Was ist das „Schönheitssalon-Schlaganfall-Syndrom“?

Friseurbesuch: Versteckte Gefahr für Ihre Gesundheit?

25/09/2018

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Ein Besuch beim Friseur oder im Schönheitssalon verspricht Entspannung, eine Auszeit vom Alltag und natürlich eine neue, frische Frisur. Doch was, wenn sich hinter dieser scheinbar harmlosen Routine eine versteckte Gefahr verbirgt, die ernsthafte gesundheitliche Folgen haben kann? Das sogenannte „Beauty Parlor Stroke Syndrome“ (zu Deutsch: „Schönheitssalon-Schlaganfall-Syndrom“) ist ein Phänomen, das in der medizinischen Literatur immer wieder beschrieben wird und das Bewusstsein für die richtige Kopfhaltung beim Haarewaschen schärfen soll.

Wie lange dauert ein Gerinnsel bei einem Schlaganfall?
Das Gerinnsel kann sich anschließend vergrößern oder gar abreißen, was einige Tage dauern kann. „Dann kommt es zu typischen Schlaganfallsymptomen. Das ist ganz tückisch.“ Dabei kann es vorkommen, dass Menschen bei einem Schlaganfall nur ein Symptom zeigen.

Es klingt wie ein Schauermärchen, ist aber bittere Realität: Ein 23-jähriger Mann aus der Türkei erlitt nach einem scheinbar gewöhnlichen Friseurbesuch einen Schlaganfall. Während er sich am Waschbecken den Kopf zurücklehnte, um sich rasieren zu lassen, spürte er einen Stich im Nacken. Drei Tage später wurde er mit starkem Schwindel, Übelkeit und Erbrechen ins Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose: ein Schlaganfall im Kleinhirn. Dieser Fall, im Jahr 2022 vom International Institute of Health dokumentiert, ist nur eines von mehreren Beispielen, die das „Beauty Parlor Stroke Syndrome“ verdeutlichen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das „Beauty Parlor Stroke Syndrome“?

Das „Schönheitssalon-Schlaganfall-Syndrom“ beschreibt den Umstand, dass Kunden während oder kurz nach dem Haarewaschen im Friseursalon einen Schlaganfall erleiden können. Die Ursache ist dabei nicht das Haarewaschen an sich, sondern die Überdehnung des Nackens, wenn der Kopf zu weit nach hinten geneigt wird, insbesondere an harten oder unzureichend gepolsterten Waschbecken. Dieser Zustand kann zu einer Schädigung der inneren Auskleidung der Arterien, der sogenannten Intima, führen.

Dr. Christoph Specht, ein renommierter Allgemeinmediziner, erklärt in Interviews, dass bei dieser Überdehnung nicht die großen Hauptschlagadern betroffen sind, sondern die feineren Arterien, die links und rechts entlang der Wirbelsäule verlaufen – die sogenannten Vertebralarterien. „Werden diese nach hinten überstreckt, kommt es zu diesem Einriss der Intima, der inneren Auskleidung der Gefäße“, so Dr. Specht. Der Körper reagiert auf diese Verletzung mit einem natürlichen Reparaturversuch: Er versucht, die beschädigte Stelle mit Blutplättchen (Thrombozyten) abzudichten. Doch genau hier liegt die Gefahr: Bei diesem Prozess kann sich ein Blutpfropfen, ein Gerinnsel, bilden.

Der tückische Zeitverzug: Warum der Schlaganfall später auftritt

Ein besonders heimtückischer Aspekt des „Beauty Parlor Stroke Syndrome“ ist, dass der Schlaganfall oft nicht sofort, sondern erst Tage nach dem Friseurbesuch auftritt. Das Gerinnsel, das sich an der geschädigten Arterienstelle gebildet hat, kann sich vergrößern oder sich lösen und mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen. Dort kann es eine Arterie blockieren und einen Schlaganfall auslösen. Dieser zeitliche Abstand erklärt, warum viele Betroffene ihren Schlaganfall nicht mit dem Friseurbesuch in Verbindung bringen. „Niemand würde seinen Besuch im Schönheitssalon mit seinem Schlaganfall bringen“, betont Dr. Specht.

Was passiert wenn man am harten Waschbecken steht?
Doch genau dabei setzt man sich offenbar einem ernsthaften Risiko aus. Denn die Kopfhaltung am harten Waschbecken, genauer gesagt der Druck auf die Arterien im Nacken kann einen Schlaganfall begünstigen – das sogenannte Beauty Parlor Stroke Syndrome. Beauty Parlor Stroke Syndrome – was steckt dahinter?

