24/01/2024
Frank Schäfer ist weit mehr als nur ein Friseur; er ist eine lebende Legende, eine Stilikone und ein Geschichtenerzähler, dessen Leben eng mit den Umbrüchen Deutschlands verbunden ist. Geboren 1959 in Berlin-Neukölln und ab 1960 in Ostberlin aufgewachsen, hat Schäfer eine einzigartige Reise hinter sich, die ihn vom musikalischen Wunderkind zum rebellischen Modedesigner, vom Underground-Künstler zum gefeierten Friseur in Ost und West führte. Seine Autobiografie und zahlreiche Medienauftritte zeugen von einem Leben, das so unkonventionell wie ehrlich ist.

- Die ungewöhnliche Jugend eines Friseur-Rebellen
- Vom Modedesign zur Schere: Ein Weg voller Umwege
- Frank Schäfer in der DDR-Undergroundszene
- Der Sprung in den Westen und der Aufstieg zum Kult-Friseur
- Philosophie eines Friseurs: Mehr als nur Haare schneiden
- Frank Schäfers Erbe und seine Autobiografie
- Häufig gestellte Fragen zu Frank Schäfer
Die ungewöhnliche Jugend eines Friseur-Rebellen
Schon in jungen Jahren zeigte Frank Schäfer Talent, das seine Eltern, darunter der bekannte DDR-Schauspieler Gerd E. Schäfer, förderten. Er besuchte eine Spezialschule für Musik in Berlin, spielte Klavier und sang in Kinderopern. Doch trotz dieser vielversprechenden Anfänge war Musik nicht seine wahre Leidenschaft. Ein Vorfall, der sein Leben prägen sollte, ereignete sich in der zehnten Klasse: Er wurde von der Schule verwiesen, weil er eine Westplatte von The Sweet mit in die Schule gebracht hatte. Für viele wäre das ein Rückschlag gewesen, doch für Schäfer war es kein Beinbruch. Er erkannte, dass er seinen eigenen Weg gehen musste, abseits der Erwartungen.
Während seine Eltern eine künstlerische Laufbahn für ihn vorsahen – Regisseure, Kostümbildner und Schauspieler verkehrten in ihrem Haus, aber keine Handwerker –, zog es den jungen Frank zum Friseurberuf. Dieser Beruf, der für viele als wenig prestigeträchtig galt, wirkte auf ihn exotisch. Er bewunderte die Friseurinnen, die in ihren abgewetzten Kitteln im Salon standen, miteinander quatschten und eine scheinbar unbeschwerte Atmosphäre schufen. „Rumstehen und Quatschen, das wollte ich auch“, erinnert er sich. Das eigentliche Haaremachen interessierte ihn zunächst kaum. Als Stotterer hatte er früh gelernt, sich nicht darum zu kümmern, wie andere ihn sahen, und seinen eigenen Weg zu gehen.
Vom Modedesign zur Schere: Ein Weg voller Umwege
Bevor Frank Schäfer seinen Traumberuf ergriff, versuchte er sich in der Modegestaltung. Nach erfolgreicher Prüfung begann er ein Studium an der Bekleidungsfachschule Reichenbach. Doch die Sorge, als unselbstständiger 18-Jähriger niemanden in Reichenbach zu kennen, erwies sich als unbegründet. Die Fachschule war ein Paradies für junge Männer: zehn Jungs auf 450 Mädchen. Ständige Partys und reichlich Mehrfruchtwein prägten den Alltag, was den Studienleistungen nicht zugutekam. Nach nur einem halben Jahr wurde er exmatrikuliert. Immerhin kehrte er mit selbst entworfenen, schmucken Sachen nach Berlin zurück.
Zurück in der Heimat stand für ihn fest: Er würde Friseur werden. Eine Entscheidung, die seine Eltern zunächst gar nicht toll fanden, da der Beruf als Notlösung galt, wenn man für nichts anderes taugte. Doch letztlich nahmen sie es hin. Für Frank Schäfer war die Friseurlehre jedoch ein strategischer Schritt, denn sie ebnete ihm den Weg zu einer Ausbildung als Maskenbildner beim DDR-Fernsehen. Seine Lehre absolvierte er in der PGH „Modische Linie“ auf der Schönhauser Allee.
Frank Schäfer in der DDR-Undergroundszene
In den frühen 1980er-Jahren wurde Frank Schäfer zu einer festen Größe der Ostberliner Undergroundszene. Durch den Fotografen Sven Marquardt kam er in Kontakt mit der freien Mode- und Künstlerszene und beteiligte sich an Konzerten und Modenschauen. Er war Teil der alternativen Modenschautruppe „Chic, Charmant und Dauerhaft“, deren Aktivitäten im Dokumentarfilm „Ein Traum in Erdbeerfolie“ festgehalten wurden.
