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Haarschnitt Schweiz: Kosten & Schattenseiten

30/08/2017

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Die Schweiz, bekannt für ihre hohe Lebensqualität und entsprechenden Preise, birgt im Bereich der Haarschnitte eine überraschende Dualität. Während traditionelle Coiffeursalons oft Preise verlangen, die sich im Bereich von 60 Franken und mehr bewegen, schiessen vielerorts Barbershops aus dem Boden, die einen Haarschnitt bereits für 20 oder 25 Franken anbieten. Diese massive Preisdifferenz wirft Fragen auf: Wie ist das möglich? Und welche Auswirkungen hat dies auf die Branche und die dort beschäftigten Menschen?

Inhaltsverzeichnis

Der Preis des Stils: Was kostet ein Haarschnitt in der Schweiz wirklich?

Die Kosten für einen Haarschnitt in der Schweiz können stark variieren, abhängig vom Salon, der Erfahrung des Personals, der angebotenen Dienstleistung und natürlich der Region. Ein Besuch bei einem etablierten Coiffeur, der vielleicht seit Jahrzehnten im Geschäft ist, eine umfassende Beratung bietet und hochwertige Produkte verwendet, kann durchaus 60 Franken oder mehr kosten. Diese Salons argumentieren, dass ihre Preise die Qualität der Arbeit, die Ausbildung des Personals, die Einhaltung von Sozialstandards und die Betriebskosten widerspiegeln.

Welche Coiffeur Salons gibt es in Solothurn?
Die Coiffeursalons in Solothurn sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Sind Sie auf der Suche nach einem Salon, der einfach mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist, bieten sich folgende Coiffeure besonders gut an: Element-HAAR, Nil Kosmetik, GIDOR Coiffure sowie Coiffeur Passage.

Im Gegensatz dazu stehen die sogenannten Billig-Barbershops, die mit Preisen von 20 bis 25 Franken, manchmal sogar noch weniger für Rentner, Lehrlinge oder Schüler, eine attraktive Alternative zu sein scheinen. Doch dieser scheinbare Vorteil hat oft eine Kehrseite, die nicht sofort ersichtlich ist. Die Frage, wie diese Preise überhaupt rentabel sein können, beschäftigt nicht nur die Konkurrenz, sondern auch die Aufsichtsbehörden.

Barbershops im Fokus: Ein boomendes, aber umstrittenes Phänomen

Die rot-weiss-blauen Barbierstangen sind aus dem Schweizer Strassenbild kaum noch wegzudenken. Sie signalisieren oft: Hier gibt es einen schnellen und günstigen Haarschnitt. Doch hinter der glänzenden Fassade verbirgt sich nicht selten eine Szene, die von Intransparenz und fragwürdigen Geschäftspraktiken geprägt ist. Obwohl viele dieser Barbershops auf den ersten Blick belebt wirken, herrscht oft kein Hochbetrieb, der die niedrigen Preise durch schiere Masse rechtfertigen könnte.

Die Paritätische Kommission des Coiffeurgewerbes, die im Auftrag der Sozialpartner die Einhaltung des Gesamtarbeitsvertrags (GAV) prüft, hat bei Kontrollen vermehrt Auffälligkeiten in Barbershops und bei Billig-Coiffeuren festgestellt. Dies betrifft insbesondere die Anstellungsbedingungen und die Entlöhnung des Personals. Die Diskrepanz zwischen den angebotenen Preisen und den zu erwartenden Betriebskosten, einschliesslich fairer Löhne, ist ein zentraler Punkt der Besorgnis.

Hinter den Kulissen: Ausbeutung und Missstände in Billig-Salons

Die niedrigen Preise in vielen Barbershops kommen oft nicht von ungefähr. Eine der Hauptursachen sind gravierende Verstösse gegen den in der Schweiz gültigen GAV für das Coiffeurgewerbe. Dieser Vertrag legt unter anderem Mindestlöhne fest, die für gelerntes Personal ab 2024 bei 4000 Franken pro Monat liegen und für Ungelernte bei mindestens 3550 Franken. Diese Löhne sollen bis 2027 weiter steigen und sind für alle Coiffeurbetriebe, einschliesslich der Billig-Anbieter, allgemein verbindlich.

Die Kontrollen der Paritätischen Kommission decken immer wieder auf, dass in Billig-Coiffeursalons:

  • Personen zu sehr tiefen Löhnen beschäftigt werden, oft als "vorläufig aufgenommene" Mitarbeiter.
  • Praktikanten eingesetzt werden, die eigentlich als ungelernte Personen entlohnt werden müssten.
  • Erfahrungsjahre aus dem Ausland bei der Lohneinstufung nicht oder unzureichend angerechnet werden.
  • Ein „anderes Verständnis“ von Arbeitszeit herrscht: Oft wird nur die direkte Arbeitszeit am Kundenkopf entgolten oder sogar nach Anzahl der bedienten Köpfe gezahlt, während das Personal unbezahlt auf Kundschaft warten muss.

