Wie viel Trinkgeld braucht man in der Schweiz?

Trinkgeld beim Coiffeur: Ein umfassender Leitfaden

02/05/2023

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Die Frage nach dem Trinkgeld ist oft eine Quelle der Unsicherheit, egal ob im Restaurant, im Taxi oder eben beim Coiffeur. Besonders in der Schweiz, wo die Regel «Trinkgeld inbegriffen» weit verbreitet ist, fragen sich viele Kunden, ob und wie viel sie zusätzlich geben sollen. Dieser Artikel beleuchtet die Facetten des Trinkgeldes speziell im Coiffeur-Salon und bietet klare Orientierung, damit Sie sich beim nächsten Haarschnitt rundum wohlfühlen können.

Wie viel Trinkgeld gibt man im Restaurant?
Nicht so Catherine Tenger. Sie ist Spezialistin für Stil und Umgangsformen und beschäftigt sich beruflich mit dem richtigen Trinkgeld. «Im Restaurant sind fünf bis zehn Prozent Usus», sagt Catherine Tenger. Ausser die Rechnung ist sehr hoch. Dann wären zehn Prozent zu viel. Wichtig ist auch, wie man Trinkgeld gibt.

Trinkgeld ist im Grunde eine freiwillige Geste der Wertschätzung. Es ist ein Ausdruck der Zufriedenheit mit der erbrachten Dienstleistung und dem Service. Doch was bedeutet das konkret für den Besuch beim Coiffeur? Und welche Rolle spielt die schweizerische Eigenheit, dass Trinkgelder oft bereits im Preis enthalten sind?

Inhaltsverzeichnis

Trinkgeld in der Schweiz: Eine historische Betrachtung

Die Schweiz hat in Bezug auf Trinkgelder eine besondere Entwicklung durchgemacht. Lange Zeit war Trinkgeld ein fester Bestandteil des Lohns von Servicekräften und Coiffeuren, oft waren sie sogar darauf angewiesen. Bis in die 1970er Jahre hinein war es üblich, einen bestimmten Prozentsatz, teilweise bis zu 15 Prozent, als Trinkgeld zu geben.

Doch dies änderte sich. Seit 1974 wurde im Gastgewerbe und später, ab 1980, auch im Coiffeur-Gewerbe durch Gesamtarbeitsverträge festgelegt, dass «Trinkgelder im Preis inbegriffen» sind. Das bedeutet, die Angestellten erhalten einen Lohn, der ihre gesamte Arbeitsleistung abdeckt, und sind nicht mehr auf Trinkgelder angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Diese Regelung sollte den Mitarbeitern eine stabilere Einkommensbasis sichern und die Abhängigkeit von der Grosszügigkeit der Kunden beenden. Für den Kunden bedeutet dies, dass er kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn er kein zusätzliches Trinkgeld gibt. Es ist keine Pflicht, sondern eine Geste.

Ist Trinkgeld beim Coiffeur Pflicht?

Die klare Antwort lautet: Nein, Trinkgeld beim Coiffeur ist in der Schweiz keine Pflicht. Seit 1980 sind die Preise so kalkuliert, dass sie die Löhne der Angestellten vollständig abdecken. Das Personal ist somit nicht mehr auf Trinkgelder angewiesen, um ihr Gehalt zu ergänzen. Dies unterscheidet die Schweiz von vielen anderen Ländern, in denen Trinkgeld oft eine erwartete oder sogar notwendige Ergänzung zum Lohn darstellt.

Dennoch ist es eine weit verbreitete Praxis und eine schöne Tradition, für einen guten Service ein Trinkgeld zu geben. Es drückt persönliche Anerkennung für die Arbeit des Coiffeurs aus, für die Zeit, die er sich genommen hat, für die Qualität des Haarschnitts und die Freundlichkeit. Viele Kunden geben gerne Trinkgeld, weil sie die individuelle Leistung und das angenehme Erlebnis im Salon wertschätzen möchten. Es ist also eine Frage der persönlichen Einstellung und der Zufriedenheit, nicht der Notwendigkeit.

Wie viel Trinkgeld ist angemessen?

Da Trinkgeld beim Coiffeur in der Schweiz nicht obligatorisch ist, gibt es keine festen Regeln oder Prozentsätze, die man beachten müsste. Es ist mehr eine Geste des Aufrundens oder ein kleiner, symbolischer Betrag. Während im Restaurant oft noch fünf bis zehn Prozent üblich sind, ist die Erwartungshaltung beim Coiffeur anders, da die Leistung bereits vollumfänglich abgegolten ist.

