Warum werden Coiffeurs in der Schweiz teurer?

Schweizer Coiffeure: Preiskampf und Parallelimporte

31/08/2021

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Die Schweizer Coiffeurbranche steht vor wachsenden Herausforderungen. Während die Löhne steigen und die Betriebskosten zunehmen, sehen sich viele Salons mit einem paradoxen Problem konfrontiert: Ihre Kunden kaufen professionelle Haarprodukte zunehmend nicht mehr direkt im Salon, sondern bei Discountern wie Otto's oder in Online-Shops. Dieses Phänomen, das durch die aktuelle wirtschaftliche Anspannung und Inflation noch verstärkt wird, zwingt Coiffeure, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken und wirft die Frage auf, wie sie in einem immer härteren Wettbewerbsumfeld bestehen können.

Was macht unser Coiffeur in Zürich so besonders?

Die Coiffeurbranche in der Schweiz, bekannt für ihre hohe Qualität und ihren exzellenten Service, erlebt eine Zäsur. Traditionell waren Salons nicht nur Orte für Haarschnitte und Stylings, sondern auch primäre Bezugsquellen für hochwertige Pflegeprodukte. Doch diese Zeiten ändern sich rapide. Immer mehr Kunden, die auf der Suche nach Sparmöglichkeiten sind, weichen auf günstigere Alternativen aus. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Umsätze der Salons und führt zu Frustration bei den Fachleuten.

Inhaltsverzeichnis

Der Verlust des Produktgeschäfts: Eine wachsende Sorge

Für viele Coiffeusen und Coiffeure ist der Verkauf von Haarprodukten ein wichtiger Bestandteil ihres Geschäftsmodells. Diese Produkte, oft als „salonexklusiv“ beworben, sollen eine zusätzliche Einnahmequelle darstellen und gleichzeitig sicherstellen, dass Kunden zu Hause die richtigen Produkte für ihre Haare verwenden. Doch die Realität sieht anders aus. Emelie Braun, eine selbstständige Coiffeuse in Bern, beklagt den drastischen Rückgang der Umsätze mit professionellen Haarprodukten. Seit der Inflation sei der Absatz noch einmal deutlich eingebrochen.

Kunden, die im Salon ausführlich beraten werden, greifen anschliessend zum Smartphone, um die empfohlenen Produkte online oder bei Discountern zu bestellen. Julia Mayer, angestellt in einem Salon in Düdingen FR, beschreibt die Situation als «frustrierend». Sie investiert Zeit und Mühe in die Beratung, nur um festzustellen, dass die Kunden die Produkte anderswo günstiger erwerben. Es sind sogar Fälle bekannt, in denen Kunden die Produkte direkt vor den Augen des Coiffeurs auf dem Handy bestellt haben. Dies untergräbt nicht nur die Wertschätzung für die erbrachte Beratungsleistung, sondern entzieht den Salons auch dringend benötigte zusätzliche Einnahmen, da viele Angestellte an den Verkaufsumsätzen beteiligt werden.

Warum sind die Produkte anderswo so viel günstiger?

Die Kernfrage, die sich stellt, ist: Wie gelangen Produkte, die eigentlich exklusiv für Coiffeursalons bestimmt sind, in die Regale von Discountern wie Otto's und werden dort zu Dumpingpreisen angeboten? Die Antwort liegt oft in sogenannten Parallelimporten. Dabei handelt es sich um Produkte, die aus dem Ausland importiert werden, ohne dass dies über den offiziellen Vertriebsweg des Herstellers in der Schweiz geschieht. Discounter können Restposten oder Überproduktionen im Ausland zu deutlich günstigeren Konditionen einkaufen und diese dann in der Schweiz unter dem Preis der offiziellen Händler anbieten.

Otto's selbst äussert sich dazu nur knapp, bestätigt aber die Beliebtheit von Professional-Haircare-Produkten bei ihrer Kundschaft und verweist stolz auf ihre «besonders attraktive Preisstrategie». Weitere Details zum Einkaufsverhalten oder zur Herkunft der Produkte werden aus «geschäftsstrategischen Gründen» nicht preisgegeben. Für die Schweizer Coiffeure ist dies ein ungleicher Kampf. Damien Ojetti, Zentralpräsident des Branchenverbands Coiffure Suisse, erklärt, dass Produkte in der Schweiz aufgrund der höheren Kosten und Löhne stets teurer sein werden. Kleinere Salons können mit den Einkaufsmengen und den damit verbundenen Margen grosser Player wie Otto's nicht mithalten.

