29/07/2020
Die Kunst des Haareschneidens ist eine der ältesten Handwerkskünste der Menschheit, deren Ursprünge Tausende von Jahren zurückreichen. Doch während die „Erfindung“ der Coiffure selbst nicht einer einzelnen Person zugeschrieben werden kann, gab es immer wieder Persönlichkeiten und Unternehmen, die diesen Beruf neu definierten und zugänglicher machten. In der Schweiz ist ein Name untrennbar mit einer solchen Revolution verbunden: Gidor Coiffure. Was 1957 als mutige Vision begann, ist heute eine Erfolgsgeschichte, die weit über das Schneiden von Haaren hinausgeht und die Art und Weise, wie die Schweizer ihre Coiffeur-Dienstleistungen in Anspruch nehmen, nachhaltig geprägt hat.
Die Vorstellung, einfach in einen Salon zu spazieren und ohne lange Wartezeit oder vorherige Terminvereinbarung einen qualitativ hochwertigen Haarschnitt zu erhalten, mag heute selbstverständlich erscheinen. Doch vor Jahrzehnten war dies alles andere als der Standard. Es war Louis Giger sen. (1928–2018), der Gründer von Gidor, der diese Vorstellung in die Realität umsetzte und damit das Schweizer Coiffeur-Wesen für immer veränderte. Seine Geschichte ist ein Beispiel für Unternehmergeist, Anpassungsfähigkeit und den unbedingten Willen, Dienstleistungen für jedermann zugänglich zu machen.
Die Geburtsstunde einer Vision: Louis Giger sen. und die Anfänge
Im Jahr 1957 legte Louis Giger sen. den Grundstein für das heutige Unternehmen, als er in Zürich-Altstetten am Lindenplatz seinen ersten Coiffeur-Salon eröffnete. Dieser Salon war nicht einfach nur ein weiterer Friseurladen; er war ein Experiment, eine Provokation und eine Antwort auf die Bedürfnisse einer sich wandelnden Gesellschaft. Giger hatte eine klare Vision: Er wollte Haarschnitte anbieten, die für jeden erschwinglich waren und die ohne die Notwendigkeit einer vorherigen Terminvereinbarung in Anspruch genommen werden konnten. Dieses Konzept, Ohne Voranmeldung zu Tiefstpreisen bedient zu werden, war zu dieser Zeit revolutionär.
Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten. Die Idee, spontan und kostengünstig zum Coiffeur gehen zu können, traf genau den Nerv der Zeit. Schon ein Jahr nach der Eröffnung seines ersten Salons war Louis Giger sen. Besitzer zweier Geschäfte. Dieses schnelle Wachstum war ein klares Zeichen dafür, dass er eine Marktlücke entdeckt und erfolgreich besetzt hatte. In den darauffolgenden Jahren ergänzte er sein Portfolio kontinuierlich um weitere Standorte, stets mit dem Fokus auf Effizienz, Zugänglichkeit und kundenfreundliche Preise.
Gidor SA: Der Name, die Expansion und der Widerstand
Die Konsolidierung seiner wachsenden Salon-Kette erfolgte 1975 mit der Gründung der Gidor SA. Der Name „Gidor“ ist dabei nicht zufällig gewählt; er ist eine clever komponierte Anlehnung an den Familiennamen Giger (gi) und das französische Wort „d’or“, was „für Gold“ bedeutet. Ein Name, der Qualität und Wert verspricht, aber gleichzeitig die bodenständige Herangehensweise des Unternehmens beibehält.
Die Expansion von Gidor in den 1970er und 1980er Jahren war bemerkenswert. Doch der Erfolg rief auch Neider auf den Plan. Die etablierte Konkurrenz sah es gar nicht gerne, dass Gidor Coiffuredienstleistungen zu solch attraktiven Tiefstpreisen anbot. Dies führte zu erheblichem Druck auf Lieferanten, die gezwungen wurden, Gidor zu boykottieren. Die Drohung war klar: Würden sie Gidor weiterhin beliefern, würden ihnen Aufträge seitens der Konkurrenz entzogen. Dies war eine harte Probe für das junge Unternehmen, doch Gidor konnte sich durchsetzen. Der Boykott zeigte die Stärke und Entschlossenheit des Unternehmens, das trotz dieser Widrigkeiten seinen Weg unbeirrt fortsetzte und seine Position am Markt festigte. Diese Phase des Widerstands schweisste das Unternehmen zusammen und bewies, dass Gigers Konzept nachhaltig war.
Vom Damensalon zum umfassenden Angebot: Die Entwicklung der Gidor-Dienstleistungen
Anfänglich spezialisierte sich die Kette hauptsächlich auf Frisuren für Damen. Auch heute noch machen Frauen rund zwei Drittel der Kundschaft aus, was die ursprüngliche Ausrichtung und die Loyalität dieser Zielgruppe unterstreicht. Doch Gidor erkannte schnell das Potenzial, auch spezifische Angebote für Herren zu entwickeln und so das Dienstleistungsportfolio zu erweitern. Diese Anpassung an die Bedürfnisse des gesamten Marktes war ein weiterer kluger Schritt in der Unternehmensentwicklung.
Ein Meilenstein in der Kundenbindung war der Beitritt zum Kundenbindungsprogramm (Supercard) von Coop im Jahr 2003. Gidor war der erste Betrieb ausserhalb der Coop-Gruppe, der diesem Programm beitrat, was einmal mehr die Innovationsfreude und den Mut des Unternehmens unterstrich, neue Wege im Marketing und in der Kundenansprache zu gehen. Die Integration der Supercard ermöglichte es Gidor, die Kundenbindung weiter zu stärken und den Kunden zusätzliche Vorteile zu bieten, was in der Coiffeur-Branche damals einzigartig war.
