10/06/2022
Für junge Schweizerinnen und Schweizer hat der Stellenwert des Geldes in den letzten Jahren, nicht zuletzt durch die Erfahrungen der Corona-Krise, deutlich zugenommen. Der Wunsch, gut zu verdienen, prägt die Berufswahl immer stärker. Doch wie viel lässt sich eigentlich in einer Lehre verdienen, und gibt es dabei grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Berufen? Das aktuelle Lohnbuch Schweiz, herausgegeben von der Volksdirektion des Kantons Zürich, liefert hierzu aufschlussreiche Informationen und zeigt detailliert auf, wie unterschiedlich die Einkommen von Lehrlingen ausfallen können.

Dieser mehrere hundert Seiten starke Wälzer ist eine wahre Fundgrube für alle, die sich einen Überblick über die Mindestlöhne und ortsüblichen Löhne von tausenden Berufen in der Schweiz verschaffen möchten. Er nennt nicht nur die empfohlenen Löhne für ausgebildete Fachkräfte, sondern auch die gesamtschweizerisch empfohlenen Löhne für Lehrlinge in den einzelnen Lehrjahren. Die Erkenntnisse daraus sind oft überraschend und zeigen, dass die Wahl des Lehrberufs einen erheblichen Einfluss auf das anfängliche Einkommen hat.
Die Welt der Lehrlingslöhne: Warum Unterschiede bestehen
Ein Blick in das Lohnbuch Schweiz offenbart schnell, dass die Löhne im Branchenvergleich stark variieren. Diese Unterschiede sind nicht willkürlich, sondern spiegeln komplexe Marktmechanismen wider, die auf Angebot und Nachfrage sowie dem Grad der Wertschöpfung basieren, den ein Lehrling bereits im ersten Lehrjahr leisten kann. Nehmen wir beispielsweise den Goldschmied: Ein Jugendlicher, der sich für eine Lehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) in diesem traditionsreichen Handwerk entscheidet, verdient im ersten Lehrjahr mit durchschnittlich 450 Franken pro Monat vergleichsweise wenig. Dies mag auf den ersten Blick entmutigend wirken, ist aber oft dem Umstand geschuldet, dass die Einarbeitungszeit und der Erwerb komplexer Fertigkeiten länger dauern, bevor ein signifikanter Beitrag zur Produktion geleistet werden kann.
Im krassen Gegensatz dazu steht der Kochlehrling, der auf der gleichen Stufe bereits 1020 Franken erhält. Dieser deutliche Unterschied lässt sich oft damit erklären, dass Kochlehrlinge relativ schnell in den Küchenbetrieb integriert werden und bereits nach kurzer Zeit einfache, aber wertvolle Aufgaben übernehmen können, die direkt zur Wertschöpfung des Betriebs beitragen. Sie sind schneller produktiv einsetzbar, was sich im höheren Lehrlingslohn widerspiegelt.
Die Dynamik der Lohnsprünge zwischen den Lehrjahren
Nicht nur die Einstiegslöhne unterscheiden sich markant, sondern auch die Lohnsprünge zwischen den einzelnen Lehrjahren weisen grosse Differenzen auf. Diese Sprünge sind ein Indikator dafür, wie schnell die Verantwortung und die Fähigkeiten eines Lehrlings zunehmen und wie stark sich dies auf den Lohn auswirkt.
Betrachten wir das Malerhandwerk: Eine Malerin oder ein Maler verdient im ersten Lehrjahr zwischen 500 und 650 Franken im Monat. Im dritten und letzten Lehrjahr hingegen steigt der Lohn auf 1200 bis 1600 Franken. Das ist mehr als das Doppelte des Anfangslohns und zeigt, wie stark die Produktivität und das Können im Laufe der Ausbildung zunehmen und entsprechend entlohnt werden.
Ganz anders sieht es bei der Bäckerlehre aus: Hier sind die Lohnsprünge vergleichsweise klein. Während es im ersten Lehrjahr durchschnittlich 800 Franken gibt, sind es im dritten Lehrjahr nur 1100 Franken – ein Zuwachs von lediglich 300 Franken. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Grundfertigkeiten relativ schnell erlernt sind und der Zuwachs an Komplexität oder Verantwortung, der sich direkt im Lohn niederschlägt, weniger steil verläuft als in anderen Berufen.
| Beruf | 1. Lehrjahr (CHF/Monat) | 3. Lehrjahr (CHF/Monat) | Lohnsprung (CHF) |
|---|---|---|---|
| Goldschmied/in | 450 | (Keine Angabe, aber geringer Start) | Variiert |
| Koch/Köchin | 1020 | (Keine Angabe, aber höherer Start) | Variiert |
| Maler/in | 500 - 650 | 1200 - 1600 | 700 - 950 |
| Bäcker/in | 800 | 1100 | 300 |
(Hinweis: Die Werte für das 3. Lehrjahr des Goldschmieds und Kochs sind im Originaltext nicht explizit genannt, aber der Trend des Startlohnes lässt Rückschlüsse auf die relative Entwicklung zu.)
