12/09/2022
Die Welt der Haarfarben ist vielfältig und bietet unzählige Möglichkeiten, das eigene Aussehen zu verändern. Doch hinter den glänzenden Farbergebnissen verbergen sich unterschiedliche Technologien und Wirkweisen, die entscheidend dafür sind, wie Ihre Haare auf die Behandlung reagieren und wie das Farbergebnis ausfällt. Insbesondere die Unterscheidung zwischen pflanzlichen und oxidativen Haarfärbemitteln ist von großer Bedeutung, da sie grundlegend verschiedene Ansätze verfolgen. Verstehen Sie die Mechanismen, um die beste Wahl für Ihre Haargesundheit und Ihr gewünschtes Styling zu treffen.

- Was ist Oxidative Haarfärbung?
- Was ist Pflanzliche Haarfärbung?
- Der Hauptunterschied auf einen Blick
- Warum Farbproben und Farbkarten trügerisch sein können
- Wann wählt man welche Methode?
- Pflege nach der Haarfärbung
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Kann ich von oxidativer auf pflanzliche Haarfarbe wechseln oder umgekehrt?
- Wie deckt Pflanzenhaarfarbe graue Haare ab?
- Verursachen pflanzliche Haarfarben Allergien?
- Wie lange hält eine Pflanzenhaarfarbe im Haar?
- Kann ich meine Haare nach einer Pflanzenfärbung aufhellen?
- Welche Haarfarbe ist besser für die Umwelt?
Was ist Oxidative Haarfärbung?
Die oxidative Haarfärbung, oft auch als permanente Haarfärbung bezeichnet, ist die am weitesten verbreitete Methode, um Haarfarben dauerhaft zu verändern. Ihr Prinzip basiert auf einer chemischen Reaktion, die tief in der Haarstruktur stattfindet. Sie verwendet in der Regel zwei Komponenten: eine Farbcreme, die Farbpigmente (Vorstufen) enthält, und einen Entwickler, der Wasserstoffperoxid enthält. Beim Mischen dieser Komponenten entsteht eine chemische Reaktion, die es ermöglicht, die natürlichen Haarpigmente aufzuhellen und gleichzeitig neue, künstliche Farbpigmente im Haar zu bilden.
Der Prozess beginnt damit, dass das Wasserstoffperoxid die Schuppenschicht des Haares öffnet. Dies geschieht durch eine leichte Quellung der Haarfaser, wodurch die Farbstoffmoleküle ins Innere des Haares, die Kortex, eindringen können. Dort reagieren die Farbstoffvorstufen mit dem Wasserstoffperoxid und Sauerstoff und bilden größere, farbige Moleküle. Diese neuen Farbpigmente sind zu groß, um die geschlossene Schuppenschicht wieder zu verlassen, wodurch die Farbe dauerhaft im Haar verankert wird. Dieser Mechanismus ermöglicht eine vollständige Grauabdeckung und eine signifikante Veränderung der Haarfarbe, sei es eine Aufhellung oder eine Verdunkelung.
Vorteile der Oxidativen Haarfärbung:
- Permanenz: Das Farbergebnis ist dauerhaft und wäscht sich nicht aus. Es wächst lediglich am Ansatz heraus.
- Grauabdeckung: Bietet eine hervorragende Abdeckung von grauem Haar.
- Farbvielfalt: Ermöglicht eine breite Palette an Farbtönen, von subtilen Nuancen bis hin zu drastischen Veränderungen, einschließlich Aufhellungen um mehrere Stufen.
- Intensität: Erzielt kräftige und gleichmäßige Farbergebnisse.
Nachteile der Oxidativen Haarfärbung:
- Chemische Belastung: Die chemische Reaktion kann das Haar beanspruchen und bei unsachgemäßer Anwendung zu Trockenheit, Brüchigkeit oder Schäden führen.
- Allergische Reaktionen: Inhaltsstoffe wie PPD (Paraphenylendiamin) können allergische Reaktionen auslösen, weshalb ein Allergietest vor der Anwendung unerlässlich ist.
- Ansatzpflege: Regelmäßiges Nachfärben des Ansatzes ist erforderlich, um den Farbunterschied zu kaschieren.
- Geruch: Oft mit einem starken chemischen Geruch verbunden.
Was ist Pflanzliche Haarfärbung?
Pflanzliche Haarfarben, auch bekannt als Pflanzenhaarfarben oder Naturhaarfarben, nutzen die Kraft der Natur, um dem Haar neue Farbtöne zu verleihen. Im Gegensatz zu oxidativen Farben dringen sie nicht in das Haarinnere ein, sondern legen sich wie ein schützender Mantel um die äußere Schuppenschicht des Haares. Sie bestehen aus fein gemahlenen Pflanzenpulvern wie Henna, Indigo, Kamille, Rhabarberwurzel oder Walnussschalen, die mit Wasser zu einer Paste angerührt werden.
