06/12/2017
Blaues Haar ist ein mutiger und faszinierender Ausdruck von Individualität, der in der Masse sofort ins Auge sticht. Doch der Traum von einer leuchtenden blauen Mähne kann schnell zu einem Albtraum werden, wenn man die Eigenheiten dieser Farbe nicht kennt – insbesondere, wenn die Ausgangsfarbe einen unerwünschten Gelbstich aufweist. Anders als bei Rot- oder Schwarztönen verhalten sich blaue Farbpartikel auf dem Haar sehr speziell. Es gibt derzeit kein Produkt auf dem Markt, mit dem Sie Ihre Haarpracht dauerhaft blau färben können, wie es bei anderen Farben der Fall ist. Doch keine Sorge: Mit dem richtigen Wissen und der nötigen Sorgfalt kann Ihr Blau über lange Zeit strahlen und bewundernde Blicke auf sich ziehen.

Die Herausforderung beginnt oft schon bei der Ausgangsfarbe. Viele Menschen, die ihre Haare aufhellen, kämpfen mit einem hartnäckigen Gelbstich. Dieser Gelbstich ist der größte Feind eines reinen Blaus. Mischt man Blau mit Gelb, entsteht Grün – und ein grüner Schimmer ist bei blauem Haar selten erwünscht. Doch wie lässt sich dieses Problem umgehen, und was muss man tun, um ein sattes, langanhaltendes Blau zu erzielen, das nicht schon nach wenigen Wäschen verblasst oder gar einen unschönen Grünstich entwickelt?
Warum Blau so einzigartig (und herausfordernd) ist
Blau ist eine der schwierigsten Haarfarben überhaupt. Der Hauptgrund dafür liegt in der Beschaffenheit der blauen Pigmente. Sie sind in der Regel größer als andere Farbpigmente und haften daher weniger gut am Haar. Dies führt dazu, dass blaue Farben schneller verblassen und ausgewaschen werden. Die Aussage, dass es keine dauerhafte blaue Haarfarbe auf dem Markt gibt, ist entscheidend. Das bedeutet, wir sprechen hier hauptsächlich von semi-permanenten oder direkten Farben, die sich auf der Haaroberfläche ablagern und nicht tief in die Haarstruktur eindringen.
Ein weiterer Aspekt ist die Basis, auf die die blaue Farbe aufgetragen wird. Für ein klares, reines Blau ist eine extrem helle, nahezu weiße oder platinblonde Grundlage unerlässlich. Jeder noch so kleine Gelb- oder Goldstich in der Ausgangsfarbe wird sich mit dem Blau verbinden und unweigerlich zu einem Grünstich führen. Das Verständnis der Farbtheorie – dass Gelb und Blau zusammen Grün ergeben – ist hier von grundlegender Bedeutung.
Gelbstich adé: Die Vorbereitung für perfektes Blau
Der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zu wunderschönem blauem Haar, insbesondere wenn ein Gelbstich vorhanden ist, ist die richtige Vorbereitung. Dies erfordert oft Geduld und mehrere Schritte. Springt man diesen Teil über, ist das Risiko eines unbefriedigenden Ergebnisses extrem hoch.
1. Aufhellen der Haare
Für die meisten Blautöne ist es unerlässlich, die Haare zunächst auf die hellste Stufe aufzuhellen. Dies geschieht in der Regel durch Bleichen. Der Aufhellungsprozess sollte so weit gehen, dass das Haar ein hellgelbes, besser noch ein blassgelbes oder platinblondes Niveau erreicht. Je heller die Basis, desto reiner und leuchtender wird das Blau.
Es ist wichtig zu beachten, dass das Bleichen eine chemische Behandlung ist, die das Haar stark beanspruchen kann. Eine vorherige Haaranalyse und ein Strähnchentest sind ratsam, um die Verträglichkeit und das potenzielle Ergebnis zu prüfen. Ist das Haar bereits geschädigt, sollte es vor dem Bleichen intensiv gepflegt und gestärkt werden.
