Was passiert mit dem Großen Diktator?

Der Große Diktator: Chaplins Zeitlose Satire

17/01/2020

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Vor 80 Jahren, im Jahr 1940, erblickte ein Film das Licht der Welt, der nicht nur die Kinogeschichte revolutionieren, sondern auch als mutiges Statement gegen die damals aufkeimende Tyrannei dienen sollte: Charlie Chaplins „Der große Diktator“. In einer Zeit, in der der Nationalsozialismus und der Faschismus die Welt in ihren eisernen Griff nahmen, konnte Chaplin nicht schweigen. Er nutzte seine Kunst als Waffe und schuf ein Werk, das bis heute als leuchtendes Beispiel für den Kampf gegen Faschismus, Antisemitismus und Diktatur steht. Dieser Film ist mehr als nur eine Komödie; er ist eine zeitgenössische, entlarvende Satire auf Adolf Hitler und seine Ideologie, die man mindestens einmal im Leben gesehen haben muss.

Wer hat dem Friseur im Ersten Weltkrieg das Leben gerettet?
Doch gerade als die Sturmtruppen den Friseur wegen seines Widerstands lynchen wollen, kommt zufällig Schultz, inzwischen Kommandeur der Sturmtruppen, vorbei und erkennt in ihm den Soldaten wieder, der ihm im Ersten Weltkrieg das Leben gerettet hat.
Inhaltsverzeichnis

Die Geburtsstunde einer Satire: Ein zeitloses Meisterwerk

Die Idee zu einem satirischen, antinazistischen Film kam Chaplin bereits 1937 vom berühmten britischen Regisseur Alexander Korda, einem Juden. Korda erkannte die frappierende Ähnlichkeit zwischen Chaplins geliebtem Stummfilmhelden, dem Tramp, und Adolf Hitler, insbesondere wegen ihres charakteristischen Schnurrbarts. Diese äußere Ähnlichkeit wurde zum Ausgangspunkt für ein Projekt, das Chaplin mit immensem persönlichen und finanziellen Risiko verfolgte. Während der Dreharbeiten bestanden noch diplomatische Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland, und die Veröffentlichung des Films stellte ein ernsthaftes Problem dar. Deutsche Diplomaten drohten mit „schwerwiegenden Problemen und Komplikationen“ und Chaplin erhielt anonyme Drohungen, Kinos würden mit Gasbomben bombardiert oder auf Bildschirme geschossen. Doch als finanziell unabhängiger Filmemacher verteidigte Chaplin sein Recht auf künstlerische Freiheit. Er investierte etwa zwei Millionen Dollar in die Produktion, ein Vermögen, das ihn bei einem Verbot des Films in den Bankrott getrieben hätte. Dennoch war er überzeugt, dass er angesichts der Bedrohung für die Welt einen solchen Film einfach machen musste: „Hitler sollte lächerlich gemacht werden.“ In Amerika gab es damals kaum Informationen über die wahren Ausmaße des Nazi-Terrors, und Chaplins Film sollte die Augen öffnen. Die Uraufführung im Oktober 1940 in den USA war ein großer Erfolg, besonders in jüdischen Kreisen, und schnell bildeten sich Warteschlangen vor den Kinos. In Chaplins Heimat London, auf dem Höhepunkt der deutschen Bombenangriffe, stärkte der Film im Dezember 1940 den kämpferischen Geist der Briten, auch wenn die Reaktionen der Filmkritiker damals noch sehr zweideutig waren, von „Meisterwerk der Satire“ bis zu „Warum hat er sich in der Politik engagiert?“. Es gibt sogar Hinweise, dass Hitler den Film gesehen hat und Chaplin als einen der bekanntesten Schauspieler seiner Zeit bezeichnete, bevor dieser für ihn in Deutschland zur verbotenen Person wurde.