Der Coiffeur-Beruf im Kontext der Lohnentwicklung
Nun stellt sich die Frage: Wie sieht es in der Coiffeur-Lehre aus? Obwohl das vorliegende Lohnbuch-Segment keine spezifischen Zahlen für den Coiffeur-Beruf detailliert, können wir die gleichen Prinzipien anwenden, die auch für andere Branchen gelten. Der Coiffeur-Beruf ist eine Mischung aus Handwerk, Kreativität und Dienstleistung, die stark von persönlicher Interaktion und ästhetischem Gespür geprägt ist.
Die Löhne im Coiffeurhandwerk können, ähnlich wie bei anderen Berufen, regional stark variieren. In städtischen Gebieten mit hoher Nachfrage und zahlungskräftiger Kundschaft sind die Löhne tendenziell höher als in ländlichen Regionen. Auch die Art des Salons spielt eine Rolle: Ein exklusiver Salon mit spezialisierten Dienstleistungen oder einer bekannten Marke kann oft höhere Löhne bieten als ein kleinerer Quartiersalon. Die Spezialisierung innerhalb des Berufs, beispielsweise auf Farbtechniken, Hochzeitsfrisuren oder Haarverlängerungen, kann ebenfalls zu einem höheren Verdienstpotenzial führen, da solche Fähigkeiten oft gefragt und höher vergütet werden.
Ein Coiffeur-Lehrling beginnt in der Regel mit grundlegenden Aufgaben wie dem Waschen von Haaren, dem Aufräumen des Salons und der Assistenz bei komplexeren Behandlungen. Mit zunehmender Erfahrung und dem Erwerb von Fertigkeiten wie dem Schneiden, Färben oder Stylen von Haaren steigt auch der direkte Beitrag zur Wertschöpfung des Salons. Der Aufbau eines eigenen Kundenstamms, das Entwickeln eines guten Verständnisses für Kundenwünsche und die Fähigkeit, selbstständig und effizient zu arbeiten, sind Faktoren, die im Laufe der Lehre und danach den Lohn positiv beeinflussen können.
Obwohl konkrete Zahlen fehlen, ist es plausibel anzunehmen, dass auch im Coiffeur-Beruf die Löhne im ersten Lehrjahr aufgrund der Einarbeitung und des Lernprozesses eher moderat sind, aber mit fortschreitender Ausbildung und zunehmender Kompetenz spürbar ansteigen. Die Fähigkeit, Kunden zu binden und durch exzellenten Service zu begeistern, ist in diesem Beruf von unschätzbarem Wert und kann sich langfristig in einer besseren Bezahlung niederschlagen.
Die Pandemie und ihre Auswirkungen auf den Lehrstellenmarkt
Die Corona-Pandemie hat nicht nur die Arbeitswelt im Allgemeinen, sondern auch den Lehrstellenmarkt in der Schweiz tiefgreifend beeinflusst. Die durch die Krise verursachte „Lehrstellenkrise“ hat zu einer Verknappung von Ausbildungsplätzen geführt, was weitreichende Konsequenzen für angehende Berufsleute haben könnte.
Stefan Wolter, ein renommierter Bildungsökonom der schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, schätzt, dass es bis zum Jahr 2025 bis zu 20 Prozent weniger Lehrstellen geben könnte. Dies wäre ein signifikanter Rückgang, der zu einer Akzentuierung der Jugendarbeitslosigkeit führen dürfte. Weniger Lehrstellen bedeuten mehr Konkurrenz unter den Bewerbern und potenziell schwierigere Einstiegsbedingungen in den Arbeitsmarkt.
Paradoxerweise könnte diese Entwicklung jedoch langfristig zu einem Vorteil für gut ausgebildete Fachkräfte führen. Ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in absehbarer Zukunft wird die Verhandlungsposition von Arbeitnehmern stärken. Das Lohnbuch selbst deutet an, dass «vor allem gut ausgebildete Arbeitskräfte sich in einer besseren Verhandlungsposition wiederfinden» könnten. Dies bedeutet, dass diejenigen, die sich trotz der Herausforderungen eine solide Ausbildung aneignen, in Zukunft möglicherweise höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen aushandeln können.
Nach der Lehre: Wie man den Lohn erfolgreich verhandelt und steigert
Die Lehre ist der erste Schritt in die Berufswelt, aber die Lohnentwicklung ist damit keineswegs abgeschlossen. Wer mit seinem Anfangssalär als Berufseinsteiger nicht zufrieden ist, hat durchaus Möglichkeiten, dieses aufzubessern. Eine der effektivsten Methoden ist die gezielte Lohnverhandlung, die jedoch eine sorgfältige Vorbereitung erfordert.
Michael Kraft, Leiter Bildung beim Kaufmännischen Verband Schweiz, betont die Wichtigkeit, die branchenüblichen Löhne zu kennen: «Man sollte wissen, welche Löhne im Beruf gezahlt werden.» Dies bedeutet, sich vorab gründlich zu informieren, beispielsweise durch Lohnrechner im Internet, Branchenstudien oder eben das Lohnbuch Schweiz. Wer gut informiert in ein Verhandlungsgespräch geht, kann seine Forderungen besser begründen und selbstbewusster auftreten.
