Wie sah die Frisur im Mittelalter aus?

Mittelalterliche Haarpflege: Ein Blick in die Vergangenheit

01/12/2020

Rating: 4.62 (11323 votes)

In einer Zeit, die oft fälschlicherweise mit mangelnder Hygiene assoziiert wird, blühte im Mittelalter eine erstaunlich raffinierte Kultur der Haarpflege und des Stylings. Weit entfernt von heutigen chemischen Produkten und modernen Tools entwickelten die Menschen des 14. Jahrhunderts und darüber hinaus beeindruckende Methoden, um ihre Haare zu pflegen, zu frisieren und sogar zu färben. Für heutige Friseure und Schönheitsexperten bietet ein Blick in diese Epoche nicht nur faszinierende Einblicke in historische Praktiken, sondern auch Inspiration für natürliche Ansätze und zeitlose Schönheitsideale. Begleiten Sie uns auf eine Reise in die Vergangenheit, um die Geheimnisse mittelalterlicher Haartraditionen zu lüften.

Wie färbte man die Haare im Mittelalter?
Besonders kurios ist, dass man auch im Mittelalter schon Haare färbte, braun und schwarz mit Walnussschalen, Galläpfeln, verkocht mit Alaun, goldschimmernd mit Safran und Färbeginster oder mit leicht sauren Flüssigkeiten, die die Haare bleichen, rot mit Drachenblut, Henna oder Rotholz.
Inhaltsverzeichnis

Die Bedeutung des Haares im Mittelalter

Das Haar war im Mittelalter weit mehr als nur ein Körperteil; es war ein mächtiges Symbol für Status, Macht, Freiheit und Schönheit. Lange, gepflegte Haare waren ein Zeichen von Adel und hohem Stand, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Könige und Adlige trugen oft langes Haar und Bärte, während das Rasieren oder Scheren des Haares ein Zeichen der Unterwerfung, der Gefangenschaft oder der Schande war. Dies zeigt sich auch bei den Germanen, wo der Kamm selbst in Kriegergräbern gefunden wurde und das Scheren des Haares als entehrende Strafe galt.

Die Kirche übte ebenfalls einen erheblichen Einfluss auf die Haartracht aus. Während sie Männer oft dazu anhielt, ihre Bärte zu rasieren, um als „bessere Christen“ zu gelten, mussten verheiratete Frauen ihre Haare bedecken, oft mit Schleiern oder Hauben. Dies symbolisierte Bescheidenheit und unterstrich die Vorstellung, dass das Haar der Frau ein „Besitz des Mannes“ sei und als verführerisch empfunden wurde. Trotzdem legten sowohl Männer als auch Frauen großen Wert auf die Pflege und Schönheit ihres Haares, wie zahlreiche literarische Quellen und Funde belegen.

Schönheitsideale: Blond, lang und lockig

Das mittelalterliche Schönheitsideal, insbesondere im 14. Jahrhundert, favorisierte in vielen Regionen lockiges, langes blondes Haar. Dieses Ideal zog sich durch alle Schichten, wenngleich die Umsetzung je nach Stand variierte. Wer von Natur aus nicht mit blondem Haar gesegnet war, griff zu verschiedenen Mitteln, um diesen begehrten Farbton zu erzielen.

Haarlänge und -stil für Frauen

Für unverheiratete Mädchen war es üblich, das Haar lang und offen zu tragen, oft verziert mit Stirnbändern oder einfachen Zöpfen. Ab der Hochzeit oder einem bestimmten Alter gehörte es sich jedoch, die Haare hochzustecken und unter einem Schleier oder einer Haube zu verbergen. Diese Kopfbedeckungen, wie die „Rise“ (eine flache Baumwollhaube), versteckten oft das gesamte Haar, den Kopf, die Ohren und den Hals. Trotz dieser Bedeckung war es wichtig, dass das Haar darunter gepflegt und gesund aussah.