Die Pigmente in diesen Pflanzen binden sich an das Keratin des Haares und umhüllen es. Sie interagieren dabei mit der natürlichen Haarfarbe und dem individuellen Haartyp, wodurch das Ergebnis sehr individuell und lebendig ausfällt. Diese Methode verändert die Haarstruktur nicht, sondern stärkt sie oft sogar, da die Pflanzenwirkstoffe pflegende Eigenschaften besitzen. Die Farbe ist semi-permanent, was bedeutet, dass sie sich mit der Zeit allmählich auswäscht oder verblasst, anstatt einen harten Ansatz zu hinterlassen.
Vorteile der Pflanzlichen Haarfärbung:
- Natürliche Inhaltsstoffe: Frei von synthetischen Chemikalien wie Ammoniak, PPD, Resorcin, Parabenen und Silikonen.
- Haarpflegend: Viele Pflanzenfarben wirken konditionierend, verleihen dem Haar Glanz, Volumen und Stärke. Sie können sogar bei empfindlicher Kopfhaut angewendet werden.
- Schonend: Greift die Haarstruktur nicht an und verursacht keine Schäden.
- Sanfter Übergang: Die Farbe verblasst allmählich, wodurch kein harter Ansatz entsteht.
- Umweltfreundlich: Oft nachhaltiger in der Produktion und Entsorgung.
Nachteile der Pflanzlichen Haarfärbung:
- Keine Aufhellung: Pflanzenhaarfarben können das Haar nicht aufhellen. Sie können lediglich die vorhandene Haarfarbe verdunkeln oder ihr einen anderen Farbton verleihen.
- Begrenzte Farbpalette: Die Farbauswahl ist im Vergleich zu chemischen Farben eingeschränkter, oft in natürlichen Rot-, Braun- und Schwarztönen.
- Grauabdeckung: Graue Haare können einen anderen Farbton annehmen als pigmentierte Haare (oft heller oder als Strähnen-Effekt), und eine vollständige, deckende Grauabdeckung ist schwieriger zu erreichen.
- Dauer des Färbeprozesses: Die Einwirkzeit kann länger sein als bei oxidativen Farben.
- Abhängigkeit vom Ausgangshaar: Das Farbergebnis ist stark vom Ausgangshaar abhängig, einschließlich seiner Porosität und Naturfarbe.
- Probesträhnen sind nur Momentaufnahmen: Da die Farbe mit der Zeit aus dem Haar wieder ausfällt, sind selbst Probesträhnen nur eine Momentaufnahme und können das finale, sich entwickelnde Ergebnis nicht perfekt vorhersagen.
Der Hauptunterschied auf einen Blick
Um die Kernunterschiede besser zu verstehen, hilft eine direkte Gegenüberstellung der beiden Methoden:
| Merkmal | Oxidative Haarfärbung | Pflanzliche Haarfärbung |
|---|---|---|
| Wirkweise | Dringt in die Haarstruktur ein, verändert Pigmente | Legt sich als Schicht um das Haar, lagert Pigmente an |
| Inhaltsstoffe | Chemische Verbindungen (z.B. Ammoniak, Peroxid, PPD) | Pflanzenpulver (z.B. Henna, Indigo, Kamille) |
| Permanenz | Permanent (wächst heraus) | Semi-permanent (wäscht sich allmählich aus) |
| Grauabdeckung | Vollständig und deckend | Kann graue Haare tönen, aber oft nicht vollständig decken; natürlicher Strähnen-Effekt |
| Aufhellung | Möglich | Nicht möglich |
| Haargesundheit | Kann Haar beanspruchen, bei falscher Anwendung schädigen | Schonend, pflegend, kann Haarstruktur stärken |
| Farbvielfalt | Sehr breit, viele Nuancen und extreme Farben | Eher begrenzt, natürliche Töne |
| Ergebnis | Gleichmäßig, oft deckend, intensiv | Natürlich, lebendig, abhängig von Ausgangshaar |
| Haltbarkeit | Bis zum Nachwachsen des Ansatzes | Verblasst über Wochen/Monate |
Warum Farbproben und Farbkarten trügerisch sein können
Es ist ein häufiges Missverständnis, dass Farbkarten oder sogar einzelne Probesträhnen ein exaktes Abbild des späteren Farbergebnisses liefern können. Insbesondere bei pflanzlichen Haarfarben ist dies nicht der Fall. Der Grund liegt in der einzigartigen Interaktion der Pflanzenpigmente mit der individuellen Haarstruktur und der natürlichen Haarfarbe jedes Menschen. Da pflanzliche Haarfarben das Haar umhüllen und nicht chemisch verändern, reagieren sie auf die Ausgangspigmentierung und Porosität des Haares. Ein und dieselbe Pflanzenhaarfarbe kann auf hellblondem Haar eine andere Nuance annehmen als auf dunkelbraunem oder stark grauem Haar.