Barbier versus Diktator: Ein Spiel der Identitäten

Die Geschichte entfaltet sich in den 1930er Jahren in einem fiktiven Land namens Tomania. Im Zentrum steht die Konfrontation zwischen den Unterdrückern – dem mächtigen Diktator Anton Hynkel (im Original Adenoid Hynkel), seiner Armee und Polizei – und den Unterdrückten: einem jüdischen Barbier und seinen jüdischen Freunden, die im Ghetto leben müssen. Charlie Chaplin schlüpft selbst in die Doppelrolle des jüdischen Barbiers und des Diktators Hynkel. Die beiden Figuren ähneln einander äußerlich so sehr, dass sie irgendwann die Plätze tauschen. Dieser Verwechslung unterliegt der gesamte Plot. Der jüdische Barbier, der als Soldat im Ersten Weltkrieg dem verwundeten Piloten Schultz das Leben rettete und daraufhin sein Gedächtnis verlor, kehrt nach zwanzig Jahren im Krankenhaus in seinen Laden und sein Zuhause zurück. Dort muss er feststellen, dass sein Leben und das seiner Nachbarn, wie der hübschen Wäscherin Hannah (gespielt von Chaplins damaliger Ehefrau Paulette Goddard), von Hynkels judenfeindlicher Propaganda und den täglichen Repressalien der Soldaten und Polizisten bedroht sind. Als der Barbier beinahe verhaftet wird, erkennt ihn Offizier Schultz, inzwischen ein „hohes Tier“ unter Hynkel, wieder und schützt das Ghetto vor weiteren Übergriffen. Doch die Ruhe ist trügerisch und dient Hynkel nur als Kalkül für seine Invasionspläne in das benachbarte Osterlitsch. Als Verhandlungen mit jüdischen Bankiers scheitern, verschärft Hynkel seine Politik, und auch Schulz landet im Konzentrationslager, da er Hynkels antisemitische Politik nicht länger unterstützen will. Die Kräfte scheinen ungleich verteilt, doch am Ende siegt das Gute – auf eine Weise, die niemand erwartet.

Meister der Parodie: Humor als Waffe gegen Tyrannei

„Der große Diktator“ verbindet Komödie und anmutige Tricks mit der Ernsthaftigkeit politischer Satire. Chaplin demonstriert meisterhaft, wie Humor als Waffe gegen Tyrannei eingesetzt werden kann. Besonders eindrucksvoll sind die Parodien auf Hitlers Reden: Hynkel schlägt um sich, redet Kauderwelsch, unterbrochen von Husten und Keuchen, und platzt fast vor Hass, ist aber gleichzeitig komisch. Begriffe wie „Leberwurst“, „Katzenjammer“ und „Wiener Schnitzel“ mischen sich in sein unverständliches Tomanisch, während seine Gesten und Mimik unmissverständlich die Aggression seiner Botschaft vermitteln. Man spürt, wie gut Chaplin Hitlers Reden studiert hatte. Ein ikonisches Beispiel für Hynkels Anspruch auf die Weltherrschaft ist der Tanz des Diktators mit einem Ballon-Globus zur Musik aus Wagners „Lohengrin“. Der Ball platzt, als Hynkel glaubt, ihn bereits gefangen zu haben – eine symbolische Darstellung der Zerbrechlichkeit seiner Machtfantasien. Auch die karikierten Minister Garbisch (Goebbels) und Herring (Göring) sowie der faschistische Benzino Napoloni (Mussolini) sind brillant umgesetzt. Garbisch rät zu Pogromen zwecks Unterhaltung und verkündet: „Zuerst werden wir die Juden los, und dann werden wir uns um die Brünetten kümmern“, während Hynkel Herring immerzu Medaillen an- und abnimmt. Die Nazi-Sturmtruppen werden nicht nur als böse, sondern auch als Narren dargestellt. Visuelle Satire zieht sich durch den gesamten Film, wie etwa der Wettstreit zwischen Hynkel und Napoloni um den höchsten Friseurstuhl, der ihre kindische Eitelkeit und ihren Machtanspruch auf absurde Weise offenbart. Der „Große Bahnhof“ zur Ankunft Napolonis wird zur Lachnummer verunglimpft, als das Empfangskomitee mit dem Teppich von Stelle zu Stelle läuft und der Zug ruckartig rangiert wird. Das Symbol von Hynkels Diktatur, ein doppeltes Kreuz, ist eine klare Anspielung auf das Hakenkreuz und entlarvt es gleichzeitig als ein „Doppelspiel“ der Machthaber. Eine gelungene Szene ist auch die, die zeigt, wie der Barbier den Kunden rasiert, mit Johannes Brahms’ Musik im Hintergrund – eine meisterhaft choreografierte Szene von über zwei Minuten ohne Schnitt.

Was passiert mit dem Großen Diktator?
Auch „Der große Diktator“ wurde attackiert. Nach Berichten in amerikanischen Zeitungen über Chaplins Absicht, Hitler zu parodieren, drohten deutsche Diplomaten in den USA dem Leiter der Verwaltung für die Kontrolle der Einhaltung der Filmproduktionsregeln, D. Brin, mit „schwerwiegenden Problemen und Komplikationen“.

Charakterstudien: Der Diktator und der Friseur im Detail

Die beiden Hauptfiguren, beide von Chaplin selbst verkörpert, bilden das Herzstück des Films und symbolisieren den Kampf zwischen Unterdrückung und Menschlichkeit.

