30/06/2022
Man denkt vielleicht, das gefährlichste Werkzeug im Friseurberuf sei die scharfe Schere zum Haareschneiden oder der präzise Rasierer. Doch weit gefehlt! Friseure sind in ihrem Berufsalltag einer Vielzahl von unsichtbaren Gefahren ausgesetzt, die ihre Gesundheit ernsthaft beeinträchtigen können. Während bestimmte Substanzen, wie das ehemals in Dauerwellenmitteln verwendete Glycerylmonothioglykolat, die für zahlreiche Allergien verantwortlich waren, glücklicherweise nicht mehr im Einsatz sind, bleiben andere Risiken bestehen. Es ist daher unerlässlich, sich über potenzielle Berufskrankheiten und vor allem über wirksame Präventionsmöglichkeiten umfassend zu informieren. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Informationen zusammen, damit Sie Ihre Gesundheit im Salonalltag optimal schützen können.

- Die verborgenen Gefahren im Friseurberuf
- Häufige Berufskrankheiten: Haut und Atemwege im Fokus
- Prävention ist der beste Schutz: Hautschutz, -reinigung und -pflege
- Kunden im Blick: Allergien und Vorsichtsmaßnahmen
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Sind Friseure wirklich einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt?
- Welche chemischen Stoffe sind besonders gefährlich?
- Wie erkenne ich eine Hautallergie im Friseurberuf?
- Was tun bei einer allergischen Reaktion beim Kunden?
- Welche Handschuhe sind am besten geeignet und warum sind Pausen wichtig?
- Kann ich meine Hände zu oft waschen?
- Warum ist Hautpflege nach der Arbeit so wichtig?
Die verborgenen Gefahren im Friseurberuf
Prinzipiell lassen sich die Hauptgefahren, denen Friseure ausgesetzt sind, in drei Kategorien einteilen: Wasser, Chemikalien und Duftstoffe. Jede dieser Kategorien birgt spezifische Risiken für Haut und Atemwege.
Wasser: Der stille Angreifer der Hautbarriere
Richtig gehört, selbst Wasser kann eine Gefahr darstellen. Bei sogenannten Feuchtarbeiten, zu denen das Haarewaschen, das Ausspülen von Produkten, die Reinigung von Arbeitsgeräten und sogar das Arbeiten mit Handschuhen zählt, kommt die Haut permanent mit Feuchtigkeit in Kontakt. Wenn die Hautzellen viel Wasser aufnehmen, quellen sie auf. Beim anschließenden Trocknen schrumpfen sie wieder, wodurch sich die Abstände zwischen den Hautzellen vergrößern. Dies macht die Haut durchlässiger und anfälliger für das Eindringen von reizenden oder allergieauslösenden Stoffen. Zudem kann durch diesen Prozess übermäßig viel Feuchtigkeit aus der Haut entweichen, was langfristig zu Austrocknung und Schäden an der natürlichen Schutzbarriere führt. Das Schwitzen in Handschuhen erzeugt einen ähnlichen Effekt, da die Feuchtigkeit im Handschuh die Haut aufweicht und ihre Schutzfunktion beeinträchtigt.
Chemikalien: Die unsichtbare Belastung für Haut und Atemwege
Chemikalien stellen eine der größten Herausforderungen im Friseuralltag dar. Besonders wenn die Haut durch häufigen Wasserkontakt bereits durchlässiger ist, können diese Substanzen tief eindringen und Schäden verursachen. Seifen und Shampoos, die zwar zur Reinigung dienen, tragen paradoxerweise dazu bei, indem sie das natürliche Fett der Haut auswaschen und ihr somit eine wichtige Schutzbarriere nehmen. Dadurch haben Allergene, also Stoffe, die Allergien auslösen, leichtes Spiel. Substanzen, die in Haarpflege-, Färbe-, Reinigungs- und Dauerwellenmitteln enthalten sind, können so Kontaktekzeme oder andere allergische Reaktionen auslösen.
Doch Chemikalien belasten nicht nur die Haut. Beim Anmischen von Färbemitteln können bestimmte Dämpfe freigesetzt werden, Haarsprays enthalten feine Aerosole, und bei Desinfektionsarbeiten kann Formaldehyd in die Raumluft gelangen. Das Einatmen dieser Stoffe kann die Atemwege reizen und langfristig zu Atemwegserkrankungen führen. Die Exposition gegenüber diesen chemischen Dämpfen und Partikeln ist ein ernstes, oft unterschätztes Risiko für die Lungengesundheit von Friseuren.
