03/12/2019
Der Besuch beim Coiffeur oder im Barbershop ist für viele ein fester Bestandteil der Pflegeroutine – ein Moment der Entspannung, in dem man sich verwöhnen lässt und mit einem frischen Look nach Hause geht. Doch hinter der glänzenden Fassade und den kunstvollen Frisuren verbirgt sich eine essenzielle Komponente, die oft übersehen wird, deren Mangel jedoch gravierende Folgen haben kann: die Hygiene. Während wir uns auf den perfekten Schnitt oder die neueste Trendfrisur konzentrieren, spielen Sauberkeit und Desinfektion eine entscheidende Rolle für unsere Gesundheit und Sicherheit. Aktuelle Berichte aus der Schweiz werfen ein beunruhigendes Licht auf dieses Thema und zeigen, wie wichtig es ist, genau hinzuschauen, bevor man sich in die Hände eines Profis begibt.

Die unsichtbare Gefahr: Pilzinfektionen im Fokus
Im Kanton Basel-Landschaft schlagen die Gesundheitsbehörden Alarm: Ein ungewöhnlicher Anstieg von Hautpilzinfektionen, ausgelöst durch den Erreger Trichophyton tonsurans, beunruhigt die Bevölkerung. Besonders betroffen sind Männer mit Undercut-Frisuren. Die Ursache? Mangelnde Sauberkeit in Coiffeur- und Barbershops. Dieser Vorfall ist ein drastisches Beispiel dafür, wie schnell sich Infektionen in einem Umfeld verbreiten können, in dem Werkzeuge und Oberflächen nicht ordnungsgemäß gereinigt und desinfiziert werden. Was als harmloser Haarschnitt beginnt, kann so zu einem ernsthaften Gesundheitsrisiko werden.
Wenn die Schere zum Risiko wird: Der Fall Basel-Landschaft
Der Präsident des Schweizer Coiffeur-Verbands, Damien Ojetti, zeigt sich besorgt über das Ausmaß der Pilzverbreitung. Er weist darauf hin, dass solche Infektionen entstehen können, wenn Rasierer und Trimmer unzureichend gereinigt und desinfiziert werden – besonders kritisch wird es, wenn die Haare der Kunden vor dem Schneiden nicht gewaschen wurden. Obwohl die Ausbildung zum Coiffeur in der Schweiz strenge Hygienestandards vorschreibt, die besagen, dass Utensilien nach jedem Kundenbesuch zu reinigen und Haare stets vorab zu waschen sind, scheint dies in der Praxis nicht immer eingehalten zu werden. Ojetti betont: «Eine solche Verbreitung ist unseres Wissens nach noch nie vorgekommen.» Dies unterstreicht die Dringlichkeit, das Bewusstsein für professionelle Desinfektion und Sauberkeit in der Branche zu schärfen.
Ein brisanter Mangel: Die Lizenzfrage in der Schweiz
Einer der Hauptgründe für die mangelnde Hygiene in einigen Betrieben liegt in einem Schlupfloch im Schweizer Recht: Im Gegensatz zu vielen anderen Handwerksberufen kann in der Schweiz jeder ein Coiffeurgeschäft eröffnen, der mit einer Schere umzugehen weiß – ohne eine spezielle Lizenz oder den Nachweis einer fundierten Ausbildung. «Zu unserem Bedauern», wie Damien Ojetti es ausdrückt. Dieses Fehlen einer verbindlichen Qualifikationsprüfung oder staatlichen Aufsicht führt dazu, dass Salons von Personen betrieben werden können, die möglicherweise kein ausreichendes Wissen über Hygienevorschriften oder Infektionsprävention besitzen. Dies stellt nicht nur ein Risiko für die Kunden dar, sondern untergräbt auch das Ansehen der professionellen Coiffeurbranche, die sich an höchste Standards hält.
