18/01/2021
Die Welt der Haare ist faszinierend und vielfältig, doch abseits von Schere und Kamm spielt auch das Thema Gehalt eine zentrale Rolle für jede Coiffeuse und jeden Coiffeur. Eine faire und transparente Lohneinstufung ist nicht nur wichtig für die Motivation, sondern auch für die Wertschätzung der eigenen Arbeit und Expertise. Doch welche Faktoren sind massgebend, wenn es darum geht, wie hoch Ihr Lohn als Friseur oder Friseurin ausfällt? Es sind vor allem zwei Säulen, die das Fundament Ihrer Verdienstmöglichkeiten bilden: Ihre formalen Qualifikationen, sprich Ihre Diplome, und Ihre praktische Erfahrung, gemessen in Berufsjahren.

Gerade im Coiffeurberuf, wo handwerkliches Geschick und kreatives Talent Hand in Hand gehen, ist es entscheidend zu verstehen, wie die erworbenen Kenntnisse und die über die Jahre gesammelte Erfahrung monetär bewertet werden. Dieser Artikel beleuchtet die Mechanismen der Lohneinstufung und gibt Ihnen einen umfassenden Überblick darüber, was Sie wissen müssen, um Ihre Karriere und Ihr Einkommen optimal zu gestalten, insbesondere auch im Hinblick auf die Besonderheiten bei ausländischen Berufsabschlüssen.
- Grundlagen der Lohneinstufung im Coiffeurberuf
- Spezialfall: Der ausländischen Berufsabschluss
- Vergleichstabelle: Einflussfaktoren auf den Coiffeur-Lohn
- Häufig gestellte Fragen zur Lohneinstufung
- Was ist, wenn ich kein offizielles Diplom habe?
- Wie werden Teilzeitjobs bei den Berufsjahren angerechnet?
- Muss mein ausländisches Diplom offiziell anerkannt werden?
- Kann ich meinen Lohn verhandeln, auch wenn ich in eine Kategorie eingestuft wurde?
- Gibt es regionale Lohnunterschiede im Coiffeurberuf?
- Fazit
Grundlagen der Lohneinstufung im Coiffeurberuf
Die Lohneinstufung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Coiffeurberuf basiert auf klaren Richtlinien, die in vielen Kollektivverträgen oder internen Betriebsregelungen verankert sind. Gemäss Art. 39, wie er beispielsweise in Tarifverträgen zu finden ist, sind primär die vorhandenen Diplome und die nachgewiesenen Berufsjahre ausschlaggebend für die Zuordnung zu einer bestimmten Lohnkategorie. Dies bedeutet, dass Ihre Ausbildung und Ihre praktische Tätigkeit direkt darüber entscheiden, in welche Gehaltsstufe Sie fallen.
Ein formaler Berufsabschluss signalisiert dem Arbeitgeber, dass Sie über ein fundiertes theoretisches Wissen und grundlegende praktische Fertigkeiten verfügen, die für die Ausübung des Berufs unerlässlich sind. Die Berufsjahre hingegen spiegeln Ihre Erfahrung, Ihre Routine, Ihre Fähigkeit zur Problemlösung und oft auch den Aufbau eines eigenen Kundenstamms wider. Beides zusammen bildet die Basis für eine gerechte Entlohnung.
Die Bedeutung von Diplomen und Ausbildungen
Ein gültiges Diplom ist der erste und oft wichtigste Schritt zu einer guten Lohneinstufung. In der Schweiz ist dies beispielsweise das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis (EFZ) als Coiffeuse/Coiffeur. In Deutschland ist es der Gesellenbrief, gefolgt vom Meisterbrief. Diese Qualifikationen bestätigen, dass Sie eine anerkannte Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben und die notwendigen Standards des Berufs erfüllen.
- Basisausbildung: Ein grundlegendes Diplom wie das EFZ oder der Gesellenbrief bildet die Basis für den Einstieg in den Beruf und die Zuordnung zur untersten Mindestlohnkategorie für qualifizierte Kräfte.