Duftstoffe: Der süße Reiz der Allergie
Der letzte Risikofaktor sind Duftstoffe. Sie sind nach Nickel der zweithäufigste Auslöser für Allergien und finden sich in nahezu allen Kosmetika, von Shampoos und Spülungen über Cremes bis hin zu Weichspülern. Obwohl sie für einen angenehmen Geruch sorgen, bergen sie ein erhebliches Risiko für allergische Reaktionen, insbesondere bei wiederholtem und intensivem Hautkontakt. Die breite Präsenz von Duftstoffen in den Arbeitsmaterialien macht es für Friseure schwierig, ihnen vollständig auszuweichen, was das Sensibilisierungsrisiko erhöht.
Häufige Berufskrankheiten: Haut und Atemwege im Fokus
Die ständige Exposition gegenüber den genannten Risikofaktoren führt bei Friseuren überdurchschnittlich oft zu bestimmten Berufskrankheiten. Hauterkrankungen sind dabei weitaus häufiger als Atemwegserkrankungen.
Hauterkrankungen: Ekzeme als häufigste Plage
Bei den entzündlichen Hauterkrankungen, den Ekzemen, unterscheidet man im Friseurberuf hauptsächlich zwei Typen:
- Abnutzungsekzem (Irritatives Kontaktekzem): Dieses Ekzem entsteht, wenn die Haut immer wieder mit reizenden Stoffen in Kontakt kommt. Durch die ständige Belastung nutzen sich die natürlichen Schutzbarrieren der Haut allmählich ab. Die Haut wird rau, rissig und durchlässig, wodurch reizende Stoffe tiefer eindringen können. Das Immunsystem reagiert darauf mit einer Entzündungsreaktion, die sich in Rötung, Juckreiz, Schuppung und manchmal Bläschenbildung äußert. Ein unbehandeltes Abnutzungsekzem kann die Haut so stark schwächen, dass sie anfälliger für die Entwicklung einer echten Allergie wird.
- Allergisches Kontaktekzem: Ein allergisches Kontaktekzem ist die Folge einer Sensibilisierung. Das bedeutet, der Körper hat nach wiederholtem Kontakt mit einem bestimmten Allergen (z.B. einem Inhaltsstoff in Haarfärbemitteln) Abwehrzellen und ein immunologisches Gedächtnis gegen diesen Stoff ausgebildet. Sobald die Haut einmal sensibilisiert ist, kann bereits ein geringer, einmaliger Kontakt mit dem Allergen eine starke Überreaktion auslösen. Die Symptome sind ähnlich wie beim Abnutzungsekzem, können aber intensiver sein und sich auch auf Hautbereiche ausbreiten, die nicht direkt mit dem Allergen in Kontakt kamen. Einmal entwickelt, bleibt eine solche Allergie in der Regel ein Leben lang bestehen.
Atemwegserkrankungen: Wenn die Luft dünn wird
Weniger häufig, aber nicht minder ernst, sind Atemwegserkrankungen. Sie entstehen durch die Reizung der Bronchien und der Schleimhäute der Atemwege durch eingeatmete Chemikalien, Dämpfe und Aerosole. Langfristige Exposition kann zu chronischem Husten, Asthma oder anderen respiratorischen Beschwerden führen, die die Arbeitsfähigkeit erheblich einschränken können.
Prävention ist der beste Schutz: Hautschutz, -reinigung und -pflege
Die gute Nachricht ist: Es gibt zahlreiche effektive Maßnahmen, um sich vor diesen Gefahren zu schützen. Ein grundlegendes Verständnis und die konsequente Anwendung von Schutzmaßnahmen sind der Schlüssel zur langfristigen Gesunderhaltung im Friseurberuf. Das EU-geförderte Forschungsprojekt „Safehair“ betont drei Säulen der Prävention: Hautschutz, Hautreinigung und Hautpflege.
Hautschutz: Die Barriere stärken
Der offensichtlichste und effektivste Schutz ist das Tragen von Handschuhen. Bei allen Tätigkeiten, die Kontakt mit Wasser oder Chemikalien bedeuten – wie Haare waschen, färben, spülen, Dauerwellen durchführen, Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten – sollten unbedingt Handschuhe getragen werden. Nitrilhandschuhe sind dabei oft eine gute Wahl, da sie eine gute Barriere bieten und das Allergiepotenzial von Latex vermeiden. Wichtig ist jedoch, auch „Handschuh-Pausen“ einzulegen, damit sich kein zu großer Schweißstau im Handschuh bildet, der die Haut aufweichen und anfälliger machen würde. Einmalhandschuhe sollten, wie der Name schon sagt, auch nur einmal verwendet werden. Risse oder Löcher, die bei mehrmaligem Gebrauch entstehen können, machen den Schutz unwirksam. Zusätzlich zu Handschuhen kann eine Handschutzcreme verwendet werden. Sie bildet einen zusätzlichen Schutzfilm auf der Haut und kann das Aufweichen der Hautbarriere durch Wasser und Feuchtigkeit reduzieren, ersetzt aber keinesfalls das Tragen von Handschuhen.