Neben schweren Schlaganfällen können auch sogenannte Mini-Schlaganfälle (transitorische ischämische Attacken, TIA) auftreten, die oft unbemerkt bleiben, aber ebenfalls schwerwiegende Spätfolgen haben können.

Bekannte Fälle und ihre Folgen

Die Tragweite des Syndroms wird durch konkrete Fälle deutlich:

  • Der bereits erwähnte 23-jährige Mann aus der Türkei, der mit Schwindel, Übelkeit und Erbrechen ins Krankenhaus kam und einen Schlaganfall im Kleinhirn erlitt.
  • Dave Tyler aus Großbritannien, der 2011 nach einem Friseurbesuch einen schweren Schlaganfall erlitt. Er verbrachte drei Monate im Krankenhaus, leidet bis heute unter Sehstörungen, benötigt einen Gehstock und kann nie wieder Auto fahren. Er verklagte den Friseursalon und erhielt eine Entschädigung von 90.000 Pfund.
  • Eine 50-jährige Frau aus Hyderabad, Indien, die 2022 fast gestorben wäre, nachdem sich im Salon ihre Haare hatte waschen lassen. Ärzte vermuteten einen geplatzten Gefäß, das für die Blutversorgung im Hirn zuständig ist, nachdem sie Symptome wie Übelkeit und Schwindel zeigte.

Das Syndrom wurde erstmals 1992 von Dr. Michael Weintraub definiert, nachdem er fünf Fälle von älteren Frauen untersuchte, die nach einem Friseurbesuch neurologische Probleme entwickelten.

Risikofaktoren und Warnzeichen

Obwohl das „Beauty Parlor Stroke Syndrome“ selten ist, gibt es bestimmte Faktoren, die das Risiko erhöhen können. Die indische Ärztin Ann Benzily dokumentierte 2024 im Global Journal of Research in Medical Science folgende Risikofaktoren:

RisikofaktorErläuterung
Bereits verschlossene ArterienAufgrund von Arterienverkalkung (Arteriosklerose)
Längere Dauer der gestreckten Haltung des HalsesJe länger der Nacken überstreckt ist, desto höher das Risiko
Kleinere WirbelarterienAnatomische Besonderheit
RauchenSchädigt die Blutgefäße
DiabetesErhöht das Risiko für Gefäßschäden
BluthochdruckBelastet die Arterien zusätzlich
Mittleres bis höheres AlterGefäße sind anfälliger
Arthrose der HalswirbelsäuleKann die Beweglichkeit und Struktur der Halswirbelsäule beeinträchtigen

Es ist entscheidend, die Warnzeichen eines Schlaganfalls zu kennen und bei deren Auftreten sofort medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nach einem Schlaganfall zählt jede Minute.

Wichtige Symptome, auf die Sie achten sollten:

  • Nackenschmerzen oder ein stechender Schmerz im Nackenbereich
  • Schwindelgefühle
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Taubheitsgefühl im Gesicht, in den Armen oder Beinen (oft einseitig)
  • Plötzliche Schwäche in Gliedmaßen, die zu Stürzen führt
  • Verwirrtheit oder Schwierigkeiten beim Sprechen
  • Verschwommenes Sehen
  • Plötzliche, starke Kopfschmerzen ohne erkennbare Ursache

Sollten Sie während oder nach einem Friseurbesuch eines dieser Symptome bemerken, zögern Sie nicht und suchen Sie umgehend einen Arzt auf.

Wie gefährlich ist das Waschbecken?
Auch in der DailyMail warnt Dr. Arun Naik, ein Facharzt für Neurochirurgie aus Indien, vor der Waschbecken-Gefahr. Seinen über 52.000 Instagram-Followern teilt er zudem in einem Reel mit, dass diejenigen, die starken Blutdruck, Diabetes oder Nackenprobleme haben, stärker gefährdet seien. Der erste Fall wurde übrigens 1993 in den USA gemeldet.

Prävention: So schützen Sie sich

Trotz der potenziellen Gefahr besteht kein Grund zur Panik. Dr. Christoph Specht gibt Entwarnung: Das „Beauty Parlor Stroke Syndrome“ tritt sehr selten auf. Die Prävention ist relativ einfach und liegt oft in der Hand des Friseursalons sowie des Kunden selbst.

