14/11/2017
Die Entscheidung, die Haarfarbe zu ändern – sei es, um graue Haare zu kaschieren, einen neuen Look auszuprobieren oder einfach den Ansatz aufzufrischen – ist für viele ein aufregender Schritt. Doch oft schwingt dabei eine grundlegende Sorge mit: Sind Haarfärbemittel wirklich sicher? Insbesondere die Frage nach einem möglichen Krebsrisiko hat in der Vergangenheit viele Menschen verunsichert. Die gute Nachricht ist, dass Experten heute eine klare Entwarnung geben: Moderne Haarfärbemittel, wie sie auf dem Markt erhältlich sind, gelten als sicher und stellen kein erhöhtes Krebsrisiko dar. Diese Beruhigung basiert auf strengen Vorschriften und einer kontinuierlichen Überprüfung der Inhaltsstoffe, die sicherstellen, dass nur unbedenkliche Produkte den Weg zu den Verbrauchern finden.

Die Entwicklung der Sicherheit: Von Bedenken zur Entwarnung
In der Tat gab es in der Vergangenheit berechtigte Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Haarfärbemitteln. Speziell in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren enthielten einige Produkte Substanzen, die im Verdacht standen, krebserregend zu sein. Diese Erkenntnisse führten zu intensiven Forschungen und letztlich zu einer grundlegenden Veränderung in der Kosmetikindustrie. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellt klar fest: „Für Verbraucherinnen und Verbraucher besteht kein Krebsrisiko durch Haarfärbemittel, weil die problematischen Substanzen bereits seit langem verboten sind.“ Dies ist ein entscheidender Punkt, der oft übersehen wird. Die Rezepturen von Oxidationshaarfarben, die für dauerhafte Farbveränderungen sorgen, wurden ab Mitte der 1980er-Jahre sukzessive von potenziell gefährlichen Inhaltsstoffen bereinigt. Dies markiert einen Wendepunkt in der Sicherheit von Haarfärbemitteln und sollte Verbrauchern ein hohes Maß an Vertrauen geben. Die damaligen Farben waren chemisch anders aufgebaut und enthielten Inhaltsstoffe, die heute strengstens reguliert oder gänzlich verboten sind. Daher sind Vergleiche zwischen alten Studienergebnissen und der heutigen Produktsicherheit nur bedingt aussagekräftig.
Alte Daten, neue Erkenntnisse: Was die Forschung wirklich sagt
Ein Beispiel für die Neubewertung alter Daten ist eine jüngst im British Medical Journal (BMJ) veröffentlichte Studie US-amerikanischer Forscher. Diese analysierten Daten der Langzeitstudie „Nurses‘ Health Study“, die sich mit den Haarfärbegewohnheiten von Frauen zwischen 1976 und 1982 befasste. Es ist entscheidend zu verstehen, dass diese Daten aus einer Zeit stammen, in der die bereits erwähnten problematischen Substanzen noch in Haarfärbemitteln enthalten sein konnten. Die Forscher untersuchten, ob ein Zusammenhang zwischen der Selbst-Anwendung von Oxidationsfarben und einem erhöhten Krebsrisiko bestand. Ihr Fazit ist eine Entwarnung, allerdings mit zwei geringfügigen Einschränkungen. Lediglich ein minimal erhöhtes Risiko wurde für weißen Hautkrebs (Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom) und eine spezifische Art von Brustkrebs (Östrogenrezeptor-negativer Brustkrebs) festgestellt. Abgesehen davon konnte anhand der umfassenden Daten kein nachweisbarer Zusammenhang zwischen der Anwendung von Oxidationshaarfärbemitteln und anderen Krebserkrankungen oder gar einem krebsbedingten Tod gefunden werden. Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, den historischen Kontext der verwendeten Daten zu berücksichtigen. Sie bestätigen im Wesentlichen die Sicherheit der heutigen Produkte, da die damaligen „Risiko-Substanzen“ nicht mehr verwendet werden.
