28/02/2022
Die Faszination für Henna ist nicht neu, sondern wurzelt tief in der Geschichte. Man denke nur an Madonnas ikonisches Musikvideo zu "Frozen", in dem ihre Hände mit kunstvollen Henna-Tattoos verziert waren – ein Tribut an eine jahrtausendealte Tradition. Schon vor über 5.000 Jahren nutzten die alten Ägypter diesen natürlichen Farbstoff für ornamentale Körperbemalungen. Doch Henna ist weit mehr als nur ein temporäres Tattoo. Es ist auch eine wunderbare, chemiefreie Möglichkeit, den Haaren eine neue Farbe zu verleihen. In diesem ausführlichen Leitfaden tauchen wir tief in die Welt des Hennas ein und erklären Ihnen alles, was Sie wissen müssen, um Ihre Haare auf natürliche Weise zu färben, inklusive wertvoller Tipps und Tricks für ein strahlendes Ergebnis.

Was ist Henna überhaupt?
Henna, botanisch bekannt als Lawsonia inermis, ist ein Strauch, der hauptsächlich in den heißen, trockenen Regionen des Orients, Indiens und Nordafrikas wächst. Aus den getrockneten und fein gemahlenen Blättern dieser Pflanze wird das berühmte Henna-Pulver gewonnen. Dieses Pulver wird traditionell mit Wasser zu einer Paste vermischt und dient seit Jahrtausenden nicht nur zur Haarfärbung, sondern auch zur kunstvollen Bemalung von Haut, insbesondere Händen und Füßen. In vielen Kulturen des Nahen Ostens und Asiens ist die Henna-Bemalung, bekannt als Mehndi, ein fester Bestandteil ritueller Zeremonien wie Hochzeiten und Geburten. Diese detailreichen Muster sind nicht nur schmückend, sondern sollen auch Glück bringen und vor bösen Geistern schützen. Die intensive Farbkraft des Hennas, die von einem leuchtenden Rot-Orange bis zu tiefen Mahagonitönen reichen kann, macht es zu einem idealen, natürlichen Farbstoff.
Der entscheidende Unterschied: Henna vs. Chemische Haarfarben
Wer kennt es nicht? Man steht vor dem Regal voller Haarfarben und ist überwältigt von der schier unendlichen Auswahl an Nuancen – von Mahagonibraun über Platinblond bis hin zu tiefem Schwarz. Doch hinter dieser Vielfalt verbirgt sich oft eine Gemeinsamkeit: die Chemie. Herkömmliche chemische Haarcolorationen dringen tief in die Haarstruktur ein, um die natürliche Pigmentierung zu verändern. Dieser Prozess erfordert das Aufrauen der äußeren Schuppenschicht des Haares, oft durch aggressive Chemikalien wie Ammoniak und Peroxid. Dies kann das Haar auf Dauer stark strapazieren, es spröde, glanzlos und anfällig für Haarbruch machen. Zudem können die chemischen Inhaltsstoffe über die Kopfhaut in den Körper gelangen und bei sensiblen Personen Allergien oder Reizungen auslösen.
Ganz anders verhält es sich mit Henna. Henna-Pigmente dringen nicht in das Haar ein. Stattdessen legen sie sich wie ein schützender Film um jede einzelne Haarsträhne. Dieser Mantel versiegelt die äußere Schuppenschicht, was dem Haar zusätzlichen Glanz und Pflege verleiht. Das Haar wird nicht nur gefärbt, sondern gleichzeitig gestärkt und genährt. Das Ergebnis ist oft ein gesünderes, volleres und glänzenderes Haarbild. Henna ist daher eine viel schonendere Alternative, die das Haar nicht angreift, sondern es sogar pflegt und schützt.