Die Gidor Gruppe heute: Mehr als nur Haarschnitte
Die Gidor SA mit Sitz in Baar ist heute die grösste Coiffeur-Kette der Schweiz und ein beeindruckendes Beispiel für ein Familienunternehmen, das sich zu einem Branchenführer entwickelt hat. Die Gruppe umfasst heute über 100 Filialen, die über das ganze Land verteilt sind und das ursprüngliche Konzept der Zugänglichkeit und Erschwinglichkeit fortführen.
Doch Gidor ist weit mehr als nur eine Kette von Friseursalons. Das Unternehmen hat sich modernisiert und diversifiziert. Dazu gehört der Onlineshop Click&Care, der es Kunden ermöglicht, Haarpflegeprodukte bequem von zu Hause aus zu bestellen. Ein weiteres Kernstück der Gidor Gruppe ist die GIDOR Academy. Hier werden nicht nur die eigenen Mitarbeitenden geschult und weitergebildet, sondern auch über 200 angehende Coiffeusen und Coiffeure pro Jahr ausgebildet. Dies unterstreicht Gidors Engagement für die Förderung des Berufsstandes und die Sicherung qualifizierten Nachwuchses. Die gesamte Gruppe beschäftigt über 1000 Mitarbeitende, was Gidor zu einem bedeutenden Arbeitgeber in der Schweiz macht und die wirtschaftliche Relevanz des Unternehmens hervorhebt.
Die Zukunft von Gidor: Eine Familienangelegenheit
Seit 2004 steht das Unternehmen unter der Leitung der beiden Söhne des Firmengründers, Louis Giger jun. und Philipp Giger. Diese familiäre Kontinuität gewährleistet, dass die ursprünglichen Werte und die Vision von Louis Giger sen. – Qualität, Zugänglichkeit und Kundennähe – auch in Zukunft Bestand haben. Die Brüder führen das Erbe ihres Vaters fort und entwickeln das Unternehmen stetig weiter, um den sich ändernden Anforderungen des Marktes gerecht zu werden und die führende Position von Gidor in der Schweizer Coiffeur-Branche zu behaupten.
Vergleich: Traditioneller Coiffeur vs. Gidor (Anfangsmodell)
| Merkmal | Traditioneller Coiffeur (vor Gidor) | Gidor (Anfangsmodell) |
|---|---|---|
| Terminvereinbarung | Oft notwendig, lange Wartezeiten möglich | Nicht notwendig, spontaner Besuch |
| Preise | Tendenziell höher, gehobenes Segment | Tiefstpreise, erschwinglich für alle |
| Wartezeit vor Ort | Gering (mit Termin) | Kann variieren, je nach Andrang |
| Zielgruppe | Breit, oft spezifischere Nischen | Zuerst Damen, später umfassend für alle |
| Innovation | Weniger im Geschäftsmodell, mehr in Stil | Revolutionäres Preis-Leistungs-Verhältnis und Zugänglichkeit |
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Gidor Coiffure
Wer hat die Coiffure erfunden?
Die Coiffure als Handwerk hat eine sehr lange Geschichte und wurde nicht von einer einzelnen Person „erfunden“. Louis Giger sen. hat jedoch die Art und Weise, wie Coiffeur-Dienstleistungen in der Schweiz angeboten wurden, revolutioniert, indem er das Konzept der Haarschnitte ohne Voranmeldung und zu Tiefstpreisen etablierte und damit den Zugang für eine breitere Bevölkerungsschicht ermöglichte.
Muss ich bei Gidor einen Termin vereinbaren?
Nein, das Kernkonzept von Gidor basiert auf dem Prinzip „ohne Voranmeldung“. Sie können in der Regel einfach vorbeigehen und sich bedienen lassen. Für spezifische Dienstleistungen oder bei starkem Andrang kann es jedoch sinnvoll sein, die Möglichkeiten der Filiale zu prüfen.
Ist Gidor nur für Damen?
Nein, obwohl Gidor anfänglich einen starken Fokus auf Damenschnitte hatte (und diese noch heute einen Grossteil der Kundschaft ausmachen), bietet das Unternehmen seit langem auch spezifische Dienstleistungen und Angebote für Herren an.
Wie viele Filialen hat Gidor in der Schweiz?
Heute gehören über 100 Filialen zur Gidor Coiffure Kette, was sie zur grössten Coiffeur-Kette der Schweiz macht.
Was ist Click&Care?
Click&Care ist der Onlineshop der Gidor Gruppe. Dort können Kunden Haarpflegeprodukte und möglicherweise auch Gutscheine oder andere Dienstleistungen online erwerben.
Bildet Gidor Coiffeure aus?
Ja, Gidor legt grossen Wert auf die Ausbildung und Weiterentwicklung des Nachwuchses. Über die GIDOR Academy werden jährlich über 200 angehende Coiffeusen und Coiffeure ausgebildet.
Warum sind die Preise bei Gidor so tief?
Die Strategie der Tiefstpreise war von Anfang an ein zentraler Bestandteil der Gidor-Philosophie von Louis Giger sen. Ziel war es, qualitativ hochwertige Coiffeur-Dienstleistungen für jedermann erschwinglich zu machen und so eine breitere Kundenschicht anzusprechen.
Die Geschichte von Gidor ist eine Geschichte von Innovation, Durchhaltevermögen und einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse der Kunden. Von einem einzelnen Salon in Zürich-Altstetten hat sich Gidor zu einem Imperium entwickelt, das die Schweizer Coiffeur-Landschaft massgeblich geprägt hat und weiterhin prägen wird.

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