Die Rolle der Markenhersteller

Man könnte meinen, die Hersteller der «salonexklusiven» Produkte hätten ein Interesse daran, diese Parallelimporte zu unterbinden. Doch ihre Reaktionen sind oft zurückhaltend. L’Oréal, ein globaler Branchenriese, teilt auf Anfrage lediglich mit, dass Otto’s kein Vertragspartner von L’Oréal Professionnel Produkten sei. Die Festsetzung der Verbraucherpreise obliege dem jeweiligen Händler, und aus kartellrechtlichen Gründen könne man keinen Einfluss nehmen. Ähnlich verhält es sich mit der Kao Salon Division, zu der Marken wie Goldwell, KMS und Oribe gehören. Obwohl sie auf ihrer Website die Salonexklusivität ihrer Marken betonen, verweigert das Unternehmen eine Erklärung, warum diese Produkte dennoch in Online-Shops und bei Discountern landen.

Diese Zurückhaltung der Hersteller lässt die Schweizer Coiffeure in einer schwierigen Lage zurück. Sie müssen Wege finden, mit dieser Konkurrenz umzugehen, ohne ihre eigene Existenz zu gefährden.

Was bleibt den Coiffeuren? Die Macht der Expertise

Angesichts dieser Herausforderungen bleibt den Haarprofis in der Schweiz vor allem eines: ihre Expertise. Damien Ojetti von Coiffure Suisse betont, dass Käufer bei Otto's oder im Internet nicht erfahren, ob ein Shampoo wirklich zu ihrem Haartyp passt. Hier liegt der unschätzbare Mehrwert des Coiffeursalons. Die persönliche Beratung, die individuelle Analyse des Haares und der Kopfhaut, die Empfehlung massgeschneiderter Produkte und die korrekte Anwendungsempfehlung sind Dienstleistungen, die ein Discounter oder Online-Shop niemals bieten kann.

Diese Beratung geht weit über den reinen Produktverkauf hinaus. Ein erfahrener Coiffeur erkennt nicht nur den Haartyp, sondern auch spezifische Probleme wie Trockenheit, Spliss, Schuppen oder Haarausfall und kann darauf basierend eine ganzheitliche Pflegeroutine empfehlen. Zudem kann er die Wirkung verschiedener Produkte im Zusammenspiel beurteilen und so Fehlkäufe oder gar Haarschäden verhindern. Diese individuelle Betreuung und das Fachwissen sind das Alleinstellungsmerkmal, mit dem Coiffeure weiterhin punkten können und müssen.

Vergleich: Produktkauf im Salon vs. Discounter/Online

Um die Unterschiede und die jeweiligen Vor- und Nachteile zu verdeutlichen, hilft ein direkter Vergleich:

KriteriumKauf im CoiffeursalonKauf bei Discounter/Online
PreisIn der Regel höher, da Kosten für Beratung, Lagerhaltung, Personal und Schweizer Lohnniveau eingepreist sind.Deutlich günstiger, oft durch Parallelimporte und grosse Einkaufsmengen.
BeratungUmfassende, persönliche und professionelle Beratung durch geschultes Fachpersonal. Individuelle Analyse von Haar- und Kopfhautzustand.Keine Beratung oder nur allgemeine Produktinformationen. Keine individuelle Anpassung an den Haartyp.
QualitätssicherungDirekte Bezugsquelle vom Hersteller, garantierte Originalität und Frische der Produkte.Risiko von Parallelimporten, Herkunft und Lagerung nicht immer transparent. Potenzielle Gefahr von Fälschungen oder abgelaufenen Produkten (gering, aber vorhanden).
ExklusivitätZugang zu salonexklusiven Linien, die oft nur für den professionellen Gebrauch konzipiert sind.Oft «salonexklusive» Produkte, die über inoffizielle Kanäle importiert wurden. Verfügbarkeit kann schwanken.
ErlebnisTeil des gesamten Salonbesuchs, Vertrauensaufbau, Möglichkeit zur sofortigen Anwendung und Demonstration.Reiner Transaktionskauf, oft anonym und unpersönlich.
UnterstützungDirekte Unterstützung des lokalen Geschäfts und der Fachkräfte.Unterstützung grosser Handelsketten oder anonymer Online-Händler.

Diese Tabelle zeigt deutlich, dass der Preis allein nicht das einzige Kriterium sein sollte, insbesondere wenn es um die Gesundheit und Pflege der Haare geht. Die Investition in eine professionelle Beratung kann langfristig teure Fehlkäufe und Haarschäden vermeiden.

Herausforderungen und Ausblick für die Coiffeurbranche

Die aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen, einschliesslich der Inflation und der allgemeinen Teuerung, setzen die Konsumenten unter Druck. Dies führt nicht nur zu einer Verlagerung des Produktkaufs, sondern auch zu einer sinkenden Kundenfrequenz und vermehrten kurzfristigen Absagen in den Salons. Für Coiffeure bedeutet dies, dass jeder zusätzliche Rappen zählt und die Gewinnmargen unter Druck geraten.