2. Den Gelbstich neutralisieren: Das Abmattieren
Selbst nach dem Bleichen kann ein Gelbstich verbleiben. Hier kommt das Abmattieren ins Spiel. Abmattierer sind spezielle Tönungen, die unerwünschte Untertöne neutralisieren. Für Gelbstich verwendet man Produkte mit violetten Pigmenten (Violett ist die Komplementärfarbe zu Gelb). Diese Violett-Tönungen gleichen den Gelbton aus und schaffen eine neutrale, blasse Basis, die ideal für das Auftragen von Blau ist. Das Haar sollte nach dem Abmattieren idealerweise ein sehr helles Blond ohne sichtbaren Gelb- oder Orangeanteil aufweisen.
Der Weg zum strahlenden Blau: Schritt für Schritt
Sobald die perfekte, neutrale Basis geschaffen ist, können Sie mit dem eigentlichen Färben beginnen. Hier sind die Schritte, die Sie beachten sollten:
1. Die richtige blaue Haarfarbe wählen
Da permanente blaue Farben kaum existieren, greifen Sie zu semi-permanenten oder direkten Haarfarben. Diese Produkte müssen nicht mit Entwickler gemischt werden und lagern sich auf der Haaroberfläche ab. Es gibt eine riesige Auswahl an Blautönen – von Pastellblau über Türkis bis hin zu tiefem Dunkelblau. Beachten Sie, dass dunklere Blautöne auf einer weniger hellen Basis besser funktionieren können als helle Blautöne, die eine nahezu weiße Basis erfordern.

2. Vorbereitung und Schutz
Bevor Sie die Farbe auftragen, schützen Sie Ihre Haut und Kleidung. Tragen Sie Handschuhe, alte Kleidung und decken Sie den Arbeitsbereich ab. Vaseline oder eine fettreiche Creme am Haaransatz, an den Ohren und am Nacken verhindert, dass die Haut mitgefärbt wird.
3. Gleichmäßiges Auftragen
Tragen Sie die blaue Farbe Strähne für Strähne auf das trockene (oder leicht feuchte, je nach Produktanweisung) Haar auf. Achten Sie auf eine vollständige und gleichmäßige Sättigung, um Flecken oder ungleichmäßige Ergebnisse zu vermeiden. Arbeiten Sie sich systematisch vor, beginnend am Nacken und endend an der Oberseite des Kopfes.
4. Einwirkzeit beachten
Die Einwirkzeit variiert je nach Produkt. Halten Sie sich genau an die Anweisungen des Herstellers. Oftmals kann eine längere Einwirkzeit bei semi-permanenten Farben zu einer intensiveren Farbe führen, da diese Farben das Haar nicht schädigen wie Oxidationsfarben.
5. Ausspülen
Spülen Sie die Farbe mit kühlem Wasser aus, bis das Wasser klar ist. Kaltes Wasser hilft, die Farbpigmente im Haar einzuschließen und das Verblassen zu minimieren. Verwenden Sie dabei kein Shampoo, es sei denn, es ist ausdrücklich vom Hersteller empfohlen. Schließen Sie den Vorgang mit einer feuchtigkeitsspendenden Spülung ab.
Nachsorge für langanhaltende Leuchtkraft
Die Lebensdauer von blauem Haar hängt maßgeblich von der richtigen Pflege ab. Ohne die entsprechende Routine wird die Farbe schnell verblassen.
- Kaltes Wasser: Waschen Sie Ihre Haare immer mit so kaltem Wasser wie möglich. Heißes Wasser öffnet die Schuppenschicht des Haares und lässt die Farbpigmente entweichen.
- Sulfate-freie Produkte: Verwenden Sie Shampoos und Conditioner ohne Sulfate. Sulfate sind aggressive Reinigungsmittel, die die Farbe aus dem Haar ziehen. Spezielle Farbschutzprodukte sind ideal.
- Weniger Waschen: Je seltener Sie Ihre Haare waschen, desto länger hält die Farbe. Trockenshampoo kann helfen, die Haarwäschen hinauszuzögern.
- Hitzeschutz: Vermeiden Sie übermäßige Hitze durch Stylinggeräte wie Glätteisen, Lockenstäbe und Föhne. Hitze beschleunigt das Verblassen. Verwenden Sie immer einen Hitzeschutz.