Haarlänge und -stil für Männer

Bei Männern war das Ideal oft kinnlanges, gelocktes Haar, auch „geringelet“ genannt, manchmal mit einem Pony. Doch auch kurze Haarschnitte waren verbreitet. Interessanterweise gab es im Mittelalter eine rege Debatte über die Haarlänge der Männer. Schriftsteller wie Heinrich der Teichner und Berthold von Regensburg ereiferten sich über zu langes, „weibisches“ Haar. Der mittige Scheitel, der vor dem 14. Jahrhundert eher weiblich galt, wurde nun auch von Männern getragen, was Heinrich aufs Äußerste missfiel. Die „Pagenfrisur“, bei der das Haar über den Ohren bis zum Nacken gekrümmt war und einen Pony aufwies, war eine weitere beliebte Männerfrisur. Generell galt: Nur Adlige oder Landbesitzer konnten es sich leisten, ihr Haar lang wachsen zu lassen, während die Haarlänge oft eine Hierarchie widerspiegelte.

Haarpflege: Reinigung und Glanz

Die Haarwäsche im Mittelalter war, entgegen mancher Vorurteile, durchaus ein bewusster Akt der Körperpflege, wenn auch in einem anderen Rhythmus als heute. Während wir unsere Haare oft täglich oder alle zwei Tage waschen, deutet der Bericht im „Decamerone“ von Giovanni Boccaccio darauf hin, dass die Haarwäsche, zumindest für höhergestellte Frauen, eher wöchentlich stattfand. Dies war eine Gelegenheit, sich von Staub und Schmutz der Woche zu befreien. Als Reinigungsmittel dienten verdünnte Laugen, die beispielsweise aus der Asche von Weinreben oder aus Natron gewonnen und mit Wasser sowie duftenden Kräutern verkocht wurden. Diese alkalischen Lösungen sorgten für eine gründliche Reinigung. Um Ablagerungen von Seifenkalk zu vermeiden und das Haar glänzender zu machen, wurde oft mit sauren Flüssigkeiten wie Essigwasser nachgespült – eine Praxis, die auch heute noch für Glanz sorgt und die Haarstruktur glättet.

Die Bedeutung des Kämmens

Zwischen den Wäschen spielte das gründliche Kämmen eine zentrale Rolle. Hierfür wurden spezielle Kämme verwendet, die oft eine grobe und eine feine Seite besaßen. Zuerst wurden mit der groben Seite Knoten entfernt, danach kam die feine Seite zum Einsatz, um Staub und Schmutz aus dem Haar zu entfernen und das körpereigene Fettsekret, das Sebum, über die gesamte Haarlänge zu verteilen. Das Sebum ist ein natürlicher Conditioner, der das Haar pflegt und schützt. Durch das regelmäßige Durchkämmen vom Ansatz bis in die Spitzen wurde verhindert, dass sich das Sebum am Ansatz ansammelt und das Haar fettig erscheinen lässt, während die Längen trocken bleiben. Diese Methode half, das Haar länger frisch zu halten und unangenehme Gerüche zu vermeiden. Ein kleiner Exkurs in die moderne Haarpflege zeigt, dass übermäßiges Waschen die Sebumproduktion ankurbeln kann, was zu schneller fettendem Haar führt – ein Teufelskreis, den die mittelalterliche Praxis durch selteneres Waschen und gründliches Kämmen vermied.

Duft und Glanz

Um dem Haar einen angenehmen Duft zu verleihen, wurden verschiedene Pulver und Flüssigkeiten eingesetzt. Nelken, Galgant, Muskat und Rosenblätter wurden zu feinen Pulvern zermahlen und ins Haar gestreut. Auch Rosenwasser und Moschus wurden verwendet, oft auf den Kamm geträufelt oder direkt ins Haar gegeben. Selbst Schleier wurden beduftet, um die Trägerin von einer angenehmen Aura zu umgeben.

Wie färbte man die Haare im Mittelalter?
Besonders kurios ist, dass man auch im Mittelalter schon Haare färbte, braun und schwarz mit Walnussschalen, Galläpfeln, verkocht mit Alaun, goldschimmernd mit Safran und Färbeginster oder mit leicht sauren Flüssigkeiten, die die Haare bleichen, rot mit Drachenblut, Henna oder Rotholz.

Für Glanz und Kraft wurden teils kuriose Mischungen empfohlen, darunter auch ausgekochte Eidechsen. Aus moderner Sicht basierten viele dieser Rezepte jedoch auf Fetten, die das Haar pflegten, oder auf sauren Flüssigkeiten, die die Haarschuppen glätteten und somit für Glanz sorgten. Unabhängig von den spezifischen Zutaten war das Ziel klar: gepflegtes, seidig glänzendes Haar, das das Schönheitsideal der Zeit perfekt verkörperte.