Hygiene als oberstes Gebot: Was ein professioneller Salon auszeichnet
Ein seriöser Coiffeur- oder Barbershop legt größten Wert auf Hygiene. Dies beginnt nicht erst mit der Reinigung der Werkzeuge, sondern umfasst ein umfassendes Konzept, das alle Bereiche des Salons betrifft. Hier sind die wichtigsten Aspekte:
- Werkzeugdesinfektion: Scheren, Kämme, Bürsten, Rasierer und Trimmer müssen nach jedem Kunden gereinigt und desinfiziert werden. Dies kann durch spezielle Desinfektionsmittel, UV-Sterilisatoren oder Hitzeautoklaven erfolgen.
- Flächendesinfektion: Arbeitsflächen, Stühle, Waschbecken und alle Berührungspunkte sollten regelmäßig, idealerweise nach jedem Kunden, gereinigt und desinfiziert werden.
- Handhygiene: Das Personal muss sich vor und nach jedem Kundenkontakt gründlich die Hände waschen und desinfizieren. Das Tragen von Handschuhen bei bestimmten Behandlungen kann ebenfalls sinnvoll sein.
- Wäsche: Handtücher, Umhänge und andere Textilien müssen nach einmaligem Gebrauch gewaschen und bei hohen Temperaturen getrocknet werden.
- Sauberkeit des Salons: Der gesamte Salon, einschließlich Böden, Spiegel und Sanitäranlagen, muss stets sauber und gepflegt sein.
- Kundenhygiene: Haare sollten vor dem Schneiden immer gewaschen werden, um lose Haare, Schmutz und eventuelle Keime zu entfernen.
Diese Maßnahmen sind nicht nur zur Vermeidung von Pilzinfektionen wichtig, sondern auch zum Schutz vor bakteriellen Infektionen, Läusen oder sogar viralen Erkrankungen.
Desinfektion im Detail: Methoden und Standards
Die Wahl der richtigen Desinfektionsmethode ist entscheidend. Hier ein kurzer Überblick:
| Methode | Beschreibung | Einsatzbereich | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|---|
| Chemische Desinfektion | Eintauchen von Werkzeugen in spezielle Desinfektionslösungen (z.B. Barbicide) | Scheren, Kämme, Bürsten, Trimmerköpfe | Effektiv gegen Bakterien, Viren, Pilze; relativ einfach anzuwenden | Lange Einwirkzeiten; Lösungen müssen regelmäßig erneuert werden; kann Materialien angreifen |
| UV-Sterilisation | Exposition der Werkzeuge gegenüber UV-C-Licht in einer speziellen Kammer | Nicht-poröse Werkzeuge; Oberflächen | Geruchsneutral; keine Chemikalienrückstände; relativ schnell | Nicht für alle Keime wirksam (z.B. Sporen); Schattenbereiche können unerreicht bleiben; erfordert spezielle Geräte |
| Hitze-Sterilisation (Autoklav) | Sterilisation unter Dampfdruck und hoher Temperatur | Metallwerkzeuge (Scheren, Pinzetten) | Höchste Sterilisationsstufe; tötet alle Mikroorganismen, einschließlich Sporen | Sehr teure Geräte; nicht für alle Materialien geeignet (z.B. Plastik); erfordert geschultes Personal |
| Alkoholische Tücher/Sprays | Schnelle Desinfektion von kleinen Flächen und Werkzeugen | Arbeitsflächen, Scherenblätter, Kämme | Schnelle Wirkung; einfach in der Anwendung | Verdunstet schnell; nicht immer ausreichend für tiefergehende Desinfektion; Hautaustrocknung bei häufigem Kontakt |
Ein professioneller Salon kombiniert oft mehrere dieser Methoden, um eine umfassende Kundensicherheit zu gewährleisten.
Der Wunsch nach staatlicher Kontrolle: Eine Forderung mit Gewicht
Angesichts der aktuellen Situation fordert Damien Ojetti mehr Engagement vom Staat. Er erinnert daran, dass es in der Vergangenheit kantonale Gesundheitsämter gab, die regelmäßige Kontrollen in Coiffeurgeschäften durchführten, um die Einhaltung der Hygienestandards zu überprüfen. Diese Kontrollen wurden bedauerlicherweise eingestellt. Ojetti wünscht sich, dass diese Überwachungsfunktion wieder eingeführt wird, um die Qualität und Sicherheit in der Branche flächendeckend zu gewährleisten und das Risiko von Infektionsausbrüchen zu minimieren. Die Wiedereinführung solcher Kontrollen wäre ein wichtiger Schritt, um das Vertrauen der Kunden wiederherzustellen und die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen.