Adenoid Hynkel

Hynkel ist eine präzise Parodie auf Adolf Hitler. Chaplin nutzt nicht nur die körperlichen Ähnlichkeiten, sondern zeichnet ein detailliertes Psychogramm eines kleingeistigen Größenwahnsinnigen. Hynkel besitzt zwar Talente in Rhetorik, Selbstinszenierung und Massenbeeinflussung, ist aber überaus arrogant, eitel und unduldsam. Er übt seine demagogische Mimik vor Spiegeln, ist fleißig bei der Verwirklichung seiner Ziele, lässt sich aber leicht ablenken und zeigt oft kindisches, unprofessionelles Verhalten (z.B. das Hochklettern am Vorhang, um allein zu sein). Er ist brutal, bereit, 3000 Arbeiter zu töten, nur weil diese streiken wollen, und in seinen politischen Entscheidungen leicht beeinflussbar, besonders durch Gorbitsch. Hynkels Vision einer Welt, in der nicht nur Juden, sondern auch Brünette ausgerottet werden sollen, unterstreicht seine irrationale und monströse Denkweise. Sein Verhalten gegenüber Frauen ist das eines Raubtieres, und Verluste eigener Soldaten berühren ihn nicht im Geringsten. Hynkel ist der Inbegriff des machtbesessenen, herrischen und empathielosen Despoten, der die gesamte Welt bedroht.

Der jüdische Friseur

Der jüdische Friseur, Chaplins Alter Ego und eine Weiterentwicklung seiner berühmten Tramp-Figur, ist von Anfang an als Sympathieträger aufgebaut. Er ist zunächst ein unheldenhafter, ängstlicher und tollpatschiger Soldat im Ersten Weltkrieg, der mit Waffen tollpatschig umgeht, sich aber dennoch für seine Kameraden einsetzt. Seine Kriegskunst liegt im Wegrennen und in einer schnellen Gefahrenbewertung. Nach seiner Rückkehr ins Ghetto ist er sich der politischen Veränderungen nicht bewusst und wehrt sich mit großem Ehrgeiz gegen die Übergriffe der Sturmtruppen. Er liebt seinen Friseurberuf innig und träumt von einer Zukunft mit Hannah. Der Friseur ist herzensgut, bescheiden, zuvorkommend, freundlich und hilfsbereit. Er entschuldigt sich in jeder Situation, in der er glaubt, etwas falsch gemacht zu haben. Am Ende des Films, als er unfreiwillig Hynkels Platz einnimmt, überwindet er seine Angst und hält eine flammende Rede, die seine Prinzipien und seine tiefste Überzeugung offenbart: Menschlichkeit ist wichtiger als Macht. Die Möglichkeit, die Herrschaftsposition des Diktators und dessen Lebenswandel zu übernehmen, liegt ihm fern. Chaplin verzichtete bewusst auf einen spezifischen Namen für den Friseur, um ihn als Symbol für den Menschen allgemein zu etablieren, der aufgerufen ist, sich gegen Ungerechtigkeit zu wehren und die Welt zu verbessern.

Wie heißt der Diktator von Tomanien?
Anton Hynkel (im Original Adenoid Hynkel, gespielt von Charlie Chaplin) ist Der große Diktator von Tomanien. Gnadenlos und brutal unterdrückt er Juden und strebt nach immer mehr Macht. Doch er weiß nichts von seinem Doppelgänger.

Tabelle: Vergleich der Hauptfiguren

MerkmalAnton Hynkel (Der Diktator)Der jüdische Friseur
RolleTyrann, Unterdrücker, VerfolgerOpfer, Widerstandskämpfer, Symbol der Hoffnung
MotivationMachtgier, Weltherrschaft, Hass, GrößenwahnÜberleben, Liebe, Freiheit, Gerechtigkeit
PersönlichkeitArrogant, eitel, brutal, irrational, unbeherrschtBescheiden, freundlich, mutig, empathisch, idealistisch
Umgang mit MachtMissbrauch, Terror, ManipulationVerweigerung, Appell an die Menschlichkeit
SymbolikDas Böse, Faschismus, Größenwahn, WahnsinnDer einfache Mensch, Hoffnung, Widerstand, Normalität

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wer hat dem Friseur im Ersten Weltkrieg das Leben gerettet?

Der jüdische Friseur selbst rettete im Ersten Weltkrieg dem Piloten Schulz das Leben. Später, als Schulz ein hoher Offizier unter Diktator Hynkel ist, revanchiert er sich, indem er den Friseur vor den Sturmtruppen schützt, als diese ihn lynchen wollen. Ironischerweise landet Schulz später selbst im Konzentrationslager, da er Hynkels antisemitische Politik nicht mehr unterstützen will, und plant mit dem Friseur einen Anschlag auf Hynkel.

