Was ist der Unterschied zwischen Henna und normalen Färbemitteln?

Henna vs. Chemische Haarfarbe: Ein Vergleich

15/06/2021

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Der Wunsch nach Veränderung, sei es durch das Kaschieren grauer Haare oder das Experimentieren mit neuen Looks, führt viele Menschen in die Welt der Haarfarben. Doch kaum eine Entscheidung ist so grundlegend wie die Wahl zwischen einem natürlichen Produkt wie Henna und den weithin verbreiteten chemischen Haarfarben. Beide Methoden versprechen eine Farbveränderung, doch ihre Wirkungsweisen, Inhaltsstoffe und die Auswirkungen auf die Haarstruktur könnten unterschiedlicher nicht sein. Dieser Artikel beleuchtet die tiefgreifenden Unterschiede, um Ihnen eine fundierte Entscheidung zu ermöglichen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Henna? Die natürliche Alternative

Henna wird aus den getrockneten und gemahlenen Blättern des Hennastrauchs (Lawsonia inermis) gewonnen. Es ist ein rein pflanzliches Produkt, das seit Jahrtausenden für die Körperbemalung (Mehndi) und das Färben von Haaren, Nägeln und Textilien verwendet wird. Das Hauptfarbpigment in Henna ist Lawson, welches sich als orange-roter Farbstoff an das Keratin des Haares bindet. Henna ist bekannt für seine pflegenden Eigenschaften; es legt sich wie eine schützende Schicht um das Haar und kann ihm Glanz und Fülle verleihen.

Die Wirkungsweise von Henna

Im Gegensatz zu chemischen Farben dringt Henna nicht tief in die Haarstruktur ein. Stattdessen umhüllt es jedes einzelne Haar mit einer semi-transparenten Farbschicht. Diese Schicht verbindet sich mit dem Keratin und versiegelt die äußere Schuppenschicht des Haares. Das Ergebnis ist eine Farbe, die sich mit dem Naturton des Haares vermischt und eine individuelle Nuance ergibt. Die endgültige Farbe hängt stark von der Ausgangshaarfarbe ab. Auf dunklem Haar erzeugt Henna oft einen rötlichen oder kupferfarbenen Schimmer, während es auf hellem Haar ein intensives Rot bis Orangerot bewirken kann.

Was sind Chemische Haarfarben? Die synthetische Vielfalt

Chemische Haarfarben sind komplexe Produkte, die eine Vielzahl von synthetischen Inhaltsstoffen enthalten, um eine dauerhafte Farbveränderung zu ermöglichen. Sie lassen sich grob in drei Kategorien einteilen: temporäre, semi-permanente und permanente Farben.

Die Wirkungsweise von Chemischen Haarfarben

Die meisten permanenten chemischen Haarfarben funktionieren nach einem Oxidationsprinzip. Sie enthalten in der Regel zwei Komponenten, die unmittelbar vor der Anwendung gemischt werden: eine Farbcreme mit Vorläufermolekülen (z.B. PPD – Para-phenylenediamine, Toluoldiamin) und einen Entwickler, der Wasserstoffperoxid enthält. Die Mischung öffnet die Schuppenschicht des Haares, oft unterstützt durch Ammoniak oder Monoethanolamin, damit die kleinen Farbpigment-Vorläufer in das Innere des Haares eindringen können. Dort reagieren sie mit dem Wasserstoffperoxid und den Pigmenten zu größeren, permanenten Farbmoleküle, die im Haar eingeschlossen werden. Dieser Prozess verändert die natürliche Haarfarbe von innen heraus und ermöglicht auch das Aufhellen des Haares, da Wasserstoffperoxid die natürlichen Melaninpigmente abbaut.

Der Hauptunterschied: Umhüllen vs. Eindringen

Der fundamentalste Unterschied liegt in der Art und Weise, wie die Farbe auf das Haar einwirkt. Henna legt sich wie eine Schutzschicht um das Haar, während chemische Farben die Haarstruktur aufbrechen, um Pigmente ins Innere zu transportieren. Dies hat weitreichende Konsequenzen für die Haargesundheit und die erzielbaren Ergebnisse.

Vorteile von Henna

  • Natürlich und pflanzlich: Frei von Ammoniak, Peroxiden, PPD und anderen synthetischen Chemikalien.
  • Haarpflegend: Henna stärkt das Haar, verleiht ihm Glanz und verbessert die Haarstruktur, indem es die Schuppenschicht glättet.
  • Weniger Schädigung: Da es die Haarstruktur nicht aufbricht, ist Henna deutlich schonender für das Haar.
  • Langanhaltend und verblasst natürlich: Die Farbe wäscht sich nicht aus, sondern wächst mit dem Haar heraus und verblasst sanft.
  • Umweltfreundlich: Biologisch abbaubar und nachhaltiger in der Produktion.