Sein rebellischer Geist zeigte sich auch bei der Berliner Friseurmeisterschaft 1985. Dort montierte er seinem Modell eine Schallplatte ins Haar und zog ihm sogar eine Zwangsjacke an. Dies sorgte für ein Riesentheater: Die DDR-Funktionäre in der Halle sahen sofort eine politische Botschaft, die Schäfer selbst nicht beabsichtigt hatte. Doch der Vorfall zementierte seinen Ruf als Provokateur und Künstler.
Neben seiner Arbeit als Friseur war Schäfer auch als Schauspieler tätig. 1982 spielte er auf Schloss Moritzburg bei Dresden eine Striptease-Szene als Frau in einem Rokoko-Kostüm. Diese Rolle, die er übernahm, weil eine Schauspielerin ausgefallen war, war eine der seltenen Darstellungen von Homosexualität im DDR-Fernsehen. Später wirkte er auch in Filmen von Rosa von Praunheim mit. Das Ostberlin jener Zeit empfand er trotz aller Einschränkungen als „Abenteuerspielplatz“, wenngleich er stets zielstrebig war und einen festen Job hatte.

Sein Leben in der DDR war jedoch nicht ohne Schwierigkeiten. Er stotterte, war mit einer Frau verlobt, interessierte sich aber früh für Männer und wurde bei einem Gefängnisaufenthalt sogar von einem Polizisten vergewaltigt. Diese Erfahrungen trugen zu seiner Entscheidung bei, der DDR den Rücken zu kehren.
Der Sprung in den Westen und der Aufstieg zum Kult-Friseur
Mit 28 Jahren hatte Frank Schäfer genug vom Austoben und den ständigen Verhaftungen in der DDR. 1988 setzte er sich nach Westberlin ab. Die Gelegenheit bot sich, als er ein zehntägiges Ausreisevisum für eine Maskenbildner-Tätigkeit bei einer Heiner-Müller-Inszenierung erhielt. Er nutzte diese Chance, um im Westen zu bleiben. Dort angekommen, arbeitete er weiter als Friseur und baute sich schnell einen Namen auf.
In den 1990er-Jahren erlangte seine Popularität einen Höhepunkt, nicht zuletzt dank des legendären Kreuzberger Salons „Kaiserschnitt“, in dem er arbeitete. Dieser Salon bot angeblich „Schamhaarfrisuren“ an – eine als Witz gemeinte Fake-Geschichte, die dank des Presserummels um den Globus ging. Die Welt wollte diese verrückte Geschichte einfach glauben, weil sie perfekt zum Image Berlins passte. Es kamen zwar keine Kunden für solche Frisuren, dafür aber unzählige Journalisten. Eines Tages stand sogar Jean-Paul Gaultier im Laden, um ihn zu interviewen. Ein kleiner Verlag machte sogar einen Bildband mit inszenierten Fotos von „Schamhaarfrisuren“, da es keine echten Kunden dafür gab. Das Buch verkaufte sich weltweit und machte Schäfer endgültig zum Kult-Friseur.
Philosophie eines Friseurs: Mehr als nur Haare schneiden
Heute betreibt Frank Schäfer mit seiner Kollegin Amanda den Salon „Frank & Amanda“ in Prenzlauer Berg, Berlin. Seine Kunden kommen aus ganz Berlin und sogar aus Städten wie Cottbus und Magdeburg. Auffallend ist, dass seine Klientel überwiegend weiblich ist – Lehrerinnen, Schuldirektorinnen, Ärztinnen, Psychologinnen. Männer sind seltener, da sie meist schnelle Termine und zügige Bedienung wünschen, was Schäfers Arbeitsweise nicht entspricht. Er bedient lieber Frauen, weil sie sich Zeit nehmen und bereit sind, tiefgründige Gespräche zu führen.
Für Schäfer ist der Friseurstuhl eine Art Beichtstuhl. „Je privater die Themen sind, umso besser“, sagt er. Ihn interessiert nicht, wie sauber das Hotelzimmer auf der Karibikreise war, sondern wie jemand emotional „drauf“ ist, zum Beispiel in einer Beziehung. Gerade weil er nicht zu den besten Freunden seiner Kunden gehört, können sie ihm alles erzählen. Er selbst teilt auch aus seinem Leben und hofft, dass seine Kunden daraus etwas für sich ziehen können.
Berlin gilt als Hauptstadt der Meckerei, doch in Schäfers Salon ist das anders. „Um Gottes willen, nicht bei mir!“, betont er. Er führt ernsthafte Gespräche, die aber nicht ohne Spaß sind. Meckerei mag er überhaupt nicht. Er ist beispielsweise nicht prinzipiell gegen die Veränderung im Prenzlauer Berg, auch wenn er die Verdrängung von Menschen mit wenig Geld nicht gutheißt. Doch das Gemotze gegen Schwaben oder die Ablehnung von Veränderungen im Stadtbezirk lehnt er ab. „Veränderung ist das Leben“, ist seine Überzeugung. Wer Veränderung schrecklich finde, finde das Leben schrecklich, denn man könne nichts für immer festhalten. Diese Einstellung spiegelt sich auch in seiner Arbeit wider. Die Jagd nach dem Glück, die viele Menschen verrückt mache, sei Quatsch. Sein Ziel ist es, seine Kunden mit seiner Arbeit glücklich zu machen.
