Was ist der Unterschied zwischen einer Blondierung und einer keratinbehandlung?

Blondierung vs. Keratin: Der ultimative Leitfaden

10/07/2024

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Der Wunsch nach perfekt glattem Haar gepaart mit einer individuellen Haarfarbe ist weit verbreitet. Doch wenn es darum geht, eine chemische Blondierung und eine pflegende Keratinbehandlung zu kombinieren, tauchen oft Fragen und Unsicherheiten auf. Ist es überhaupt möglich, beides zu tun, ohne die Haarqualität nachhaltig zu schädigen? Und welche Reihenfolge ist die richtige, um das beste Ergebnis zu erzielen und die Langlebigkeit beider Behandlungen zu gewährleisten? Dieser Artikel beleuchtet die grundlegenden Unterschiede zwischen Blondierung und Keratinbehandlung und bietet Ihnen einen detaillierten Leitfaden, wie Sie Ihre Haarziele sicher und effektiv erreichen können.

Was ist der Unterschied zwischen einer Blondierung und einer keratinbehandlung?
Beide wirken innerhalb der Haare, deshalb zieht die Keratinbehandlung Farbpigmente heraus. Eine Blondierung kann mit der Keratinbehandlung jedoch nicht rückgängig gemacht werden. Bei Blondierungen werden die vorhandenen Haarpigmente gebleicht, bei anderen Färbungen werden Haarpigmente in die Haare hinein gesetzt.
Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Blondierung?

Eine Blondierung ist ein chemischer Prozess, der Melanin, die natürlichen Farbpigmente im Haar, abbaut. Dies geschieht durch die Anwendung eines alkalischen Mittels (meist Ammoniak) und eines Oxidationsmittels (meist Wasserstoffperoxid). Die alkalische Komponente öffnet die äußere Schuppenschicht des Haares, die sogenannte Cuticula, und ermöglicht es dem Oxidationsmittel, in den Haarkortex einzudringen. Dort reagiert das Wasserstoffperoxid mit den Melaninpigmenten, entfärbt sie und hellt das Haar auf.

Der Grad der Aufhellung hängt von der Konzentration des Wasserstoffperoxids und der Einwirkzeit ab. Von einer leichten Aufhellung bis hin zu Platinblond können verschiedene Nuancen erzielt werden. Während des Blondierungsprozesses werden die natürlichen Schwefelbrücken im Haar, die für seine Stärke und Elastizität verantwortlich sind, teilweise aufgebrochen. Dies führt dazu, dass das Haar nach einer Blondierung oft poröser, trockener und anfälliger für Haarbruch ist. Eine intensive Nachpflege ist daher unerlässlich, um die Haarstruktur zu regenerieren und zu stärken.

Was ist eine Keratinbehandlung?

Im Gegensatz zur Blondierung, die Pigmente entfernt, ist eine Keratinbehandlung darauf ausgelegt, das Haar zu glätten, Frizz zu reduzieren und ihm Glanz zu verleihen. Bei dieser Behandlung wird eine spezielle Keratinlösung auf das Haar aufgetragen, die oft Formaldehyd oder formaldehydabspaltende Inhaltsstoffe enthält (es gibt auch formaldehydfreie Alternativen). Keratin ist ein natürliches Protein, das der Hauptbestandteil unserer Haare ist. Die aufgetragene Lösung dringt in die Haarfasern ein und füllt Lücken in der Haarstruktur auf, die durch Schäden oder chemische Behandlungen entstanden sein können.

Anschließend wird das Haar mit Hitze versiegelt, meist mit einem Glätteisen bei hoher Temperatur. Dieser Schritt bewirkt, dass das Keratin im Haar fixiert und die Cuticula geglättet und versiegelt wird. Das Ergebnis ist ein deutlich glatteres, weicheres und glänzenderes Haar, das weniger Frizz aufweist und leichter zu stylen ist. Eine Keratinbehandlung ist jedoch keine dauerhafte Haarglättung, sondern hält in der Regel zwei bis fünf Monate, abhängig vom Haartyp, der Pflege und der Häufigkeit des Waschens. Sie verbessert die Haarqualität oberflächlich und macht das Haar widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit und Umwelteinflüsse.