Nachteile von Henna

  • Eingeschränkte Farbpalette: Henna bietet hauptsächlich Rot-, Braun- und Kupfertöne. Schwarz ist nur mit Indigo möglich, das oft mit Henna gemischt wird. Aufhellen ist nicht möglich.
  • Unvorhersehbare Ergebnisse: Die Endfarbe hängt stark von der Ausgangshaarfarbe und der Haarstruktur ab.
  • Lange Einwirkzeit: Die Anwendung kann mehrere Stunden dauern.
  • Schwierig zu entfernen/ändern: Henna kann nicht einfach überfärbt werden, da es eine Schicht auf dem Haar bildet, die chemische Farben abstoßen kann oder zu unerwünschten Farbreaktionen führt (z.B. Grünstich bei Blondierung).
  • Keine Grauabdeckung in Blondtönen: Graue Haare nehmen Henna oft intensiver an, was zu leuchtend orangefarbenen Strähnen führen kann, wenn keine Vorpigmentierung erfolgt.

Vorteile von Chemischen Haarfarben

  • Breite Farbpalette: Unzählige Farbnuancen, von Naturtönen bis zu leuchtenden Modefarben, sind möglich.
  • Präzise Ergebnisse: Die Farbe ist in der Regel vorhersehbar und reproduzierbar.
  • Aufhellung möglich: Ermöglicht das Aufhellen dunkler Haare.
  • Schnelle Anwendung: Die Einwirkzeit ist deutlich kürzer.
  • Volle Grauabdeckung: Effektive Abdeckung von grauem Haar.

Nachteile von Chemischen Haarfarben

  • Potenzielle Haarschädigung: Der chemische Prozess kann das Haar austrocknen, brüchig machen und die Struktur schwächen.
  • Allergische Reaktionen: Inhaltsstoffe wie PPD können schwere allergische Reaktionen hervorrufen.
  • Nachwachsender Ansatz: Erfordert regelmäßiges Nachfärben des Ansatzes.
  • Chemiegeruch: Die Produkte haben oft einen starken chemischen Geruch.
  • Umweltauswirkungen: Chemikalien können in das Abwasser gelangen.

Vergleichende Tabelle: Henna vs. Chemische Haarfarbe

MerkmalHenna (Naturhaarfarbe)Chemische Haarfarbe (Permanent)
WirkungsweiseUmhüllt die HaaroberflächeDringt in die Haarstruktur ein
InhaltsstoffeRein pflanzlich (Lawsonia inermis)Synthetische Chemikalien (Ammoniak, Peroxide, PPD etc.)
HaarschädigungGering bis pflegendPotenziell hoch (Austrocknung, Bruch)
FarbvielfaltBegrenzt (Rot-, Braun-, Kupfertöne)Sehr groß (alle Farbbereiche)
AufhellungNicht möglichMöglich
GrauabdeckungTransparent, ergibt Schimmer auf GrauVollständig deckend
AnwendungLange Einwirkzeit (2-4 Stunden)Kürzere Einwirkzeit (30-45 Minuten)
Entfernbarkeit/ÄnderungSchwierig, kann zu unerwünschten Reaktionen führenRelativ einfach durch erneutes Färben/Bleichen
AllergierisikoGering, aber nicht ausgeschlossenHöher, insbesondere bei PPD

Anwendung und Vorbereitung

Henna-Anwendung

Die Anwendung von Henna erfordert etwas mehr Aufwand und Vorbereitung. Das Hennapulver wird mit warmem Wasser (manchmal mit Tee, Kaffee oder Essig für spezifische Nuancen) zu einer Paste angerührt. Diese Paste muss oft über Nacht ziehen, damit sich der Farbstoff freisetzt. Die Paste wird dann auf das gewaschene, handtuchtrockene Haar aufgetragen und muss mehrere Stunden (oft 2-4 Stunden oder länger) einwirken. Danach wird sie gründlich ausgespült. Der Farbentwicklungsprozess kann bis zu 48 Stunden nach dem Ausspülen andauern.

Chemische Haarfarben-Anwendung

Chemische Haarfarben sind in der Regel einfacher und schneller anzuwenden. Die Farbcreme und der Entwickler werden gemischt und direkt auf das trockene Haar aufgetragen. Die Einwirkzeit beträgt meist zwischen 20 und 45 Minuten, je nach Produkt und gewünschtem Ergebnis. Anschließend wird das Haar gründlich ausgespült und oft mit einem speziellen Conditioner nachbehandelt.

Wann sollte man Henna wählen?

