Was macht man als Friseur?

Die Friseurausbildung: Was Azubis wirklich lernen

26/12/2020

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Die Entscheidung für eine Ausbildung im Friseurhandwerk ist der erste Schritt in eine Welt voller Kreativität, Handwerkskunst und direkter Kundeninteraktion. Doch was genau lernen angehende Friseurinnen und Friseure eigentlich während ihrer Ausbildungszeit? Es ist weit mehr als nur Haare schneiden und föhnen. Die Ausbildung ist eine umfassende Reise, die technische Fähigkeiten, künstlerisches Gespür, chemisches Verständnis und ausgeprägte soziale Kompetenzen miteinander verbindet, um die Grundlage für einen erfolgreichen und erfüllenden Berufsweg zu legen.

Wie viel verdient ein Friseur in Baden-Württemberg?
September erhalten Beschäftigte und Auszubildende des baden-württembergischen Friseurhandwerks mehr Geld. Die Erhöhung der Entgelte und Vergütungen erfolgt in zwei Stufen. In der untersten Stufe steigt der Stundenlohn zum 1. September 2023 auf 12,80 Euro, zwölf Monate später auf 13,30 Euro. Der so genannte Ecklohn steigt auf 14,50 Euro, ab dem 1.

Vom ersten Tag an werden Auszubildende schrittweise in die vielfältigen Facetten dieses traditionsreichen, aber stets modernen Berufs eingeführt. Sie lernen nicht nur, wie man Scheren und Kämme professionell einsetzt, sondern auch die Geheimnisse der Haarstruktur, die Komplexität von Farbpigmenten und die Kunst, auf die individuellen Wünsche und Bedürfnisse jedes Kunden einzugehen. Es ist eine intensive Zeit des Lernens, Übens und Wachsens, die darauf abzielt, qualifizierte Fachkräfte hervorzubringen, die in der Lage sind, Schönheit und Wohlbefinden zu schaffen.

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen des Haarschnitts und Stylings: Die Basis des Handwerks

Im Zentrum der Friseurausbildung steht zweifellos der Haarschnitt. Auszubildende beginnen mit den grundlegenden Schnitttechniken, die die Basis für jede Frisur bilden. Dies umfasst das Erlernen des korrekten Haltens und Führens von Schere, Kamm und Rasierer. Präzision ist hier das A und O. Sie üben an Übungsköpfen, lernen verschiedene Aufteilungen des Haares kennen und verstehen, wie sich unterschiedliche Schnittwinkel auf das Endergebnis auswirken. Von klassischen Bob-Variationen über Stufenschnitte bis hin zu exakten Herrenschnitten – das Spektrum ist breit und erfordert viel Übung und ein gutes Auge für Proportionen.

Neben dem Schnitt ist das Styling ein weiterer wesentlicher Bestandteil. Hier lernen die Auszubildenden, wie man verschiedene Haartypen mit Föhn, Glätteisen, Lockenstab und Bürsten optimal in Form bringt. Techniken wie das Föhnen über Rundbürsten für Volumen, das Glätten für einen seidigen Look oder das Kreieren von Wellen und Locken werden intensiv geübt. Auch das Hochstecken von Haaren für besondere Anlässe, das Flechten und das Anbringen von Haarteilen oder Extensions gehören zum Lehrplan. Das Verständnis für Produktanwendung und Texturgebung ist dabei entscheidend, um langanhaltende und ästhetisch ansprechende Ergebnisse zu erzielen.

Die Welt der Haarfarben und chemischen Behandlungen

Ein Großteil der täglichen Arbeit im Salon dreht sich um Haarfarben. Auszubildende lernen die umfassende Farbtheorie: Primär-, Sekundär- und Tertiärfarben, Komplementärfarben und deren Anwendung, um unerwünschte Töne zu neutralisieren oder gewünschte Nuancen zu erzielen. Sie werden mit verschiedenen Farbsystemen vertraut gemacht, verstehen die Unterschiede zwischen permanenten, semi-permanenten und Tönungsfarben und lernen, wie man die richtige Farbmenge und -mischung für jeden Haartyp und jede gewünschte Intensität bestimmt.

Besonders wichtig ist das Verständnis der Haarchemie. Auszubildende lernen, wie Haarfarben auf die Haarstruktur wirken, welche Rolle Peroxide spielen und wie man allergische Reaktionen vermeidet (Allergietests sind hier Pflicht). Techniken wie Strähnchen (Foliensträhnen, Balayage, Ombré), Blondierungen und Farbkorrekturen werden detailliert vermittelt und geübt. Darüber hinaus gehören chemische Behandlungen wie Dauerwellen (für Locken oder Volumen) und chemische Haarglättungen zum Lehrplan. Hierbei ist ein tiefes Verständnis der chemischen Prozesse und der richtigen Anwendung der Produkte entscheidend, um Haarschäden zu vermeiden und optimale Ergebnisse zu gewährleisten. Sicherheit im Umgang mit Chemikalien und die Kenntnis von Schutzmaßnahmen sind dabei unerlässlich.

