Wie nennt man die Ureinwohner von Lappland?

Die Sami: Ureinwohner Lapplands und ihre Kultur

18/02/2026

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Tief im Norden Europas, in einer majestätischen Landschaft aus weiten Tundren, dichten Wäldern und eisigen Bergen, lebt ein Volk, dessen Geschichte und Kultur untrennbar mit diesem Land verbunden sind: die Sami. Oft als Ureinwohner Lapplands bezeichnet, nennen sie ihr angestammtes Gebiet selbst Sápmi. Ihre Existenz ist ein Zeugnis menschlicher Anpassungsfähigkeit und des tiefen Respekts vor der Natur, die sie umgibt. Doch wer sind die Sami wirklich, und welche Besonderheiten prägen ihr Leben in der modernen Welt?

Inhaltsverzeichnis

Wer sind die Sami? Eine Einführung in ein einzigartiges Volk

Die Sami, auch unter den Begriffen Samen oder Sápmi bekannt, sind die indigenen Bewohner einer Region, die sich über die nördlichen Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und der russischen Kola-Halbinsel erstreckt. In der Vergangenheit wurden sie oft als „Lappen“ bezeichnet, ein Begriff, der bei den Sami jedoch „Ausgestoßene“ bedeutet und daher als Beleidigung empfunden wird. Aus diesem Grund wird diese Bezeichnung heute strikt abgelehnt. Das Volk selbst nennt sich „Sameh“, was so viel wie „die Sumpfleute“ bedeutet, während die Einzelperson als „Sabme“ bezeichnet wird.

Was ist der Unterschied zwischen Lappe und Lappland?
Bei einem nordischen Autor ist der früheste Beleg in den Gesta Danorum des Saxo Grammaticus als Landschaftsbezeichnung Lapponia (auf Latein) zu finden, entsprechend der heutigen Namen der Landschaft Lappland (schwedisch, finnisch Lappi, russisch Laplandija /Лапландия). Die Etymologie des Wortes Lappe ist verwirrend und nicht eindeutig geklärt.

Heute stellen die Sami eine ethnische Minderheit in ihren jeweiligen Siedlungsgebieten dar. Ihre genaue Bevölkerungszahl ist schwer zu bestimmen, wird aber auf 90.000 bis 140.000 Menschen geschätzt. Die größte Gruppe, etwa 60.000 bis 100.000 Sami, lebt in Norwegen. In Schweden sind es ungefähr 14.600, in Finnland 9.350 und auf der russischen Kola-Halbinsel knapp 2.000 Menschen. Diese Verteilung spiegelt die grenzüberschreitende Natur ihrer traditionellen Gebiete wider, die sie als Sápmi bezeichnen.

Die samische Sprache: Ein lebendiges Erbe mit vielen Facetten

Die samische Sprache ist ein zentraler Pfeiler der samischen Identität und Kultur. Sie gehört zur Familie der finno-ugrischen Sprachen und ist somit mit dem Finnischen, Ungarischen und Estnischen verwandt. Obwohl sie in Norwegen, Schweden und Finnland offiziell anerkannt ist, sprechen nur noch etwa 24.000 Sami ihre ursprüngliche Sprache aktiv. Diese sprachliche Vielfalt ist nicht einheitlich, sondern unterteilt sich in mehrere Hauptzweige, darunter Ost-, Süd- und Zentralsamisch.

Innerhalb des Zentralsamischen gibt es zudem verschiedene Dialekte wie Lule-, Pite- und Nordsamisch. Diese sprachlichen Unterschiede sind nicht auf einzelne geografische Gebiete beschränkt, sondern oft grenzübergreifend. Die am weitesten verbreitete samische Sprache ist Nordsamisch, das von etwa 17.000 Sami gesprochen wird, vorwiegend im norwegischen Teil Lapplands. Es ist bemerkenswert, dass die samischen Sprachen eine außergewöhnliche Fülle an Wörtern und Ausdrücken aus den Bereichen Fischerei, Jagd und Rentierwirtschaft aufweisen, was ihre traditionelle Lebensweise widerspiegelt. Im Laufe der Zeit haben jedoch auch Begriffe aus anderen Bereichen, wie der Landwirtschaft, Eingang ins Samische gefunden, was auf den Kontakt mit angrenzenden Kulturen, beispielsweise skandinavischen Bauern in Norwegen, zurückzuführen ist.

