Ist Psoriasis capitis ansteckend?

Kopfpsoriasis: Ein Leitfaden für Friseure

31/05/2019

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Als Friseur sind Sie täglich mit den unterschiedlichsten Kopfhaut- und Haartypen konfrontiert. Doch manchmal begegnen Ihnen Zustände, die besondere Aufmerksamkeit und Verständnis erfordern. Eine davon ist die Psoriasis capitis, oft einfach als Kopfpsoriasis bezeichnet. Diese chronische Hauterkrankung betrifft einen erheblichen Teil der Bevölkerung und kann für Betroffene eine große Belastung darstellen. Für Sie als Fachperson ist es daher essenziell, die Grundlagen dieser Erkrankung zu verstehen, um Ihre Kunden professionell und empathisch zu betreuen.

Wie pflege ich meine Haare bei Psoriasis capitis?
Föhnen Sie die Haare nur lauwarm. Denken Sie bei der Haarpflege daran: An allen Stellen, an denen die Haut mechanisch, chemisch oder durch Hitze oder Kälte gereizt wird, treten die Symptome der Psoriasis capitis verstärkt auf – auch an jenen, die vorher erscheinungsfrei waren und gesund aussahen. Das nennen Mediziner den Köbner-Effekt.
Inhaltsverzeichnis

Was ist Psoriasis capitis? Eine Einführung für Friseure

Psoriasis capitis ist eine spezielle Form der Schuppenflechte (Psoriasis), die sich primär auf der Kopfhaut manifestiert. Schätzungen zufolge sind etwa 50 bis 80 Prozent aller Psoriasis-Patienten von dieser Form betroffen, was sie zu einer der häufigsten chronischen Entzündungskrankheiten der Kopfhaut macht. Die Erkrankung ist durch eine beschleunigte Zellerneuerung der Haut gekennzeichnet, die dazu führt, dass sich Hautzellen bis zu zehnmal schneller erneuern als normal. Der natürliche Abstoßungsprozess der abgestorbenen Zellen funktioniert dabei nicht mehr richtig, was zu einer Verdickung der Haut und charakteristischen Schuppen führt.

Es ist von größter Bedeutung zu wissen: Psoriasis capitis ist nicht ansteckend. Diese Information ist nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für Sie als Friseur und andere Kunden im Salon von immenser Wichtigkeit, um Missverständnisse und Stigmatisierung zu vermeiden. Die Entzündungen und Schuppungen, die Sie sehen, sind das Ergebnis eines Autoimmunprozesses im Körper des Kunden und stellen keinerlei Risiko für Ihre Gesundheit oder die anderer dar.

Symptome der Kopfpsoriasis: Was Sie erkennen können

Die Symptome der Psoriasis capitis können variieren, sind aber oft sehr charakteristisch. Sie zeigen sich als scharf abgegrenzte, rote Flecken auf der Kopfhaut, die mit silbrigen, oft dicken Schuppen bedeckt sind. Diese Schuppen können trocken sein oder auch fettig und klebrig wirken. Die betroffenen Stellen jucken häufig stark, was für die Kunden äußerst unangenehm ist und zu Kratzen führen kann. Dies wiederum kann die Schuppung verstärken und manchmal kleine Wunden verursachen.

Was ist eine Kopfpsoriasis (Psoriasis capitis)?
Eine Kopfpsoriasis (Psoriasis capitis) ist eine Form der Psoriasis, die die Kopfhaut betrifft. Sie tritt bei etwa 50-80% der Psoriasis-Patienten auf und hat eine Punktprävalenz von 1,5 – 2%. Bei etwa einem Viertel der Psoriatiker ist die Kopfhaut der Ort des Erkrankungsausbruchs.

Die Kopfpsoriasis kann sich nicht nur auf die Kopfhaut beschränken, sondern auch den Haaransatz, die Stirn, den Nacken und hinter den Ohren betreffen. Optisch ähnelt sie den Psoriasis-Plaques an anderen Körperstellen. Für Betroffene ist der sichtbare Befall der Kopfhaut oft eine enorme psychische Belastung. Das ständige Jucken und die sichtbaren Schuppen können zu einem verminderten Selbstwertgefühl und sozialem Rückzug führen, da die Erkrankung fälschlicherweise oft mit mangelnder Hygiene assoziiert wird.