Vergleich: Henna vs. Chemische Haarfarben
| Merkmal | Henna (Pflanzenhaarfarbe) | Chemische Haarfarbe |
|---|---|---|
| Wirkweise | Legt sich als schützender Film um das Haar, versiegelt die Schuppenschicht. | Dringt tief in die Haarstruktur ein, verändert die Pigmentierung. |
| Inhaltsstoffe | Rein pflanzlich (Lawsonia inermis), ggf. weitere Pflanzenpulver. | Ammoniak, Peroxid, PPD, Resorcinol, synthetische Farbstoffe. |
| Haargesundheit | Pflegt, stärkt, verleiht Glanz, kann Haarbruch reduzieren. | Kann das Haar austrocknen, spröde machen, zu Haarbruch führen. |
| Allergierisiko | Gering, selten bei reiner Henna-Allergie. | Höher, besonders bei PPD und anderen synthetischen Stoffen. |
| Farbpalette | Primär Rottöne, mit Zusätzen auch Braun, Blond, Schwarz. Ergebnis hängt stark von der Ausgangsfarbe ab. | Sehr breit, präzise und oft unabhängig von der Ausgangsfarbe. |
| Permanenz | Semi-permanent bis permanent, wäscht sich langsam aus oder wächst heraus. | Permanent, wächst heraus. |
| Anwendung | Längere Einwirkzeit, teils aufwendiger in der Anwendung. | Kürzere Einwirkzeit, oft einfacher in der Anwendung. |
| Grauabdeckung | Möglich, erfordert manchmal spezielle Technik (Vorbehandlung). | In der Regel gute Abdeckung, auch bei hohem Grauanteil. |
Die Herausforderung mit Silikonen
Ein wichtiger Punkt, den Sie beachten sollten, wenn Sie auf Henna umsteigen möchten, ist die Verwendung von Silikonen in Haarpflegeprodukten. Viele moderne Shampoos, Spülungen und Kuren enthalten Silikone, die sich wie eine glatte Schicht um das Haar legen, um es geschmeidig und glänzend erscheinen zu lassen. Das Problem dabei: Diese Silikonschicht bildet eine Barriere, die es den Henna-Pigmenten erschwert, sich am Haar anzulagern. Das Ergebnis kann eine ungleichmäßige Färbung oder eine geringere Farbintensität sein. Wenn Sie also planen, Ihre Haare mit Henna zu färben, ist es ratsam, bereits einige Monate im Voraus auf silikonfreie Haarpflegeprodukte umzusteigen. So kann sich die Silikonschicht vollständig vom Haar lösen und das Henna optimal wirken.
Kann Henna graues Haar abdecken?
Diese Frage wird häufig gestellt, und die Antwort ist ein klares Ja – allerdings mit einer kleinen Besonderheit. Oft hört man, dass Henna graue Haare nicht vollständig abdecken kann oder dass das Ergebnis bei grauen Haaren zu orange ausfällt. Das liegt daran, dass graues Haar keine Pigmente mehr enthält und die Hennafarbe auf dieser leeren Leinwand sehr intensiv wirken kann. Der Trick für eine optimale Grauabdeckung mit Henna, besonders wenn Sie dunklere Töne als reines Rot wünschen, liegt in einer Zwei-Schritt-Färbung. Färben Sie Ihr Haar zunächst mit reinem Henna (das rote Pigmente enthält). Dies schafft eine Art "Grundierung" und gibt den nachfolgenden Farbpigmenten ausreichend Halt. Nach dem Ausspülen des reinen Hennas können Sie dann die gewünschte Nuance – sei es Braun, Schwarz oder ein dunkleres Rot – auftragen. Durch diese Vorbehandlung erzielen Sie auch bei ergrautem Haar hervorragende und gleichmäßige Ergebnisse.
Welche Nuancen sind mit Henna möglich?
Beim Gedanken an Henna assoziieren die meisten Menschen sofort leuchtend rote Haare. Und tatsächlich ist das ursprüngliche Henna-Pulver aus der Pflanze Lawsonia inermis dafür bekannt, Rottöne zu erzeugen, die von einem warmen Kupferrot bis zu einem tiefen Mahagoni reichen, je nach Einwirkzeit und Ausgangshaarfarbe. Doch die Welt der Pflanzenhaarfarben ist bunter, als man denkt! Viele moderne Henna-Produkte sind Mischungen aus Lawsonia inermis und anderen pflanzlichen Farbstoffen, wie Indigo (für Schwarz- und Brauntöne) oder Cassia Obovata (für Gold- und Blondtöne). Dadurch können Sie mit Henna nicht nur Rottöne, sondern auch verschiedene Brauntöne, von Hellbraun bis Dunkelbraun, sowie ein tiefes Schwarz erzielen. Sogar Blondtöne sind möglich, wobei diese meist einen goldenen Schimmer verleihen und eher zur Farbintensivierung bei Naturblond als zur Aufhellung dienen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass das Endergebnis immer maßgeblich von Ihrer eigenen Haarfarbe und -struktur beeinflusst wird. Ein Probesträhnen-Test ist daher immer empfehlenswert.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Haare färben mit Henna
Das Färben mit Henna erfordert etwas mehr Vorbereitung und Geduld als eine schnelle chemische Coloration, aber das Ergebnis – gesundes, glänzendes Haar in einer wunderschönen, natürlichen Farbe – ist die Mühe wert. Hier ist eine detaillierte Anleitung:
Schritt 1: Die Farbe anrühren
Dieser Schritt ist entscheidend und oft eine Fehlerquelle. Die Art, wie Sie die Henna-Paste anrühren, hängt von den enthaltenen Inhaltsstoffen ab:
- Reines Henna (für Rotnuancen): Mischen Sie das Pulver mit kochendem Wasser. Die Hitze hilft den Farbstoffen, sich optimal zu entfalten. Lassen Sie die Paste nach dem Anrühren etwas ziehen (mindestens 30 Minuten bis mehrere Stunden), damit der Farbeffekt später intensiver ausfällt. Die Konsistenz sollte joghurtartig sein.