  • Gute Polsterung: Achten Sie darauf, dass das Waschbecken gut gepolstert ist und Ihren Nacken ausreichend stützt. Eine weiche Nackenstütze kann den Druck auf die Arterien minimieren und eine Überstreckung verhindern.
  • Richtige Kopfhaltung: Vermeiden Sie eine zu starke Neigung des Kopfes nach hinten. Sprechen Sie mit Ihrem Friseur, wenn Sie sich unwohl fühlen oder der Winkel für Ihren Nacken unangenehm ist. Scheuen Sie sich nicht, um eine Anpassung zu bitten.
  • Pausen einlegen: Bei längeren Waschvorgängen kann es sinnvoll sein, zwischendurch den Kopf kurz anzuheben oder die Position zu ändern, um den Nacken zu entlasten.
  • Kommunikation: Informieren Sie Ihren Friseur über eventuelle Nackenprobleme oder Vorerkrankungen, die das Risiko erhöhen könnten. Ein guter Friseur wird darauf eingehen und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen treffen.

Dr. Specht betont: „Solange das Waschbecken gut gepolstert ist und man Kopf und Nacken nicht zu weit nach hinten dehnt, dann passiert nichts.“ Es ist wichtig, auf den eigenen Körper zu hören und bei Unwohlsein sofort zu reagieren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist das „Beauty Parlor Stroke Syndrome“ häufig?

Nein, das Syndrom ist sehr selten. Experten wie Dr. Specht weisen jedoch auf eine hohe Dunkelziffer hin, da der Schlaganfall oft erst Tage später auftritt und somit nicht mit dem Friseurbesuch in Verbindung gebracht wird.

Kann jeder einen Schlaganfall beim Friseur erleiden?

Grundsätzlich ja, aber bestimmte Risikofaktoren wie vorbestehende Gefäßerkrankungen, höheres Alter, Rauchen, Diabetes oder Bluthochdruck erhöhen das Risiko erheblich.

Warum sollte man Haare nicht zuhause Waschen?
Es ist von Vorteil, die Haare vor einem Farbtermin nicht zuhause zu waschen, da der natürliche Fettfilm der Kopfhaut entfernt werden kann. Dies kann bei Menschen mit empfindlicher Kopfhaut problematisch sein und Schadstoffe können so schneller eindringen.

Was genau ist das Problem am Waschbecken?

Das Problem ist nicht das Wasser oder das Waschen selbst, sondern die Überstreckung des Nackens, die zu einer Schädigung der inneren Gefäßwand der Vertebralarterien führen kann. Dies kann die Bildung eines Blutgerinnsels begünstigen.

Wie lange dauert es, bis ein Gerinnsel nach einer Gefäßschädigung auftritt?

Die Bildung eines Gerinnsels kann sofort beginnen, aber das Ablösen und der Transport ins Gehirn, der dann den Schlaganfall auslöst, kann einige Stunden bis Tage dauern. Dies erklärt den verzögerten Beginn der Symptome.

Was kann ich tun, wenn ich mich während des Haarewaschens unwohl fühle?

Sprechen Sie sofort mit Ihrem Friseur. Bitten Sie ihn, die Position des Kopfes anzupassen, oder bitten Sie darum, den Waschvorgang zu unterbrechen. Bei anhaltenden Symptomen nach dem Besuch, wie Schwindel, Übelkeit oder Schwäche, suchen Sie umgehend einen Arzt auf.

Sollte ich Friseurbesuche jetzt meiden?

Nein, Sie müssen Friseurbesuche nicht meiden. Mit dem Wissen über das Syndrom und einfachen Vorsichtsmaßnahmen können Sie das Risiko minimieren. Achten Sie auf eine gute Polsterung am Waschbecken und eine bequeme, nicht überdehnte Nackenposition.

Das Wissen um das „Beauty Parlor Stroke Syndrome“ mag beunruhigend wirken, doch es ist vor allem ein Aufruf zur Achtsamkeit. Indem sowohl Friseure als auch Kunden auf eine ergonomische und komfortable Haltung beim Haarewaschen achten, kann das ohnehin seltene Risiko eines Schlaganfalls weiter minimiert werden. Genießen Sie Ihren nächsten Friseurbesuch – aber seien Sie sich der potenziellen Risiken bewusst und handeln Sie präventiv!

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