Lappland vs. Sápmi: Eine geografische und touristische Abgrenzung

Der Begriff „Lappland“ hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Synonym für eine bestimmte Art von nordischem Tourismus entwickelt. Dies ist maßgeblich auf die Marketingstrategien der finnischen Touristikorganisation in den 1970er-Jahren zurückzuführen, die Lappland den Mitteleuropäern als exotisches Reiseziel nahebrachten. Ein prägnantes Beispiel hierfür ist das weltbekannte Weihnachtsmanndorf am Polarkreis in Rovaniemi, das heute 365 Tage im Jahr Jingle Bells erklingen lässt und ein Magnet für Touristen aus aller Welt ist.

Lange Zeit stand „Lappland“ fast ausschließlich für Finnisch-Lappland. Dies änderte sich jedoch, als das berühmte ICEHOTEL in Jukkasjärvi im schwedischen Lappland errichtet wurde. Dadurch erweiterte sich die touristische Wahrnehmung Lapplands erheblich und umfasste fortan auch das schwedische Gebiet mit seinen vielfältigen winterlichen Aktivitäten. Reiseveranstalter wie nordic holidays waren maßgeblich daran beteiligt, das ICEHOTEL und die damit verbundenen Erlebnisse in Deutschland zu vermarkten.

Norwegen war schon immer ein beliebtes Reiseziel, wenngleich weniger wegen „Lapplands“ als vielmehr wegen seiner imposanten Fjorde, des Nordkaps und der legendären Postschiffreisen, besser bekannt als Hurtigruten. Diese Attraktionen waren zunächst vor allem für Sommerurlauber interessant. Doch mit der Zeit wurden auch die winterlichen Lofoten und Polarlichtreisen mit den Hurtigruten populär. Vor etwa sieben Jahren startete Norwegen eine großangelegte Kampagne für Polarlichtreisen nach Tromsø, die sich primär an den norddeutschen Markt richtete und das Nordlicht als einzigartiges Erlebnis in dieser Stadt bewarb – wenngleich das Lichtspektakel außerhalb der Stadt, in lichtärmeren Regionen, oft noch besser zu erkennen ist.

Was ist eigentlich Lappland?
Im Deutsch sprachigen Raum ist Lappland oft ein Synonym für den finnischen Teil Lapplands, wo 9.350 Samen leben, der flächenmäßig größte Teil liegt in Schweden, beherbergt 14.600 Samen und erstreckt sich im Süden bis hinunter nach Idre. (1) Autor: B. Specht, 2021 Am 15. August 1986 wurde von der Sami Konferenz die offizielle Flagge bestätigt.

Somit sind die Länder Finnland, Norwegen und Schweden heute fest im touristischen Konzept „Lappland“ etabliert. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Sami selbst ihr angestammtes Siedlungsgebiet als Sápmi bezeichnen, um ihre kulturelle und historische Zugehörigkeit zu diesem Land hervorzuheben, unabhängig von modernen touristischen oder nationalen Grenzen.

Die Herkunft und Ablehnung des Begriffs „Lappe“

Der Begriff „Lappe“ ist im Deutschen heute veraltet und wird von den Sami als abwertend empfunden. Die offizielle und international anerkannte Bezeichnung ist „Sami“. Die Selbstbezeichnung der Sami ist Sámi („Sumpfleute“), Samit, Samek oder Sápmelaš, abgeleitet von der Ursprungsform šämä, die mit dem baltischen Wort žēme („Land“) verwandt ist.

Etymologische Ursprünge und historische Verwendung

Die Etymologie des Wortes „Lappe“ ist komplex und nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise stammt es von dem altfinnischen Wort lappe(e)a („Rand“) ab, das sich zu einer Bezeichnung für ein „Randgebiet“ entwickelte. Der finnische Ausdruck lappalainen wurde demnach ursprünglich von den Finnen, die die Sami nach Norden verdrängten, im Sinne von „Bewohner des Grenzgebiets“ verwendet. Später erfolgte eine geografische Fixierung auf die Provinzen im Norden Finnlands.