- Weiterführende Qualifikationen: Höhere Abschlüsse, wie der Meisterbrief in Deutschland oder spezifische Weiterbildungen in Farbtechniken, Extensions, Hochsteckfrisuren oder Management, können zu einer Höherstufung führen. Sie belegen spezialisiertes Wissen und erweiterte Fähigkeiten, die für den Arbeitgeber einen Mehrwert darstellen.
- Spezialisierungen und Zertifikate: Auch wenn sie nicht immer direkt zu einer höheren Lohngruppe führen, können spezifische Zertifikate in Nischenbereichen (z.B. Haarverlängerungen, Barbier-Services, chemische Behandlungen) Ihre Verhandlungsposition stärken und Sie für Arbeitgeber attraktiver machen.
Es ist ratsam, jede absolvierte Ausbildung und jedes erworbene Zertifikat sorgfältig zu dokumentieren und bei Bewerbungen oder Lohnverhandlungen transparent darzulegen. Sie sind der Beleg für Ihr Engagement und Ihre Kompetenz.
Der Wert von Berufsjahren und Erfahrung
Neben den Diplomen sind die Berufsjahre ein entscheidender Faktor für die Lohneinstufung. Mit jedem Jahr, das Sie im Beruf verbringen, sammeln Sie wertvolle Erfahrungen. Diese manifestieren sich in verschiedenen Aspekten:
- Routine und Effizienz: Erfahrene Coiffeure arbeiten oft schneller, präziser und effizienter.
- Kundenbindung: Mit der Zeit bauen Sie einen Stammkundenkreis auf, der für den Salon von grossem Wert ist. Zufriedene Stammkunden sorgen für konstante Einnahmen.
- Problembehandlung: Erfahrene Kräfte sind besser in der Lage, komplexe Haarprobleme zu lösen oder schwierige Kundenwünsche zu erfüllen.
- Führungsqualitäten: Mit zunehmender Erfahrung können Sie auch Führungsaufgaben übernehmen, Lehrlinge anleiten oder den Salon in Abwesenheit der Leitung repräsentieren.
Die Anrechnung der Berufsjahre erfolgt in der Regel gestaffelt. Das heisst, nach einer bestimmten Anzahl von Jahren steigen Sie automatisch in eine höhere Lohnstufe auf, vorausgesetzt, Sie erfüllen die sonstigen Kriterien der jeweiligen Lohnordnung. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jede Tätigkeit als «Berufsjahr» im Sinne der Lohneinstufung zählt. Oft sind es die Jahre nach dem Abschluss der Grundausbildung, die relevant sind.
Spezialfall: Der ausländischen Berufsabschluss
Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einem ausländischen Berufsabschluss gelten besondere Regelungen. Die Arbeitgeberin ist hier in der Pflicht zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine bestimmte Mindestlohnkategorie erfüllt sind. Dies ist ein kritischer Punkt, da nicht alle ausländischen Diplome automatisch als gleichwertig zu den nationalen Abschlüssen anerkannt werden.
Die Prüfung der Gleichwertigkeit kann komplex sein und verschiedene Aspekte umfassen:
- Inhalt der Ausbildung: Entspricht der Lehrplan der ausländischen Ausbildung den Anforderungen und Inhalten der nationalen Ausbildung?
- Dauer der Ausbildung: War die Ausbildungsdauer vergleichbar mit der nationalen Norm?
- Praktische Erfahrung: Wurden während der ausländischen Ausbildung genügend praktische Stunden absolviert?
- Anerkennungsverfahren: In einigen Ländern gibt es offizielle Anerkennungsverfahren für ausländische Diplome, die vorab durchlaufen werden sollten. Auch wenn dies nicht immer zwingend für die Lohneinstufung ist, kann es den Prozess erleichtern.
