05/12/2023
Das Färben der Haare ist eine beliebte Methode, um dem eigenen Look frischen Wind zu verleihen, graue Haare zu kaschieren oder einfach eine Typveränderung zu wagen. Doch für manche stellt sich nach dem Besuch beim Friseur oder der Anwendung zu Hause eine beunruhigende Frage: Warum fallen meine Haare nach dem Färben plötzlich aus? Diese Sorge ist berechtigt und verdient eine genaue Betrachtung. Haarausfall nach dem Färben kann verschiedene Ursachen haben, die von chemischen Reaktionen über unsachgemäße Anwendung bis hin zu zugrunde liegenden Haar- oder Kopfhautproblemen reichen.

Es ist wichtig, zwischen tatsächlichem Haarausfall, bei dem die Haare mit der Wurzel ausfallen, und Haarbruch zu unterscheiden. Haarbruch tritt auf, wenn das Haar durch chemische Behandlungen so geschwächt wird, dass es entlang des Haarschafts abbricht. Dies kann dazu führen, dass die Haare dünner erscheinen und weniger Volumen haben, ist aber nicht gleichbedeutend mit dem Verlust der Haarfollikel. In diesem Artikel beleuchten wir die häufigsten Gründe für Haarausfall und Haarbruch nach dem Färben und geben Ihnen praktische Tipps, wie Sie Ihr Haar schützen und seine Gesundheit fördern können.
- Chemische Schäden durch Färbemittel
- Allergische Reaktionen und Kopfhautreizungen
- Unsachgemäße Anwendung und Überbehandlung
- Haarbruch versus Haarausfall: Ein wichtiger Unterschied
- Vorbeugung und Pflege: So schützen Sie Ihr Haar
- Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
- Häufig gestellte Fragen (FAQs)
- Fazit
Chemische Schäden durch Färbemittel
Die Hauptursache für Haarschäden und potenziellen Haarausfall im Zusammenhang mit Haarfärbemitteln sind die darin enthaltenen Chemikalien. Insbesondere permanente Haarfarben und Blondierungen sind aggressiv, da sie die Haarstruktur tiefgreifend verändern müssen, um Farbe zu entziehen oder dauerhaft einzulagern.
Der Prozess der Haarfärbung und seine Risiken
- Oxidation: Permanente Haarfarben verwenden in der Regel eine Mischung aus Farbstoffvorläufern und einem Oxidationsmittel, meist Wasserstoffperoxid. Wasserstoffperoxid öffnet die äußere Schuppenschicht des Haares (die Kutikula) und dringt in den Haarkortex ein. Dort reagiert es mit den natürlichen Pigmenten (Melanin) und den Farbstoffvorläufern, um die gewünschte Farbe zu erzeugen. Dieser Prozess kann die Keratinproteine, aus denen das Haar hauptsächlich besteht, schwächen und die Haarfasern spröde machen.
- Ammoniak: Viele permanente Haarfarben enthalten Ammoniak. Ammoniak dient dazu, die Kutikula des Haares aufquellen zu lassen, damit die Farbstoffe leichter eindringen können. Obwohl es effektiv ist, kann Ammoniak die Haarstruktur austrocknen und die Kopfhaut reizen. Ein übermäßiger oder wiederholter Kontakt kann zu Haarschäden führen.
- Blondierung: Blondierungen sind besonders aggressiv, da sie die Melanin-Pigmente im Haar zerstören müssen, um es aufzuhellen. Dies geschieht durch einen starken Oxidationsprozess, der die Disulfidbrücken im Haar aufbrechen kann. Diese Brücken sind entscheidend für die Stärke und Elastizität des Haares. Werden sie zu stark geschädigt, bricht das Haar leicht ab.
Wenn das Haar bereits vorgeschädigt ist – beispielsweise durch frühere chemische Behandlungen, Hitze-Styling oder Umwelteinflüsse – reagiert es noch empfindlicher auf diese chemischen Prozesse. Das Ergebnis kann ein extrem geschwächtes Haar sein, das leicht bricht oder sogar ausfällt, wenn die Haarfollikel durch die Reizung der Kopfhaut beeinträchtigt werden.