In der modernen nordischen Literatur wurden die Begriffe norwegisch/schwedisch same oder finnisch saamelainen erst seit den 1960er-Jahren verwendet. Davor war es üblich, norwegisch finne (Plural finner), schwedisch lapp (lappar), finnisch lappalainen (lappalaiset) und russisch lopar (лопарь, Plural lopari/лопари) zu benutzen. Das norwegische Wort finne geht auf altnordisch finnr zurück und ist verwandt mit althochdeutsch fendo („Fußgänger“). Es liegt der Benennung der Landschaft Finnmark zugrunde und wurde in der altnordischen Literatur auch in der Variante Skriðfinne verwendet.

Die Namen im Finnischen, Russischen und Schwedischen, auf die der deutsche Begriff „Lappe“ zurückgeht, stammen aus einer gemeinsamen Form, die erstmals um das Jahr 1000 in einer russischen Chronik als „lop“ belegt ist. Bei einem nordischen Autor findet sich der früheste Beleg in den Gesta Danorum des Saxo Grammaticus als Landschaftsbezeichnung Lapponia (auf Latein), was den heutigen Namen der Landschaft Lappland (schwedisch, finnisch Lappi, russisch Laplandija/Лапландия) entspricht. Die Ähnlichkeit der nordgermanischen und deutschen Wörter „lapp“ und „Lappen“ („Lappen, Lumpen“) wird als zufällig angesehen.

Die Assoziation einer Abwertung entstand erst viele Jahrhunderte später, als sich die Idee einer ursprünglichen Identität der beiden Wörter aus der Umwandlung des finnischen Landesnamens Lappia zu Lappland entwickelte. Mit dem Erstarken des samischen Identitätswillens nach Beendigung der sozialdarwinistischen Rassenpolitik im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts wurde in den nordischen Ländern offiziell beschlossen, die Exonyme zu meiden und stattdessen „same“ oder „samelainen“ zu verwenden, da die Exonyme von vielen Sami als herabsetzend empfunden werden. Obwohl in einigen schwedischen Dialekten „Lappe“ noch heute die Bezeichnung für Sami ist, die sich mit der Rentierwirtschaft beschäftigen, wird die Verwendung durch Außenstehende als respektlos angesehen.

Was bedeutet der Begriff „Lappen“?
Den Begriff „Lappen“ empfinden sie als abwertend und lehnen ihn deshalb ab. Er kommt wahrscheinlich von dem schwedischen Wort „Lappar“ = „Flicken, Lappen“, oder dem finnischen „lappalaiset“= Menschen, die in Lappen gehüllt sind. Die offizielle und internationale Bezeichnung jedoch ist „der Sami/ die Sami“.

Die samische Rentierwirtschaft: Ein Balanceakt zwischen Tradition und Moderne

Die Rentierwirtschaft ist seit dem 17. Jahrhundert die Grundlage der samischen Subsistenz und löste die Jagd als Hauptwirtschaftsform ab. Rentiere sind im Gegensatz zu traditionellem Vieh nur halbdomestizierte Tiere. Sie folgen wie ihre wilden Vorfahren den natürlichen jahreszeitlichen Wanderrouten zwischen Waldland und Gebirge. Der menschliche Eingriff beschränkt sich dabei auf das Trennen der schlachtreifen Tiere von der Herde und den Schutz vor Raubtieren, wodurch im Wesentlichen eine natürliche Auslese stattfindet.

Die Rentierwirtschaft ist aufgrund der weiten Wanderungen und der unwegsamen Landschaft sehr zeit- und kostenintensiv. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Herden rund um die Uhr beobachtet. In den 1960er-Jahren revolutionierte das Schneemobil die Verfolgung der Herden im Winter, während im Sommer Motocross-Motorräder eingesetzt werden, sofern es das Gelände zulässt. In den letzten Jahrzehnten kam auch die Nutzung gecharterter Hubschrauber hinzu. Dennoch sind die Sami in unzugänglichen Gebirgslagen immer noch zu Fuß unterwegs, da der Lärm der Maschinen die Tiere unter enormen Stress setzt und nicht selten zu Stürzen führt. Um die Sammlung der Tiere zu erleichtern, verlaufen heute bis zu 400 Kilometer lange Zäune durch das Fjäll, die Gebiete von 1.000 bis 5.000 Quadratkilometern abgrenzen.

