung verstehen: Ein Blick über die Grenzen
Die uns zur Verfügung stehenden Informationen zur Gehaltsberechnung basieren auf einem weithin anerkannten Standard der Kaufkraftberechnung. Dieses System ist darauf ausgelegt, zu ermitteln, welche Bruttoeinkommen in verschiedenen Ländern erforderlich wären, um denselben Lebensstandard oder dieselbe Kaufkraft aufrechtzuerhalten. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Berechnungen auf allgemeinen Bruttolöhnen für Berufe mit abgeschlossener Ausbildung basieren und nicht spezifisch für Praktikumsvergütungen im Friseurhandwerk. Dennoch hilft das Verständnis des Prinzips, die Relativität von Gehältern zu erfassen.
Wie funktioniert die Kaufkraftberechnung?
Der Rechner ermittelt auf Basis eines angezeigten Bruttolohns im aktuell gewählten Land den um die Kaufkraft bereinigten Lohn für andere Länder. Nehmen wir das Beispiel, das uns zur Verfügung gestellt wurde: Für einen beispielhaften Beruf mit abgeschlossener Ausbildung wird in Deutschland ein Brutto-Jahreslohn von 32.400 EUR angezeigt. Mit diesem Lohn ist eine bestimmte Kaufkraft bzw. ein gewisser Lebensstandard verbunden. Möchte man diesen Standard als Angestellter in der Schweiz halten, müsste man dort mindestens 55.728 CHF Brutto im Jahr verdienen. Dieses Beispiel zeigt, wie unterschiedlich nominale Gehälter in verschiedenen Ländern sein können, um die gleiche Lebensqualität zu gewährleisten.
Relevanz für Praktikanten:
Für Praktikanten ist diese Art der Berechnung in Bezug auf konkrete Zahlen oft weniger direkt relevant, da Praktikumsgehälter in der Regel sehr niedrig sind oder ganz entfallen. Dennoch verdeutlicht das Prinzip der Kaufkraft, dass selbst ein geringes Praktikumsgehalt in einer Region mit niedrigeren Lebenshaltungskosten einen höheren realen Wert haben könnte als ein nominell gleiches Gehalt in einer teuren Metropole. Die uns zur Verfügung gestellten Daten weisen darauf hin, dass alle Angaben Schätzwerte sind, auf Eingaben von Besuchern basieren und daher ohne Gewähr sind. Sie können teilweise deutlich von der Realität abweichen, insbesondere in Ballungsgebieten und Großstädten, wo die Lebenshaltungskosten höher sind. Für Praktikanten bedeutet dies, dass die lokalen Bedingungen und die Art des Salons die entscheidenden Faktoren für eine mögliche Vergütung sind, weit mehr als länderübergreifende Kaufkraftvergleiche für Festangestellte.
Der Wert der Erfahrung: Warum das Gehalt oft zweitrangig ist
Trotz der oft geringen oder fehlenden Vergütung ist ein Praktikum im Friseurhandwerk eine unschätzbare Investition in die eigene berufliche Zukunft. Die während des Praktikums gesammelten Erfahrungen, die erlernten Techniken und der Aufbau eines Netzwerks können Türen für eine spätere Ausbildung und Karriere öffnen. Viele Salons nutzen Praktika als verlängerte Bewerbungsgespräche. Wer sich engagiert und Talent zeigt, hat gute Chancen, nach dem Praktikum einen Ausbildungsplatz angeboten zu bekommen. In diesem Sinne ist das Praktikum ein Sprungbrett und der eigentliche „Gewinn“ liegt in der fachlichen und persönlichen Entwicklung.
Potenzielle zusätzliche Einnahmen: Trinkgelder und mehr
Obwohl ein festes Gehalt für Praktikanten selten ist, gibt es im Friseurhandwerk eine Besonderheit: das Trinkgeld. In vielen Salons ist es üblich, dass Trinkgelder, die von Kunden gegeben werden, unter dem Team aufgeteilt werden. Auch wenn Praktikanten oft nur einen geringen Anteil erhalten oder dieser für gemeinsame Kassen verwendet wird, kann dies eine kleine zusätzliche Einnahmequelle darstellen. Es ist ratsam, sich vorab im Salon über die Trinkgeldregelung zu informieren.