Wie moderne Haarfärbemittel sichergestellt werden: Regulatorische Rahmenbedingungen
Die Sicherheit von Haarfärbemitteln ist kein Zufall, sondern das Ergebnis strenger gesetzlicher Vorgaben und permanenter wissenschaftlicher Überwachung. In der Europäischen Union unterliegen Kosmetikprodukte, einschließlich Haarfärbemittel, der strengen EU-Kosmetikverordnung (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009). Diese Verordnung legt fest, welche Inhaltsstoffe verwendet werden dürfen, in welchen Konzentrationen und unter welchen Bedingungen. Eine Positivliste regelt die zugelassenen Farbstoffe, während eine Negativliste Substanzen aufführt, die generell verboten sind. Bevor ein neues Haarfärbemittel auf den Markt kommt, muss es eine umfassende Sicherheitsbewertung durchlaufen. Dabei werden alle Inhaltsstoffe einzeln und in ihrer Kombination toxikologisch geprüft. Auch die Exposition der Verbraucher gegenüber den Substanzen wird berücksichtigt. Nationale Behörden wie das BfR in Deutschland spielen eine wichtige Rolle bei der Bewertung und Überwachung dieser Produkte. Sie analysieren neue wissenschaftliche Erkenntnisse und passen bei Bedarf Empfehlungen oder Verbote an. Dieser rigorose Prozess gewährleistet, dass die auf dem Markt befindlichen Haarfärbemittel den höchsten Sicherheitsstandards entsprechen. Die Industrie hat zudem massiv in die Forschung und Entwicklung sichererer Formulierungen investiert, um den Wünschen der Verbraucher nach vielfältigen Farboptionen bei gleichzeitig maximaler Sicherheit gerecht zu werden. Dies ist ein entscheidender Fortschritt für die gesamte Branche und ein Gewinn für die Verbraucher.
Arten von Haarfärbemitteln und ihre Anwendung: Sicherheit im Detail
Es gibt verschiedene Arten von Haarfärbemitteln, die sich in ihrer Wirkungsweise und Dauerhaftigkeit unterscheiden, aber alle den gleichen Sicherheitsstandards unterliegen:
- Permanente Haarfarben (Oxidationshaarfarben): Diese dringen in die Haarstruktur ein und verändern die Farbe dauerhaft. Sie sind die am häufigsten verwendeten Produkte und waren auch Gegenstand der historischen Sicherheitsbedenken. Dank der Reformulierungen sind sie heute sicher.
- Semi-permanente Haarfarben (Tönungen): Diese legen sich um das Haar und halten einige Haarwäschen. Sie enthalten in der Regel keine Oxidationsmittel und sind oft milder.
- Temporäre Haarfarben (Auswaschbare Farben): Diese sind meist Sprays, Gele oder Shampoos, die sich mit der nächsten Haarwäsche entfernen lassen. Sie verbleiben auf der Haaroberfläche und sind in der Regel unbedenklich.
Unabhängig von der Art des Färbemittels ist die korrekte Anwendung von großer Bedeutung für die Sicherheit. Dies gilt sowohl für die Anwendung zu Hause als auch im Friseursalon. Ein Allergietest, auch Patch-Test genannt, ist vor jeder Anwendung – selbst bei bekannten Produkten – unerlässlich. Dabei wird eine kleine Menge der Farbe auf eine unauffällige Hautstelle (z.B. in der Armbeuge) aufgetragen und 48 Stunden lang beobachtet. Zeigen sich Rötungen, Juckreiz oder Schwellungen, sollte das Produkt nicht verwendet werden. Dies schützt vor allergischen Reaktionen, die zwar unangenehm, aber nicht mit den früheren Krebsbedenken in Verbindung stehen.
Praktische Tipps für das sichere Haarefärben
Um das Risiko von Hautirritationen oder allergischen Reaktionen zu minimieren und ein optimales Farbergebnis zu erzielen, sollten Sie folgende Sicherheitstipps beachten:
- Führen Sie immer einen Allergietest durch: Wie bereits erwähnt, ist dies der wichtigste Schritt, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Selbst wenn Sie ein Produkt bereits früher verwendet haben, können sich Allergien entwickeln.
- Lesen Sie die Gebrauchsanweisung sorgfältig: Jedes Produkt hat spezifische Anweisungen zur Mischung, Einwirkzeit und Anwendung. Abweichungen können nicht nur das Farbergebnis beeinträchtigen, sondern auch die Haut reizen.
- Verwenden Sie Handschuhe: Die meisten Färbemittel enthalten Handschuhe. Tragen Sie diese immer, um den direkten Hautkontakt zu vermeiden und Ihre Hände vor Verfärbungen und Reizungen zu schützen.
- Sorgen Sie für gute Belüftung: Chemische Gerüche können unangenehm sein. Ein gut belüfteter Raum hilft, das Einatmen von Dämpfen zu minimieren.
- Schützen Sie Ihre Haut und Kleidung: Tragen Sie eine alte Kleidung und schützen Sie die Haut entlang des Haaransatzes mit einer fetthaltigen Creme, um Verfärbungen und Reizungen zu verhindern.
- Spülen Sie das Haar gründlich aus: Nach der Einwirkzeit muss das Haar sehr gründlich mit Wasser gespült werden, bis das Wasser klar ist. Rückstände können die Kopfhaut reizen.
- Nicht auf geschädigter Kopfhaut anwenden: Wenn Sie Schnitte, Wunden oder Hautkrankheiten auf der Kopfhaut haben, verschieben Sie das Färben, bis die Kopfhaut abgeheilt ist.