Um ausschließlich von der Rentierwirtschaft leben zu können, benötigt eine Familie mindestens 400 Tiere. In ganz Sápmi leben mehr als 500.000 Rentiere. Ob diese Anzahl noch als extensive Form der Landwirtschaft angesehen werden kann, wird kontrovers diskutiert, obwohl unbestritten ist, dass die Rentierwirtschaft den strengen Kriterien der ökologischen Landwirtschaft gerecht wird. Die Samen sind jedoch seit Beginn der Rentierhaltung im 15. Jahrhundert gezwungen, aus wirtschaftlichen Gründen immer größere Bestände zu halten. Früher war es die steigende Abgabenlast, heute sind es marktwirtschaftliche Anforderungen, wie fallende Preise für Rentierfleisch. Obwohl die EU traditionelle Wirtschaftsweisen fördern will, wird beispielsweise in Finnland ein Rentier nur mit 50 Euro subventioniert, während ein Schaf 190 Euro einbringt.

Umweltbelastungen und politische Konflikte

Die Sami und ihre traditionelle Lebensweise sind vielfältigen Umweltbelastungen und politischen Herausforderungen ausgesetzt, die ihre Existenz bedrohen. Eine der prägendsten Katastrophen war die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986. Im mittelschwedischen Sápmi wurde Rentierfleisch mit Cäsium-137-Konzentrationen von 300 Becquerel pro Kilogramm oder höher für ungenießbar erklärt und vernichtet oder zu Futter für Pelztierfarmen verarbeitet. Hunderttausende Kilogramm Fleisch, das offiziell zugelassen war, konnten aufgrund des Imageschadens nicht verkauft werden. Der schwedische Staat versuchte, diese Verluste durch eine weitreichende Entschädigungspolitik zu kompensieren. Bei den samischen Rentierzüchtern Südnorwegens lagen in den ersten drei Jahren nach der Reaktorkatastrophe 30–40 % der Rentiere über den Grenzwerten; der Staat entschied sich jedoch, nur 25 % des Schlachtfleisches vernichten zu lassen, da Rentierfleisch nur einen geringen Anteil an der durchschnittlichen Ernährung in Norwegen hat.

Landrechtskonflikte und Bergbauprojekte

Regionale Landrechtskonflikte belasten die Rentierhalter erheblich. Die Renhirten der schwedischen Provinzen Dalarna, Härjedalen und Jämtland bangten um ihre Existenz, nachdem der Staat 1991 Staatswald an private Eigentümer verkauft hatte, die die Sami anschließend wegen des traditionellen Winterweiderechts im Wald auf Entschädigung verklagten. Die Sami verloren den ersten Prozess 1996 und ein weiteres Urteil des höchsten schwedischen Gerichtshofs im Jahr 2004, wodurch sie rund 25 bis 30 % ihrer Winterweiden verloren. Zusätzlich wurden Entschädigungszahlungen für die „illegale Waldnutzung“ und Abschussrechte für Rentiere verlangt. Die Sami sahen dies als Verstoß gegen die Europakonvention zum Schutz der Menschenrechte und wandten sich 2006 mit einer Petition an das EU-Parlament. Im Januar 2020 fällte Schwedens Höchstes Gericht jedoch einen entscheidenden Beschluss, der auf ein übergeordnetes Gewohnheitsrecht der indigenen Bevölkerung „aus uralter Zeit“ verwies und ihr die Verwaltung der Jagd- und Fischereirechte erlaubte. Die norwegische Regierung konnte sich in einer ähnlichen Problematik gegen Privatwaldbesitzer durchsetzen und den dort ansässigen Sami die entsprechenden Rechte bestätigen.

Auch die Suche nach Erzen und Bergbauprojekte stellen eine wachsende Bedrohung dar. Seit 2006 verstärken sich die Anstrengungen bei der Suche nach Erzen im Norden Schwedens. Eine britische Firma plant eine Eisenerzgrube südlich des Muddus Nationalparks, und ein australischer Konzern bemüht sich um Abbaurechte der riesigen Lagerstätte Ekströmsberg nördlich des Naturreservats Sjaunja. Die Sami befürchten erhebliche negative Auswirkungen des Bergbaus auf die Rentierwirtschaft und die Natur in der Nähe des Weltnaturerbes Laponia. Ein bedeutender Erfolg war im August 2021 zu verzeichnen, als die norddeutsche Aurubis von einem milliardenschweren Bauprojekt zur Errichtung einer Kupfermine auf samischem Gebiet Abstand nahm, was als Erfolg für die Erhaltung des Lebensraumes des indigenen Volkes gewertet wurde. Auch der Bau eines Windparks in Norwegen wird von den Rentierhaltern kritisch gesehen.

