21/02/2023
Der Weg in die Selbstständigkeit als Friseur erfordert weit mehr als nur handwerkliches Geschick und Kreativität. Ein gut durchdachter Businessplan ist das unverzichtbare Fundament für den Erfolg. Er dient nicht nur als Schlüssel zur Gewinnung von Investoren und Banken, sondern auch als detaillierter Wegweiser für eine nachhaltige Geschäftsentwicklung. In diesem Artikel beleuchten wir die spezifischen Herausforderungen und Chancen beim Erstellen eines Businessplans für Friseure und geben Ihnen wertvolle Tipps, wie Sie sowohl Kunden als auch potenzielle Geldgeber überzeugen.

Ein Businessplan für einen Friseursalon unterscheidet sich in mehreren Aspekten von jenen anderer Branchen. Er bietet eine strukturierte Darstellung Ihrer Geschäftsidee, einschließlich einer detaillierten Planung für die Eröffnung Ihres Salons. Wenn Sie eine Startfinanzierung, Fördermittel, einen Gründungszuschuss oder einen Mikrokredit beantragen möchten, ist der Businessplan das entscheidende Dokument für Banken und Behörden. Das Gleiche gilt, wenn Sie die Übernahme eines bestehenden Friseursalons planen. Die Erstellung des Businessplans sollte jedoch nicht nur als Pflichtaufgabe für externe Stellen gesehen werden. Zwar ist er oft notwendig, um eine Finanzierung zu sichern, doch in erster Linie ist der Businessplan ein wertvolles Werkzeug für Sie als Gründerin oder Gründer, um Ihre Geschäftsidee klar zu strukturieren und erfolgreich umzusetzen.
- Was ist ein Businessplan für Friseure?
- Struktur und Inhalt eines Friseur-Businessplans
- 1. Executive Summary: Der erste Eindruck zählt
- 2. Gründerprofil: Wer steckt dahinter?
- 3. Geschäftsidee: Ihr Salonkonzept im Detail
- 4. Zielgruppe: Wen möchten Sie erreichen?
- 5. Markt- und Wettbewerbsanalyse: Kennen Sie Ihr Umfeld?
- 6. Marketing- und Vertriebsstrategie: Wie machen Sie sich bekannt?
- 7. Unternehmensorganisation: Rechtliches und Abläufe
- 8. SWOT-Analyse: Chancen und Risiken im Blick
- 9. Finanzplanung: Zahlen, die überzeugen
- 10. Zukunftsaussichten: Ihre Vision
- Sonderfälle: Businessplan für mobile Friseure und Stuhlmieter
- Häufig gestellte Fragen (FAQs) zum Friseur-Businessplan
Was ist ein Businessplan für Friseure?
Ein Businessplan ist ein strategisches Dokument, das Ihre Geschäftsidee, Ihre Ziele und die Wege zu deren Erreichung detailliert beschreibt. Für Friseure ist er besonders wichtig, da er die Besonderheiten des Handwerks – direkten Kundenkontakt, kreative Dienstleistungen, hohe Wettbewerbsdichte – berücksichtigt. Er hilft Ihnen, eine klare Vision für Ihren Salon zu entwickeln und potenzielle Fallstricke frühzeitig zu erkennen. Er ist sowohl eine interne Orientierungshilfe als auch ein externes Kommunikationsmittel für Banken, Behörden und potenzielle Partner.
Neugründung vs. Betriebsübernahme
Der Businessplan eines neu gegründeten Salons unterscheidet sich wesentlich von dem einer Betriebsübernahme. Bei einer Neugründung liegt der Fokus auf Markteintrittsstrategien, dem Aufbau einer Kundenbasis und dem Branding. Bei der Übernahme eines bestehenden Betriebes sollten Sie die bestehende Kundenbasis, den Ruf des Salons und mögliche Modernisierungsbedarfe genau analysieren. Dies beeinflusst die finanzielle Planung und die Marketingstrategien erheblich.