Haarpflege, Kopfhautanalyse und Produktwissen

Gesundes Haar ist die Grundlage jeder schönen Frisur. Auszubildende werden geschult, eine umfassende Kopfhaut- und Haaranalyse durchzuführen, um den Zustand von Haar und Kopfhaut zu beurteilen. Sie lernen, verschiedene Haartypen (trocken, fettig, fein, dick, geschädigt) und Kopfhautprobleme (Schuppen, Juckreiz, Haarausfall) zu erkennen und entsprechende Pflegeprodukte und Behandlungen zu empfehlen. Dies umfasst das Wissen über Shampoos, Conditioner, Kuren, Seren und spezielle Kopfhautbehandlungen.

Das Produktwissen geht über die reine Anwendung hinaus. Auszubildende lernen die Inhaltsstoffe der Produkte kennen, verstehen deren Wirkung und können Kunden fundiert beraten, welche Produkte sie zu Hause verwenden sollten, um die Salonresultate zu erhalten und die Haargesundheit zu fördern. Dieser Aspekt ist auch für den Verkauf von Pflegeprodukten im Salon von großer Bedeutung und trägt maßgeblich zur Kundenzufriedenheit bei. Eine gute Kundenberatung bezüglich der Pflege ist hier unerlässlich.

Kundenberatung, Kommunikation und Serviceorientierung

Der Friseurberuf ist ein Dienstleistungsberuf, bei dem die Interaktion mit dem Kunden im Mittelpunkt steht. Auszubildende lernen, wie man Kunden professionell empfängt, eine angenehme Atmosphäre schafft und aktiv zuhört, um die Wünsche und Vorstellungen des Kunden genau zu erfassen. Dies erfordert Empathie, Geduld und ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten.

Sie üben Beratungsgespräche, in denen sie nicht nur die gewünschte Frisur besprechen, sondern auch realistische Erwartungen klären, Alternativen aufzeigen und Empfehlungen aussprechen, die zum Haartyp, zur Gesichtsform und zum Lebensstil des Kunden passen. Konfliktmanagement und der Umgang mit Reklamationen gehören ebenfalls zum Lerninhalt, um auch in schwierigen Situationen professionell zu bleiben. Ein freundlicher, aufmerksamer Service und die Fähigkeit, eine Vertrauensbeziehung aufzubauen, sind entscheidend für den Erfolg und die Kundenbindung im Friseurhandwerk.

Salonorganisation, Hygiene und Betriebswirtschaftliche Grundlagen

Ein reibungsloser Salonbetrieb erfordert mehr als nur handwerkliches Geschick. Auszubildende werden in die Abläufe der Salonorganisation eingeführt. Dazu gehören die Terminplanung, das Führen der Kasse, die Lagerhaltung und das Bestellen von Produkten. Sie lernen, wie man den Arbeitsplatz organisiert, Werkzeuge pflegt und die Sauberkeit im Salon gewährleistet. Gerade die Einhaltung strenger Hygiene-Standards ist im Friseurberuf von größter Bedeutung, um die Gesundheit von Kunden und Mitarbeitern zu schützen. Dies umfasst die Desinfektion von Werkzeugen, das Reinigen von Oberflächen und die persönliche Hygiene.

Darüber hinaus erhalten Auszubildende Einblicke in grundlegende betriebswirtschaftliche Aspekte. Sie lernen, wie Preise kalkuliert werden, wie man Produkte verkauft und wie Marketingmaßnahmen zur Kundengewinnung und -bindung beitragen können. Auch rechtliche Rahmenbedingungen wie Arbeits- und Gesundheitsschutzvorschriften sind Teil der Ausbildung.

Tabelle: Lernbereiche und ihre Bedeutung

LernbereichKerntätigkeitenWichtigkeit für den Beruf
Haarschnitt & StylingScherenführung, Schnitttechniken, Föhnen, HochsteckenGrundlage jeder Dienstleistung, direkte Kundenzufriedenheit
Farbchemie & FärbenFarbtheorie, Blondierung, Strähnchen, FarbkorrekturHoher Anteil am Umsatz, erfordert präzises Fachwissen
Haar- & KopfhautpflegeAnalyse, Produktberatung, SpezialbehandlungenFörderung der Haargesundheit, Zusatzverkauf, Kundenbindung
Kundenberatung & KommunikationAktives Zuhören, Bedarfsanalyse, Empfehlungen, KonfliktmanagementAufbau von Vertrauen, Kundenbindung, Vermeidung von Missverständnissen
Hygiene & SalonorganisationWerkzeugpflege, Desinfektion, Terminplanung, KassenführungSicherheit, Effizienz des Salonbetriebs, professionelles Erscheinungsbild
Trends & WeiterbildungBeobachtung von Mode, Teilnahme an Seminaren, Techniken anpassenWettbewerbsfähigkeit, Innovation, persönliche und berufliche Entwicklung

FAQs – Häufig gestellte Fragen zur Friseurausbildung

Wie lange dauert die Friseurausbildung?

