13/09/2021
Der Friseurberuf ist mehr als nur Haare schneiden und Stylen – er ist eine Kunstform, die Kreativität, Präzision und ein feines Gespür für Menschen erfordert. Viele träumen davon, in diesem Handwerk ihre Leidenschaft zu finden und Kunden mit neuen Looks zu begeistern. Doch eine der häufigsten Fragen, die sich angehende Friseure stellen, ist: Was kann ich in diesem Beruf eigentlich verdienen? Wir tauchen tief in die Welt der Friseurgehälter ein, beleuchten die Ausbildungsvergütung, das Einstiegsgehalt und die vielfältigen Faktoren, die deinen Verdienst beeinflussen können. Bereite dich darauf vor, einen umfassenden Einblick zu erhalten, der dir hilft, deine Karriereplanung mit klaren finanziellen Vorstellungen anzugehen.

- Die Ausbildungsvergütung im Friseurhandwerk: Ein Blick auf die Zahlen
- Dein Gehalt nach der Ausbildung: Einstieg und Aufstieg
- Der Mindestlohn für Friseure: Eine faire Basis
- Was bleibt netto übrig? Und die Bedeutung von Trinkgeld
- Mehr als nur Geld: Leidenschaft und Karrierechancen
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Friseur-Gehalt
- Fazit
Die Ausbildungsvergütung im Friseurhandwerk: Ein Blick auf die Zahlen
Wenn du über eine Ausbildung zum Friseur oder zur Friseurin nachdenkst, wirst du feststellen, dass die anfängliche Vergütung im Vergleich zu einigen anderen Ausbildungsberufen eher im unteren Bereich angesiedelt ist. Im Durchschnitt lag die Ausbildungsvergütung in der Vergangenheit bei etwa 691 Euro brutto pro Monat. Doch diese Zahl ist nur ein Durchschnitt und die tatsächlichen Beträge können je nach verschiedenen Faktoren variieren.
Einer der wichtigsten Einflussfaktoren ist die Größe deines Ausbildungsbetriebs. Größere Salons oder solche, die tariflich gebunden sind, bieten oft eine attraktivere Vergütung als kleinere, unabhängige Betriebe. Auch der Ruf des Salons spielt eine Rolle: Wenn du deine Ausbildung bei einem bekannten „Star-Friseur“ absolvieren kannst, mag das Gehalt zwar höher sein, aber die Aufgaben und der Anspruch an dich könnten ebenfalls anspruchsvoller ausfallen.
Es ist wichtig zu wissen, dass die Ausbildungsgehälter in den letzten Jahren durch den Mindestlohn für Auszubildende angehoben wurden. Diese Regelung sorgt für eine faire Basis und schützt Azubis vor zu niedrigen Löhnen. Die genauen Beträge variieren je nach Ausbildungsjahr und können sich im Laufe der Zeit ändern. Hier ist eine Übersicht über die Entwicklung der Mindestausbildungsvergütung:
Vergleichstabelle: Mindestausbildungsvergütung für Friseure (Brutto pro Monat)
| Zeitraum / Ausbildungsjahr | 1. Jahr | 2. Jahr | 3. Jahr |
|---|---|---|---|
| Ab August 2021 | 610 € | 720 € | 815 € |
| Ab 1. Januar 2023 (Mindestlohn) | 620 € | 732 € | 837 € |
Diese Zahlen zeigen, dass sich die finanzielle Situation für Auszubildende stetig verbessert hat. Dennoch solltest du bedenken, dass das Gehalt nicht das einzige Kriterium für die Wahl deines Ausbildungsplatzes sein sollte. Die Qualität der Ausbildung, die Möglichkeit, verschiedene Techniken zu erlernen und die Atmosphäre im Betrieb sind mindestens genauso wichtig. Eine Ausbildung, die du mit Leidenschaft ausübst, wird dich langfristig glücklicher machen als eine, die nur auf das höchste Gehalt abzielt.
Für den Ausbildungsbetrieb fallen im Übrigen auch Kosten für die Betreuung eines Azubis an. Diese belaufen sich im Schnitt auf etwa 4125 Euro pro Jahr, was weniger als 350 Euro monatlich entspricht. Hinzu kommen Kosten für Arbeitsmittel, Verwaltung und Lehrmaterial. Dies verdeutlicht, dass die Ausbildung eine Investition für beide Seiten ist.
Dein Gehalt nach der Ausbildung: Einstieg und Aufstieg
Nachdem du deine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hast, eröffnen sich dir neue Verdienstmöglichkeiten. Das Einstiegsgehalt für ausgelernte Friseure liegt in der Regel zwischen 1.500 und 2.000 Euro brutto pro Monat. Viele Betriebe übernehmen ihre Azubis direkt nach der Ausbildung, was einen reibungslosen Übergang in das Berufsleben ermöglicht.
Mit zunehmender Berufserfahrung und Spezialisierung steigt auch dein Gehalt. Erfahrene Friseure können bis zu 2.500 Euro brutto pro Monat verdienen. In Metropolregionen und Großstädten wie Berlin oder München, wo die Lebenshaltungskosten höher sind, kannst du sogar mit einem monatlichen Gehalt von bis zu 3.000 Euro rechnen. Die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften ist hier oft größer, und die Salons sind bereit, entsprechend zu zahlen.