Typischerweise wird beim Coiffeur aufgerundet, zum Beispiel auf den nächsten Franken oder auf einen runden Betrag. Bei einem Haarschnitt, der CHF 58 kostet, könnte man beispielsweise auf CHF 60 aufrunden. Oder man gibt einen kleinen Betrag wie CHF 2 oder CHF 5, je nach Höhe der Rechnung und der empfundenen Zufriedenheit. Es geht hierbei weniger um einen prozentualen Anteil als vielmehr um eine kleine Aufmerksamkeit, die Ihre Zufriedenheit ausdrückt. Bei sehr hohen Rechnungen, etwa für eine aufwendige Farbveränderung oder Dauerwelle, wäre ein kleinerer Prozentsatz oder ein fester Betrag, der Ihre Wertschätzung zeigt, angemessen. Denken Sie daran: Jeder Betrag, egal wie klein, wird als Zeichen der Anerkennung wahrgenommen.

Die richtige Art, Trinkgeld zu geben

Die Art und Weise, wie Trinkgeld gegeben wird, kann ebenfalls eine Rolle spielen. Stilberater empfehlen oft, Trinkgeld in bar zu geben und es diskret zu überreichen oder auf dem Tisch liegen zu lassen, anstatt es ins Portemonnaie zu werfen oder es gönnerhaft in die Hand zu drücken. Diese Diskretion signalisiert Respekt und Wertschätzung, ohne aufdringlich zu wirken.

Besonders wichtig ist dies, wenn Sie mit Kreditkarte bezahlen. Viele Restaurants und Salons müssen für Kreditkarten-Transaktionen eine Kommission an die Banken zahlen. Wenn das Trinkgeld über die Karte abgewickelt wird, kann es sein, dass diese Kommission auch auf das Trinkgeld erhoben wird, oder dass die Servicefachkraft diesen Betrag sogar selbst ausgleichen muss. Um sicherzustellen, dass das Trinkgeld vollständig beim Personal ankommt, ist es daher ratsamer, es bar und separat zu geben. So vermeiden Sie unnötige Abzüge und stellen sicher, dass Ihre Geste der Anerkennung in vollem Umfang ankommt.

Wem gehört das Trinkgeld wirklich?

Eine weitere wichtige Frage ist, wem das Trinkgeld tatsächlich zugutekommt. Es ist nicht immer selbstverständlich, dass die Person, der Sie das Trinkgeld geben – sei es die Coiffeuse, die Ihnen die Haare schneidet, oder der Lehrling, der Ihnen die Haare wäscht – es auch vollständig für sich behält. Die Regelungen hierzu variieren von Betrieb zu Betrieb.

Mancherorts behält jeder Mitarbeiter das Trinkgeld, das er persönlich erhält. In anderen Salons wandern alle Trinkgelder in einen gemeinsamen Topf und werden dann nach einem bestimmten Schlüssel unter allen Mitarbeitern verteilt, einschliesslich der Personen, die im Hintergrund arbeiten, wie zum Beispiel die Reinigungskraft, das Empfangspersonal oder das Team in der Küche, falls es sich um einen grösseren Salon mit Verpflegungsangebot handelt. Diese Regelungen sind rechtlich zulässig, solange sie klar im Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung festgehalten sind. Der Arbeitgeber darf nicht einfach einseitig bestimmen, wie die Trinkgelder verteilt werden. Eine solche Transparenz bei der Verteilung sorgt für Fairness und motiviert das gesamte Team.

Für Sie als Kunde ist es oft schwer herauszufinden, wie die Regelung im jeweiligen Salon ist. Im Zweifelsfall können Sie aber davon ausgehen, dass Ihre Geste ankommt, sei es direkt bei der Person oder indirekt über einen Verteilungsschlüssel, der dem gesamten Team zugutekommt.