Hinzu kommt, dass pflanzliche Haarfarben mit der Zeit aus dem Haar wieder ausfallen. Das bedeutet, dass eine Probesträhne, die frisch gefärbt wurde, nur eine Momentaufnahme des Farbergebnisses darstellt. Nach einigen Haarwäschen oder Wochen kann sich der Farbton leicht verändern oder intensivieren, bevor er allmählich verblasst. Diese Dynamik macht es schwierig, ein absolut präzises Vorab-Ergebnis zu garantieren.
Auch bei oxidativen Farben sind Farbkarten nur eine Orientierung. Faktoren wie die Porosität des Haares, chemische Vorbehandlungen, Produktansammlungen und sogar die Umgebungstemperatur während des Färbens können das Endergebnis beeinflussen. Daher verlassen sich erfahrene Friseure oft auf ihre Expertise und führen gegebenenfalls einen Strähnchentest durch, um die Reaktion des Haares auf die Farbe zu überprüfen.
Wann wählt man welche Methode?
Wählen Sie Oxidative Haarfärbung, wenn Sie:
- Eine drastische Farbveränderung wünschen, z.B. von dunkel zu hell.
- Eine vollständige und deckende Grauabdeckung benötigen.
- Ein sehr präzises und gleichmäßiges Farbergebnis über das gesamte Haar hinweg wünschen.
- Bereit sind, regelmäßige Ansatzbehandlungen durchzuführen.
- Sich nicht scheuen, chemische Produkte zu verwenden und keine bekannten Allergien gegen die Inhaltsstoffe haben.
Wählen Sie Pflanzliche Haarfärbung, wenn Sie:
- Ihre natürliche Haarfarbe intensivieren oder ihr neue Reflexe verleihen möchten, ohne sie grundlegend zu verändern.
- Eine schonende Alternative zu chemischen Farben suchen, insbesondere bei empfindlicher Kopfhaut oder Allergien gegen synthetische Farbstoffe.
- Die Haargesundheit und -struktur priorisieren und von den pflegenden Eigenschaften der Pflanzen profitieren möchten.
- Ein lebendiges, natürliches Farbergebnis bevorzugen, das sich harmonisch in die eigene Haarfarbe einfügt.
- Keine vollständige Grauabdeckung benötigen oder einen natürlichen Strähnen-Effekt bei grauem Haar akzeptieren.
- Bereit sind, längere Einwirkzeiten in Kauf zu nehmen und das Verblassen der Farbe als Teil des Prozesses sehen.
Pflege nach der Haarfärbung
Unabhängig davon, ob Sie sich für eine oxidative oder pflanzliche Haarfärbung entscheiden, ist die richtige Nachpflege entscheidend für die Langlebigkeit der Farbe und die Gesundheit Ihrer Haare. Bei oxidativ gefärbtem Haar ist es wichtig, sulfatfreie Shampoos und Conditioner zu verwenden, um das Auswaschen der Farbe zu minimieren und die durch die Chemie beanspruchte Haarstruktur zu stärken. Spezielle Farbpflegeprodukte helfen, den Glanz zu bewahren und das Haar mit Feuchtigkeit zu versorgen. Hitze-Styling sollte reduziert und immer mit Hitzeschutzmitteln kombiniert werden.
Bei pflanzlich gefärbtem Haar liegt der Fokus auf der Erhaltung des Glanzes und der Intensität der Farbe. Auch hier sind milde, silikon- und sulfatfreie Produkte von Vorteil. Ölkuren oder Haarmasken können die Pigmente im Haar besser verankern und die pflegende Wirkung der Pflanzenfarben unterstützen. Da pflanzliche Farben das Haar in der Regel nicht schädigen, ist die Pflege oft weniger auf Reparatur, sondern mehr auf die Bewahrung der Farbe und des natürlichen Glanzes ausgerichtet.

Ein wichtiger Tipp für beide Färbearten: Vermeiden Sie die erste Haarwäsche direkt nach dem Färben für mindestens 24 bis 48 Stunden. Dies gibt den Farbpigmenten Zeit, sich vollständig im Haar zu festigen und das Ergebnis zu stabilisieren.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich von oxidativer auf pflanzliche Haarfarbe wechseln oder umgekehrt?
