Was ist der Unterschied zwischen einem Mann und einem Friseur?

Friseurpreise: Warum zahlen Frauen mehr?

07/05/2025

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Es ist ein Phänomen, das viele kennen und akzeptieren, ohne es groß zu hinterfragen: Eine Frau und ein Mann, beide mit kinnlangen Haaren, betreten denselben Friseursalon, wünschen sich einen neuen Schnitt – und am Ende wird die Frau einen deutlich höheren Preis bezahlen als der Mann. Die Preistafeln mit 'Damenschnitt' und 'Herrenschnitt' sind längst zur Norm geworden. Doch wie begründen Friseure diesen offensichtlichen Preisunterschied, wenn man sie direkt danach fragt? Und ist diese Praxis im Zeitalter der Gleichberechtigung noch zeitgemäß?

Die Ungeschriebenen Gesetze der Friseurpreise

Die geschlechtsbasierte Preisgestaltung im Friseurhandwerk ist tief in unserer Gesellschaft verankert. Seit Generationen haben sich Kunden daran gewöhnt, dass Dienstleistungen für Frauen tendenziell teurer sind. Dies betrifft nicht nur den Haarschnitt, sondern auch andere Bereiche wie Reinigungen oder Schneiderarbeiten. Im Friseursalon manifestiert sich dies am deutlichsten. Auch wenn sich die Haarmode und die Geschlechterrollen in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt haben, bleibt dieser preisliche Unterschied bestehen. Doch die Diskussion darüber, ob dies tatsächlich gerechtfertigt ist, wird immer lauter und relevanter.

Was ist der Unterschied zwischen einem Mann und einem Friseur?
Eine Frau und ein Mann sitzen beim Friseur, beide tragen die Haare bis zum Kinn, beide wollen einen neuen Schnitt - und am Ende wird die Frau mehr zahlen als der Mann. Die Kunden haben sich an die Preise gewöhnt, schon lange werden die Tafeln mit 'Damenschnitt' und 'Herrenschnitt' nicht mehr infrage gestellt.

Die Argumente der Friseure: Zeit, Aufwand und Anspruch

Auf die Frage nach den Gründen für die Preisdifferenz fallen die Antworten von Friseuren oft ähnlich aus, variieren jedoch in den Details. Ein Anruf bei einem Friseursalon im Münchner Stadtteil Neuhausen liefert eine typische Begründung: Bei Männern brauche man schlichtweg nicht so lange wie bei Frauen, und der Kunde bezahle nun einmal für die aufgewendete Zeit. Dieses Argument klingt auf den ersten Blick plausibel, da Kurzhaarschnitte bei Männern oft schneller zu realisieren sind als komplexe Langhaarschnitte bei Frauen. Doch was passiert, wenn ein Mann lange Haare hat?

Hier wird es kompliziert. Die Friseurin aus Neuhausen gibt zu, diesen Fall – einen Mann mit langer Mähne, der einen aufwendigen Schnitt benötigt – nicht oft gehabt zu haben. Theoretisch, so schiebt sie nach, müssten Männer mit langen Haaren schon genauso viel zahlen wie Frauen. Die Realität zeigt jedoch oft etwas anderes. In einem anderen Salon in Sendling wird argumentiert, dass der Haarschnitt bei Frauen generell aufwendiger sei, selbst wenn das Haar kurz ist. Begründet wird dies mit Details wie einem Pony oder der Aussage, Frauen seien einfach „anspruchsvoller“. Diese pauschale Zuschreibung des „höheren Anspruchs“ ist problematisch, da sie ein Vorurteil gegenüber weiblichen Kunden suggeriert.

Ein weiterer Aspekt, der oft genannt wird, ist das Föhnen. Während bei Männern oft ein einfaches Trockenföhnen oder Stylen ausreicht, sei das Föhnen bei Frauen aufwendiger, weil man mit der Rundbürste arbeiten und das Haar in Form bringen müsse. Auch das Schneiden von Spitzen bei langem Haar, so ein anderer Friseur, sei aufwendiger, da die einzelnen Strähnen sorgfältig abgeteilt werden müssten. Seine ehrliche, fast resignierende Bemerkung dazu: „wahrscheinlich ist das diskriminierend, gell?“ Diese Aussage verdeutlicht das Bewusstsein einiger Friseure für die Problematik, selbst wenn sie die etablierten Preisstrukturen beibehalten.