Struktur und Inhalt eines Friseur-Businessplans
Ein überzeugender Businessplan ist meist auf maximal 50 Seiten komprimiert und folgt einer bewährten Gliederung. Ein ansprechendes Deckblatt, ein korrektes Inhalts- und Quellenverzeichnis sind dabei ebenso wichtig wie der Inhalt selbst. Hilfe beim Erstellen erhalten Sie oft bei Ihrer zuständigen Handwerkskammer oder in Gründungsseminaren.

1. Executive Summary: Der erste Eindruck zählt
Die Executive Summary ist das Herzstück Ihres Businessplans und sollte auf maximal zwei Seiten einen prägnanten Überblick über Ihre Geschäftsidee, Ihr Team und Ihre Vision geben. Beschreiben Sie hier Ihr Alleinstellungsmerkmal und warum Ihr Salon erfolgreich sein wird. Ziel ist es, Neugier zu wecken und zum Weiterlesen zu animieren. Ohne eine packende Einleitung verlieren Sie potenzielle Kredit- und Fördergeber schnell.
2. Gründerprofil: Wer steckt dahinter?
Stellen Sie sich und Ihr Gründerteam vor. Welche beruflichen Erfahrungen und Spezialisierungen bringen Sie mit? Welche kaufmännischen, steuerrechtlichen und marketingtechnischen Kenntnisse besitzen Sie? Im Friseurgewerbe ist die fachliche Qualifikation entscheidend, da es sich um ein zulassungspflichtiges Gewerbe handelt. Erläutern Sie, wie Sie Ihr Gewerbe gründen (Meisterbrief, Altgesellen-Regelung, Ausnahmebewilligung) und welche persönlichen Eigenschaften Sie als Unternehmer auszeichnen. Ein Lebenslauf rundet dieses Kapitel ab.
3. Geschäftsidee: Ihr Salonkonzept im Detail
Erläutern Sie Ihr Unternehmenskonzept: Neugründung oder Übernahme? Welches Dienstleistungsangebot haben Sie (klassische Haarschnitte, Haarbehandlungen, Farb- und Strähnentechniken, Hochzeitsfrisuren, mobile Friseurdienstleistungen)? Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal? Wie heben Sie sich in Zeiten des Preiskampfes ab? Beschreiben Sie Ihr Portfolio und Ihre Schwerpunkte. Welchen konkreten Kundennutzen bieten Sie (hochwertige Produkte, kurze Wartezeiten, gemütliches Ambiente)? Geben Sie auch einen Ausblick auf Ihre Ziele für die nächsten drei bis fünf Jahre, z.B. Mitarbeitererweiterung oder neue Dienstleistungen.
4. Zielgruppe: Wen möchten Sie erreichen?
Definieren Sie Ihre Zielgruppe präzise anhand soziodemografischer Daten (Alter, Geschlecht, Einkommen, Einzugsgebiet). Welchen Bedarf bieten Sie dieser Gruppe? Erstellen Sie idealerweise sogenannte Buyer Personas. Beschreiben Sie Ihre Strategien zur Kundenakquise und Kundenbindung (z.B. Treueprogramme, Aktionen). Wie schätzen Sie die Kundenfrequenz und das Verhältnis von Stamm- zu Laufkundschaft ein?
5. Markt- und Wettbewerbsanalyse: Kennen Sie Ihr Umfeld?
Eine fundierte Markt- und Standortanalyse ist in der hart umkämpften Friseurbranche unerlässlich. Beziehen Sie sich auf konkrete Branchenzahlen und Marktschätzungen für die nächsten Jahre. Für die Standortanalyse sind folgende Fragen wichtig:
- Regionales Einzugsgebiet und Zielgruppengröße
- Lage und Erreichbarkeit (Laufkundschaft, Parkplätze, ÖPNV)
- Sichtbarkeit und Wahrnehmung
Die Konkurrenzanalyse umfasst:
- Anzahl der Mitbewerber (stationäre Salons, mobile Friseure, Billigketten)
- Regionale Verteilung der Konkurrenz
- Nischen, Spezialisierungen und Preispolitik der Mitbewerber
Erst nach dieser Analyse können Sie Ihr Angebot und Ihre Preisgestaltung realistisch festlegen.