Ein Coiffeurgeschäft eröffnen: Trotz allem eine lohnende Investition?
Die Möglichkeit, in der Schweiz ohne formale Lizenz ein Coiffeurgeschäft zu eröffnen, mag auf den ersten Blick verlockend erscheinen. Doch ein nachhaltiger Erfolg basiert auf weit mehr als nur der Fähigkeit, Haare zu schneiden. Wer ein Coiffeurgeschäft eröffnen möchte, sollte folgende Aspekte unbedingt berücksichtigen:
- Businessplan: Auch ohne Lizenzpflicht ist ein solider Geschäftsplan unerlässlich. Er umfasst die Geschäftsidee, Zielgruppe, Marketingstrategie, Finanzplanung und Wettbewerbsanalyse.
- Standortwahl: Ein gut sichtbarer und leicht zugänglicher Standort mit ausreichend Laufkundschaft ist entscheidend.
- Ausstattung: Investitionen in hochwertige, ergonomische Möbel und moderne, professionelle Werkzeuge sind wichtig. Noch wichtiger ist die Ausstattung für die Hygiene (Sterilisatoren, Desinfektionsmittel, professionelle Waschmöglichkeiten).
- Fachwissen und Weiterbildung: Auch wenn keine Lizenz erforderlich ist, ist eine fundierte Ausbildung und regelmäßige Weiterbildung in Schnitttechniken, Farbchemie und vor allem in Hygienevorschriften von größter Bedeutung. Dies sichert die Qualität der Arbeit und die Sicherheit der Kunden.
- Versicherungen: Haftpflichtversicherungen sind unerlässlich, um sich gegen mögliche Schäden oder Infektionen abzusichern.
- Marketing: Mundpropaganda, Online-Präsenz (Social Media, eigene Website) und lokale Werbung sind entscheidend, um Kunden zu gewinnen. Hier kann die Betonung hoher Hygienestandards ein Alleinstellungsmerkmal sein.
- Rechtliche Aspekte: Obwohl keine Lizenz erforderlich ist, müssen andere rechtliche Rahmenbedingungen wie Gewerbeanmeldung, Steuern, Arbeitsrecht (falls Personal eingestellt wird) und baurechtliche Vorschriften beachtet werden.
- Qualität und Reputation: Langfristiger Erfolg basiert auf der Zufriedenheit der Kunden, die sich nicht nur durch einen guten Haarschnitt, sondern auch durch ein Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens auszeichnet. Schlechte Hygiene kann den Ruf eines Salons schnell und nachhaltig zerstören.
Die Eröffnung eines Coiffeurgeschäfts ist eine lohnende Investition für diejenigen, die bereit sind, in Professionalität, Qualität und – vor allem – in umfassende Hygienestandards zu investieren. Dies ist die Grundlage für ein florierendes Geschäft und die Gesundheit der Kunden.
Was Kunden wissen sollten: Ihr Recht auf Sicherheit
Als Kunde haben Sie das Recht, sich in einem Salon sicher zu fühlen. Damien Ojetti rät: «Vergewissern Sie sich beim Coiffeur, dass seine Ausrüstung sauber und desinfiziert ist.» Aber wie können Sie das tun? Achten Sie auf folgende Anzeichen:
- Sichtbare Sauberkeit: Sind die Böden sauber? Sind die Arbeitsflächen ordentlich und frei von Haaren?
- Gereinigte Werkzeuge: Werden Scheren und Kämme vor Ihren Augen aus einem Desinfektionsbad oder Sterilisator genommen?
- Frische Umhänge und Handtücher: Werden für jeden Kunden frische, sauber gewaschene Umhänge und Handtücher verwendet?
- Handhygiene des Personals: Wuschen sich die Coiffeure vor der Behandlung die Hände oder desinfizierten sie diese?
- Geruch: Ein sauberer Salon riecht frisch, nicht muffig oder nach übermäßig vielen Chemikalien.