Arbeitgeber müssen sicherstellen, dass sie die Mindestlöhne einhalten, auch wenn der Abschluss aus dem Ausland stammt. Das bedeutet, dass sie eine fundierte Einschätzung vornehmen müssen, ob die Fähigkeiten und Kenntnisse des Bewerbers den Anforderungen einer bestimmten Lohnkategorie entsprechen. Dies geschieht oft durch die Sichtung von Zeugnissen, Lehrplänen und gegebenenfalls durch Probearbeiten oder Fachgespräche.
Für Arbeitnehmer mit ausländischen Abschlüssen ist es daher ratsam, alle relevanten Dokumente (Diplome, Zeugnisse, Ausbildungsnachweise, Arbeitszeugnisse) lückenlos und idealerweise in beglaubigter deutscher Übersetzung bereitzuhalten. Eine proaktive Haltung und die Bereitschaft, die eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen detailliert darzulegen, können den Anerkennungsprozess erheblich beschleunigen und zu einer fairen Lohneinstufung beitragen.

Transparenz und Verhandlung: Ihr Gehalt im Blick
Verstehen Sie Ihre Rechte und Möglichkeiten, wenn es um Ihre Lohneinstufung geht. Informieren Sie sich über die geltenden Tarifverträge oder Branchenstandards. Scheuen Sie sich nicht, das Thema Gehalt aktiv anzusprechen und zu verhandeln, insbesondere wenn Sie glauben, dass Ihre Qualifikationen und Erfahrungen nicht angemessen berücksichtigt werden.
Bereiten Sie sich auf Lohnverhandlungen vor, indem Sie:
- Ihre Diplome und Weiterbildungen auflisten.
- Ihre Berufsjahre genau dokumentieren.
- Besondere Erfolge oder Spezialkenntnisse hervorheben, die Sie im Salon einbringen.
- Ihre Referenzen und Kundenbewertungen präsentieren.
Eine offene Kommunikation mit dem Arbeitgeber über Ihre Erwartungen und die Gründe dafür kann zu einem positiven Ergebnis führen. Denken Sie daran, dass Ihr Wert nicht nur in Ihrer Schere liegt, sondern auch in Ihrem Wissen, Ihrer Erfahrung und Ihrer Professionalität.
Vergleichstabelle: Einflussfaktoren auf den Coiffeur-Lohn
Diese Tabelle gibt einen Überblick über verschiedene Szenarien und wie sich Qualifikation und Erfahrung auf die Lohneinstufung auswirken können:
| Faktor / Kategorie | Beschreibung | Möglicher Einfluss auf Lohn |
|---|---|---|
| Auszubildende/r | Im Rahmen der Erstausbildung | Lehrlingslohn gemäss Ausbildungsvertrag |
| Frisch ausgelernte Fachkraft (EFZ/Gesellenbrief) | Abschluss der Grundausbildung, erste Berufserfahrung | Einstieg in die Mindestlohnkategorie für qualifizierte Kräfte |
| Fachkraft mit 3-5 Jahren Erfahrung | Aufbau von Routine und Kundenstamm | Leichte Erhöhung, ggf. Höherstufung nach Tarifvertrag |
| Fachkraft mit Spezialisierung >5 Jahre Erfahrung | Zusätzliche Zertifikate (z.B. Farbexperte), etablierter Kundenstamm | Deutliche Erhöhung, ggf. höhere Lohnkategorie oder Zulagen |
| Meister/in oder Salonleiter/in | Höchste Qualifikation, Führungsverantwortung | Spitzenlohn, oft mit Umsatzbeteiligung oder Bonusmodellen |
| Ausländischer Berufsabschluss (nicht direkt anerkannt) | Qualifikation muss vom Arbeitgeber geprüft werden | Lohn kann anfänglich niedriger sein, je nach Einschätzung der Gleichwertigkeit; Potenzial zur Steigerung nach Nachweis der Fähigkeiten |
Häufig gestellte Fragen zur Lohneinstufung
Hier finden Sie Antworten auf gängige Fragen rund um die Gehaltseinstufung im Coiffeurberuf:
Was ist, wenn ich kein offizielles Diplom habe?