Tabelle: Typische Szenarien der Praktikumsvergütung im Friseurhandwerk
| Art des Praktikums | Dauer | Mindestlohn-Regelung | Typische Vergütung | Wichtige Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| Schülerpraktikum | 1-3 Wochen | Greift nicht | Unbezahlt oder geringe Aufwandsentschädigung (z.B. 50-150 EUR/Monat) | Fokus auf Berufsorientierung; oft unbezahlte Pflicht im Rahmen der Schulausbildung. |
| Freiwilliges Kurzpraktikum | Bis 3 Monate | Greift nicht | Unbezahlt oder geringe Aufwandsentschädigung | Oft zur Schnupperphase oder vor einer Ausbildung. |
| Freiwilliges Langzeitpraktikum | Mehr als 3 Monate | Greift (ab dem 1. Tag des 4. Monats) | Mindestlohn (aktueller Satz pro Stunde) oder darüber | Seltener im Friseurhandwerk, eher in kaufmännischen Berufen; kann aber vorkommen. |
| Pflichtpraktikum (Studium/Ausbildung) | Variiert | Greift nicht | Unbezahlt oder symbolische Aufwandsentschädigung | Ist Teil des Lehrplans, die Lernkomponente steht im Vordergrund. |
Häufig gestellte Fragen zum Praktikumsgehalt
1. Ist ein Praktikum im Friseurhandwerk immer unbezahlt?
Nein, nicht immer. Viele Praktika, insbesondere kürzere oder Pflichtpraktika, sind unbezahlt oder werden mit einer geringen Aufwandsentschädigung vergütet. Längere freiwillige Praktika (über 3 Monate) unterliegen jedoch dem Mindestlohn.
2. Habe ich als Praktikant Anspruch auf den Mindestlohn?
Ein Anspruch auf den Mindestlohn besteht in der Regel nur bei freiwilligen Praktika, die länger als drei Monate dauern. Für kürzere freiwillige Praktika und für Pflichtpraktika, die im Rahmen einer Schul-, Berufs- oder Hochschulausbildung absolviert werden müssen, gilt der Mindestlohn nicht.
3. Kann ich mein Praktikumsgehalt verhandeln?
Bei unbezahlten Praktika gibt es wenig Verhandlungsspielraum. Bei Salons, die eine Vergütung anbieten, kann man versuchen, eine etwas höhere Aufwandsentschädigung zu vereinbaren, aber die Möglichkeiten sind oft begrenzt. Der Fokus sollte eher auf den Lerninhalten liegen.
4. Bekomme ich als Praktikant Trinkgeld?
Das hängt von der Salonpraxis ab. In vielen Salons werden Trinkgelder gesammelt und unter dem Personal aufgeteilt. Es ist üblich, dass auch Praktikanten einen kleinen Anteil erhalten, aber dies ist nicht garantiert und sollte vorab erfragt werden.
5. Welche Vorteile hat ein Praktikum, wenn es nicht bezahlt wird?
Die Vorteile sind vielfältig: Sie sammeln praktische Erfahrungen, lernen den Salonalltag kennen, knüpfen Kontakte, verbessern Ihre Fähigkeiten und können herausfinden, ob der Beruf wirklich zu Ihnen passt. Ein erfolgreich absolviertes Praktikum ist zudem ein großer Pluspunkt in jeder Bewerbung für eine Ausbildung.
Fazit: Investition in die Zukunft
Die Frage nach dem Verdienst als Praktikant im Friseurhandwerk ist also nicht mit einer einfachen Zahl zu beantworten. Die Realität ist, dass viele Praktika, insbesondere die zur Berufsorientierung, unbezahlt sind oder nur eine geringe Aufwandsentschädigung bieten. Der Fokus liegt hier nicht auf dem Einkommen, sondern auf dem Erwerb von Wissen und Fähigkeiten.
Die Erkenntnisse aus der Kaufkraftberechnung, die für allgemeine Bruttolöhne angewendet wird, unterstreichen zwar die Bedeutung der Lebenshaltungskosten für den realen Wert eines Einkommens, sind aber für die typisch niedrigen oder nicht vorhandenen Praktikumsgehälter von untergeordneter Bedeutung. Für angehende Friseure ist das Praktikum eine unschätzbare Chance, in die Branche einzutauchen, die eigenen Talente zu entdecken und wertvolle Kontakte zu knüpfen. Es ist eine Zukunftsinvestition, die sich langfristig auszahlen kann – oft mehr durch die gewonnenen Erfahrungen und die sich eröffnenden Karrieremöglichkeiten als durch das unmittelbare Gehalt. Wer diesen Weg mit Leidenschaft und Engagement geht, legt den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere im faszinierenden Friseurhandwerk.
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