Wie hoch sind die Löhne im coiffeurgewerbe?

Ausbildungsgehalt als Friseur: Was erwartet dich?

14/01/2023

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Der Beruf des Friseurs ist mehr als nur Haareschneiden; er ist eine Kunstform, die Kreativität, handwerkliches Geschick und ein tiefes Verständnis für Ästhetik vereint. Viele junge Menschen träumen davon, in diesem kreativen Handwerk Fuß zu fassen. Doch bevor der Traum vom eigenen Salon oder dem Stylen von Stars wahr wird, steht die Ausbildung an. Eine der häufigsten Fragen, die sich angehende Friseur-Azubis stellen, ist natürlich: Wie viel verdiene ich eigentlich während dieser wichtigen Lernphase? Die Antwort darauf ist nicht immer pauschal, denn sie hängt von verschiedenen Faktoren ab – von gesetzlichen Vorgaben über Tarifverträge bis hin zum jeweiligen Bundesland. Dieser Artikel beleuchtet detailliert, was du als Friseur-Auszubildender finanziell erwarten kannst und welche Unterstützungsmöglichkeiten dir zur Verfügung stehen.

Was macht man als Coiffeur?
Was macht man in diesem Beruf? Als Coiffeur/-euse EBA bist du dafür verantwortlich, dass die Haare deiner Kunden immer top aussehen. Du wäschst, schneidest, färbst und stylst die Haare nach den Wünschen deiner Kunden. Zusätzlich berätst du sie, welche Frisur und Haarfarbe am besten zu ihnen passt.
Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Friseurausbildung überhaupt?

Die Ausbildung zum Friseur oder zur Friseurin ist in Deutschland eine duale Ausbildung. Das bedeutet, sie findet an zwei Lernorten statt: im Ausbildungsbetrieb, also einem Friseursalon, und in der Berufsschule. In der Regel dauert die Ausbildung drei Jahre. Während dieser Zeit erlernst du nicht nur die klassischen Techniken des Haareschneidens, Färbens und Stylings, sondern auch Aspekte der Kundenberatung, Hygienevorschriften, Produktkunde und sogar kaufmännische Grundlagen. Es ist eine umfassende Ausbildung, die dich auf alle Facetten des Friseurberufs vorbereitet und eine solide Basis für deine zukünftige Karriere schafft. Die Praxis im Salon ist dabei entscheidend, denn hier wendest du das theoretisch Gelernte direkt am Kunden an und entwickelst dein handwerkliches Können unter Anleitung erfahrener Friseure.

Das Ausbildungsgehalt: Mindestlohn vs. Tarifvertrag

Die Höhe deines Ausbildungsgehalts als Friseur kann variieren, je nachdem, ob dein Ausbildungsbetrieb an einen Tarifvertrag gebunden ist oder nicht. Seit 2020 gibt es in Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn für Auszubildende, der auch für Friseur-Azubis gilt, sofern kein Tarifvertrag greift, der höhere Löhne vorsieht.

Der gesetzliche Mindestlohn für Auszubildende

Ist dein Ausbildungsgehalt nicht durch einen spezifischen Tarifvertrag geregelt, dann orientiert sich dein Verdienst an den gesetzlichen Mindestlohnvorgaben. Diese Zahlen werden regelmäßig angepasst. Für das Jahr 2025 sehen die Richtwerte wie folgt aus:

  • Im ersten Ausbildungsjahr: Du erhältst in der Regel 682 Euro brutto im Monat.
  • Im zweiten Ausbildungsjahr: Dein Gehalt steigt auf 805 Euro brutto im Monat.
  • Im dritten Ausbildungsjahr: Du verdienst 921 Euro brutto im Monat.

Diese Zahlen bilden die Untergrenze dessen ab, was dir als Auszubildendem zusteht. Es ist wichtig zu wissen, dass dies Bruttobeträge sind, von denen noch Steuern und Sozialabgaben abgezogen werden, auch wenn diese für Auszubildende in der Regel geringer ausfallen.