- UV-Schutz: Sonneneinstrahlung kann blaue Haare ausbleichen. Tragen Sie bei starker Sonne einen Hut oder verwenden Sie UV-Schutzsprays für die Haare.
- Farbauffrischung: Erwägen Sie die Verwendung von farbdeponierenden Conditionern oder Haarkuren mit blauen Pigmenten, um die Farbe zwischen den Färbevorgängen aufzufrischen.
Häufige Probleme und wie man sie vermeidet
Obwohl der Weg zu blauem Haar lohnend sein kann, gibt es einige Fallstricke, die man kennen und vermeiden sollte:
- Grünstich: Das häufigste Problem. Entsteht, wenn die Basis nicht ausreichend aufgehellt oder abmattiert wurde. Die einzige Lösung ist, den Grünstich mit roten oder pinken Pigmenten zu neutralisieren (Rot ist die Komplementärfarbe zu Grün) und dann erneut Blau aufzutragen, sobald die Basis perfekt ist.
- Ungleichmäßiges Ergebnis: Oft das Ergebnis einer ungleichmäßigen Aufhellung oder Anwendung der Farbe. Eine sorgfältige, systematische Arbeitsweise ist entscheidend.
- Schnelles Verblassen: Ursache ist meist mangelnde Nachsorge oder eine nicht ideale Basis. Intensive Pflege und die Verwendung von Produkten für gefärbtes Haar sind unerlässlich.
Tabelle: Direkte Farben (Semi-Permanent) vs. Tönungen (Temporär)
| Merkmal | Semi-permanente Haarfarbe (Direktzieher) | Temporäre Haarfarbe (Tönungsshampoo/Spray) |
|---|---|---|
| Haltbarkeit | 2-8 Wochen (je nach Pflege & Haarstruktur) | 1-3 Haarwäschen |
| Anwendung | Auf aufgehelltem Haar, oft ohne Mischen | Auf jeder Haarfarbe, wäscht sich leicht aus |
| Färbewirkung | Ummantelt die Haaroberfläche, dringt kaum ein | Legt sich als Film um das Haar |
| Intensität | Intensiv und lebendig | Eher dezent oder als Akzent |
| Grauabdeckung | Keine | Keine |
| Schädigung | Keine, oft sogar pflegend | Keine |
| Basis | Sehr helle, neutrale Basis empfohlen | Jede Basis möglich, aber Ergebnis variiert |
Wann Sie einen Profi aufsuchen sollten
Während das Färben von Haaren zu Hause eine beliebte Option ist, gibt es Situationen, in denen der Gang zum Friseur ratsam ist:
- Stark geschädigtes Haar: Ein Profi kann beurteilen, ob Ihr Haar eine Aufhellung verträgt.
- Komplexe Ausgangsfarbe: Wenn Ihr Haar bereits verschiedene Farbschichten oder einen sehr starken Gelb-/Orangestich hat, kann ein Friseur eine gleichmäßigere Basis schaffen.
- Wunsch nach präzisen Nuancen: Bestimmte Pastell- oder spezielle Blautöne erfordern oft ein hohes Maß an Erfahrung.
- Unerwünschte Ergebnisse: Sollte Ihr DIY-Versuch in einem Grünstich oder ungleichmäßigen Flecken enden, kann ein Profi dies korrigieren.
Fazit
Blaues Haar ist ein Statement und absolut machbar, selbst wenn Sie mit einem Gelbstich zu kämpfen haben. Der Schlüssel liegt in einer akribischen Vorbereitung, insbesondere dem gründlichen Aufhellen und Abmattieren der Haare, um eine neutrale Basis zu schaffen. Da es keine wirklich permanenten blauen Haarfarben gibt, ist die Auswahl der richtigen semi-permanenten Farbe und vor allem eine konsequente und intensive Pflege nach dem Färben entscheidend für die Langlebigkeit und Leuchtkraft Ihres Blaus. Mit Geduld, den richtigen Produkten und der Bereitschaft zur Pflege können Sie den Traum von einem strahlenden, blauen Haarschopf wahr werden lassen und sich über eine Farbe freuen, die nicht nur Sie, sondern auch Ihr Umfeld begeistert.
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