- Henna mit Indigo (für Braun- und Schwarztöne): Wenn das Produkt Indigo enthält (erkennbar an der Angabe für Braun oder Schwarz), müssen Sie unbedingt kaltes oder lauwarmes Wasser verwenden. Heißes Wasser würde die Indigo-Pigmente zerstören und die Farbwirkung stark beeinträchtigen. Rühren Sie die Paste erst kurz vor der Anwendung an.
Tipp zur Konsistenz: Henna-Paste kann manchmal bröselig sein und sich schwer gleichmäßig verteilen lassen, was schnell zu einer großen Sauerei führt. Um dies zu verhindern und eine cremigere, besser haftende Konsistenz zu erzielen, können Sie eine kleine Menge Geliermittel (z.B. Xanthan-Gummi, erhältlich in Reformhäusern oder Online-Shops) über das Pulver streuen, bevor Sie das Wasser hinzufügen. Dadurch wird die Paste geschmeidiger, tropft weniger und lässt sich leichter auftragen.
Schritt 2: Haare waschen
Bevor Sie die Henna-Paste auftragen, waschen Sie Ihre Haare gründlich mit einem silikonfreien Shampoo. Dies stellt sicher, dass keine Rückstände die Farbaufnahme behindern. Tupfen Sie Ihre Haare anschließend leicht mit einem Handtuch ab, sodass sie handtuchfeucht sind. Sie sollten nicht tropfnass sein.
Schritt 3: Hautschutz auftragen
Henna kann die Haut stark verfärben, und diese Flecken lassen sich nur schwer wieder entfernen. Um unschöne Ränder zu vermeiden, tragen Sie eine fetthaltige Creme (z.B. Vaseline oder eine reichhaltige Gesichtscreme) entlang Ihres Haaransatzes, auf die Ohren und im Nacken auf. Sollte dennoch etwas Henna auf die Haut gelangen, entfernen Sie es sofort mit einem Wattepad, das mit etwas Öl (z.B. Olivenöl oder Kokosöl) getränkt ist.

Schritt 4: Henna auftragen
Ziehen Sie alte Kleidung an, die schmutzig werden darf, und Einmalhandschuhe. Stellen Sie sich am besten in die Dusche oder Badewanne, um eventuelle Spritzer leicht abspülen zu können. Teilen Sie Ihre Haare in mehrere Partien. Beginnen Sie am Hinterkopf und arbeiten Sie sich Strähne für Strähne vor. Tragen Sie die Henna-Paste großzügig und gleichmäßig auf, von der Wurzel bis in die Spitzen. Achten Sie darauf, dass alle Haare gut bedeckt sind. Sobald die Paste aufgetragen ist, wickeln Sie Ihre Haare am besten zuerst in Frischhaltefolie und dann in ein warmes Handtuch. Die Wärme hilft den Farbpigmenten, tiefer und intensiver einzuwirken. Nun ist Geduld gefragt: Die Einwirkzeit beträgt mindestens zwei Stunden, kann aber je nach gewünschter Farbintensität und Produkt bis zu vier oder sogar sechs Stunden dauern. Je länger die Einwirkzeit, desto intensiver das Ergebnis.