Die Kunst des Haarfärbens im Mittelalter

Entgegen der Annahme, Haarfärbung sei eine moderne Erfindung, war auch im Mittelalter das Verändern der Haarfarbe eine verbreitete Praxis. Die Menschen nutzten die Natur als ihre Farbpalette und experimentierten mit verschiedenen Pflanzen und Mineralien, um die gewünschten Farbtöne zu erzielen.

  • Braun und Schwarz: Für dunklere Nuancen wurden Walnussschalen und Galläpfel verwendet. Diese wurden oft mit Alaun verkocht, einem Salz, das als Beize diente und die Farbaufnahme verbesserte.
  • Gold und Blond: Um das begehrte blonde Ideal zu erreichen, kamen Safran und Färbeginster zum Einsatz. Auch leicht saure Flüssigkeiten wurden zum Bleichen der Haare verwendet, um sie aufzuhellen und einen goldenen Schimmer zu verleihen.
  • Rot: Rote Farbtöne wurden mit Substanzen wie Drachenblut, Henna oder Rotholz erzielt. Diese natürlichen Farbstoffe verliehen dem Haar intensive Rottöne, die je nach Einwirkzeit variierten.

Die Anwendung dieser Farbmischungen war oft ein langwieriger Prozess. Die Pasten wurden auf das Haar aufgetragen und verblieben dort über Nacht oder sogar bis zu drei Tage. Aus heutiger Sicht, mit unserem Wissen über die Wirkung von Gerbsäuren und Alaun auf Haut und Haar, ist eine solche lange Einwirkzeit natürlich nicht zu empfehlen und könnte zu erheblichen Reizungen und Schäden führen. Doch es zeigt die Entschlossenheit der Menschen, den damaligen Schönheitsidealen zu entsprechen.

Mittelalterliche Frisuren: Kreativität und Status

Die Vielfalt der mittelalterlichen Frisuren war beeindruckend und reichte von einfachen Zöpfen bis zu kunstvollen, aufwendig gestalteten Kreationen. Die Frisur war nicht nur Ausdruck von Ästhetik, sondern auch von sozialem Status und Familienstand.

Frisuren für Frauen

Das lange Haar der Frauen bot unzählige Möglichkeiten. Einfache Zöpfe, oft zwei, die locker herabhingen oder über dem Kopf gelegt wurden (wie die „Gretelfrisur“), waren weit verbreitet. Eine besonders markante und im Reenactment beliebte Frisur war die sogenannte „Affenschaukel“ oder „Schläfenzöpfe“. Dabei wurden zwei Zöpfe von den Schläfen geflochten und seitlich des Gesichts herabgehängt oder gefaltet. Diese wurden oft mit Faden und einer Knochennadel festgenäht, eine Technik, die für ihre Haltbarkeit bekannt war und es ermöglichte, sogar damit zu schlafen.

Eine weitere interessante Variante, besonders in italienischen Abbildungen zu sehen, war ein lockerer Pferdeschwanz im Nacken, aus dem zwei dicke Stränge um den Kopf gelegt und ebenfalls festgenäht wurden. Verheiratete Frauen trugen ihre Haare meist hochgebunden und unter Schleiern, Hauben oder Netzen versteckt. Junge Mädchen schmückten ihre offenen Haare mit Stirnbändern, Perlen oder künstlichen Blumen aus Gold und Juwelen.

Frisuren für Männer

Auch bei den Männern gab es eine Bandbreite an Frisuren. Neben dem bevorzugten kinnlangen, gelockten Haar sah man auch kürzere Schnitte oder Männer, die ihr Haar lang und in Zöpfen trugen, was jedoch oft als „weibisch“ kritisiert wurde. Der sogenannte „Suebenknoten“, bei dem das Haar seitwärts gestrichen und auf dem Scheitel zu einem Knoten gebunden wurde, war ein Kennzeichen bestimmter germanischer Stämme und diente nicht nur der Schönheit, sondern auch der Einschüchterung im Krieg.