Ein häufiges Missverständnis ist, dass Psoriasis capitis zu dauerhaftem Haarausfall führt. Die gute Nachricht ist, dass die Erkrankung selbst in der Regel keinen Haarausfall verursacht. Die Haare wachsen durch die Schuppen hindurch. Allerdings kann die Kopfhaut durch die Entzündung und das Kratzen sehr gereizt sein, was das Haar brüchiger machen kann. In sehr schweren Fällen, wo die Haut stark verdickt ist, kann es vorkommen, dass Haare beim Wachstum verdrängt werden oder durch übermäßiges Kratzen brechen. Dies ist jedoch meist reversibel, sobald die Psoriasis unter Kontrolle ist.

Abgrenzung: Psoriasis capitis versus andere Kopfhautprobleme

Nicht jede schuppige Kopfhaut ist gleich Psoriasis. Es ist wichtig, die Kopfpsoriasis von anderen häufigen Kopfhautproblemen abzugrenzen. Als Friseur sind Sie zwar kein Diagnostiker, aber ein geschultes Auge kann Ihnen helfen, Kunden bei Bedarf an einen Hautarzt zu verweisen. Die wichtigsten Differentialdiagnosen sind das seborrhoische Ekzem und das atopische Ekzem.

Was ist Scalp Psoriasis?
Im Englischen heißt die Erkrankung Scalp psoriasis - inzwischen wird der Begriff auch hier öfter genutzt. Die Schuppen sind am Kopf besonders sichtbar, das belastet Betroffene psychisch oft schwer. Häufig sind auch Stirn, Nacken und das Gesicht am Haaransatz von der Schuppenflechte befallen.

Tabelle 1: Differentialdiagnosen der Psoriasis capitis und Abgrenzungsmöglichkeiten

ErkrankungAbgrenzung zur Psoriasis capitis
seborrhoisches KopfekzemHautveränderungen sind oft auf die Kopfhaut beschränkt und überschreiten nicht die Stirn-Haargrenze. Schuppung und Rötung sind geringer ausgeprägt. Kein Nagel- oder Analfaltenbefall.
atopisches KopfekzemJuckreiz ist sehr stark mit massiven Kratzexkoriationen. Schuppung ist geringer ausgeprägt. Häufig bakterielle Superinfektionen. Oft assoziiert mit Ekzemen an typischen Prädilektionsstellen wie den großen Beugen.

Typisch für Psoriasis sind die scharf abgegrenzten, oft silbrigen Plaques und die deutliche Rötung der Kopfhaut. Trockene Kopfhaut hingegen zeigt meist feine, lose Schuppen ohne ausgeprägte Entzündung oder Rötung. Bei Unsicherheiten oder anhaltenden Beschwerden sollten Sie Ihren Kunden stets empfehlen, einen Hautarzt aufzusuchen.

Pflege und Behandlung: Was Sie wissen sollten

Die Behandlung der Psoriasis capitis zielt darauf ab, die überschießende Schuppung zu normalisieren und die Entzündung zu stoppen. Dies ist ein Prozess, der oft Geduld erfordert und ärztlich begleitet werden muss. Als Friseur spielen Sie eine unterstützende Rolle, indem Sie die Kopfhaut schonend behandeln und Produkte empfehlen, die die Kopfhaut nicht zusätzlich reizen.

Die Therapie erfolgt in der Regel in zwei Schritten:

  1. Schuppen lösen: Bevor Wirkstoffe in die Haut eindringen können, müssen die dicken Schuppen entfernt werden. Hierfür kommen schuppenlösende (keratolytische) Präparate zum Einsatz, oft mit Salicylsäure oder Harnstoff (Urea). Produkte wie spezielle Shampoos, Öle oder Gele (z.B. BabyBene®-Gel) werden angewendet, um die Schuppen aufzuweichen und abzulösen.
  2. Entzündung bekämpfen: Nach der Schuppenlösung werden entzündungshemmende Präparate aufgetragen. Dazu gehören topische Kortisonpräparate, Vitamin-D3-Abkömmlinge (wie Calcipotriol) oder Kombinationen aus beiden. Auch Dithranol (Cignolin) oder Teerlösungen können zum Einsatz kommen. Diese Behandlungen sind in der Regel verschreibungspflichtig und werden vom Arzt verordnet.

In schweren Fällen, oder wenn topische Behandlungen nicht ausreichen, kann eine innerliche (systemische) Therapie mit Medikamenten notwendig sein, die das Immunsystem beeinflussen.

Wie wirkt sich Psoriasis auf die Haare aus?
Die gute Nachricht ist, dass Kopfhaut-Psoriasis keinen Haarausfall verursacht. Die Haare wachsen durch die Schuppen, so dass diese den Wuchs nicht behindern. Wenn Sie eine Psoriasis-Läsion auf der Kopfhaut kratzen, fallen die Schuppen zwar ab, aber sie nehmen die Haare nicht mit!