Trinkgeld-Gepflogenheiten in der Schweiz im Überblick

Um die Unterschiede zwischen den Dienstleistungsbranchen in der Schweiz zu verdeutlichen, hier eine kleine Übersicht:

DienstleistungTrinkgeld im Preis inbegriffen?Übliche Praxis / ErwartungshaltungEmpfehlung für Trinkgeld
CoiffeurJa (seit 1980)Keine Pflicht, aber Geste der Wertschätzung.Aufrunden oder kleiner Betrag (CHF 2-5) bei Zufriedenheit. Bar bevorzugt.
RestaurantJa (seit 1974)Keine Pflicht, aber weit verbreitete Geste der Anerkennung.5-10% bei gutem Service, bei sehr hohen Rechnungen weniger. Bar bevorzugt.
TaxiJa (seit 1980)Keine Pflicht, Aufrunden ist üblich.Aufrunden auf den nächsten Franken oder runden Betrag.
Hotel (Portier, Reinigung)Meist jaKleine Beträge für besonderen Service oder Hilfsbereitschaft.CHF 1-5, je nach Leistung.

Diese Tabelle zeigt, dass die Schweiz eine einheitliche Linie verfolgt: Die Löhne sind fair kalkuliert. Trinkgeld ist immer eine zusätzliche, freiwillige Anerkennung.

Häufig gestellte Fragen zum Trinkgeld beim Coiffeur

Muss ich Trinkgeld geben, wenn der Service nicht perfekt war?

Nein. Da Trinkgeld eine freiwillige Anerkennung ist, sollten Sie es nur geben, wenn Sie mit dem Service und der Leistung zufrieden waren. Wenn Sie unzufrieden sind, ist es nicht angebracht, Trinkgeld zu geben. Es wäre stattdessen ratsam, Ihr Feedback direkt und konstruktiv dem Salonmanagement mitzuteilen.

Kann ich Trinkgeld auch mit Karte geben?

Technisch ist es oft möglich, Trinkgeld über die Kreditkarte zu geben. Es wird jedoch empfohlen, Trinkgeld in bar zu geben. So stellen Sie sicher, dass der volle Betrag ohne Abzüge durch Bankgebühren direkt beim Personal ankommt. Wenn Sie kein Bargeld dabei haben, ist es aber immer noch besser, es über die Karte zu geben, als gar nichts, wenn Sie zufrieden waren.

Bekommt mein Coiffeur das Trinkgeld direkt oder wird es geteilt?

Das hängt von der internen Regelung des Salons ab. In vielen Betrieben wird das Trinkgeld in einem gemeinsamen Topf gesammelt und dann unter allen Mitarbeitern fair aufgeteilt, einschliesslich der Rezeption, der Auszubildenden und manchmal sogar des Küchenpersonals (in grösseren Salons). Diese Regelungen müssen im Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung festgehalten sein. Fragen Sie bei Unsicherheiten diskret nach, wenn Ihnen dies wichtig ist.

Gibt es einen Unterschied zu anderen Ländern beim Trinkgeld für Coiffeure?

Ja, die Gepflogenheiten sind international sehr unterschiedlich. Während in der Schweiz Trinkgeld im Preis inbegriffen ist, wird es in vielen Ländern, wie den USA oder Kanada, erwartet und ist oft ein wichtiger Bestandteil des Einkommens der Dienstleister. Dort sind 15-20% des Rechnungsbetrags üblich. In anderen Ländern, wie Japan, ist Trinkgeld sogar unüblich oder kann als Beleidigung empfunden werden. Informieren Sie sich daher vor Reisen über die lokalen Sitten.

Was, wenn ich gar kein Bargeld habe?

In der heutigen bargeldlosen Gesellschaft ist es nicht ungewöhnlich, kein Bargeld dabei zu haben. Wenn Sie mit dem Service zufrieden waren und unbedingt Trinkgeld geben möchten, aber kein Bargeld haben, können Sie immer noch fragen, ob es möglich ist, einen zusätzlichen Betrag über die Karte zu verbuchen. Einige Salons bieten diese Option an. Andernfalls ist es auch in Ordnung, kein Trinkgeld zu geben, da es in der Schweiz, wie erwähnt, nicht erwartet wird.

Fazit

Der Besuch beim Coiffeur sollte ein entspanntes Erlebnis sein, und die Frage nach dem Trinkgeld muss dabei keine Quelle von Stress darstellen. In der Schweiz sind Sie nicht verpflichtet, Trinkgeld zu geben, da die Preise die Leistung vollständig abdecken. Doch eine kleine Geste der Anerkennung für einen hervorragenden Service ist immer willkommen und zeigt Ihre Wertschätzung für die Arbeit des Coiffeurs. Ob Sie aufrunden oder einen kleinen festen Betrag geben, wichtig ist die Absicht dahinter. Wählen Sie die Methode, die sich für Sie am besten anfühlt, und geniessen Sie Ihren frisch gestylten Look!

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