- Nicht mischen: Mischen Sie niemals verschiedene Haarfärbemittel oder andere Chemikalien, es sei denn, die Anleitung erlaubt dies ausdrücklich. Unerwartete chemische Reaktionen können gefährlich sein.
Diese einfachen Maßnahmen tragen maßgeblich zu einem sicheren Färbeerlebnis bei und gewährleisten, dass Sie die Vorteile der modernen, sicheren Haarfärbemittel voll ausschöpfen können.
Häufig gestellte Fragen (FAQs) zur Sicherheit von Haarfärbemitteln
- Sind Haarfärbemittel krebserregend?
- Nein, moderne Haarfärbemittel, die den aktuellen EU-Vorschriften entsprechen und seit Mitte der 1980er-Jahre reformuliert wurden, gelten als sicher und lösen laut Experten kein Krebsrisiko aus. Frühere Bedenken bezogen sich auf alte Rezepturen mit inzwischen verbotenen Substanzen.
- Welche Inhaltsstoffe wurden aus Haarfärbemitteln entfernt?
- Ab den 1980er-Jahren wurden bestimmte aromatische Amine und andere Substanzen, die als potenziell krebserregend galten, schrittweise aus den Rezepturen von Oxidationshaarfarben gestrichen. Die heutigen Formulierungen verwenden sicherere Alternativen.
- Ist es sicher, Haare während der Schwangerschaft zu färben?
- Die meisten Experten sind sich einig, dass das Färben der Haare während der Schwangerschaft als sicher gilt, da die Menge der Chemikalien, die über die Kopfhaut in den Körper aufgenommen werden kann, sehr gering ist. Viele Frauen bevorzugen jedoch, bis zum zweiten Trimester zu warten oder Strähnchen und Tönungen zu verwenden, die weniger direkten Kontakt mit der Kopfhaut haben. Sprechen Sie im Zweifelsfall immer mit Ihrem Arzt.
- Wie oft kann ich meine Haare färben?
- Die Häufigkeit hängt von der Art des Färbemittels, dem Zustand Ihres Haares und Ihren individuellen Bedürfnissen ab. Dauerhafte Farben werden typischerweise alle 4-8 Wochen aufgefrischt, um den Ansatz zu behandeln. Wichtig ist, immer die Anweisungen des Herstellers zu befolgen und auf die Gesundheit Ihrer Haare und Kopfhaut zu achten.
- Gibt es einen Unterschied zwischen Heimfärbemitteln und Salonprodukten in Bezug auf die Sicherheit?
- Grundsätzlich unterliegen alle Haarfärbemittel, ob für den Heimgebrauch oder für professionelle Salons, denselben strengen Sicherheitsvorschriften und Bewertungen. Der Hauptunterschied liegt oft in der Konzentration der Farbpigmente, der Komplexität der Farbtöne und der Expertise des Anwenders. Ein professioneller Friseur kann die Farbe präziser auftragen und auf individuelle Haarbedürfnisse eingehen, was das Risiko von Anwendungsfehlern minimiert.
- Was sind Naturhaarfarben und sind sie sicherer?
- Naturhaarfarben, oft auf Pflanzenbasis wie Henna oder Indigo, werden als Alternative zu chemischen Farben angeboten. Sie gelten im Allgemeinen als weniger aggressiv, können aber dennoch allergische Reaktionen hervorrufen. Auch hier ist ein Patch-Test ratsam. Sie bieten oft eine weniger breite Farbpalette und decken graue Haare anders ab als chemische Farben.
Fazit: Färben Sie Ihr Haar mit Vertrauen
Die modernen Haarfärbemittel sind das Ergebnis jahrzehntelanger Forschung, strenger Regulierung und kontinuierlicher Verbesserung. Die anfänglichen Bedenken hinsichtlich eines Krebsrisikos sind, basierend auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft und den heutigen Produktformulierungen, unbegründet. Verbraucher können sich darauf verlassen, dass die Produkte auf dem Markt umfangreich getestet und als sicher eingestuft wurden. Während das Risiko schwerwiegender gesundheitlicher Probleme durch die Inhaltsstoffe selbst extrem gering ist, bleiben allergische Reaktionen eine potenzielle, wenn auch seltene, Nebenwirkung. Daher ist die Durchführung eines Allergietests vor jeder Anwendung eine unverzichtbare Vorsichtsmaßnahme. Genießen Sie die Freiheit, Ihre Haarfarbe zu verändern und Ihren Stil auszudrücken, mit dem Wissen, dass Ihre Schönheitspflege sicher ist. Die Expertise von Fachleuten und die Einhaltung der Gebrauchsanweisungen tragen zusätzlich dazu bei, dass Ihr Färbeerlebnis positiv und risikofrei verläuft. Sicherheit und Schönheit gehen Hand in Hand.
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