Tabelle 2: Überblick über Behandlungsansätze der Kopfpsoriasis (ärztlich verordnet)

BehandlungstypBeispiele / WirkstoffeAnwendungshinweise (generell)
Schuppenablösend (Keratolytika)Harnstoff (Urea), Milchsäure, Salicylsäure, Oleogel (z.B. BabyBene®-Gel)Vorzugsweise Applikation über Nacht oder für eine bestimmte Einwirkzeit. Mehrfaches Auftragen bis zur vollständigen Ablösung der Schuppen möglich.
Antientzündlich (Steroide als Einzelsubstanz)Clobetasolpropionat 0,1%, Betamethasonvalerat 0,1%, MometasonfuroatRezeptpflichtig. Verschiedene Darreichungsformen (Emulsion, Shampoo, Spray). Nicht zur dauerhaften Anwendung geeignet.
Antientzündlich (Steroid-Vitamin D3-Analogon Kombination)Betamethasonvalerat 0,5% - CalcipotriolRezeptpflichtig. Geeignet für längeren Anwendungszeitraum (bis zu einem Jahr).
Antientzündlich (Kortisonalternative)Dithranol (Cignolin, Anthralin)Sehr wirksam, entzündungshemmend und zellwachstumshemmend. Kann Haut und Kleidung verfärben. Oft als Minutentherapie (kurze Einwirkzeit, dann abwaschen).
Antientzündlich (Teer)Steinkohlenteerlösung 4% (z.B. in Shampoos)Gute antipsoriatische Wirkung. Rezeptpflichtig.
PhototherapieUV-Lichtkamm (Schmalspektrum-UVB)Unterstützende Behandlung. Bremsen die Zellteilung, beruhigen Entzündungen. Licht muss die Haare erreichen können. Ärztlich verordnet, Kostenübernahme durch Krankenkasse oft möglich.

Umgang mit Kunden mit Psoriasis capitis im Salon

Ihre Rolle als Friseur ist entscheidend für das Wohlbefinden von Kunden mit Kopfpsoriasis. Hier sind einige wichtige Punkte, die Sie beachten sollten:

  • Empathie und Diskretion: Die Erkrankung ist oft mit Schamgefühlen verbunden. Zeigen Sie Verständnis und behandeln Sie das Thema diskret. Vermeiden Sie neugierige Fragen oder Kommentare, die den Kunden in Verlegenheit bringen könnten.
  • Keine Diagnose, keine Heilversprechen: Sie sind kein Arzt. Diagnostizieren Sie nicht und geben Sie keine medizinischen Ratschläge oder Heilversprechen. Ihre Aufgabe ist es, die Kopfhaut so schonend wie möglich zu behandeln und bei Bedarf den Besuch beim Hautarzt zu empfehlen.
  • Schonende Haarpflege:
    • Haarwäsche: Verwenden Sie lauwarmes Wasser und milde, pH-neutrale Shampoos. Aggressive Shampoos mit vielen Duftstoffen oder starken Tensiden können die Kopfhaut zusätzlich reizen. Massieren Sie die Kopfhaut sanft, reiben oder kratzen Sie nicht.
    • Trocknen: Vermeiden Sie zu heiße Föhnluft. Trocknen Sie die Haare lieber an der Luft oder mit einem Föhn auf niedriger Stufe und ausreichend Abstand zur Kopfhaut. Rubbeln Sie die Kopfhaut nicht mit dem Handtuch trocken.
    • Styling: Hitze-Stylinggeräte wie Glätteisen oder Lockenstäbe sollten vermieden oder nur mit größter Vorsicht und auf niedriger Temperatur verwendet werden, da Hitze die Entzündung verstärken kann. Vermeiden Sie auch enge Kopfbedeckungen, die zu Wärme- und Feuchtigkeitsstau führen können.
    • Produkte: Empfehlen Sie Stylingprodukte mit möglichst wenigen Inhaltsstoffen, um Reizungen zu minimieren. Produkte, die Alkohol enthalten, sollten gemieden werden, da sie die Kopfhaut austrocknen können.
  • Kommunikation: Sprechen Sie offen, aber sensibel mit Ihren Kunden. Fragen Sie, ob es besondere Wünsche oder Empfindlichkeiten gibt. Ermutigen Sie sie, ihre ärztliche Behandlung fortzusetzen.