Um in diesem Umfeld zu bestehen, müssen Schweizer Coiffeure ihre Stärken weiter ausbauen. Dazu gehören:

  • Fokus auf Servicequalität: Ein unvergleichliches Kundenerlebnis, das über den Haarschnitt hinausgeht.
  • Spezialisierung: Nischenangebote wie Farbexperten, Haarverlängerungen, Brautfrisuren oder nachhaltige Haarpflege können neue Kundensegmente ansprechen.
  • Kundenbindung: Aufbau langfristiger Beziehungen durch exzellenten Service, Treueprogramme und personalisierte Kommunikation.
  • Digitale Präsenz: Nutzung von Social Media und Online-Buchungssystemen, um die Sichtbarkeit zu erhöhen und neue Kunden zu gewinnen.
  • Weiterbildung: Ständige Weiterentwicklung des Fachwissens, um immer die neuesten Trends und Techniken anbieten zu können.

Die Branche muss sich anpassen und kreative Wege finden, um den Wert ihrer Dienstleistungen und Produkte hervorzuheben. Es geht darum, den Kunden zu vermitteln, dass die Investition in den Salonbesuch und die dort erworbenen Produkte eine Investition in die eigene Haargesundheit und das Wohlbefinden ist, die weit über den reinen Preis hinausgeht.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum sind professionelle Coiffeur-Produkte im Salon teurer als bei Discountern?

Der höhere Preis im Salon resultiert aus mehreren Faktoren: Er beinhaltet die Kosten für die umfassende, individuelle Beratung durch geschultes Fachpersonal, die Lagerhaltung, die Marge des Salons, die zur Deckung der Betriebskosten und Löhne beiträgt, sowie die Gewährleistung der Originalität und Frische der Produkte, die direkt vom Hersteller bezogen werden. Bei Discountern stammen die Produkte oft aus Parallelimporten, bei denen Restposten oder Überproduktionen aus dem Ausland günstiger eingekauft werden können, ohne die gleiche Serviceleistung zu bieten.

Was sind Parallelimporte und wie beeinflussen sie den Markt?

Parallelimporte sind der Import von Produkten aus dem Ausland, die nicht über den offiziellen Vertriebsweg des Herstellers in einem Land erfolgen. Sie ermöglichen es Händlern wie Discountern, Produkte zu deutlich niedrigeren Preisen anzubieten, da sie von unterschiedlichen Preisniveaus in verschiedenen Märkten profitieren. Für Coiffeursalons bedeutet dies einen unfairen Wettbewerb, da sie mit ihren offiziell bezogenen Produkten, die an die Schweizer Kostenstrukturen angepasst sind, preislich nicht mithalten können.

Können Coiffeure die günstigeren Preise der Discounter unterbieten?

In der Regel können Coiffeure die Preise von Discountern für Haarprodukte nicht unterbieten. Dies liegt an der unterschiedlichen Einkaufsmacht und den Kostenstrukturen. Grosse Discounter kaufen in enormen Mengen ein und profitieren von entsprechend höheren Margen. Coiffeursalons, oft Kleinbetriebe, haben nicht die gleiche Verhandlungsmacht und müssen zudem die Kosten für Beratung, Personal und Miete decken, was sich im Produktpreis widerspiegelt.

Wie können Coiffeure trotz dieser Herausforderungen bestehen und erfolgreich bleiben?

Coiffeure können bestehen, indem sie ihre einzigartigen Stärken hervorheben: die persönliche und professionelle Beratung, die hohe Qualität der Dienstleistungen, das individuelle Kundenerlebnis und das spezialisierte Fachwissen. Sie sollten sich als Experten für Haargesundheit und Styling positionieren, deren Wert über den reinen Produktverkauf hinausgeht. Der Aufbau einer starken Kundenbindung und die Nutzung digitaler Kanäle zur Sichtbarkeit sind ebenfalls entscheidend.

Warum ist professionelle Beratung beim Produktkauf im Coiffeursalon so wichtig?

Professionelle Beratung ist entscheidend, weil sie sicherstellt, dass Kunden die richtigen Produkte für ihren spezifischen Haartyp und ihre individuellen Bedürfnisse erhalten. Ein Coiffeur kann den Zustand von Haar und Kopfhaut genau analysieren und Produkte empfehlen, die optimal wirken und keine unerwünschten Nebenwirkungen haben. Dies vermeidet Fehlkäufe, die langfristig teurer sein können, und trägt massgeblich zur Haargesundheit bei. Die Expertise des Coiffeurs ist hierbei unersetzlich.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Schweizer Coiffeurbranche vor einer komplexen Situation steht. Der Druck durch günstigere Produktangebote von Discountern und Online-Shops ist real und stellt eine ernsthafte Bedrohung für die traditionellen Einnahmequellen dar. Doch die Coiffeure haben eine unschätzbare Waffe in diesem Preiskampf: ihre Expertise und die Fähigkeit, ein massgeschneidertes, persönliches Erlebnis zu bieten. Indem sie diesen Wert hervorheben und ihre Kunden von der Bedeutung professioneller Beratung überzeugen, können sie auch in Zukunft erfolgreich sein und die Qualität des Schweizer Coiffeurwesens aufrechterhalten.

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