Die Friseurausbildung dauert in der Regel drei Jahre und findet im dualen System statt, das heißt, sie kombiniert praktische Arbeit im Salon mit theoretischem Unterricht in der Berufsschule. Unter bestimmten Voraussetzungen, wie sehr guten Leistungen oder einem Abitur, kann die Ausbildungszeit verkürzt werden.

Welche Voraussetzungen brauche ich für eine Friseurausbildung?

Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, jedoch stellen die meisten Betriebe Auszubildende mit mindestens einem Hauptschulabschluss ein. Wichtiger sind persönliche Eigenschaften wie handwerkliches Geschick, Kreativität, ein gutes Auge für Farben und Formen, Kommunikationsfähigkeit, Freundlichkeit, Geduld und ein gepflegtes Erscheinungsbild. Auch Belastbarkeit und die Bereitschaft, im Stehen zu arbeiten, sind wichtig.

Ist die Friseurausbildung anspruchsvoll?

Ja, die Ausbildung ist durchaus anspruchsvoll. Sie erfordert nicht nur technisches Können und ein umfassendes Fachwissen in Chemie und Biologie des Haares, sondern auch ausgeprägte soziale Kompetenzen und ein hohes Maß an Feingefühl. Der Umgang mit verschiedenen Kundenpersönlichkeiten und die Notwendigkeit, ständig auf dem neuesten Stand der Trends zu bleiben, machen den Beruf vielseitig, aber auch herausfordernd.

Gibt es nach der Ausbildung Weiterbildungsmöglichkeiten?

Absolut! Der Friseurberuf bietet zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten. Dazu gehören Spezialisierungen in Bereichen wie Coloration (z.B. Colorist), Hochsteckfrisuren, Extensions oder Herrenhaarschnitte. Beliebt ist auch die Meisterprüfung, die zur Selbstständigkeit und zur Ausbildung von Lehrlingen berechtigt. Weitere Optionen sind Fortbildungen zum Maskenbildner, zum Fachtrainer oder zum Salonmanager.

Welche Rolle spielt Kreativität in der Ausbildung?

Kreativität ist ein entscheidender Bestandteil des Friseurberufs und wird während der Ausbildung gefördert. Es geht nicht nur darum, Techniken zu beherrschen, sondern auch darum, individuelle und typgerechte Frisuren zu entwerfen, Farben harmonisch zu kombinieren und neue Styling-Ideen zu entwickeln. Auszubildende lernen, ihr künstlerisches Gespür einzusetzen und sich von aktuellen Modetrends inspirieren zu lassen, um einzigartige Looks für ihre Kunden zu kreieren.

Was sind die größten Herausforderungen für Azubis?

Zu den größten Herausforderungen gehören oft der Aufbau von Selbstvertrauen im Umgang mit Kunden, das Meistern der feinen motorischen Fähigkeiten, die für präzise Schnitte und Farbapplikationen notwendig sind, und das Verstehen der komplexen chemischen Prozesse. Auch die körperliche Belastung durch langes Stehen und die Notwendigkeit, stets freundlich und aufmerksam zu sein, können anfangs eine Herausforderung darstellen.

Fazit: Eine vielseitige und lohnende Ausbildung

Die Ausbildung zum Friseur oder zur Friseurin ist eine tiefgreifende und vielseitige Schulung, die weit über das bloße Schneiden von Haaren hinausgeht. Sie vermittelt ein breites Spektrum an Fähigkeiten – von handwerklichem Geschick und chemischem Verständnis bis hin zu psychologischem Einfühlungsvermögen und betriebswirtschaftlichen Grundlagen. Auszubildende werden zu Allroundern ausgebildet, die in der Lage sind, nicht nur die äußere Erscheinung ihrer Kunden zu verschönern, sondern auch einen positiven Einfluss auf deren Wohlbefinden zu nehmen.

Wer diesen Beruf wählt, entscheidet sich für ein dynamisches Arbeitsfeld, das ständige Weiterentwicklung und Anpassung an neue Trends erfordert. Es ist eine Ausbildung, die nicht nur technisches Wissen vermittelt, sondern auch die Persönlichkeit stärkt und die Grundlage für eine erfüllende Karriere in einem kreativen Handwerk legt. Mit Engagement, Lernbereitschaft und Leidenschaft für den Beruf stehen den Absolventen der Friseurausbildung alle Türen offen, um ihre eigenen Visionen zu verwirklichen und Menschen mit ihrer Kunst zu begeistern.

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