- Fragen stellen: Scheuen Sie sich nicht, nach den Hygienepraktiken zu fragen. Ein professioneller Coiffeur wird Ihnen gerne Auskunft geben.
Ihre Eigenverantwortung als Kunde spielt eine große Rolle dabei, die Standards in der Branche hochzuhalten. Wenn Sie Bedenken haben, suchen Sie einen anderen Salon auf.
Häufig gestellte Fragen zu Hygiene und Salonwahl
F: Kann ich mich wirklich bei einem Coiffeur mit einem Pilz anstecken?
A: Ja, leider ist dies möglich, wie der aktuelle Fall in Basel-Landschaft zeigt. Wenn Werkzeuge wie Rasierer oder Trimmer nicht ausreichend gereinigt und desinfiziert werden, können Pilzsporen oder Bakterien von einem Kunden auf den nächsten übertragen werden.
F: Wie oft sollten Coiffeur-Werkzeuge desinfiziert werden?
A: Professionelle Standards verlangen, dass alle nicht-einmaligen Werkzeuge (Scheren, Kämme, Bürsten, Rasierer, Trimmer) nach jedem Kunden gereinigt und desinfiziert werden.
F: Was sind die Anzeichen für einen unhygienischen Salon?
A: Lose Haare auf dem Boden oder den Arbeitsflächen, schmutzige Handtücher, offensichtlich ungereinigte Werkzeuge, ein unangenehmer Geruch oder Personal, das sich nicht die Hände wäscht, sind klare Warnzeichen.
F: Muss ein Coiffeurgeschäft in der Schweiz eine Lizenz haben?
A: Nein, aktuell ist in der Schweiz keine spezielle Lizenz oder formale Ausbildung erforderlich, um ein Coiffeurgeschäft zu eröffnen. Dies ist ein Punkt, den der Schweizer Coiffeur-Verband kritisiert und der zu den aktuellen Hygieneproblemen beitragen kann.
F: Welche Rolle spielt das Haarewaschen vor dem Schnitt?
A: Das Waschen der Haare vor dem Schnitt ist aus hygienischer Sicht sehr wichtig. Es entfernt Schmutz, Öle und lose Haare, die Keime beherbergen könnten, und erleichtert zudem einen präziseren Schnitt.
F: Was kann ich tun, wenn ich den Verdacht habe, mich in einem Salon angesteckt zu haben?
A: Suchen Sie umgehend einen Arzt auf. Informieren Sie auch das Gesundheitsamt Ihres Kantons über den Vorfall, damit diese gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen können.
F: Gibt es Gütesiegel oder Zertifikate für besonders hygienische Salons?
A: Es gibt keine staatlich vorgeschriebenen Gütesiegel. Einige Verbände oder private Organisationen bieten jedoch Zertifizierungen an, die auf die Einhaltung bestimmter Standards hinweisen können. Achten Sie auf Mitgliedschaften in Berufsverbänden wie Coiffure Suisse, da diese oft interne Qualitäts- und Hygienestandards fördern.
Fazit: Eine Branche im Wandel – Kunden und Staat in der Pflicht
Der Fall in Basel-Landschaft ist ein deutlicher Weckruf für die Coiffeurbranche und die Öffentlichkeit. Er zeigt, dass die Schönheitspflege Hand in Hand mit strengen Hygienestandards gehen muss, um die Gesundheit der Kunden zu gewährleisten. Während professionelle Salons und ausgebildete Coiffeure bereits höchste Standards leben, fordert die aktuelle Situation eine verstärkte Eigenverantwortung aller Beteiligten: Die Betriebe müssen ihre Hygienemaßnahmen lückenlos umsetzen, der Staat sollte über die Wiedereinführung von Kontrollen nachdenken, und wir als Kunden müssen lernen, kritischer hinzuschauen und unsere Rechte einzufordern. Nur so kann der Besuch beim Coiffeur wieder zu einem uneingeschränkt sicheren und angenehmen Erlebnis werden, bei dem nicht nur der Haarschnitt, sondern auch die Gesundheit im Mittelpunkt steht.
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