Henna ist eine ausgezeichnete Wahl für Sie, wenn Sie:

  • Eine natürliche Alternative bevorzugen und Chemikalien meiden möchten.
  • Ihre Haarfarbe mit Rot-, Kupfer- oder Brauntönen bereichern möchten.
  • Ihr Haar pflegen und ihm Glanz sowie Fülle verleihen möchten.
  • Bereit sind für eine längere Anwendungszeit und eventuell unvorhersehbare Farbergebnisse auf unbehandeltem Haar.
  • Keine drastische Farbveränderung oder Aufhellung wünschen.

Wann sollte man Chemische Haarfarben wählen?

Chemische Haarfarben sind die richtige Wahl, wenn Sie:

  • Eine spezifische, präzise Farbe oder eine breite Palette an Nuancen wünschen.
  • Ihr Haar aufhellen möchten.
  • Eine schnelle und unkomplizierte Anwendung bevorzugen.
  • Eine vollständige und zuverlässige Grauabdeckung benötigen.
  • Regelmäßig Ihre Haarfarbe wechseln möchten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ich nach Henna chemisch färben?

Es wird dringend davon abgeraten, direkt nach einer Henna-Färbung chemische Haarfarben zu verwenden, insbesondere Blondierungen. Die Metallsalze, die manchmal in billigem Henna enthalten sein können (obwohl reines Henna keine enthält), können in Kombination mit Wasserstoffperoxid zu unerwünschten chemischen Reaktionen führen, wie z.B. einem Grünstich oder sogar Haarbruch. Auch reines Henna bildet eine Schicht, die das Eindringen chemischer Pigmente erschweren und zu ungleichmäßigen Ergebnissen führen kann. Es ist ratsam, entweder abzuwarten, bis das Henna herausgewachsen ist, oder einen Friseur zu konsultieren, der Erfahrung mit Henna-behandeltem Haar hat.

Ist Henna wirklich besser für mein Haar?

Aus gesundheitlicher Sicht ist reines Henna in der Regel schonender für das Haar als chemische Haarfarben, da es die Haarstruktur nicht schädigt. Es kann sogar pflegende Eigenschaften haben und dem Haar Glanz und Fülle verleihen. Allerdings ist es wichtig, reines Henna ohne Zusätze zu verwenden.

Wie lange hält Henna?

Henna wäscht sich nicht aus, da es sich dauerhaft an das Haar anlagert. Die Farbe verblasst im Laufe der Zeit nur minimal und wächst mit dem natürlichen Haar heraus. Die Haltbarkeit hängt also hauptsächlich vom Haarwachstum ab.

Kann ich Henna auf blondiertem Haar verwenden?

Ja, aber Vorsicht ist geboten. Blondiertes Haar ist poröser und kann Henna sehr intensiv aufnehmen, was zu einem sehr leuchtenden Orange oder Rot führen kann. Es ist ratsam, vorher einen Strähnentest zu machen, um das Ergebnis abzuschätzen.

Was ist der Unterschied zwischen natürlichem Henna und „schwarzem Henna“?

Natürliches Henna (Lawsonia inermis) färbt immer in Rot- bis Brauntönen. „Schwarzes Henna“ enthält oft den hochallergenen Farbstoff PPD (Para-phenylenediamine) in hohen Konzentrationen, um eine schwarze Farbe zu erzielen. PPD kann schwere allergische Reaktionen, Verbrennungen und dauerhafte Sensibilisierung verursachen. Solches „schwarzes Henna“ ist extrem gefährlich und sollte gemieden werden.

Gibt es Henna ohne Rotstich?

Reines Henna enthält immer das Pigment Lawson, das einen roten bis orangefarbenen Unterton hat. Produkte, die als „farbloses Henna“ (Cassia Obovata) oder „schwarzes Henna“ (oft mit Indigo oder PPD) verkauft werden, sind botanisch keine echten Hennapflanzen, sondern andere Pflanzen oder Mischungen. Indigo färbt blau und kann in Kombination mit Henna Brauntöne bis hin zu Schwarz ergeben. Cassia Obovata hat pflegende Eigenschaften, aber nur einen sehr geringen oder keinen färbenden Effekt.

Fazit

Die Entscheidung zwischen Henna und chemischen Haarfarben ist eine persönliche, die von Ihren individuellen Bedürfnissen, der gewünschten Farbpalette und Ihrer Einstellung zu synthetischen Inhaltsstoffen abhängt. Henna bietet eine schonende, natürliche Alternative mit pflegenden Eigenschaften, aber auch Einschränkungen in Bezug auf Farbvielfalt und Flexibilität. Chemische Haarfarben hingegen bieten maximale Farbvielfalt und Präzision, gehen aber potenziell mit einer stärkeren Belastung für Haar und Kopfhaut einher. Informieren Sie sich gründlich, machen Sie gegebenenfalls einen Strähnentest und ziehen Sie bei Unsicherheiten einen professionellen Friseur zu Rate, um die beste Wahl für Ihr Haar zu treffen.

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