6. Marketing- und Vertriebsstrategie: Wie machen Sie sich bekannt?
Dieses Kapitel widmet sich Ihren Marketingmaßnahmen und dem dafür benötigten Budget. Es geht um die berühmten „4 Ps“ des Marketing-Mix:
- Produkt (Angebot): Ihr Alleinstellungsmerkmal, Ihre Spezialisierung, Ihr Sortiment.
- Preis: Kalkulation basierend auf Kosten, Marktlage und Zahlungsbereitschaft. Vermeiden Sie einen reinen Preiskampf.
- Place (Vertrieb): Online-Terminbuchung, Warenwirtschafts- und Kundenverwaltungssysteme, Kooperationen zur Neukundengewinnung.
- Promotion (Werbung): Offline- und Online-Marketing (Website, Social Media), Eröffnungsaktionen, Mundpropaganda.
7. Unternehmensorganisation: Rechtliches und Abläufe
Erläutern Sie Ihre gewählte Rechtsform und die Gründe dafür. Welche Anmeldungen sind nötig (Gewerbeamt, Handelsregister)? Berücksichtigen Sie baurechtliche Bestimmungen bei Renovierungen. Ein wichtiger Punkt ist die Einhaltung der Kassensicherheitsverordnung. Beschreiben Sie die Aufgabenverteilung, Personalstruktur (Voll-/Teilzeit, Qualifikationen) und eventuelle Personalplanungen. Führen Sie auch externe Dienstleister auf (Buchhaltung, Steuerberatung, Forderungsmanagement).
8. SWOT-Analyse: Chancen und Risiken im Blick
Die SWOT-Analyse (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats) ist unverzichtbar. Sie hilft Ihnen, Ihr Unternehmen ganzheitlich zu betrachten und Risiken zu minimieren. Hier ein Beispiel für einen Friseur-Businessplan:
| Bereich | Beschreibung |
|---|---|
| Stärken (Strengths) | Alleinstellungsmerkmal, Spezialisierung, Standort, Salongestaltung, Erfahrung des Teams, exzellenter Kundenservice. |
| Schwächen (Weaknesses) | Hohe Anfangsinvestitionen, hoher Mietkostenanteil, geringe Sichtbarkeit in der Startphase, Abhängigkeit von einzelnen Mitarbeitern. |
| Chancen (Opportunities) | Wachstumspotenzial im Bereich mobiler Dienstleistungen (alternde Gesellschaft), Aufbau einer starken Marke, Erweiterung des Dienstleistungsangebots (z.B. Kosmetik), Kooperationen mit lokalen Geschäften. |
| Risiken (Threats) | Zunehmender Wettbewerb (Billigketten, Schwarzarbeit), saisonale Schwankungen, Personalengpässe, steigende Betriebskosten (Inflation), unerwartete rechtliche Änderungen, Nachfragerückgang. |
Eine gut ausgearbeitete Risikoanalyse ist besonders wichtig für Kreditanträge.
9. Finanzplanung: Zahlen, die überzeugen
Dies ist der entscheidende Abschnitt für Banken und Investoren. Er muss detailliert, nachvollziehbar und für mindestens drei Jahre ausgearbeitet sein. Zeigen Sie, wann Ihre Einnahmen die Ausgaben übersteigen werden (Break-Even-Punkt). Die Finanzplanung umfasst:
- Finanzierungsplan: Abstimmung von Eigen- und Fremdkapital, Tilgungsplan für Darlehen.
- Kapitalbedarfs-/Investitionsplanung: Anfangsinvestitionen (Geschäftslokal, Ausstattung, Warenlager) und laufende Kosten. Planen Sie immer einen Puffer ein.
- Kostenplanung: Unterscheidung von einmaligen (Gründungskosten: Gewerbeanmeldung, Einrichtung, Warenbestand, Werbekosten) und regelmäßigen Kosten (Fixkosten: Personal, Miete, Energie, Versicherungen, Marketing; Variable Kosten: Wareneinsatz). Berücksichtigen Sie Unternehmerlohn und Fremdkapitalzinsen.
- Liquiditätsplan: Darstellung des Cashflows, Sicherstellung ausreichender Rücklagen.