Der fundamentale Unterschied: Chemie vs. Pflege

Der Hauptunterschied zwischen Blondierung und Keratinbehandlung liegt in ihrem Zweck und ihrer Wirkung auf die Haarstruktur. Eine Blondierung ist ein aggressiver chemischer Prozess, der die Haarstruktur verändert, indem er Pigmente entfernt und die Cuticula öffnet. Sie schwächt das Haar, um es aufzuhellen. Eine Keratinbehandlung hingegen ist eine pflegende und glättende Behandlung, die die Haarstruktur mit Proteinen anreichert und die Cuticula versiegelt. Sie stärkt das Haar von innen heraus und schützt es von außen.

Es ist entscheidend zu verstehen, dass diese beiden Prozesse in ihrer Natur gegensätzlich sind: Blondieren öffnet und entzieht, Keratinbehandeln schließt und gibt. Diese gegensätzlichen Wirkweisen sind der Kern der Herausforderung, wenn man beide Behandlungen miteinander kombinieren möchte.

Die Herausforderung: Blondierung und Keratinbehandlung kombinieren

Die Kombination von Blondierung und Keratinbehandlung birgt einige Herausforderungen, insbesondere wenn die Reihenfolge nicht optimal gewählt wird. Wie in Ihrer Erfahrung beschrieben, kann eine Keratinbehandlung die Haarfarbe beeinflussen. Dies liegt daran, dass die hohe Hitze des Glätteisens und die chemische Zusammensetzung der Keratinlösung bestehende Farbpigmente im Haar, insbesondere dunkle oder semi-permanente Farben, leicht aufhellen oder sogar verschieben können. Die schwarze Farbe wurde möglicherweise neutralisiert, weil die Keratinlösung einen leicht aufhellenden Effekt hatte oder die Pigmente durch die Hitze verändert wurden.

Eine weitere Sorge ist die Verschlechterung der Haarqualität. Blondierung ist bereits eine Belastung für das Haar. Wenn eine Keratinbehandlung auf frisch blondiertes und noch nicht ausreichend regeneriertes Haar angewendet wird, kann dies zu Überlastung und weiteren Schäden führen. Das Ziel ist es, die Vorteile beider Behandlungen zu nutzen, ohne die Integrität des Haares zu kompromittieren.

Die optimale Reihenfolge: Was zuerst?

Um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen und Haarschäden zu minimieren, ist die richtige Reihenfolge der Behandlungen entscheidend:

1. Blondierung/Färbung zuerst: Wenn Sie Ihre Haare blondieren oder dauerhaft färben möchten, tun Sie dies immer *vor* der Keratinbehandlung. Der Grund dafür ist, dass die Blondierung die Cuticula öffnet, um die Pigmente zu entfernen. Wenn Sie zuerst blondieren, kann das Haar anschließend die Keratinlösung besser aufnehmen, da die Schuppenschicht noch offen ist. Zudem kann die Keratinbehandlung selbst die Farbe leicht verändern oder aufhellen, was eine nachträgliche Färbung oder Blondierung erforderlich machen würde, die dann die Keratinschicht wieder angreifen würde.

2. Wartezeit einhalten: Idealerweise sollten Sie eine Wartezeit von mindestens 1-2 Wochen zwischen der Blondierung/Färbung und der Keratinbehandlung einplanen. Dies gibt Ihrem Haar Zeit, sich von der chemischen Belastung zu erholen und sich zu stabilisieren. In dieser Zeit sollten Sie das Haar intensiv mit feuchtigkeitsspendenden und reparierenden Kuren pflegen.

3. Keratinbehandlung danach: Nach der Blondierung und einer angemessenen Wartezeit können Sie die Keratinbehandlung durchführen lassen. Die Keratinlösung wird die durch die Blondierung beanspruchte Cuticula versiegeln und das Haar glätten, was dazu beitragen kann, die durch die Blondierung verursachte Porosität zu reduzieren. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass eine Keratinbehandlung keine Wunderwaffe gegen extreme Blondierungsschäden ist, sondern eine verbesserte Oberfläche und Glättung bietet.