Frisuren zum „Selbermachen“

Die Komplexität mancher Frisuren erforderte Geschick und Zeit. Oft wurden die Haare nicht nur geflochten und geknotet, sondern auch genäht, um die aufwendigen Formen stabil zu halten. Diese Techniken, die sich beispielsweise von Janet Stephens ableiten lassen, zeigen die Ingeniosität der mittelalterlichen Friseure und ihrer Kunden. Für einen „Bad-Hair-Day“ gab es sogar den „Haarsack“ – eine Art Haarnetz oder Beutel, in dem das Haar einfach verstaut werden konnte.

Accessoires und Hilfsmittel

Die mittelalterliche Haarpflege und das Styling erforderte eine Reihe von speziellen Utensilien. Dazu gehörten:

  • Kämme: Aus Horn, Knochen oder Bronze gefertigt, oft mit einer groben und einer feinen Seite, um Knoten zu lösen und Schmutz zu entfernen.
  • Schere: Zum Schneiden und Formen der Haare.
  • Faden und Nadeln: Insbesondere Knochennadeln wurden zum Nähen und Fixieren aufwendiger Frisuren verwendet, da Haarnadeln selten waren.
  • Haarbänder: Aus Seide oder Wolle in verschiedenen Längen, zum Binden und Verzieren.
  • Stirnbänder und Schapel: Oft aus Brettchengewebe (gewebte Seide) oder Metall, verziert mit Perlen oder Edelsteinen, um offene Haare zu schmücken.
  • Haarnadeln: Obwohl selten, gab es Funde wie die Londoner Haarnadeln, die auf ihre Verwendung hindeuten.
  • Haarnetze: Aus Seide, die über die Frisur oder das lose Haar getragen wurden, oft als modisches Accessoire oder zur Abdeckung.
  • Discerniculum (Scheitelnadel): Ein spitzer Stift, der speziell zum Ziehen eines präzisen Scheitels verwendet wurde und auch in Funden belegt ist.
  • Haarsack: Eine praktische Lösung für Tage, an denen das Haar nicht perfekt saß, oder einfach zum Schutz.

Auch falsches Haar und Perücken waren im Mittelalter bekannt. Quellen wie der Rosenroman oder Heinrich von Langenstein berichten von Frauen, die Haare von Verstorbenen oder Seidenpolster in falsche Haarteile einarbeiteten, um mehr Fülle oder die gewünschte Farbe zu erzielen. Dies war jedoch nicht unumstritten und wurde von Predigern oft als Eitelkeit und Sünde kritisiert, wie die Straßburger Kleiderordnung von 1370 zeigt, die das Anbringen von „Haar von toten“ verbot.

Welche Rolle spielte die Haarpflege bei den Germanen beider Geschlechter?
Dass die Haarpflege bei den Germanen beider Geschlechter eine wichtige Rolle spielte, beweisen die überaus zahlreichen Funde der Kämme, Haarnadeln usw. aus allen Perioden der Frühgeschichte. Selbst in Gräbern von Kriegern lagen neben den Waffen der Kamm, und auf einigen Grabsteinen ließen sich z.B. Frankenkrieger mit ihrem Kamm abbilden.

Herausforderungen: Ungeziefer und Haarausfall

Trotz aller Bemühungen um Hygiene und Schönheit waren die Menschen im Mittelalter mit Herausforderungen konfrontiert, die heute dank moderner Medizin und Hygiene weitgehend unter Kontrolle sind. Läuse und Haarmilben waren ein häufiges Problem, gegen das man relativ machtlos war. Man versuchte, sie mit Mischungen aus Asche und Öl zu bekämpfen (Öl sollte Läuse bewegungsunfähig machen, um sie leichter absammeln zu können) oder mit scharf riechenden ätherischen Ölen und Kräutermischungen zu vertreiben. Auch das Auskämmen der Nissen mit feinen Kämmen war eine gängige Methode. Prävention war der Schlüssel, aber oft schwer umzusetzen.

Haarausfall war ebenfalls ein Thema. Es gab verschiedene Rezepte für „Wässerchen“ und Mischungen, die das Haar kräftigen oder Locken hervorzaubern sollten. Einige dieser Rezepte, wie die mit ausgekochten Eidechsen, mögen uns heute befremdlich vorkommen, zeugen aber von der Suche nach wirksamen Mitteln gegen Haarprobleme.