Eine weitere entscheidende Möglichkeit zur Lohnsteigerung ist die Weiterbildung. Doch auch hier gilt es, klug vorzugehen. Kraft rät: «Wichtig ist, seinen Interessen nachzugehen und etwas zu wählen, das man in der Praxis anwenden kann.» Eine Weiterbildung sollte nicht nur wegen des potenziellen Lohnzuwachses gewählt werden, denn «damit würde man nicht glücklich.» Vielmehr sollte sie die eigenen Stärken und Interessen ergänzen und die berufliche Entwicklung sinnvoll vorantreiben. Oft kristallisiert sich schon während der Lehre heraus, in welche Richtung man sich spezialisieren möchte oder welche zusätzlichen Kompetenzen hilfreich wären.
Die Investition in Wissen und Fähigkeiten zahlt sich langfristig aus, da sie die eigene Wertschöpfung erhöht und einen für Arbeitgeber attraktiver macht. Letztendlich, so die Botschaft, ist es die Kombination aus Engagement, kontinuierlicher Weiterentwicklung und strategischem Denken, die den Weg zu einem erfüllenden Berufsleben und einem angemessenen Einkommen ebnet.
Häufig gestellte Fragen zu Lehrlingslöhnen
Warum gibt es so grosse Lohnunterschiede?
Die grossen Lohnunterschiede zwischen den Lehrberufen haben primär mit den Prinzipien von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zu tun. Eine Lehrstelle als Koch ist beispielsweise schwieriger zu besetzen als die eines Automechanikers, was sich in einem höheren Anfangslohn für Köche widerspiegeln kann. Ein weiterer entscheidender Faktor ist, wie schnell ein Lehrling produktiv eingesetzt werden kann und wie hoch sein Anteil an der Wertschöpfung des Betriebs ist. Berufe, in denen Lehrlinge schneller eigenverantwortlich Aufgaben übernehmen können, die unmittelbar zum Geschäftserfolg beitragen, sind oft besser entlohnt. Auch die Arbeitszeiten und die Rahmenbedingungen, wie etwa Arbeiten im Freien oder unregelmässige Schichten, können eine Rolle spielen und zu Lohnunterschieden führen.
Sind besser bezahlte Lehren anspruchsvoller?
Absolut nicht. Die Höhe des Lohns ist nicht zwingend ein Indikator für den Schwierigkeitsgrad oder die intellektuelle Herausforderung eines Berufs. Es gibt sehr anspruchsvolle Jobs, die weniger gut bezahlt sind, und umgekehrt. Der Anspruch eines Berufs kann sich auf verschiedene Weisen zeigen: körperlich, geistig, emotional oder in Bezug auf die Verantwortung. Ein höherer Lohn reflektiert eher die Marktlage, die Nachfrage nach den erlernten Fähigkeiten und den direkten Nutzen für den Betrieb, nicht unbedingt die Schwierigkeit der Ausbildung selbst.
Verdient man nach einer gut bezahlten Lehre auch später noch mehr?
In den ersten Jahren nach Abschluss einer gut bezahlten Lehre ist dies oft der Fall. Der anfängliche Vorteil bleibt also bestehen. Allerdings relativiert sich dieser Unterschied mit der Zeit. Der weitere Karriereweg und die Lohnentwicklung hängen dann stärker davon ab, wie viel Verantwortung man im Beruf übernimmt, welche zusätzlichen Qualifikationen durch Weiterbildung erworben werden und wie man sich persönlich und fachlich entwickelt. Die anfängliche Lohnhöhe ist somit nur ein Sprungbrett; das langfristige Verdienstpotenzial liegt in der eigenen Initiative und dem Wunsch nach kontinuierlicher Verbesserung. Wie Urs Casty, Gründer von Yousty.ch, sinngemäss feststellt: «Man kann überall viel Geld verdienen, wenn man will.»
Wie wichtig ist der Lohn bei der Suche nach einer Lehre?
Der Lohn sollte bei der Wahl einer Lehre nicht im Vordergrund stehen. Während ein angemessenes Einkommen wichtig ist, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, sind andere Faktoren für die langfristige Zufriedenheit und den Erfolg im Beruf von grösserer Bedeutung. Viel wichtiger ist, dass die Lehre Spass macht, man sich im Team integriert fühlt und einen Sinn in der Arbeit sieht. Wenn die Arbeit Freude bereitet und man sich mit den Aufgaben identifizieren kann, ist man engagierter und motivierter. Diese innere Einstellung führt automatisch zu besseren Leistungen, was wiederum die Karriere vorantreibt und sich langfristig positiv auf den Lohn auswirkt. Die Wahl einer Lehre sollte daher in erster Linie von Interesse, Talent und der persönlichen Berufung geleitet sein, nicht allein vom Verdienst.
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