- Rentabilitätsplan: Umsatz- und Kostenkalkulation, Berechnung des Mindestumsatzes pro Dienstleistung und Arbeitsstunde.
10. Zukunftsaussichten: Ihre Vision
Fassen Sie in diesem Kapitel Ihre langfristigen Ziele und Ihre Vision zusammen. Wo sehen Sie Ihren Salon in drei oder fünf Jahren? Möchten Sie expandieren, weitere Mitarbeiter einstellen oder neue Dienstleistungen anbieten? Unterstreichen Sie Ihre Entschlossenheit und Ihr Engagement für den Erfolg.
Sonderfälle: Businessplan für mobile Friseure und Stuhlmieter
Auch wenn Sie keinen eigenen Salon eröffnen, sondern sich als mobile/r Friseur/in oder im Rahmen einer Stuhlmiete selbstständig machen möchten, ist ein Businessplan äußerst hilfreich. Er hilft Ihnen, Ihr Konzept eingehend zu prüfen und spezifische Besonderheiten zu berücksichtigen. Dazu gehören:
- Mobile Friseure: Überlegungen zur Positionierung, Marketingstrategien (z.B. das Werbeverbot für mobile Friseure in einigen Regionen), Logistik und Ausstattung. Das Potenzial in einer alternden Gesellschaft bietet enorme Chancen.
- Stuhlmieter: Die Abgrenzung zur Scheinselbstständigkeit, Vertragsgestaltung mit dem Saloninhaber und die eigene Marketing- und Preisstrategie.
In beiden Fällen geht es um eine präzise Positionierung und einen angepassten Marketing-Mix, um am Markt erfolgreich zu sein.

Häufig gestellte Fragen (FAQs) zum Friseur-Businessplan
Muss ich einen Businessplan erstellen, wenn ich mich als Friseur selbstständig mache?
Ja, unbedingt. Auch wenn Sie keine externe Finanzierung benötigen, ist ein Businessplan ein wertvolles Werkzeug zur Strukturierung Ihrer Geschäftsidee und zur Risikominimierung. Für Banken, Förderstellen oder die Agentur für Arbeit ist er zwingend erforderlich.
Wie detailliert muss die Finanzplanung sein?
Die Finanzplanung ist das Herzstück für externe Geldgeber. Sie sollte sehr detailliert sein, alle einmaligen und laufenden Kosten umfassen, realistische Umsatzprognosen für mindestens drei Jahre enthalten und den Break-Even-Punkt klar aufzeigen. Es empfiehlt sich, hier professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen.
Kann ich kostenlose Businessplan-Vorlagen für Friseure nutzen?
Kostenlose Vorlagen können als Inspiration dienen, sollten aber nicht eins zu eins übernommen werden, da jedes Unternehmen einzigartig ist. Branchenspezifische Muster erhalten Sie oft bei Ihrer zuständigen Handwerkskammer oder Handelskammer. Passen Sie jede Vorlage individuell an Ihr spezifisches Konzept an.
Welche Rolle spielt der Standort für einen Friseursalon?
Der Standort ist im Friseurhandwerk von immenser Bedeutung. Ein guter Standort zeichnet sich durch hohe Laufkundschaft, gute Sichtbarkeit und Erreichbarkeit aus. Er beeinflusst maßgeblich Ihre Kundenfrequenz, Ihre Miete und Ihre Marketingstrategien. Eine gründliche Standortanalyse ist daher unerlässlich.

Was ist das Wichtigste in der Executive Summary?
Das Wichtigste in der Executive Summary ist Ihr Alleinstellungsmerkmal (USP) und eine prägnante Darstellung Ihrer Vision. Sie muss kurz und fesselnd sein, um den Leser zum Weiterlesen zu motivieren und von der Einzigartigkeit und dem Erfolgspotenzial Ihres Salons zu überzeugen.
Ein gut ausgearbeiteter Businessplan ist unabdingbar für den Start in ein gelungenes Friseur-Unternehmen. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für Recherche und Ausarbeitung, denn er ist Ihr Kompass auf dem Weg zum Erfolg.
Wir weisen Sie ausdrücklich darauf hin, dass dieser Beitrag keine (steuer-)rechtliche Beratung ersetzt.
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