Ohne ein offizielles, anerkanntes Diplom ist es deutlich schwieriger, in eine höhere Lohnkategorie eingestuft zu werden, die für qualifizierte Fachkräfte vorgesehen ist. In vielen Fällen werden Sie als ungelernte Kraft oder Hilfskraft eingestuft, selbst wenn Sie über viel praktische Erfahrung verfügen. Es ist ratsam, eine Nachholbildung oder eine Validierung Ihrer Erfahrungen anzustreben, um ein offizielles Diplom zu erlangen und Ihre Lohnchancen zu verbessern.
Wie werden Teilzeitjobs bei den Berufsjahren angerechnet?
Die Anrechnung von Berufsjahren bei Teilzeitjobs hängt oft von den spezifischen Bestimmungen des jeweiligen Tarifvertrags oder der Betriebsregelung ab. In der Regel werden die tatsächlichen Arbeitsstunden oder die Dauer der Beschäftigung anteilig berücksichtigt. Ein Jahr Teilzeitbeschäftigung kann beispielsweise als ein halbes oder dreivviertel Berufsjahr angerechnet werden, je nach dem Umfang der Tätigkeit.
Muss mein ausländisches Diplom offiziell anerkannt werden?
Für die Lohneinstufung ist nicht immer eine offizielle Anerkennung durch eine staatliche Behörde zwingend, da der Arbeitgeber selbst die Prüfung der Gleichwertigkeit für die interne Kategorisierung vornehmen kann. Allerdings erleichtert eine offizielle Anerkennung (z.B. durch das SBFI in der Schweiz oder die zuständige Kammer in Deutschland) den Prozess erheblich und schafft Klarheit für beide Seiten. Es kann auch für spätere berufliche Schritte oder die Selbstständigkeit von Vorteil sein.
Kann ich meinen Lohn verhandeln, auch wenn ich in eine Kategorie eingestuft wurde?
Ja, eine Lohnverhandlung ist prinzipiell immer möglich, auch wenn Sie bereits in eine Kategorie eingestuft wurden. Die Kategorie gibt oft nur einen Mindestlohn oder einen Lohnrahmen vor. Wenn Sie über besondere Fähigkeiten, eine aussergewöhnliche Kundenbindung oder zusätzliche Verantwortlichkeiten verfügen, können Sie versuchen, einen Lohn über dem Mindestsatz Ihrer Kategorie zu verhandeln. Eine gute Vorbereitung und das Hervorheben Ihrer Mehrwerte sind dabei entscheidend.
Gibt es regionale Lohnunterschiede im Coiffeurberuf?
Ja, regionale Lohnunterschiede sind sehr häufig. In Ballungsräumen und wirtschaftlich starken Regionen sind die Löhne im Coiffeurberuf oft höher als in ländlichen oder strukturschwachen Gebieten. Dies liegt an den unterschiedlichen Lebenshaltungskosten, der Konkurrenzsituation unter den Salons und der Kaufkraft der Kundschaft. Bei der Jobsuche sollten Sie diese regionalen Unterschiede in Ihre Überlegungen einbeziehen.
Fazit
Die Lohneinstufung im Coiffeurberuf ist ein Zusammenspiel aus formalen Qualifikationen und praktischer Erfahrung. Ihre Diplome und die Anzahl Ihrer Berufsjahre sind die Hauptfaktoren, die darüber entscheiden, wie Ihr Gehaltspaket aussieht. Besonders bei einem ausländischen Berufsabschluss ist eine genaue Prüfung durch den Arbeitgeber entscheidend, um die korrekte Mindestlohnkategorie zu gewährleisten. Indem Sie Ihre Qualifikationen klar kommunizieren, Ihre Erfahrungen hervorheben und bereit sind zur Verhandlung, können Sie massgeblich zu einer fairen und leistungsgerechten Entlohnung beitragen. Investitionen in Weiterbildung und das Sammeln relevanter Berufspraxis zahlen sich langfristig aus und sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen und finanziell befriedigenden Karriere im faszinierenden Coiffeurhandwerk.
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