Gehalt nach Tarifvertrag im Friseurhandwerk

Viele Friseurbetriebe sind Mitglied in einem Arbeitgeberverband und somit an einen Tarifvertrag gebunden. Ein Tarifvertrag ist eine Vereinbarung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden, die die Arbeitsbedingungen, einschließlich des Gehalts, für eine bestimmte Branche oder Region festlegt. Oftmals liegen die tariflich vereinbarten Ausbildungsvergütungen über dem gesetzlichen Mindestlohn für Auszubildende.

Ein Beispiel hierfür ist Nordrhein-Westfalen (NRW). Wirst du nach dem Tarif des Friseurhandwerks in NRW bezahlt, dann gelten beispielsweise seit August 2024 folgende Sätze:

  • Im ersten Ausbildungsjahr: 710 Euro brutto pro Monat.
  • Im zweiten Ausbildungsjahr: 830 Euro brutto pro Monat.
  • Im dritten Ausbildungsjahr: 955 Euro brutto pro Monat.

Wie du siehst, liegen diese Beträge leicht über dem gesetzlichen Mindestlohn. Das unterstreicht die Bedeutung, sich vor Ausbildungsbeginn genau zu informieren, ob der potenzielle Ausbildungsbetrieb tarifgebunden ist.

Vergleichstabelle: Mindestlohn vs. Tarifvertrag NRW

Um die Unterschiede noch deutlicher zu machen, hier eine übersichtliche Tabelle:

AusbildungsjahrMindestlohn für Auszubildende (Stand 2025, brutto)Tarifvertrag Friseurhandwerk NRW (ab August 2024, brutto)
1. Jahr682 Euro710 Euro
2. Jahr805 Euro830 Euro
3. Jahr921 Euro955 Euro

Regionale Unterschiede: Warum das Bundesland zählt

Die Tarifverträge für das Friseurhandwerk sind nicht bundesweit einheitlich geregelt. Sie unterscheiden sich oft von Bundesland zu Bundesland. Das liegt daran, dass die Tarifverhandlungen auf Landesebene geführt werden und die Lebenshaltungskosten sowie die wirtschaftliche Situation in den verschiedenen Regionen Deutschlands variieren können. Ein Friseur-Azubi in Bayern könnte also ein anderes Gehalt erhalten als ein Azubi in Schleswig-Holstein, selbst wenn beide Betriebe tarifgebunden sind.

Bevor du dich für eine Ausbildung entscheidest, ist es daher ratsam, dich über die spezifischen Tarifverträge in deinem Bundesland zu informieren. Informationen dazu findest du oft bei den Handwerkskammern, den zuständigen Innungen oder auch bei Gewerkschaften wie ver.di. Diese regionalen Unterschiede können einen spürbaren Einfluss auf dein monatliches Budget haben und sollten bei der Wahl deines Ausbildungsplatzes berücksichtigt werden.

Finanzielle Unterstützung während der Ausbildung

Sollte dein Ausbildungsgehalt, ob Mindestlohn oder tariflich geregelt, nicht ausreichen, um deine Lebenshaltungskosten zu decken, gibt es verschiedene finanzielle Hilfen, die du in Anspruch nehmen kannst. Diese Unterstützungsmöglichkeiten sollen sicherstellen, dass niemand seine Ausbildung aus finanziellen Gründen abbrechen muss.

Wohngeld

Wohngeld ist ein staatlicher Zuschuss zu den Mietkosten, der Personen mit geringem Einkommen zusteht. Auch Auszubildende können unter bestimmten Voraussetzungen Wohngeld beantragen. Die Höhe des Wohngeldes hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Anzahl der Haushaltsmitglieder, die Höhe des Gesamteinkommens und die Höhe der Miete. Wichtig ist, dass du keinen Anspruch auf Wohngeld hast, wenn dir dem Grunde nach Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) zusteht. Es lohnt sich jedoch, dies bei deiner örtlichen Wohngeldstelle oder Stadtverwaltung zu prüfen.

Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)

Die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) ist eine wichtige finanzielle Unterstützung für Auszubildende, die während ihrer Ausbildung nicht bei ihren Eltern wohnen können, weil der Ausbildungsbetrieb zu weit entfernt ist oder andere Gründe vorliegen. Auch Auszubildende, die über 18 Jahre alt sind und einen eigenen Haushalt führen oder verheiratet sind, können anspruchsberechtigt sein. Die Höhe der BAB hängt vom eigenen Einkommen, dem Einkommen der Eltern und des Ehepartners (falls vorhanden) sowie von den notwendigen Ausgaben für Miete, Fahrtkosten und ähnlichem ab. BAB musst du bei der Agentur für Arbeit beantragen. Es ist eine Leistung, die nicht zurückgezahlt werden muss.

Weitere Unterstützungsmöglichkeiten

Neben Wohngeld und BAB gibt es unter Umständen noch weitere, speziellere Förderungen oder Stipendien, die du prüfen könntest. Dazu zählen beispielsweise Bildungskredite oder bestimmte Stiftungen, die junge Talente unterstützen. Auch die Möglichkeit eines Nebenjobs kann eine Option sein, sofern dieser deine Ausbildung nicht beeinträchtigt und die Arbeitszeiten eingehalten werden. Allerdings ist dies in der Regel nur in Absprache mit dem Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule sinnvoll, um eine Überforderung zu vermeiden.

Karriereaussichten und Gehaltsentwicklung nach der Ausbildung

Die Ausbildung zum Friseur ist der erste Schritt in eine vielfältige und kreative Karriere. Dein Ausbildungsgehalt ist dabei nur der Anfang. Nach erfolgreichem Abschluss der dreijährigen Lehre bist du eine vollwertige Fachkraft, ein sogenannter Geselle oder eine Gesellin, und dein Verdienst wird sich deutlich erhöhen. Das Einstiegsgehalt für ausgelernte Friseure variiert ebenfalls je nach Region, Salonart und Berufserfahrung, liegt aber in der Regel spürbar über dem Ausbildungsgehalt.

Weiterbildung und Spezialisierung

Der Friseurberuf bietet hervorragende Möglichkeiten zur Weiterbildung und Spezialisierung, die sich direkt auf dein Einkommen auswirken können. Dazu gehören:

  • Farbexperte (Colorist): Spezialisierung auf komplexe Farbtechniken und -beratung.
  • Barber: Fokus auf Herrenhaarschnitte und Bartpflege.
  • Stylist für Hochzeiten und Events: Anbieten von speziellen Styling-Dienstleistungen für besondere Anlässe.
  • Extensions-Spezialist: Expertise in der Einarbeitung und Pflege von Haarverlängerungen.
  • Make-up Artist: Erweiterung des Angebots um professionelles Make-up.

Jede dieser Spezialisierungen kann deine Expertise und damit deinen Marktwert erhöhen, was sich in einem höheren Gehalt widerspiegelt.

Die Meisterprüfung

Ein besonders wichtiger Schritt in der Karriere vieler Friseure ist die Meisterprüfung. Der Friseurmeistertitel ist die höchste Qualifikation im Friseurhandwerk. Mit dem Meisterbrief in der Tasche kannst du:

  • Einen eigenen Friseursalon eröffnen und dich selbstständig machen.
  • Auszubildende ausbilden und dein Wissen weitergeben.
  • Führungspositionen in größeren Salons übernehmen.
  • Ein deutlich höheres Gehalt erzielen als ein Geselle.

Die Vorbereitung auf die Meisterprüfung ist anspruchsvoll und zeitintensiv, aber die Investition lohnt sich in der Regel langfristig sowohl finanziell als auch beruflich.

Selbstständigkeit

Für viele Friseure ist die Selbstständigkeit das ultimative Karriereziel. Ob als Inhaber eines eigenen Salons, als mobiler Friseur oder als Stuhlmieter in einem bestehenden Salon – die Selbstständigkeit bietet maximale Freiheit und das Potenzial für ein sehr hohes Einkommen, das jedoch auch mit größerer Verantwortung und höherem Risiko verbunden ist.