Tipp für strapaziertes Haar: Wenn Ihr Haar sehr porös oder stark strapaziert ist, sollten Sie die Einwirkzeit reduzieren, da das Henna aufgrund der offeneren Haarstruktur viel intensiver und schneller wirken kann. Maximal zwei Stunden sind hier oft ausreichend, um ein gutes Ergebnis zu erzielen und eine Überfärbung zu vermeiden.
Schritt 5: Henna auswaschen
Nach Ablauf der Einwirkzeit spülen Sie Ihre Haare gründlich mit warmem Wasser aus, bis keine Farbreste mehr herauskommen. Dies kann eine Weile dauern. Verwenden Sie anschließend eine silikonfreie Spülung oder einen Conditioner, um die Haare zu entwirren und die Schuppenschicht zu schließen. In den ersten 24 Stunden nach dem Färben sollten Sie auf Shampoo verzichten, damit sich die Farbe optimal im Haar festsetzen kann. Um zusätzlichen Glanz zu verleihen und die Farbstabilität zu erhöhen, können Sie Ihre Haare zum Schluss mit einer Mischung aus Wasser und einem Schuss Apfelessig (z.B. 1 Liter Wasser mit 2 Esslöffeln Essig) spülen. Der saure pH-Wert des Essigs hilft, die Schuppenschicht zu glätten und den Glanz zu maximieren.
Häufig gestellte Fragen zu Henna
Ist Henna permanent?
Henna ist semi-permanent bis permanent. Es wäscht sich nicht vollständig aus wie eine Tönung, sondern verblasst langsam und wächst mit dem Naturhaar heraus. Die Intensität des Verblassens hängt von der Haarstruktur und der Häufigkeit des Waschens ab.
Kann ich Henna auf chemisch gefärbtem oder dauergewelltem Haar anwenden?
Ja, das ist grundsätzlich möglich. Allerdings sollten Sie eine längere Pause zwischen der chemischen Behandlung und der Henna-Anwendung einlegen (mindestens 4-6 Wochen). Bei chemisch behandeltem Haar kann das Ergebnis intensiver ausfallen, da die Haarstruktur poröser ist. Führen Sie unbedingt einen Strähnchentest durch, um das Farbergebnis und mögliche Reaktionen zu prüfen.
Wie oft kann ich meine Haare mit Henna färben?
Da Henna das Haar pflegt und nicht schädigt, können Sie es so oft anwenden, wie Sie möchten, um den Ansatz nachzufärben oder die Farbe aufzufrischen. Viele Anwender färben alle 4-6 Wochen.
Was passiert, wenn die Farbe zu intensiv geworden ist?
Sollte die Farbe zu intensiv oder zu rot ausgefallen sein, können Sie versuchen, sie mit einer Ölkur (z.B. Kokosöl oder Olivenöl) etwas zu mildern. Tragen Sie das Öl großzügig auf das Haar auf, lassen Sie es mehrere Stunden oder über Nacht einwirken und waschen Sie es dann gründlich aus. Dies kann einige der Pigmente lösen.
Muss ich vor der ersten Henna-Färbung etwas Besonderes beachten?
Ja, wie bereits erwähnt, ist es ratsam, einige Wochen vor der ersten Henna-Färbung auf silikonhaltige Produkte zu verzichten. Machen Sie außerdem immer einen Probesträhnentest an einer unauffälligen Stelle (z.B. unter dem Deckhaar), um das genaue Farbergebnis auf Ihrem Haar zu sehen. Dies ist besonders wichtig, da das Endergebnis stark von Ihrer individuellen Haarfarbe und -struktur abhängt.
Fazit
Das Färben der Haare mit Henna ist eine wunderbare Möglichkeit, Ihrem Haar auf natürliche und gesunde Weise neue Farbe und Glanz zu verleihen. Es ist eine Hommage an alte Traditionen und eine bewusste Entscheidung für die Gesundheit Ihrer Haare und Ihres Körpers. Auch wenn es etwas mehr Zeit und Sorgfalt erfordert als eine schnelle chemische Coloration, belohnt Sie Henna mit einem Ergebnis, das nicht nur optisch überzeugt, sondern auch das Wohlbefinden Ihrer Haare steigert. Verabschieden Sie sich von sprödem, glanzlosem Haar und heißen Sie eine Welt voller lebendiger, natürlich schöner Farben willkommen. Probieren Sie es aus und erleben Sie die transformative Kraft von Henna!
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