Die Sichtweise der Antidiskriminierungsstelle (ADS)

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) sieht die Argumentation mit dem höheren Aufwand kritisch und bezeichnet sie als „pauschale Unterstellung“. Wenn Frauen und Männer für die gleiche Leistung unterschiedliche Preise zahlen, dann handelt es sich aus Sicht der ADS um eine Form der Diskriminierung. Im vergangenen Jahr hat die ADS eine Studie veröffentlicht, die diese Ungleichheit quantifiziert: Frauen zahlen demnach für den gleichen Kurzhaarschnitt im Schnitt 12,50 Euro mehr als Männer. Diese Zahl ist alarmierend und unterstreicht die Notwendigkeit einer tiefergehenden Betrachtung.

Die Studie ergab zudem, dass fast 90 Prozent der Friseurinnen und Friseure in Deutschland solche nach Geschlechtern differenzierten Preise verlangen. Dies zeigt, wie weit verbreitet diese Praxis ist und wie tief sie im Friseurhandwerk verwurzelt ist. Ein interessanter Vergleich wird mit dem Nachbarland Österreich gezogen: „Wir glauben aber nicht, dass deutsche Frauen andere Haare haben als österreichische“, sagt Sebastian Bickerich, Sprecher der Antidiskriminierungsstelle. In Österreich gibt die Wiener Friseurinnung eine Preisliste heraus, auf der kein Unterschied mehr zwischen Frauen und Männern gemacht wird. Obwohl die Betriebe nicht verpflichtet sind, diese Liste zu übernehmen, werden sie dazu angehalten. Solch eine freiwillige Selbstverpflichtung würde Bickerich sich auch für die deutschen Friseurgeschäfte wünschen. Die ADS ist diesbezüglich bereits mit den Innungen im Gespräch, um eine Veränderung herbeizuführen.

Ist es Diskriminierung? Eine tiefere Betrachtung

Die Kernfrage, die sich stellt, ist, ob die geschlechtsabhängige Preisgestaltung im Friseurhandwerk tatsächlich eine Form der Diskriminierung darstellt. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Deutschland soll Diskriminierung aufgrund des Geschlechts verhindern. Während direkte Diskriminierung, die explizit an das Geschlecht gekoppelt ist, klar verboten ist, ist die Situation bei Dienstleistungen komplexer. Wenn der Preisunterschied mit einem objektiv höheren Aufwand begründet wird, könnte dies unter Umständen zulässig sein. Wenn jedoch der gleiche Aufwand zu unterschiedlichen Preisen führt, oder der vermeintlich höhere Aufwand nur pauschal unterstellt wird, dann ist der Tatbestand der Diskriminierung erfüllt.

Die Argumente der Friseure – insbesondere das „Frauen sind anspruchsvoller“ oder „Frauenhaare sind aufwendiger zu föhnen, selbst wenn sie kurz sind“ – wirken oft wie Vorurteile, die eine ungleiche Behandlung rechtfertigen sollen. Es ist unbestreitbar, dass bestimmte Frisuren mehr Zeit und Können erfordern. Aber diese Kriterien sollten unabhängig vom Geschlecht des Kunden bewertet werden. Ein Mann mit einer komplexen Dauerwelle oder einer aufwendigen Hochsteckfrisur sollte den gleichen Preis zahlen wie eine Frau mit einer vergleichbaren Leistung, und umgekehrt. Die aktuelle Praxis, bei der der Preis fast automatisch höher ist, sobald es sich um eine Frau handelt, selbst bei einem Kurzhaarschnitt, ist schwer zu rechtfertigen.

Wirtschaftliche Aspekte und Marktrealitäten

Warum halten sich Friseursalons an diese Preismodelle, obwohl sie in der Kritik stehen? Ein Grund könnte die eingefahrene Tradition sein. Kunden sind es gewohnt, und viele Friseure fürchten möglicherweise Umsatzverluste, wenn sie die Preise ändern. Würden sie die Damenpreise senken, müssten sie dies durch höhere Herrenpreise ausgleichen, was bei der männlichen Kundschaft auf Widerstand stoßen könnte. Würden sie die Preise für alle angleichen und anheben, könnte dies zur Abwanderung von Kunden führen. Es ist ein Dilemma, das tief in der Marktstruktur verankert ist.

Einige wenige Friseure in der Stadt haben die Preislisten auch ohne Druck von oben umgestellt. Ein Salon mit niedrigen Preisen beispielsweise argumentiert, dass der Kunde immer nur eine halbe Stunde Leistung bezahlt, und dafür zahlen alle gleich. Dieses Modell der zeitbasierten Abrechnung, unabhängig vom Geschlecht, könnte ein zukunftsweisender Ansatz sein, der Fairness und Transparenz schafft.