Hautreinigung: Sanft und bewusst
Bei der Hautreinigung gilt der Grundsatz: So selten wie nötig, so gründlich wie nötig. Zu häufiges oder zu aggressives Waschen schadet der Haut, da es ihre natürlichen Fette entfernt und die Schutzbarriere schwächt. Reinigungsmittel sollten einen pH-Wert von etwa 5,5 haben, um den natürlichen Säureschutzmantel der Haut zu erhalten. Zudem sollten sie frei von Farb-, Duft-, Konservierungs-, Lösungs- oder Reibemitteln sein, um weitere Reizungen zu vermeiden. Zum Händewaschen eignet sich am besten lauwarmes Wasser, und die Hände sollten danach sorgfältig mit einem sauberen Tuch abgetrocknet werden, um Restfeuchtigkeit zu vermeiden.
Hautpflege: Regeneration und Stärkung
Nach der Arbeit und insbesondere nach Feuchtarbeiten oder dem Kontakt mit Chemikalien sollte die Haut regelmäßig mit geeigneten Pflegeprodukten versorgt werden. Reichhaltige, feuchtigkeitsspendende Cremes helfen der Haut, sich zu regenerieren, ihre Schutzbarriere wieder aufzubauen und geschmeidig zu bleiben. Eine konsequente Hautpflege ist entscheidend, um die Widerstandsfähigkeit der Haut gegenüber den täglichen Belastungen zu erhalten.

Hier eine Übersicht der wichtigsten Präventionsmaßnahmen:
| Bereich | Maßnahme | Zweck |
|---|---|---|
| Hautschutz | Handschuhe tragen (insbesondere Nitrilhandschuhe) | Bildung einer physischen Barriere gegen Wasser und Chemikalien. |
| Regelmäßige Handschuh-Pausen einlegen | Vermeidung von Feuchtigkeitsstau und Aufweichung der Haut durch Schwitzen. | |
| Handschutzcreme als Ergänzung verwenden | Zusätzlicher Schutzfilm, unterstützt die Hautbarriere. | |
| Hautreinigung | Hände nur bei Bedarf reinigen | Schonung der natürlichen Hautfette und -barriere. |
| pH-neutrale Reinigungsmittel (ca. 5,5) nutzen | Erhalt des natürlichen Säureschutzmantels der Haut. | |
| Lauwarmes Wasser und sanftes Trocknen | Vermeidung zusätzlicher Reizung und Austrocknung. | |
| Hautpflege | Regelmäßiges Eincremen der Hände | Unterstützung der Hautregeneration und Feuchtigkeitsversorgung. |
Kunden im Blick: Allergien und Vorsichtsmaßnahmen
Während sich Friseure selbst mit Handschuhen und Cremes schützen, kommen die Produkte beim Kunden direkt auf die Kopfhaut. Auch hier können allergische Reaktionen auftreten, die jedoch in der Regel seltener sind. Als besonders allergieauslösende Substanzen in Haarfärbemitteln gelten p-Phenylendiamin (PPD), p-Toluylendiamin (PTD), m-Aminophenol und Resorcin. Es wird oft empfohlen, Kunden unter 16 Jahren die Haare nicht zu färben, um potenzielle Schäden zu vermeiden, für die der Friseur später haften könnte.
Der unverzichtbare Patch-Test
Generell sollte vor jeder Anwendung von Haarfärbemitteln ein sogenannter Patch-Test oder Allergietest durchgeführt werden. Dabei wird eine kleine Menge des Produkts in die Armbeuge oder hinter das Ohr aufgetragen und die Reaktion der Haut über einen Zeitraum von 48 Stunden beobachtet. Kommt es zu Rötungen, Juckreiz, Brennen, Schwellungen oder anderen Irritationen, sollte der Kunde auf die geplante Haarfarbe verzichten. Dieser Test ist ein entscheidender Schritt, um schwere allergische Reaktionen zu vermeiden und die Sicherheit des Kunden zu gewährleisten.
Was tun bei einer allergischen Reaktion des Kunden?