Allergische Reaktionen und Kopfhautreizungen
Nicht immer ist die reine chemische Schädigung des Haares die Ursache für Probleme. Manchmal reagiert die Kopfhaut empfindlich oder allergisch auf bestimmte Inhaltsstoffe in Haarfärbemitteln.
- P-Phenylendiamin (PPD): PPD ist ein häufig verwendeter Farbstoff in permanenten Haarfarben, der für seine Langlebigkeit und Farbintensität geschätzt wird. Allerdings ist PPD auch ein bekanntes Allergen. Eine allergische Reaktion kann sich in Form von Juckreiz, Rötungen, Brennen, Schwellungen oder Blasenbildung auf der Kopfhaut äußern. In schweren Fällen kann eine solche Entzündung der Kopfhaut die Haarfollikel beeinträchtigen und vorübergehenden Haarausfall verursachen.
- Andere Inhaltsstoffe: Auch andere Chemikalien wie Resorcin, Toluoldiamin (TD) oder bestimmte Duftstoffe können allergische Reaktionen oder Reizungen hervorrufen.
Ein Allergietest, auch Patch-Test genannt, ist daher vor jeder Färbung – insbesondere bei neuen Produkten oder empfindlicher Kopfhaut – unerlässlich. Dabei wird eine kleine Menge des Färbemittels auf eine unauffällige Hautstelle (z.B. hinter dem Ohr oder in der Armbeuge) aufgetragen und 48 Stunden lang beobachtet. Zeigen sich in dieser Zeit Reaktionen, sollte das Produkt nicht verwendet werden.
Unsachgemäße Anwendung und Überbehandlung
Selbst das beste Haarfärbemittel kann zu Problemen führen, wenn es nicht korrekt angewendet wird. Fehler bei der Anwendung sind eine häufige Ursache für Haarschäden.
- Zu lange Einwirkzeit: Wird die Farbe oder Blondierung länger als empfohlen auf dem Haar belassen, dringen die Chemikalien tiefer in die Haarstruktur ein und schädigen diese übermäßig. Dies führt zu extremer Austrocknung, Brüchigkeit und kann Haarbruch verursachen.
- Färben von bereits geschädigtem Haar: Wenn das Haar bereits durch Hitze-Styling, chemische Behandlungen (Dauerwelle, Glättung) oder Sonneneinstrahlung geschädigt ist, sollte man mit dem Färben vorsichtig sein. Eine weitere chemische Behandlung kann das Haar überfordern und zu massivem Bruch führen.
- Falsche Produktwahl: Die Verwendung eines zu starken Entwicklers (Wasserstoffperoxid-Konzentration) für den gewünschten Farbton oder die Haarstruktur kann ebenfalls schädlich sein.
- Überlappendes Färben: Wenn beim Nachfärben des Ansatzes die Farbe immer wieder über die bereits gefärbten Längen gezogen wird, werden diese Stellen unnötig oft den Chemikalien ausgesetzt und können dadurch stark geschädigt werden.
Ein erfahrener Friseur kann den Zustand Ihres Haares beurteilen und die passende Farbe sowie Methode wählen, um Schäden zu minimieren. Bei der Heimanwendung ist es entscheidend, die Anweisungen des Herstellers genau zu befolgen.
Haarbruch versus Haarausfall: Ein wichtiger Unterschied
Es ist entscheidend, den Unterschied zwischen Haarbruch und echtem Haarausfall zu verstehen, da die Ursachen und Behandlungen variieren.