Mittelalterliche Haarpflege vs. Moderne Salonpraxis

Ein Vergleich zwischen den mittelalterlichen und modernen Praktiken zeigt sowohl überraschende Parallelen als auch deutliche Unterschiede:

MerkmalMittelalterliche HaarpflegeModerne Salonpraxis
WaschfrequenzSelten (wöchentlich oder seltener)Täglich bis alle paar Tage
ReinigungsmittelVerdünnte Laugen (Weinreben-Asche, Natron), Kräuter, Essig, WeinSpezielle Shampoos (pH-neutral, sulfatfrei etc.)
KämmenSehr wichtig zur Reinigung und SebumverteilungWichtig zum Entwirren und Stylen
FärbemittelPflanzenfarben (Walnuss, Safran, Henna), Alaun, DrachenblutSynthetische Farben (oxidativ, Tönungen), Pflanzenfarben
PflegemittelPulver, Rosenwasser, Moschus, ölige/saure MischungenConditioner, Masken, Öle, Seren, Hitzeschutz
FrisurenFlechten, Knoten, Nähen, bedeckte Haare (Frauen)Vielfältige Schnitte, Stylings, Locken, Glätten
SchönheitsidealBlond, lang, lockigVielfältig, individuell, gesundes Haar
HerausforderungenUngeziefer, mangelnde HygieneHaarschäden durch Chemie/Hitze, Umwelteinflüsse

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wurden im Mittelalter wirklich Haare gefärbt?

Ja, absolut! Das Färben der Haare war im Mittelalter eine gängige Praxis. Man nutzte natürliche Farbstoffe aus Pflanzen wie Walnussschalen für Braun, Safran für Goldtöne, Henna und Drachenblut für Rot. Auch Bleichmittel auf Basis von leicht sauren Flüssigkeiten kamen zum Einsatz, um das Haar aufzuhellen.

Wie oft wuschen sich die Menschen die Haare im Mittelalter?

Die Waschfrequenz war deutlich geringer als heute. Während wir oft täglich oder alle paar Tage waschen, deuten Quellen darauf hin, dass eine Haarwäsche, besonders bei höhergestellten Personen, etwa einmal pro Woche stattfand. Die Zwischenräume wurden durch gründliches Kämmen gereinigt.

Gab es im Mittelalter Perücken oder falsches Haar?

Ja, falsches Haar war im Mittelalter bekannt und wurde verwendet, um die eigene Haarpracht zu ergänzen oder zu manipulieren. Es gab Berichte über Haarteile, die aus den Haaren Verstorbener gefertigt oder mit Seidenpolstern aufgefüllt wurden. Dies war jedoch oft Anlass für Kritik von Predigern und Sittenwächtern.

Welche Rolle spielte der Schleier bei Frauenfrisuren?

Der Schleier war für verheiratete Frauen ein zentrales Element der Haartracht. Er diente dazu, die Haare zu bedecken und symbolisierte Bescheidenheit und den verheirateten Status. Unverheiratete Mädchen durften ihre Haare oft offen tragen, während verheiratete Frauen ihre Haare unter Schleiern, Hauben oder Netzen verbargen.

Waren Männer auch eitel bezüglich ihrer Haare?

Absolut! Zeitgenössische Quellen, insbesondere Predigten, beklagten oft die Eitelkeit junger Männer, die viel Aufwand in ihre Haarpflege steckten. Lange, gelockte Haare und kunstvolle Bärte waren bei Adligen und jungen Männern verbreitet und wurden von Moralisten kritisiert.

Fazit

Die Welt der mittelalterlichen Haarpflege und -färbung war komplex, einfallsreich und überraschend modern in ihren Zielen. Obwohl die Mittel begrenzt waren, fanden die Menschen kreative Wege, um Schönheitsideale zu erreichen, ihre Haare zu pflegen und ihren Status auszudrücken. Für Friseure und Schönheitsexperten von heute bietet diese historische Perspektive nicht nur eine faszinierende Geschichte, sondern auch eine Erinnerung daran, dass der Wunsch nach Schönheit und Ausdruck durch das Haar ein zeitloses menschliches Bedürfnis ist, das über Jahrhunderte hinweg mit erstaunlicher Innovationskraft erfüllt wurde.

Wenn du andere Artikel ähnlich wie Mittelalterliche Haarpflege: Ein Blick in die Vergangenheit kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Haarpflege besuchen.

Go up