Wie nennt man die Ureinwohner von Lappland?
von Yvonne Steplavage Die Sami, auch unter dem Begriff Samen oder Sápmi bekannt, sind die Ureinwohner Lapplands. In früheren Zeiten wurden sie "Lappen" genannt, da dieses Wort bei den Sami jedoch "Ausgestoßene" bedeutet und daher eine Beleidigung darstellt, wird es heute nicht mehr verwendet.

Klimawandel und andere Bedrohungen

Der Klimawandel stellt eine weitere ernsthafte Bedrohung für die Rentierhaltung dar, selbst in den abgelegensten Gebieten Sápmis. Die Folgen wie Hitzestress, Verbuschung, Parasiten und Nahrungsmangel im Winter sind bereits heute spürbar. Darüber hinaus bestehen insbesondere auf der Halbinsel Kola weitere große Umweltbelastungen, die die Rentierwirtschaft gefährden.

In Russland gibt es keine Möglichkeit, Weiden zu pachten, was die Behörden jedoch nicht daran hinderte, solche Pachten an russische Jagdgesellschaften zu vergeben. Wilderer sind ebenfalls ein Problem im Gebiet der Sami, und Rentierhalter, die sich wehren, werden schikaniert, beispielsweise durch Anklagen als Wilderer.

Politische Entwicklung und Selbstverwaltung

Trotz dieser Herausforderungen gab es auch positive Entwicklungen in der politischen Anerkennung der Sami. Im Jahr 1990 ratifizierte Norwegen als erstes und bis 2019 einziges Land des samischen Siedlungsgebietes die ILO-Konvention 169 über die verbindlichen Rechte der Urbevölkerungen. Im Jahr 2000 wurde ein samischer Nationalfonds in Höhe von 75 Millionen norwegischen Kronen (ca. 10 Mio. Euro) eingerichtet. Dieser soll zur Stärkung der samischen Sprache und Kultur verwendet werden und als Entschädigung für durch Unterdrückung verursachte Schäden und Ungerechtigkeiten dienen.

In Norwegen, Schweden und Finnland gibt es samische „Parlamente“ (Sameting), die als Selbstverwaltungsorgane der Sami dienen sollen. Diese Parlamente haben jedoch keine legislative (gesetzgeberische) Funktion, sondern treten vielmehr als Interessenvertreter der Sami auf kommunaler Ebene auf. Nur in Schweden ist die Stellung der samischen Selbstverwaltungsorgane hinsichtlich ihrer Befugnisse jener der Kommunen in Deutschland vergleichbar. So können sie beispielsweise Eingriffe in die Weidegebiete der Rentiere (z. B. durch Wasserbauprojekte) verhindern, wenn auch eventuell nur zeitweise. Die Beschlüsse der samischen Selbstverwaltung können überstimmt werden, wenn übergeordnete Interessen oder Gesetze ihnen entgegenstehen.

Kultur und heutige Lebensweise der Sami

Die Sami sind heute eine „Minderheit im eigenen Land“. Auf ganz Sápmi bezogen sind nur 4 % der Einwohner Sami; auf der Halbinsel Kola ist der indigene Bevölkerungsanteil mit 0,2 % am geringsten. Die Erwerbsstruktur der Sami hat sich stark gewandelt. Heute leben bereits fast 60 % der Sami von modernen Berufen, wobei dem Tourismus eine steigende Bedeutung zukommt.