| Merkmal | Haarbruch (Trichoptilose) | Haarausfall (Effluvium/Alopezie) |
|---|---|---|
| Was passiert? | Haarsträhnen brechen entlang des Schafts ab. | Haare fallen mit der Wurzel aus. |
| Wie sieht es aus? | Kurze, ungleichmäßige Haare; Spliss; dünnere Spitzen; Haare wirken kraus oder glanzlos. | Sichtbarer Verlust von Haaren auf der Kopfhaut; kahle Stellen oder allgemeine Ausdünnung. |
| Wo findet man Haare? | Auf Kleidung, Bürste, aber die Länge der abfallenden Haare variiert stark. | Haare auf Kissen, in der Dusche, an der Bürste; oft mit einem kleinen weißen Knötchen (Wurzel) am Ende. |
| Häufige Ursachen | Chemische Schäden (Färben, Bleichen), Hitze-Styling, mechanische Belastung (festes Bürsten, enge Zöpfe), Austrocknung, Mangel an Pflege. | Genetische Veranlagung, hormonelle Schwankungen, Stress, Mangelernährung, Medikamente, Krankheiten, Entzündungen der Kopfhaut, seltener direkt durch Färbemittel. |
| Was tun? | Haarschonende Pflege, Reduzierung von Hitze und Chemie, feuchtigkeitsspendende und proteinreiche Produkte, regelmäßiges Trimmen. | Arztbesuch (Dermatologe), Ursachenforschung, spezifische medizinische Behandlungen, Ernährungsumstellung, Stressmanagement. |
Während Haarbruch fast immer direkt mit der Schädigung des Haarschafts durch Färbemittel zusammenhängt, kann echter Haarausfall nach dem Färben ein Zeichen für eine zugrunde liegende Empfindlichkeit der Kopfhaut oder eine durch den Färbeprozess ausgelöste Reaktion sein. Zum Beispiel kann der Stress des Färbens oder eine allergische Reaktion auf die Kopfhaut einen temporären Haarausfall (Telogen Effluvium) auslösen.
Vorbeugung und Pflege: So schützen Sie Ihr Haar
Die gute Nachricht ist, dass Sie viel tun können, um Ihr Haar vor Schäden durch Färben zu schützen und Haarausfall vorzubeugen.
Vorbereitung ist alles
- Haare stärken: Beginnen Sie Wochen vor dem Färben mit einer intensiven Pflegekur. Verwenden Sie feuchtigkeitsspendende Masken und proteinreiche Behandlungen, um das Haar zu kräftigen und widerstandsfähiger zu machen.
- Patch-Test durchführen: Wie bereits erwähnt, ist ein Allergietest 48 Stunden vor der Anwendung unerlässlich, um schwere Hautreaktionen zu vermeiden.
- Färben auf sauberem, aber nicht frisch gewaschenem Haar: Am besten färbt man Haare, die seit 24-48 Stunden nicht gewaschen wurden. Die natürlichen Öle der Kopfhaut bieten einen gewissen Schutz vor den Chemikalien.
- Professionelle Beratung: Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie sich von einem erfahrenen Friseur beraten. Er kann den Zustand Ihres Haares beurteilen und die schonendste Methode sowie die passendsten Produkte empfehlen.
Schonendes Färben
- Produkte ohne Ammoniak: Erwägen Sie die Verwendung von Haarfarben ohne Ammoniak, die oft schonender für Haar und Kopfhaut sind.
- Bond-Building-Produkte: Produkte wie Olaplex oder ähnliche Bond-Repair-Systeme können während des Färbeprozesses hinzugefügt werden, um die Disulfidbrücken im Haar zu schützen und wiederaufzubauen. Dies minimiert Haarbruch erheblich.
- Vermeiden Sie Überlappung: Beim Nachfärben des Ansatzes sollte die Farbe präzise nur auf den neuen Haarwuchs aufgetragen werden, um die bereits gefärbten Längen zu schonen.
- Weniger ist mehr: Wenn Sie Ihr Haar regelmäßig färben, versuchen Sie, die Häufigkeit zu reduzieren oder hellen Sie Ihr Haar nicht zu stark auf. Jede chemische Behandlung ist eine Belastung.
Pflege nach dem Färben
- Spezielle Pflegeprodukte: Verwenden Sie Shampoos, Conditioner und Masken, die speziell für gefärbtes Haar entwickelt wurden. Diese Produkte helfen, die Farbe zu erhalten und das Haar mit Feuchtigkeit zu versorgen.
- Feuchtigkeit und Proteine: Gefärbtes Haar benötigt viel Feuchtigkeit und Proteine, um sich von den chemischen Prozessen zu erholen. Integrieren Sie regelmäßig feuchtigkeitsspendende Masken und proteinreiche Kuren in Ihre Routine.
- Vermeiden Sie Hitze-Styling: Reduzieren Sie die Verwendung von Glätteisen, Lockenstäben und Föhnen mit hoher Hitze. Wenn Sie Hitze verwenden müssen, nutzen Sie unbedingt einen Hitzeschutzspray.