Faktoren, die dein Gehalt als ausgelernter Friseur beeinflussen:
- Berufserfahrung: Je länger du im Beruf bist und je mehr Fähigkeiten du gesammelt hast, desto höher kann dein Verdienst ausfallen.
- Spezialisierungen: Wenn du dich auf bestimmte Bereiche wie Colorationen, Hochsteckfrisuren, Haarverlängerungen oder Bartpflege spezialisierst, kannst du oft höhere Preise für deine Dienstleistungen verlangen und somit dein Gehalt steigern.
- Arbeitgeber: Große Salonketten, Luxussalons oder solche mit einer starken Markenpräsenz zahlen oft besser als kleine, unabhängige Betriebe.
- Region: Wie bereits erwähnt, sind die Gehälter in Ballungsräumen und Großstädten in der Regel höher.
- Kundenstamm: Ein loyaler und großer Kundenstamm ist Gold wert. Zufriedene Kunden kommen nicht nur wieder, sondern empfehlen dich auch weiter, was deinen Wert für den Salon erhöht.
Der Mindestlohn für Friseure: Eine faire Basis
Der Mindestlohn spielt eine entscheidende Rolle für die Gehaltsentwicklung im Friseurhandwerk. Er sorgt für eine grundlegende Absicherung und hat in den letzten Jahren zu einer spürbaren Verbesserung der Einkommenssituation geführt. Besonders wichtig ist die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns, der auch für Friseure gilt, die nicht tariflich gebunden sind.
Entwicklung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland (Brutto pro Stunde):
| Zeitraum | Mindestlohn pro Stunde |
|---|---|
| 1. Januar - 30. Juni 2022 | 9,82 € |
| 1. Juli - 30. September 2022 | 10,45 € |
| 1. Oktober 2022 - 31. Dezember 2022 | 12,00 € |
| 1. Januar - 31. März 2023 | 12,43 € |
| 1. April 2023 - 31. Dezember 2023 | 13,00 € |
Diese stetige Erhöhung des Mindestlohns gewährleistet eine faire Entlohnung für die geleistete Arbeit und stärkt die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Friseurhandwerk. Neben dem Stundenlohn sind auch Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall und ein höheres Urlaubsgeld gesetzlich geregelt, was die Attraktivität des Berufs weiter steigert.
Was bleibt netto übrig? Und die Bedeutung von Trinkgeld
Wenn du dein Bruttogehalt kennst, ist es natürlich wichtig zu wissen, wie viel davon tatsächlich auf deinem Konto landet – also dein Nettogehalt. Von deinem Bruttolohn werden Sozialversicherungsbeiträge (Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung) sowie Steuern abgezogen. Diese Abzüge variieren je nach Steuerklasse, Familienstand und Bundesland.
Als Beispiel: Verdienst du 1.000 Euro brutto im Monat, gehen davon etwa 200 Euro für Sozialabgaben und Steuern ab. Das bedeutet, dir bleiben rund 800 Euro netto. Diese Abzüge sind jedoch eine Investition in deine Absicherung im Krankheitsfall, im Alter oder bei Arbeitslosigkeit.
Eine ganz besondere und oft unterschätzte Einnahmequelle im Friseurberuf ist das Trinkgeld. Da Friseure einen Dienstleistungsberuf ausüben und oft mit einem niedrigeren Grundlohn als in anderen Branchen starten, sind Trinkgelder eine wichtige zusätzliche Einnahme. Die Höhe des Trinkgeldes hängt von der Zufriedenheit deiner Kundschaft und der Qualität deines Services ab. Als Faustregel gilt ein Trinkgeld zwischen 10-15% des Gesamtbetrags. Bei einem 45-Euro-Schnitt wären das beispielsweise 4,50 bis 6,75 Euro. Es ist eine Geste der Wertschätzung und zeigt, dass der Kunde mit deiner Leistung zufrieden war.
Für Saloninhaber ist die Kalkulation noch komplexer. Eine „Erfolgs-Vergleichsanalyse“ (EVA) zeigt, dass ein Friseurunternehmer, der beispielsweise 8.250 bis 10.000 Euro Umsatz pro Monat erzielt, nach Abzug aller Kosten immer noch ein verfügbares Nettoeinkommen von etwa 1.299 Euro pro Monat haben kann. Dies verdeutlicht, wie wichtig ein ausgewogenes Verhältnis von Umsatz und Kosten für die Rentabilität eines Salons ist.

Der Weg in die Selbstständigkeit: Dein eigener Meister
Für viele Friseure ist die Selbstständigkeit das ultimative Ziel. Als selbstständiger Friseur hast du die Möglichkeit, deine Preise selbst festzulegen und dein Einkommen deutlich zu steigern. Du kannst deinen eigenen Salon eröffnen, als mobiler Friseur arbeiten oder dich in einem Mietstuhl in einem bestehenden Salon niederlassen. Die Verdienstmöglichkeiten sind hier nach oben offen, da dein Erfolg direkt von deiner Arbeitsweise, deinem Marketing und deinem Kundenmanagement abhängt.