Wie heißt der Diktator von Tomanien?

Der Diktator von Tomanien heißt Anton Hynkel. Im englischen Originalfilm trägt er den Namen Adenoid Hynkel. Er ist eine klare Parodie auf Adolf Hitler, wobei sein Name Assoziationen zu „Adenoide“ (Wucherungen) oder „paranoid“ weckt.

Warum drehte Charlie Chaplin „Der große Diktator“?

Charlie Chaplin drehte „Der große Diktator“, weil er angesichts der Gräueltaten des Nationalsozialismus und der aufkommenden Diktaturen nicht schweigen konnte. Er wollte Hitler lächerlich machen und das Publikum aus seiner Selbstgefälligkeit reißen, da es damals in Amerika kaum Informationen über das wahre Ausmaß des Nazi-Terrors gab. Die Idee entstand auch aus der frappierenden Ähnlichkeit zwischen Chaplins Tramp-Figur und Hitler.

Was ist ein Friseur?
In vielerlei Hinsicht ist der Friseur ein Echo der Rolle des Vagabunden, die Chaplin zu seinem Ruhm verhalf, jenem Symbol der beinahe kindlichen Unschuld, der meist unversehens in für ihn prekäre Situationen gerät oder eben, wie in Der große Diktator, zum Opfer von Gewalt wird.

Welche realen Personen werden im Film parodiert?

Im Film werden mehrere reale Personen parodiert: Anton Hynkel ist Adolf Hitler, Benzino Napoloni ist Benito Mussolini, Feldmarschall Hering ist Hermann Göring, und Dr. Gorbitsch ist Dr. Joseph Goebbels. Auch Staaten wie Tomanien (Deutschland), Bakteria (Italien) und Osterlitsch (Österreich) sind satirisch verfremdet.

War Charlie Chaplin Jude?

Nein, Charlie Chaplin war kein Jude. Er stellte dies in seiner Autobiografie klar und betonte, dass „kein Tropfen jüdischen Blutes in mir“ sei. Er fügte jedoch hinzu, dass er stolz wäre, wenn es so wäre, und dass er die Ungerechtigkeit des bestialischen Antisemitismus nicht unerwähnt lassen konnte, weder als Künstler noch als Mensch.

Ein flammender Appell an die Menschlichkeit: Die zeitlose Botschaft

Der Höhepunkt des Films ist zweifellos die Schlussrede des Barbiers, der in die Rolle Hynkels schlüpft. Seine Worte – „Ich möchte allen helfen: Juden, Benachteiligten, Schwarzen, Weißen... Es gibt für jeden einen Platz auf dieser Welt. Unsere Erde ist unermesslich groß, sie wird alle ernähren. Wir können frei und glücklich leben, nur haben wir bloß vergessen, wie das geht.“ – sind ein flammender Appell für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Weltfrieden. Chaplin selbst erklärte später, dass er den Film nicht mit einer lustigen Handlung, sondern mit dieser ernsten politischen Rede beenden musste, um auszudrücken, „was in mir kochte“. Er wollte das Publikum aufrütteln und warnen, dass der Sieg des Faschismus das Ende unserer Welt bedeuten würde. Diese Botschaft ist auch heute noch von erschreckender Aktualität. Später, als Chaplin über die wahren Gräuel der deutschen Konzentrationslager erfuhr, äußerte er in seiner Autobiographie: „Wenn ich über das wahre Grauen deutscher Konzentrationslager Bescheid gewusst hätte, hätte ich natürlich keinen ‚Diktator‘ machen können, ich hätte nicht über die Nazis lachen können, über ihre monströse Manie der Zerstörung.“ Doch gerade die Entscheidung, das Böse mit Lachen zu demaskieren und die Lächerlichkeit der Diktatoren aufzuzeigen, macht den Film so einzigartig und epochal. Er bleibt ein Meilenstein in der Geschichte der Menschheit, in dem Chaplin als größter Clown und Favorit seiner Zeit jenen Mann unmittelbar herausforderte, der unermessliches Leid über die Menschheit brachte. „Solange ein Mensch lebt, wird die Freiheit nicht sterben! Die Wolken werden sich auflösen… wir werden aus der Finsternis herauskommen.“ Diese Worte des Barbiers hallen nach und erinnern uns an die fortwährende Notwendigkeit, für eine bessere Welt einzustehen und Ungerechtigkeit entgegenzutreten.

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