- Sanftes Bürsten: Bürsten Sie Ihr Haar sanft, insbesondere wenn es nass ist, da es in diesem Zustand am anfälligsten für Haarbruch ist. Verwenden Sie eine Bürste mit weichen Borsten oder einen grobzinkigen Kamm.
- Ernährung und Lebensstil: Eine ausgewogene Ernährung, reich an Vitaminen (insbesondere Biotin, Vitamin D, Eisen, Zink) und Proteinen, unterstützt die Haargesundheit von innen heraus. Auch Stressmanagement spielt eine Rolle, da chronischer Stress Haarausfall fördern kann.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Wenn der Haarausfall nach dem Färben stark ist, lange anhält oder von Symptomen wie starkem Juckreiz, Schmerzen, Schwellungen oder Rötungen der Kopfhaut begleitet wird, sollten Sie unbedingt einen Dermatologen aufsuchen. Ein Arzt kann die genaue Ursache des Haarausfalls feststellen und eine geeignete Behandlung empfehlen. Es ist möglich, dass der Haarausfall nicht direkt mit dem Färben zusammenhängt, sondern durch eine andere zugrunde liegende Erkrankung verursacht wird, die durch den Färbeprozess lediglich verschlimmert oder sichtbar gemacht wurde.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Ist Haarausfall nach jeder Färbung normal?
Ein leichter Haarausfall von wenigen Strähnen während oder unmittelbar nach dem Waschen und Stylen ist normal. Wenn Sie jedoch einen deutlichen und anhaltenden Haarausfall bemerken, der über das übliche Maß hinausgeht, ist dies nicht normal und sollte untersucht werden.
Kann Blondierung zu permanentem Haarausfall führen?
Blondierung kann zu starkem Haarbruch führen, der den Eindruck von Haarausfall erweckt. Direkter, permanenter Haarausfall, bei dem die Follikel irreparabel geschädigt werden, ist seltener, kann aber bei extrem aggressiver und unsachgemäßer Anwendung oder bei sehr empfindlicher Kopfhaut vorkommen. In den meisten Fällen erholen sich die Follikel, sobald die Reizung nachlässt.
Wie lange dauert es, bis sich mein Haar nach dem Färben erholt?
Das hängt vom Grad der Schädigung ab. Leichter Haarbruch kann sich mit intensiver Pflege innerhalb weniger Wochen bis Monate bessern. Bei stärkeren Schäden kann es länger dauern, da das Haar erst nachwachsen muss. Ein vollständiger Haarzyklus kann mehrere Jahre dauern.
Sollte ich das Färben ganz einstellen, wenn ich Haarausfall habe?
Wenn Sie starken Haarausfall oder Haarbruch nach dem Färben bemerken, ist es ratsam, eine Pause einzulegen. Geben Sie Ihrem Haar Zeit zur Erholung und konzentrieren Sie sich auf eine intensive Pflegeroutine. Konsultieren Sie einen Experten, bevor Sie erneut färben.
Sind Naturhaarfarben sicherer?
Naturhaarfarben wie Henna oder Pflanzenhaarfarben sind oft schonender, da sie die Haarstruktur nicht so tiefgreifend verändern wie chemische Farben. Sie legen sich eher wie ein Film um das Haar. Dennoch können auch sie bei manchen Menschen allergische Reaktionen hervorrufen oder das Haar austrocknen. Ein Patch-Test ist auch hier ratsam.
Fazit
Haarausfall oder Haarbruch nach dem Färben ist ein ernstes Thema, das die Gesundheit und das Aussehen Ihrer Haare beeinträchtigen kann. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von chemischer Schädigung über allergische Reaktionen bis hin zu unsachgemäßer Anwendung. Indem Sie die Risiken verstehen und präventive Maßnahmen ergreifen – wie die Wahl schonender Produkte, die Durchführung von Allergietests und eine intensive Pflege –, können Sie Ihr Haar schützen und seine Vitalität bewahren. Sollten Sie dennoch unter anhaltendem Haarausfall leiden, zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ihr Haar ist ein Spiegel Ihrer Gesundheit und verdient die beste Fürsorge.
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