Um als selbstständiger Friseur erfolgreich zu sein, sind nicht nur exzellente fachliche Fähigkeiten gefragt, sondern auch betriebswirtschaftliches Wissen. Umsatzziele von 8.250 bis 10.000 Euro brutto pro Monat (entspricht 99.000 bis 120.000 Euro pro Jahr) sind realistisch, um ein solides Einkommen von 2.500 Euro brutto pro Monat zu erzielen. Dies erfordert jedoch eine genaue Kontrolle der Betriebskosten und eine effiziente Salonführung.
Mehr als nur Geld: Leidenschaft und Karrierechancen
Obwohl finanzielle Aspekte wichtig sind, ist der Friseurberuf weit mehr als nur ein Job, um Geld zu verdienen. Es ist ein Handwerk, das Kreativität, soziale Kompetenz und die Fähigkeit erfordert, Menschen glücklich zu machen. Die Freude an der Arbeit mit Menschen, die Möglichkeit, künstlerisch tätig zu sein und die direkte positive Rückmeldung der Kunden sind für viele Friseure von unschätzbarem Wert.
Auch ohne einen formalen Schulabschluss hast du die Chance, eine Friseur-Lehrstelle zu beginnen. Allerdings musst du dafür ein hohes Maß an Fachwissen und Engagement mitbringen. In der Ausbildung lernst du nicht nur verschiedene Schnitt- und Färbetechniken, sondern auch chemische Zusammenhänge bei Colorationen, Grundlagen der Anatomie und Kosmetik. Kundenorientierung und professionelle Beratung sind ebenfalls entscheidend. Diese vielseitigen Fähigkeiten machen den Beruf so spannend und ermöglichen dir, auch ohne Abitur eine erfolgreiche Karriere aufzubauen.
Der Friseurberuf bietet zudem vielfältige Karrierewege: Du kannst dich zum Meister weiterbilden, einen eigenen Salon eröffnen, als Trainer in Akademien arbeiten oder dich auf spezielle Nischen wie Event-Styling oder Perücken spezialisieren. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt, wenn du bereit bist, kontinuierlich zu lernen und dich weiterzuentwickeln.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Friseur-Gehalt
Wie viel verdient ein Friseur-Azubi im ersten Jahr?
Ab dem 1. Januar 2023 beträgt die Mindestausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr 620 Euro brutto pro Monat. Je nach Betrieb und Tarifvertrag kann der Verdienst auch höher ausfallen.
Kann ich als Friseur gut leben?
Ja, als ausgebildeter Friseur kannst du ein gutes und sicheres Einkommen erzielen. Während das Einstiegsgehalt moderat ist, steigen die Verdienstmöglichkeiten mit Erfahrung, Spezialisierung und der Möglichkeit zur Selbstständigkeit deutlich an. Das Trinkgeld ist zudem eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle.
Wie viel Trinkgeld ist angemessen?
Ein Trinkgeld von 10-15% des Gesamtbetrags ist üblich und eine nette Geste der Wertschätzung. Bei einem 45-Euro-Schnitt wären das 4,50 bis 6,75 Euro. Du kannst aber auch mehr geben, wenn du besonders zufrieden bist.
Kann ich meine Friseur-Ausbildung verkürzen?
Ja, bei besonderen Leistungen und Talenten ist es möglich, die Ausbildungszeit in Absprache mit deinem Ausbildungsbetrieb um ein halbes Jahr zu verkürzen. Dies muss vertraglich vereinbart werden.
Welche Faktoren beeinflussen mein Gehalt als Friseur?
Dein Gehalt hängt von deiner Berufserfahrung, der Größe und Art deines Arbeitgebers (z.B. kleiner Salon vs. große Kette), deiner Region (Großstadt vs. Land) und deinen individuellen Fähigkeiten und Spezialisierungen ab. Auch Trinkgelder spielen eine Rolle.
Brauche ich einen Schulabschluss, um Friseur zu werden?
Nein, ein formaler Schulabschluss ist nicht zwingend erforderlich, um eine Friseur-Ausbildung zu beginnen. Wichtiger sind Fachwissen, handwerkliches Geschick, Kreativität und ausgeprägte Kundenorientierung.
Fazit
Der Friseurberuf ist ein Handwerk mit Herz und Seele, das trotz einer oft niedrigeren Ausbildungsvergütung langfristig attraktive Verdienstmöglichkeiten bietet. Von den gestiegenen Mindestlöhnen über das Potenzial mit Berufserfahrung bis hin zur lukrativen Möglichkeit der Selbstständigkeit – deine finanzielle Zukunft als Friseur liegt in deinen Händen. Es ist ein Beruf, der neben dem Einkommen auch die tiefe Befriedigung bietet, Menschen zu verschönern und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Wenn du deine Leidenschaft für Haare und Menschen zum Beruf machst, wirst du nicht nur finanziell, sondern auch persönlich reich belohnt.
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