In seltenen Fällen kann es trotz Vorsichtsmaßnahmen zu starken allergischen Reaktionen bei Kunden kommen. In solchen Situationen ist es entscheidend, ruhig zu bleiben und schnell zu handeln:
- Sofort abspülen: Das Produkt muss umgehend und gründlich mit lauwarmem Wasser vom Kopf und der betroffenen Hautstelle abgespült werden.
- Keine weiteren Produkte: Es dürfen auf keinen Fall weitere Pflegeprodukte oder Hausmittel angewendet werden, da diese die Reaktion verschlimmern könnten.
- Notarzt rufen: Bei sehr starken Reaktionen wie ausgeprägten Schwellungen im Gesicht, am Hals oder Atembeschwerden darf nicht gezögert werden, sofort den Notarzt zu rufen. Eine anaphylaktische Reaktion kann lebensbedrohlich sein.
Es ist außerdem ratsam, aufgetretene Allergien oder Unverträglichkeiten bei Kunden sorgfältig zu dokumentieren, um zukünftige Risiken zu minimieren und eine sichere Behandlung zu gewährleisten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind Friseure wirklich einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt?
Ja, der Friseurberuf birgt aufgrund des ständigen Kontakts mit Wasser, chemischen Substanzen wie Haarfärbemitteln und Dauerwellenmitteln sowie Duftstoffen ein erhöhtes Risiko für bestimmte Berufskrankheiten. Diese äußern sich primär in Hauterkrankungen wie Ekzemen und, seltener, in Atemwegsproblemen.
Welche chemischen Stoffe sind besonders gefährlich?
Besonders kritisch sind Substanzen in Haarfärbemitteln wie p-Phenylendiamin (PPD), p-Toluylendiamin (PTD), m-Aminophenol und Resorcin. Auch bestimmte Inhaltsstoffe in Dauerwellenmitteln (historisch Glycerylmonothioglykolat) sowie Formaldehyd in Desinfektionsmitteln können allergische Reaktionen und Reizungen auslösen.
Wie erkenne ich eine Hautallergie im Friseurberuf?
Eine Hautallergie oder ein Ekzem äußert sich häufig durch Symptome wie Rötung, starker Juckreiz, Brennen, Schwellungen, Bläschenbildung und Schuppung, besonders an den Händen. Oft beginnt es mit trockener, rauer Haut, die sich unbehandelt zu einem chronischen Ekzem entwickeln kann.
Was tun bei einer allergischen Reaktion beim Kunden?
Bei einer allergischen Reaktion sollten Sie das Produkt sofort gründlich mit lauwarmem Wasser abspülen. Verwenden Sie keine weiteren Produkte. Bei starken Reaktionen wie ausgeprägten Schwellungen, Atembeschwerden oder anderen schweren Symptomen müssen Sie umgehend den Notarzt rufen.
Welche Handschuhe sind am besten geeignet und warum sind Pausen wichtig?
Nitrilhandschuhe sind oft die beste Wahl, da sie guten Schutz bieten und seltener Allergien auslösen als Latexhandschuhe. Handschuh-Pausen sind entscheidend, da das Schwitzen in den Handschuhen die Haut aufweichen kann, was die Barrierefunktion beeinträchtigt und das Risiko für Hautirritationen und Allergien erhöht. Die Hände sollten in den Pausen gut trocknen können.
Kann ich meine Hände zu oft waschen?
Ja, übermäßiges Händewaschen, insbesondere mit aggressiven Seifen, kann die natürlichen Fette der Haut entfernen und ihre Schutzbarriere schwächen. Dies macht die Haut anfälliger für Austrocknung, Risse und das Eindringen von Allergenen und Reizstoffen.
Warum ist Hautpflege nach der Arbeit so wichtig?
Eine konsequente Hautpflege nach der Arbeit, einschließlich des regelmäßigen Eincremens mit feuchtigkeitsspendenden Produkten, ist entscheidend. Sie hilft der Haut, sich von den Belastungen des Tages zu erholen, die natürliche Schutzbarriere wieder aufzubauen und Trockenheit sowie Rissbildung vorzubeugen, was das Risiko für Ekzeme und Allergien mindert.
Der Friseurberuf ist eine kreative und erfüllende Tätigkeit, die jedoch ein hohes Maß an Bewusstsein und Sorgfalt für die eigene Gesundheit erfordert. Mit konsequenten Schutzmaßnahmen, einer angepassten Hautreinigung und regelmäßiger Pflege können Friseure ihre Gesundheit langfristig schützen und ihren Beruf mit Leidenschaft und ohne gesundheitliche Einschränkungen ausüben. Die Investition in die eigene Gesundheit ist die beste Vorsorge für eine lange und erfolgreiche Karriere im Salon.
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