Frank Schäfers Erbe und seine Autobiografie
Die Namen von Friseursalons haben sich über die Jahre gewandelt. Hießen sie früher „Modische Linie“ oder „Elegante Haarmode“, tragen sie heute oft Namen wie „Hairlich“ oder „Haarvantgarde“. Frank Schäfers Salon heißt schlicht „Frank & Amanda“, ohne den Zwang zur Originalität oder Zusätze wie „Beauty-“, „Wellness-“ oder „Styling-Irgendwas“. Sein Credo: „Mann, du bist Friseur!“ Dies zeigt seine Bodenständigkeit und seinen Fokus auf das Wesentliche des Handwerks.
Seine mit der Autorin Patricia Holland-Moritz verfasste Autobiografie „Ich bin nicht auf der Welt, um glücklich zu sein“ (erschienen beim Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf) gibt tiefe Einblicke in sein bewegtes Leben. Sie ist unterhaltsam und voller Geschichten, die viel über das Leben im früheren Osten, im Westen und in der Gegenwart erzählen. Frank Schäfer bleibt eine faszinierende Persönlichkeit, die das Friseurhandwerk mit Kunst, Philosophie und einer gehörigen Portion Berliner Schnauze verbindet.

Häufig gestellte Fragen zu Frank Schäfer
Wer ist Frank Schäfer?
Frank Schäfer ist ein bekannter deutscher Kult-Friseur, Schauspieler und Stilikone, geboren 1959 in Berlin. Er wurde in der DDR durch seine unkonventionelle Art und seine Zugehörigkeit zur Undergroundszene bekannt und setzte sich 1988 nach Westberlin ab. Heute betreibt er den Salon „Frank & Amanda“ in Berlin-Prenzlauer Berg und ist Autor einer Autobiografie.
Warum ist Frank Schäfer so bekannt?
Frank Schäfer wurde durch seine rebellische Persönlichkeit, seine Rolle in der DDR-Undergroundszene, spektakuläre Auftritte bei Friseurmeisterschaften (z.B. mit Schallplatte und Zwangsjacke), seine Schauspielrollen (u.a. Darstellung von Homosexualität im DDR-Fernsehen) und den weltweit verbreiteten „Schamhaarfriseur“-Mythos bekannt. Seine offene Art und seine tiefgründigen Gespräche mit Kunden tragen ebenfalls zu seinem Ruf bei.
Hat Frank Schäfer eine Autobiografie geschrieben?
Ja, Frank Schäfer hat zusammen mit der Autorin Patricia Holland-Moritz seine Autobiografie mit dem Titel „Ich bin nicht auf der Welt, um glücklich zu sein“ verfasst, die beim Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen ist.
Was ist die Philosophie von Frank Schäfer als Friseur?
Frank Schäfer sieht den Friseurstuhl als Ort für ernsthafte, private Gespräche. Er lehnt oberflächlichen Small Talk und Meckerei ab. Seine Philosophie ist, die Kunden glücklich zu machen und Veränderungen im Leben als etwas Positives zu sehen („Veränderung ist das Leben“). Er legt Wert auf Authentizität und lehnt übertriebene Salonnamen ab.
Was war der „Schamhaarfriseur“-Mythos?
In den 1990er-Jahren verbreitete sich das Gerücht, der Kreuzberger Salon „Kaiserschnitt“, in dem Frank Schäfer arbeitete, biete „Schamhaarfrisuren“ an. Dies war ein als Witz gemeinter Fake, der jedoch dank des Medieninteresses weltweit Beachtung fand. Obwohl es keine echten Kunden dafür gab, führte der Mythos zu zahlreichen Journalistenbesuchen und sogar zur Veröffentlichung eines Bildbandes.
Warum ging Frank Schäfer in den Westen?
Frank Schäfer setzte sich 1988 nach Westberlin ab, weil er in der DDR immer wieder verhaftet wurde. Er nutzte ein zehntägiges Ausreisevisum, das er für eine Maskenbildner-Tätigkeit bei einer Heiner-Müller-Inszenierung erhalten hatte, um im Westen zu bleiben.
Wer ist Alexander G. Schäfer?
Alexander G. Schäfer ist der Bruder von Frank Schäfer und ebenfalls als Schauspieler tätig. Ihr Vater war der bekannte DDR-Schauspieler Gerd E. Schäfer.
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