Diese Praktiken führen dazu, dass Angestellte, die vielleicht nur wenige Kunden pro Tag bedienen, am Ende des Monats mit einem Hungerlohn dastehen, der weit unter dem gesetzlichen Minimum liegt. Solche Zustände fallen in die Kategorie der Ausbeutung und können im Extremfall sogar auf Menschenhandel hindeuten, da oft Personen in Notlagen oder mit ungeregeltem Aufenthaltsstatus zu solchen Bedingungen arbeiten.

Ein Blick auf die Zahlen: Mindestlöhne und Arbeitsbedingungen

Der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) im Schweizer Coiffeurgewerbe ist ein wichtiges Instrument zur Sicherung fairer Arbeitsbedingungen. Er wird vom Bundesrat abgesegnet und ist allgemein verbindlich. Die Einhaltung dieser Vorschriften ist entscheidend für die Stabilität und Fairness der Branche.

Vergleich der Mindestlöhne (GAV Coiffeurgewerbe, ab 2024):

QualifikationMonatlicher Mindestlohn (CHF)
Gelerntes Personal4000
Ungelerntes Personal3550

Die Paritätische Kommission stellt bei Kontrollen von Billig-Coiffeuren überdurchschnittlich viele Fälle von fehlenden oder fehlerhaften Versicherungen, ungerechtfertigten Lohnabzügen, mangelhaften Zeiterfassungen und Abweichungen vom Mindestlohn fest. Oft fehlt den Betreibern auch das grundlegende Wissen über die rechtlichen Grundlagen der Arbeitswelt.

Mehr als nur Haare schneiden: Illegale Aktivitäten und ihre Verstrickungen

Die Probleme in der Billig-Coiffeur-Branche gehen manchmal über die Arbeitsausbeutung hinaus. Etablissements wie Barbershops dienen in einigen Fällen auch als Fassade für illegale Geschäfte. Hierzu gehören:

  • Geldwäscherei: Hohe Bargeldeinnahmen bei geringen ausgewiesenen Umsätzen machen Barbershops attraktiv für die Legalisierung von Geldern aus kriminellen Quellen.
  • Drogenhandel: Der unauffällige Kundenverkehr kann für den Handel mit illegalen Substanzen genutzt werden.
  • Verkauf gefälschter Markenartikel: Neben dem Haarschnitt werden oft auch gefälschte Produkte angeboten.
  • Mehrwertsteuerbetrug: Durch die Nicht-Deklaration von Einnahmen wird der Staat um Steuern betrogen.

Einige dieser Betriebe werden zudem als „Kaderschmiede“ für kriminelle Clans genutzt, in denen sich Personal bewähren und intern aufsteigen kann. Frühere Razzien in Städten wie Bern haben gezeigt, dass solche Barbershops von Behörden geschlossen wurden, nur um dann in anderen Kantonen oder Gemeinden, wo die Kontrolldichte geringer ist, neu zu eröffnen. Betreiber sind oft Personen syrischer, türkischer oder vom Westbalkan stammender Staatsangehörigkeit, die mit organisierten Kriminalitätsstrukturen in Verbindung stehen.

Wer sich bei einem Billig-Barber die Haare schneiden lässt, muss sich bewusst sein, dass er mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit indirekt solche Hintermänner und irreguläre Handlungen unterstützt. Dies trägt dazu bei, die Schweiz für illegale Aufenthalter attraktiv zu machen, da sie in solchen Etablissements Arbeit finden und möglicherweise in Clanstrukturen aufsteigen können. Die bewusste Wahl eines Salons ist somit nicht nur eine Frage des Preises, sondern auch der Transparenz und Verantwortung.

Der Wandel der Branche: Steigende Zahl männlicher Coiffeure

Interessante Entwicklungen zeigen sich auch in der Statistik des Bundesamtes für Statistik (BFS). Obwohl es keine spezifischen Zahlen zu Barbershops gibt, ist eine deutliche Verschiebung in der Geschlechterverteilung der Beschäftigten im Coiffeurgewerbe feststellbar:

Entwicklung der Beschäftigtenzahlen im Schweizer Coiffeurgewerbe (BFS):

JahrAnzahl FrauenAnzahl MännerAnzahl Salons/Arbeitsstätten
201124'7933'84814'866
202124'4105'64516'636

Zwischen 2011 und 2021 sank die Zahl der weiblichen Beschäftigten um fast 400, während die der männlichen Beschäftigten um beachtliche 1797 zunahm. Im gleichen Zeitraum stieg auch die Zahl der Arbeitsstätten um 1770 an. Diese Entwicklung korreliert stark mit dem Aufkommen der Barbershops, die traditionell männliche Kunden ansprechen und oft von Männern betrieben werden. Inwiefern diese Zahlen direkt den Anstieg der Barbershops widerspiegeln, ist nicht abschliessend geklärt, aber die Indizien sind stark.