Tipps zur Gehaltsverhandlung und Vertragsprüfung

Auch wenn das Ausbildungsgehalt in der Regel weitgehend festgelegt ist, gibt es dennoch ein paar Dinge, die du beachten kannst, um das Beste aus deiner Situation herauszuholen und böse Überraschungen zu vermeiden:

  • Informiere dich vorab: Recherchiere die üblichen Ausbildungsvergütungen in deiner Region und für den jeweiligen Betrieb. Weißt du, ob der Betrieb tarifgebunden ist?
  • Frage im Vorstellungsgespräch nach: Es ist absolut legitim, im Bewerbungsgespräch nach der Höhe des Ausbildungsgehalts zu fragen. Ein seriöser Betrieb wird dir diese Frage transparent beantworten.
  • Prüfe den Ausbildungsvertrag sorgfältig: Bevor du deinen Ausbildungsvertrag unterschreibst, lies ihn aufmerksam durch. Achte nicht nur auf das Gehalt, sondern auch auf Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch, Probezeit und Kündigungsfristen. Lass dir den Vertrag im Zweifel von einer Vertrauensperson oder einer Beratungsstelle (z.B. Handwerkskammer, Gewerkschaft) erklären.
  • Sprich bei Problemen an: Solltest du feststellen, dass dein Gehalt unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegt und keine tarifliche Regelung greift, die dies rechtfertigt, oder es zu Unstimmigkeiten bei der Auszahlung kommt, scheue dich nicht, das Gespräch mit deinem Ausbilder zu suchen. Im Notfall kannst du dich an die Handwerkskammer wenden.

Ein gutes Ausbildungsverhältnis basiert auf Vertrauen und Transparenz. Ein fairer Umgang mit dem Gehalt ist ein wichtiger Bestandteil davon.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wie lange dauert die Ausbildung zum Friseur/zur Friseurin?

Die Ausbildung zum Friseur/zur Friseurin dauert in der Regel drei Jahre. Unter bestimmten Voraussetzungen, wie sehr guten Leistungen oder einem Abitur, kann sie jedoch auf zwei oder zweieinhalb Jahre verkürzt werden.

Gibt es einen Mindestlohn für Friseur-Azubis?

Ja, seit 2020 gibt es in Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn für Auszubildende, der auch für Friseur-Azubis gilt, sofern kein Tarifvertrag eine höhere Vergütung vorsieht. Die Beträge steigen jährlich mit jedem Ausbildungsjahr.

Kann mein Gehalt während der Ausbildung steigen?

Ja, dein Ausbildungsgehalt steigt in der Regel mit jedem Ausbildungsjahr an, sowohl beim gesetzlichen Mindestlohn als auch bei tariflich geregelten Vergütungen. Darüber hinaus kann es durch Tarifverhandlungen zu Anpassungen kommen.

Welche finanziellen Hilfen kann ich beantragen, wenn mein Gehalt nicht reicht?

Wenn dein Ausbildungsgehalt nicht ausreicht, um deine Lebenshaltungskosten zu decken, kannst du unter bestimmten Voraussetzungen Wohngeld oder Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen. Beide Leistungen sind staatliche Hilfen, die dir finanziell unter die Arme greifen sollen.

Lohnt sich eine Friseurausbildung finanziell?

Während das Ausbildungsgehalt eher moderat ist, bietet der Friseurberuf nach der Ausbildung gute Verdienstmöglichkeiten, insbesondere mit Weiterbildungen, Spezialisierungen oder der Meisterprüfung. Die finanzielle Perspektive verbessert sich deutlich mit zunehmender Erfahrung und Qualifikation.

Was verdiene ich nach der Ausbildung?

Als ausgelernter Friseur (Geselle/Gesellin) liegt dein Einstiegsgehalt deutlich über dem Ausbildungsgehalt. Die genaue Höhe hängt von Faktoren wie Region, Salonart und Tarifvertrag ab. Mit Berufserfahrung, Spezialisierungen und Weiterbildungen, wie der Meisterprüfung, kannst du dein Einkommen erheblich steigern.

Kann ich meine Ausbildung verkürzen?

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Verkürzung der Ausbildungszeit möglich. Dies ist oft der Fall bei sehr guten Leistungen in der Berufsschule und im Betrieb oder wenn du bereits einen höheren Schulabschluss (z.B. Abitur) hast. Eine Verkürzung muss mit dem Ausbildungsbetrieb und der zuständigen Kammer abgestimmt werden.

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