Häufig gestellte Fragen von Friseuren zur Psoriasis capitis

Hier beantworten wir einige der häufigsten Fragen, die Friseure im Zusammenhang mit Psoriasis capitis haben könnten:

Ist Psoriasis capitis für mich als Friseur ansteckend?
Nein, Psoriasis capitis ist absolut nicht ansteckend. Sie können unbesorgt mit der Kopfhaut Ihrer Kunden arbeiten. Die Entzündungen und Schuppen sind das Ergebnis einer körpereigenen Fehlregulation und stellen keine Gefahr für Sie oder andere dar.

Kann ich Haarschnitte oder Färbungen bei Kunden mit Psoriasis capitis durchführen?
Ja, grundsätzlich ist das möglich. Seien Sie jedoch besonders vorsichtig, um die Kopfhaut nicht zu verletzen oder zusätzliche Reizungen zu verursachen. Bei starken Entzündungen, offenen Stellen oder sehr schmerzhafter Kopfhaut ist es ratsam, den Kunden zu bitten, dies zunächst ärztlich abklären zu lassen und den Termin gegebenenfalls zu verschieben. Bei Färbungen sollten Sie auf ammoniakfreie Produkte zurückgreifen und zuvor einen Patch-Test an einer unauffälligen Stelle durchführen, um allergische Reaktionen zu vermeiden, besonders wenn die Kopfhaut bereits empfindlich ist.

Welche Produkte sollte ich bei Kunden mit Psoriasis capitis vermeiden?
Vermeiden Sie Produkte mit aggressiven Chemikalien, starken Duftstoffen, hohem Alkoholgehalt oder scharfen Tensiden. Auch Produkte, die stark reiben oder peelen (außer sie sind ausdrücklich für die Schuppenlösung bei Psoriasis konzipiert und ärztlich empfohlen), sollten gemieden werden. Generell gilt: Weniger ist oft mehr. Setzen Sie auf milde, feuchtigkeitsspendende und beruhigende Produkte.

Ist Psoriasis capitis ansteckend?
Definition und Häufigkeit: Psoriasis capitis ist eine häufige Form der Schuppenflechte (Psoriasis), bei der sich die Symptome auf dem Kopf zeigen. Etwa 50-80 % der Psoriatiker leiden unter einer Kopfhaut-Psoriasis. Die damit einhergehenden Entzündungen sind nicht ansteckend.

Was mache ich, wenn ein Kunde stark schuppt oder sich ständig kratzt?
Bleiben Sie professionell und verständnisvoll. Bieten Sie an, die Kopfhaut besonders sanft zu waschen und zu pflegen. Sie können vorsichtig darauf hinweisen, dass die Kopfhaut sehr empfindlich wirkt und der Juckreiz möglicherweise von einer tieferliegenden Ursache herrührt, die ein Arzt abklären könnte. Vermeiden Sie es, das Kratzen zu kommentieren, da dies für den Kunden peinlich sein kann.

Sollte ich meinen Kunden raten, zum Arzt zu gehen?
Ja, unbedingt. Wenn Sie Anzeichen einer Kopfpsoriasis sehen, die nicht nur einfache Schuppen sind (z.B. rote, verdickte, stark juckende Stellen), sollten Sie Ihrem Kunden immer empfehlen, einen Hautarzt aufzusuchen. Erklären Sie, dass eine professionelle Diagnose und Behandlung wichtig sind, um die Symptome zu lindern und das Wohlbefinden zu verbessern. Betonen Sie, dass Sie keine medizinische Beratung leisten können, aber die ärztliche Behandlung unterstützen möchten.

Fazit: Ihr Beitrag zum Wohlbefinden Ihrer Kunden

Die Psoriasis capitis ist eine herausfordernde Erkrankung, die das Leben Ihrer Kunden stark beeinflussen kann. Als Friseur sind Sie in einer einzigartigen Position, nicht nur die Haare Ihrer Kunden zu verschönern, sondern auch einen Beitrag zu ihrem allgemeinen Wohlbefinden zu leisten. Durch Ihr Wissen über die Erkrankung, Ihre Empathie und Ihre Fähigkeit, die Kopfhaut schonend zu behandeln, können Sie dazu beitragen, dass sich Ihre Kunden in Ihrem Salon sicher und verstanden fühlen. Denken Sie daran: Ein aufgeklärter Friseur ist ein wertvoller Partner auf dem Weg zu einer gesünderen Kopfhaut und einem besseren Lebensgefühl für Menschen mit Psoriasis capitis.

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