Färben nach der Keratinbehandlung: Was beachten?

Ihre Sorge bezüglich des Färbens nach einer Keratinbehandlung ist berechtigt. Wie Sie erlebt haben, kann die schwarze Farbe neutralisiert werden und nur rote Rückstände bleiben. Dies liegt daran, dass die Keratinbehandlung die Haaroberfläche versiegelt und manchmal auch eine leichte Aufhellung durch die Hitze verursachen kann. Wenn Sie nach einer Keratinbehandlung färben möchten, besonders mit intensiven Farben wie Blau oder Violett, sollten Sie Folgendes beachten:

  • Semi-permanente oder Demi-permanente Farben bevorzugen: Diese Farben sind milder und weniger aggressiv als permanente Haarfarben. Sie lagern sich eher an der Haaroberfläche an und dringen nicht so tief in die Haarstruktur ein, wodurch die Keratinschicht weniger beeinträchtigt wird.
  • Farbergebnis kann variieren: Beachten Sie, dass das Farbergebnis auf keratinbehandeltem Haar anders ausfallen kann als auf unbehandeltem Haar. Die versiegelte Cuticula kann die Farbaufnahme beeinflussen. Es ist ratsam, vorab einen Strähnentest durchzuführen.
  • Farbintensität: Die von Ihnen gewünschten Farben Blau und Violett sind sehr lebendig und benötigen eine helle Basis, um optimal zur Geltung zu kommen. Die Blondierung der Strähnen ist hierfür unerlässlich. Bedenken Sie, dass diese Farben oft schneller verblassen, insbesondere auf blondiertem und dann keratinbehandeltem Haar.
  • Professionelle Beratung: Ein erfahrener Friseur kann Ihre Haarstruktur beurteilen und die besten Produkte und Techniken empfehlen, um das gewünschte Farbergebnis zu erzielen, ohne die Keratinbehandlung zu beeinträchtigen oder das Haar zu schädigen.

Pflege nach der Kombination: Keratin-Shampoo und mehr

Nachdem Sie sowohl eine Blondierung als auch eine Keratinbehandlung durchgeführt haben, ist die richtige Pflege entscheidender denn je, um die Langlebigkeit der Keratinbehandlung zu gewährleisten und die Gesundheit Ihrer Haare zu erhalten. Ihre Frage, ob die Nutzung von Keratinshampoo wegfällt, ist ein klares Nein. Ganz im Gegenteil!

  • Sulfatfreie Produkte sind ein Muss: Unabhängig davon, ob Ihr Haar gefärbt ist oder nicht, ist es absolut notwendig, nach einer Keratinbehandlung ausschließlich sulfatfreie Shampoos und Conditioner zu verwenden. Sulfate (oft als Sodium Laureth Sulfate oder Sodium Lauryl Sulfate aufgeführt) sind aggressive Reinigungsmittel, die die Keratinschicht aus dem Haar waschen und die Wirkung der Behandlung schnell aufheben würden.
  • Keratin-Shampoo und Conditioner: Die Verwendung von Shampoos und Conditionern, die speziell für keratinbehandeltes Haar entwickelt wurden, ist ideal. Diese Produkte sind nicht nur sulfatfrei, sondern enthalten oft auch zusätzliche Keratinproteine, die helfen, die Behandlung zu verlängern und das Haar zu stärken.
  • Feuchtigkeitsspendende Masken und Kuren: Blondiertes Haar benötigt zusätzliche Feuchtigkeit. Integrieren Sie regelmäßig (mindestens einmal pro Woche) tiefenwirksame, feuchtigkeitsspendende und reparierende Haarmasken in Ihre Routine. Achten Sie darauf, dass diese ebenfalls sulfat- und parabenfrei sind.
  • Hitzeschutz: Wenn Sie Hitzestyling verwenden, ist ein hochwertiger Hitzeschutz unerlässlich, um Ihr Haar vor weiteren Schäden zu bewahren.
  • Schonendes Bürsten: Nasses Haar ist besonders anfällig für Bruch. Bürsten Sie Ihr Haar vorsichtig mit einer breitzinkigen Bürste oder einem Entwirrkamm.