Vergleich: Geschlechtsspezifische vs. Geschlechtsneutrale Preisgestaltung

Um die Problematik zu verdeutlichen, betrachten wir eine hypothetische Vergleichstabelle:

KriteriumGeschlechtsspezifische Preisgestaltung (Standard)Geschlechtsneutrale Preisgestaltung (Ideal)
Preis für Kurzhaarschnitt (gleiche Länge)Frau: 40-60€, Mann: 25-40€30-50€ (basierend auf Aufwand)
Begründung für PreisunterschiedGeschlecht, pauschaler Mehraufwand bei Frauen (Föhnen, Anspruch)Tatsächlicher Arbeitsaufwand (Zeit, Komplexität, Haarlänge, Dichte)
Wahrgenommene GerechtigkeitGering, Gefühl der Diskriminierung bei FrauenHoch, Preis nach Leistung
TransparenzNiedrig, Begründungen oft schwammigHoch, klare Kriterien für Preisbildung

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Hier finden Sie Antworten auf die gängigsten Fragen zum Thema Friseurpreise und Geschlechterunterschiede:

Warum ist der Damenhaarschnitt oft teurer als der Herrenhaarschnitt, selbst bei gleicher Haarlänge?
Friseure begründen dies oft mit einem pauschal höheren Zeitaufwand und vermeintlich komplexeren Techniken (z.B. Föhnen mit Rundbürste, aufwendigeres Abteilen der Strähnen) oder einem höheren „Anspruch“ der Kundinnen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sieht dies jedoch kritisch und als mögliche Diskriminierung an.

Gibt es eine gesetzliche Grundlage für geschlechtsabhängige Preise im Friseurhandwerk?
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Wenn der Preisunterschied nicht durch einen objektiv nachweisbaren Mehraufwand begründet werden kann, sondern allein am Geschlecht festgemacht wird, könnte dies als unzulässige Diskriminierung gewertet werden. Die Rechtslage ist jedoch komplex und hängt vom Einzelfall ab.

Wie kann ich einen Friseursalon finden, der geschlechtsneutrale Preise anbietet?
Immer mehr Salons stellen auf geschlechtsneutrale Preismodelle um, die sich nach Haarlänge, Aufwand oder Zeit richten. Suchen Sie online nach „geschlechtsneutrale Friseurpreise“, „gender-neutraler Haarschnitt“ oder fragen Sie direkt im Salon nach deren Preisstruktur und Begründung.

Was unternimmt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes gegen diese Praxis?
Die ADS setzt sich aktiv für geschlechtsneutrale Preise ein. Sie hat Studien dazu veröffentlicht und führt Gespräche mit Friseurinnungen, um eine freiwillige Selbstverpflichtung der Betriebe zur Abschaffung geschlechtsabhängiger Preise zu erreichen. Sie berät auch Betroffene.

Hat die Haardichte oder -struktur einen Einfluss auf den Preis, unabhängig vom Geschlecht?
Ja, ein höherer Aufwand, der durch sehr dichtes, langes, lockiges oder besonders widerspenstiges Haar entsteht, kann in einem fairen Preissystem berücksichtigt werden. Diese Kriterien sollten jedoch unabhängig vom Geschlecht des Kunden angewendet werden und transparent kommuniziert werden.

Lösungsansätze und Zukunftsaussichten

Die Debatte um geschlechtsabhängige Friseurpreise ist Teil einer größeren Diskussion über Gleichberechtigung in Dienstleistungsbereichen. Der Wunsch der Antidiskriminierungsstelle nach einer freiwilligen Selbstverpflichtung der deutschen Friseurinnungen, ähnlich dem Modell in Österreich, ist ein vielversprechender Ansatz. Dies würde es den Salons ermöglichen, ihre Preismodelle zu überdenken und faire, transparente Strukturen zu schaffen, die sich am tatsächlichen Aufwand und nicht am Geschlecht orientieren.

Einige Friseursalons gehen bereits mit gutem Beispiel voran und bieten geschlechtsneutrale Preise an, die sich an der Haarlänge, der benötigten Zeit oder der Komplexität des Schnitts orientieren. Dies schafft nicht nur mehr Fairness, sondern auch Transparenz und Vertrauen bei der Kundschaft. Es ist zu hoffen, dass sich diese Entwicklung fortsetzt und die „ungeschriebenen Gesetze“ der Friseurpreise bald der Vergangenheit angehören werden, zugunsten einer gerechteren und zeitgemäßeren Preisgestaltung für alle.

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