Die Küstensami Norwegens, deren wirtschaftlicher Schwerpunkt früher die Robbenjagd war, verlagerten diesen mit der Zunahme marktwirtschaftlicher Tätigkeiten auf den kommerziellen Fischfang. Die Konkurrenz zu den großen Fischereibetrieben ist heute enorm, weshalb es eine anhaltende Debatte über Sonderrechte für die Sami bezüglich zusätzlicher Fangquoten für die Selbstversorgung gibt. Bei den Inlandsami leben nur noch 15 % ausschließlich von der Rentierwirtschaft, die heute vorwiegend marktwirtschaftlich betrieben wird (mit unterschiedlich großen Subsistenzanteilen, vor allem in Finnland). Dennoch sind immer noch zwei Drittel aller Sami in irgendeiner Weise mit der Rentierwirtschaft verbunden, was die immense Bedeutung des Rentiers für die samische Kultur unterstreicht.

Wie nennt man das Hemd in Lappland?
Das Hemd wird allgemein als „gak’te“, im Norden auch als „kolte“ bezeichnet. Es ist so ziemlich in ganz Lappland gleich geschnitten und reicht bei Männern bis zur Mitte des Oberschenkels und bei Frauen bis zum Knie. Es wird zusätzlich von einem mit Metallscheiben verzierten Ledergürtel zusammengehalten.

Die traditionelle samische Kleidung

Ein markantes Merkmal der samischen Kultur ist ihre traditionelle Kleidung, insbesondere das Hemd, das allgemein als „gak’te“ und im Norden auch als „kolte“ bezeichnet wird. Es ist in ganz Lappland ähnlich geschnitten und reicht bei Männern bis zur Mitte des Oberschenkels und bei Frauen bis zum Knie. Es wird zusätzlich von einem mit Metallscheiben verzierten Ledergürtel zusammengehalten. Diese Kleidung ist nicht nur funktional, sondern auch ein Ausdruck samischer Identität und Handwerkskunst.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) über die Sami

Was bedeutet der Begriff „Lappen“ und warum wird er abgelehnt?

Der Begriff „Lappen“ wird von den Sami als abwertend empfunden und abgelehnt, da er in ihrer Sprache „Ausgestoßene“ bedeutet. Er leitet sich wahrscheinlich vom schwedischen Wort „Lappar“ („Flicken, Lappen“) oder dem finnischen „lappalaiset“ („Menschen, die in Lappen gehüllt sind“) ab. Die korrekte und respektvolle Bezeichnung ist „Sami“.

Wie nennt man das traditionelle Hemd der Sami?

Das traditionelle Hemd der Sami wird allgemein als „gak’te“ bezeichnet. Im nördlichen Sápmi ist auch der Begriff „kolte“ gebräuchlich. Es ist für Männer oberschenkellang und für Frauen knielang und wird mit einem verzierten Ledergürtel getragen.

Wie viele Sami sprechen noch ihre ursprüngliche Sprache?

Von den geschätzten 90.000 bis 140.000 Sami sprechen heute nur noch etwa 24.000 ihre ursprüngliche Sprache aktiv. Die am weitesten verbreitete Variante ist Nordsamisch, das von etwa 17.000 Menschen gesprochen wird.

Ist die Rentierwirtschaft noch die Hauptlebensgrundlage der Sami?

Nein, die Rentierwirtschaft ist heute nicht mehr die alleinige Hauptlebensgrundlage für die Mehrheit der Sami. Nur etwa 15 % der Inlandsami leben ausschließlich davon. Jedoch sind immer noch zwei Drittel aller Sami in irgendeiner Weise mit der Rentierwirtschaft verbunden, was ihre kulturelle Bedeutung unterstreicht. Viele Sami sind heute in modernen Berufen tätig, und der Tourismus gewinnt an Bedeutung.

Welchen Herausforderungen sehen sich die Sami heute gegenüber?

Die Sami sehen sich zahlreichen Herausforderungen gegenüber, darunter Landrechtskonflikte durch Bergbau- und Windparkprojekte, die Folgen der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl (radioaktive Belastung), Waldnutzungskonflikte, Wilderei in Russland und die Auswirkungen des Klimawandels (Hitzestress, Nahrungsmangel für Rentiere). Sie kämpfen für die Anerkennung ihrer indigenen Rechte und den Schutz ihres Lebensraumes.

Samische Bevölkerungsverteilung (Schätzung)

LandGeschätzte Sami-Bevölkerung
Norwegen60.000 - 100.000
Schwedenca. 14.600
Finnlandca. 9.350
Russland (Kola-Halbinsel)knapp 2.000

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