Vergleichstabelle: Blondierung vs. Keratinbehandlung

MerkmalBlondierungKeratinbehandlung
ZweckAufhellung der Haarfarbe durch PigmententzugGlättung, Frizz-Reduktion, Glanz, Pflege
WirkmechanismusChemischer Abbau von Melanin, Öffnung der CuticulaAuffüllen von Lücken mit Keratin, Versiegelung der Cuticula
Wirkung auf HaarstrukturÖffnet die Cuticula, kann Haar porös und trocken machen, potenzieller BruchGlättet und versiegelt die Cuticula, macht das Haar weicher und glänzender
Dauer des EffektsPermanent (Haar wächst nach)Temporär (2-5 Monate, wäscht sich aus)
Empfohlene Reihenfolge bei KombinationImmer zuerstImmer nach Blondierung/Färbung
Nachpflege-FokusIntensive Feuchtigkeit und ReparaturSulfatfreie Produkte, Keratin-Erhalt

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ich meine Haare direkt nach einer Blondierung keratinbehandeln lassen?

Es wird dringend empfohlen, eine Wartezeit von mindestens 1-2 Wochen zwischen der Blondierung und der Keratinbehandlung einzuhalten. Dies gibt dem Haar Zeit, sich zu erholen und die Keratinlösung besser aufzunehmen, ohne übermäßig strapaziert zu werden.

Warum hat meine schwarze Farbe nach der Keratinbehandlung einen roten Rückstand bekommen?

Keratinbehandlungen können aufgrund der hohen Hitzeanwendung und der chemischen Zusammensetzung der Lösung bestehende Haarfarben leicht aufhellen oder verändern. Insbesondere dunkle Farbpigmente können oxidieren und einen wärmeren Ton (wie Rot oder Braun) annehmen, wenn sie der Behandlung ausgesetzt werden.

Muss ich nach einer Keratinbehandlung immer ein spezielles Keratin-Shampoo verwenden, auch wenn ich meine Haare färbe?

Ja, unbedingt. Das entscheidende Kriterium ist, dass das Shampoo sulfatfrei ist. Sulfate würden die Keratinschicht aus Ihrem Haar spülen und die Wirkung der Behandlung zunichtemachen. Viele sulfatfreie Shampoos sind auch farbschonend und helfen, die Leuchtkraft Ihrer Farbe zu bewahren.

Kann eine Keratinbehandlung mein blondiertes Haar reparieren?

Eine Keratinbehandlung kann die Oberfläche von blondiertem Haar glätten, die Porosität reduzieren und das Haar glänzender und kämmbarer machen. Sie kann jedoch die durch die Blondierung entstandenen internen Schäden nicht vollständig rückgängig machen. Sie bietet eine kosmetische Verbesserung und einen Schutzfilm, ersetzt aber keine tiefenwirksame Reparatur.

Was passiert, wenn ich zuerst die Keratinbehandlung mache und dann blondiere?

Wenn Sie zuerst eine Keratinbehandlung durchführen und dann blondieren, riskieren Sie, die gerade eingebrachte Keratinschicht wieder aufzubrechen und zu entfernen. Die Blondierung öffnet die Cuticula aggressiv, was die Glättungswirkung der Keratinbehandlung stark beeinträchtigen oder ganz aufheben würde. Zudem könnte das Haar durch die doppelte Belastung extrem geschädigt werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es durchaus möglich ist, den Wunsch nach glattem, frizz-freiem Haar und lebendiger Farbe zu vereinen. Der Schlüssel liegt in der richtigen Reihenfolge der Behandlungen, einer angemessenen Wartezeit und einer konsequenten, auf die Bedürfnisse Ihres Haares abgestimmten Pflege. Eine professionelle Beratung durch einen erfahrenen Friseur ist dabei unerlässlich, um Ihre individuellen Haarbedürfnisse zu berücksichtigen und das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, ohne die Haarstruktur unnötig zu strapazieren. So können Sie sich über gesundes, glänzendes und perfekt gestyltes Haar freuen.

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