Ja, ein Wechsel ist grundsätzlich möglich, sollte aber mit Bedacht erfolgen. Wenn Sie von oxidativer auf pflanzliche Haarfarbe wechseln möchten, ist es ratsam, dem Haar etwas Zeit zur Erholung zu geben. Rückstände von Silikonen oder chemischen Behandlungen können das Anhaften der Pflanzenfarbe beeinträchtigen. Eine entgiftende Haarwäsche oder eine Pause von chemischen Produkten kann hilfreich sein. Umgekehrt, wenn Sie von pflanzlicher auf oxidative Farbe wechseln, insbesondere bei Henna-gefärbtem Haar, ist Vorsicht geboten. Henna kann mit chemischen Aufhellern reagieren und unerwünschte Grünstiche oder ungleichmäßige Ergebnisse verursachen. Informieren Sie immer Ihren Friseur über frühere Pflanzenfärbungen, damit er die Reaktion des Haares testen und die Farbmischung entsprechend anpassen kann.
Wie deckt Pflanzenhaarfarbe graue Haare ab?
Pflanzenhaarfarben decken graue Haare anders ab als oxidative Farben. Sie umhüllen das graue Haar und tönen es, anstatt es vollständig zu durchdringen und zu färben. Das Ergebnis ist oft ein natürlicher Strähnen-Effekt, bei dem die grauen Haare heller oder in einem anderen Farbton schimmern als die pigmentierten Haare. Bei Henna kann dies ein leuchtendes Rot-Orange sein. Für eine intensivere Grauabdeckung kann eine zweistufige Färbung (z.B. Henna zuerst, dann Indigo) notwendig sein, um dunklere Töne zu erzielen. Die Deckkraft ist immer vom individuellen Grauanteil und der Haarstruktur abhängig.
Verursachen pflanzliche Haarfarben Allergien?
Obwohl pflanzliche Haarfarben als natürlicher und sanfter gelten, sind allergische Reaktionen selten, aber nicht ausgeschlossen. Personen können auf bestimmte Pflanzenbestandteile, wie z.B. Henna oder Kamille, allergisch reagieren. Symptome können Juckreiz, Rötungen oder Schwellungen sein. Es ist immer ratsam, vor der vollständigen Anwendung einen Patch-Test an einer unauffälligen Hautstelle durchzuführen, auch bei Naturprodukten.
Wie lange hält eine Pflanzenhaarfarbe im Haar?
Die Haltbarkeit einer Pflanzenhaarfarbe variiert stark und hängt von der Haarstruktur, der Häufigkeit des Haarewaschens, der verwendeten Farbe und der Pflege ab. Im Allgemeinen hält sie zwischen 4 und 8 Wochen, bevor sie sichtbar verblasst. Da sie sich auswäscht, entsteht kein harter Ansatz, sondern ein sanfter Übergang. Regelmäßiges Auffrischen oder das Verwenden von Farbshampoos kann die Intensität verlängern.
Kann ich meine Haare nach einer Pflanzenfärbung aufhellen?
Das Aufhellen von Haaren, die mit Pflanzenfarben behandelt wurden, ist eine Herausforderung und sollte nur von einem erfahrenen Friseur durchgeführt werden. Insbesondere Henna bildet eine sehr stabile Schicht um das Haar, die chemische Aufheller unterschiedlich reagieren lassen kann. Dies kann zu ungleichmäßigen Ergebnissen, Grünstichen oder sogar Haarschäden führen. Eine Aufhellung ist zwar nicht unmöglich, erfordert aber viel Fachwissen und Vorsicht.
Welche Haarfarbe ist besser für die Umwelt?
Generell gelten pflanzliche Haarfarben als umweltfreundlicher, da sie aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen und keine synthetischen Chemikalien oder Schwermetalle enthalten, die ins Abwasser gelangen könnten. Viele Marken legen Wert auf biologischen Anbau und faire Produktionsbedingungen. Oxidative Haarfarben enthalten chemische Substanzen, die in der Entsorgung und Produktion eine größere Umweltbelastung darstellen können. Doch auch hier gibt es Fortschritte in der Entwicklung umweltfreundlicherer Formulierungen und Verpackungen.
Die Wahl zwischen pflanzlicher und oxidativer Haarfärbung hängt letztendlich von Ihren persönlichen Zielen, Ihrem Haarzustand und Ihren Präferenzen ab. Beide Methoden haben ihre Berechtigung und bieten einzigartige Vorteile. Informieren Sie sich gründlich und lassen Sie sich bei Unsicherheiten von einem Fachmann beraten, um das beste Ergebnis für Ihr Haar zu erzielen.
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