Was Sie als Kunde wissen sollten: Verantwortung und bewusste Wahl

Angesichts der komplexen Situation im Schweizer Coiffeurgewerbe, insbesondere im Segment der Billig-Anbieter, ist es für Konsumenten wichtig, eine informierte Entscheidung zu treffen. Die Wahl eines Haarschnitts ist nicht nur eine Frage des Preises oder des Stils, sondern auch eine Frage der Unterstützung von fairen Arbeitsbedingungen und legalen Geschäftspraktiken. Achten Sie auf Zeichen von Qualität und Seriosität:

  • Preise: Extrem niedrige Preise sollten immer Skepsis hervorrufen. Ein fairer Preis deckt die Kosten für Ausbildung, Material, Miete und vor allem faire Löhne.
  • Transparenz: Seriöse Salons legen Wert auf transparente Preisgestaltung und zeigen ihre Qualifikationen.
  • Arbeitsbedingungen: Beobachten Sie das Personal. Wirken sie zufrieden? Gibt es eine klare Struktur?
  • Hygiene: Ein sauberer und gepflegter Salon ist ein gutes Zeichen.

Indem Sie sich für einen Salon entscheiden, der die gesetzlichen Bestimmungen einhält und faire Löhne zahlt, tragen Sie aktiv dazu bei, die Ausbeutung von Arbeitskräften einzudämmen und die Integrität des Coiffeurgewerbes in der Schweiz zu wahren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum sind Barbershops in der Schweiz so viel günstiger als normale Coiffeure?

Die oft deutlich niedrigeren Preise in Barbershops können verschiedene Gründe haben. Ein wesentlicher Faktor ist die Konzentration auf meist schnellere Haarschnitte und Bartpflege ohne aufwendige Zusatzleistungen. Leider zeigt sich bei Kontrollen auch, dass diese niedrigen Preise oft durch die Nichteinhaltung des Gesamtarbeitsvertrags (GAV) und die Zahlung von Löhnen unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns ermöglicht werden. Zudem können sie als Fassade für illegale Aktivitäten dienen, bei denen der Haarschnitt nur ein Deckmantel ist.

Ist es legal, wenn Barbershops unter dem Mindestlohn zahlen?

Nein, das ist nicht legal. Der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für das Schweizer Coiffeurgewerbe ist allgemein verbindlich und legt klare Mindestlöhne für gelerntes und ungelerntes Personal fest. Die Nichteinhaltung dieser Vorgaben stellt einen Verstoss gegen geltendes Recht dar und kann zu hohen Strafen führen. Die Paritätische Kommission führt regelmässig Kontrollen durch, um die Einhaltung zu gewährleisten.

Was ist der GAV im Coiffeurgewerbe und warum ist er wichtig?

Der GAV (Gesamtarbeitsvertrag) ist ein Vertrag zwischen den Sozialpartnern (Arbeitgeberverbänden und Arbeitnehmerorganisationen) des Coiffeurgewerbes, der die Arbeitsbedingungen und Mindestlöhne in der Branche regelt. Er ist wichtig, weil er faire und transparente Bedingungen für alle Beschäftigten sicherstellt, Lohndumping verhindert und einen fairen Wettbewerb zwischen den Betrieben ermöglicht. Er schützt die Arbeitnehmer vor Ausbeutung und garantiert ihnen soziale Absicherung.

Wie kann ich einen seriösen Coiffeur oder Barbershop erkennen?

Ein seriöser Salon zeichnet sich durch transparente Preisgestaltung, gut ausgebildetes und freundliches Personal, saubere und gepflegte Räumlichkeiten sowie die Einhaltung der Arbeitsgesetze aus. Fragen Sie nach den Preisen, achten Sie auf eine klare Lohnabrechnung (falls Sie dort arbeiten würden), und informieren Sie sich über die Reputation des Salons. Extrem niedrige Preise, fehlende Zeiterfassung oder dubiose Geschäftspraktiken sollten ein Warnsignal sein.

Sind alle Barbershops in illegale Aktivitäten verwickelt?

Nein, keineswegs. Es gibt viele seriöse Barbershops in der Schweiz, die hervorragende Arbeit leisten und sich an alle Gesetze halten. Die im Artikel beschriebenen Probleme betreffen einen Teil der Branche, insbesondere die sogenannten Billig-Anbieter. Es ist wichtig, zwischen seriösen Anbietern und jenen zu unterscheiden, die fragwürdige Praktiken anwenden. Eine bewusste Wahl des Kunden kann dazu beitragen, die Integrität der Branche zu stärken.

Die Schweizer Coiffeurbranche ist vielfältig und dynamisch. Während der Wettbewerb die Preise für Konsumenten senken kann, ist es entscheidend, die sozialen und ethischen Implikationen dieser Preispolitik zu verstehen. Eine bewusste Entscheidung für einen Salon, der faire Bedingungen bietet, ist ein Beitrag zu einer nachhaltigen und gerechten Wirtschaft.

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