15/06/2018
Der Beruf des Friseurs ist weit mehr als nur Haare schneiden. Er ist eine Kunstform, ein Handwerk und ein Serviceberuf, der Kreativität, Präzision und ein tiefes Verständnis für Ästhetik erfordert. Wenn du dich für diesen vielseitigen und menschennahen Beruf interessierst, ist die Ausbildung der erste und wichtigste Schritt. Doch wie genau läuft diese Ausbildung ab? Welche Inhalte erwarten dich, und was musst du mitbringen, um erfolgreich zu sein? Tauche ein in die Welt der Friseurausbildung und entdecke, wie du deinen Traum vom eigenen Salon oder der Arbeit an den Köpfen deiner Kunden verwirklichen kannst.

- Was macht einen Friseur aus? Mehr als nur Schere und Kamm
- Die Voraussetzungen: Wer kann Friseur werden?
- Der Ablauf der Friseurausbildung: Theorie und Praxis Hand in Hand
- Zwischenprüfung und Gesellenprüfung: Die Meilensteine der Ausbildung
- Vergütung während der Ausbildung: Was verdient ein Azubi?
- Karrieremöglichkeiten nach der Ausbildung: Dein Weg nach vorn
- Häufig gestellte Fragen zur Friseurausbildung
Was macht einen Friseur aus? Mehr als nur Schere und Kamm
Bevor wir uns den Details der Ausbildung widmen, ist es wichtig zu verstehen, welch breites Spektrum an Aufgaben ein Friseur täglich bewältigt. Es geht nicht nur um den perfekten Schnitt oder die brillante Farbe. Friseure sind auch Berater, Psychologen und Trendsetter. Sie analysieren Haar und Kopfhaut, beraten Kunden individuell zu Frisur, Farbe und Pflege, führen chemische Behandlungen wie Dauerwellen oder Colorationen durch, stylen für besondere Anlässe, pflegen Bärte und sind oft die erste Ansprechperson für eine kleine Auszeit vom Alltag. Hygienevorschriften, Produktkenntnisse und kaufmännische Grundlagen sind ebenso unerlässlich wie das handwerkliche Geschick. Ein guter Friseur muss stets auf dem Laufenden bleiben, was neue Trends und Techniken angeht, und bereit sein, sich kontinuierlich weiterzubilden.
Die Voraussetzungen: Wer kann Friseur werden?
Für die Ausbildung zum Friseur gibt es keine strengen formalen Voraussetzungen wie einen bestimmten Schulabschluss. Theoretisch ist eine Ausbildung auch ohne Schulabschluss möglich, jedoch bevorzugen die meisten Ausbildungsbetriebe Bewerber mit einem Hauptschulabschluss oder einem Realschulabschluss. Viel wichtiger als der Notendurchschnitt sind jedoch persönliche Eigenschaften und Soft Skills. Dazu gehören:
- Kreativität und Sinn für Ästhetik: Du solltest ein Gespür für Formen, Farben und Proportionen haben.
- Handwerkliches Geschick: Eine ruhige Hand und Präzision sind unerlässlich.
- Kommunikationsfähigkeit: Du musst gut zuhören und beraten können.
- Freundlichkeit und Serviceorientierung: Der Umgang mit Menschen steht im Mittelpunkt.
- Belastbarkeit: Langes Stehen und ein teilweise hoher Geräuschpegel gehören zum Arbeitsalltag.
- Hygienebewusstsein: Sauberkeit ist im Salon oberstes Gebot.
- Teamfähigkeit: Die Zusammenarbeit mit Kollegen ist wichtig.
Ein Praktikum im Vorfeld ist oft sehr hilfreich, um einen Einblick in den Berufsalltag zu bekommen und zu prüfen, ob der Beruf wirklich zu dir passt.
Der Ablauf der Friseurausbildung: Theorie und Praxis Hand in Hand
Die Ausbildung zum Friseur ist eine duale Ausbildung, was bedeutet, dass sie an zwei Lernorten stattfindet: im Ausbildungsbetrieb (Friseursalon) und in der Berufsschule. Diese Kombination aus praktischer Arbeit und theoretischem Unterricht ist ideal, um alle Facetten des Berufs zu erlernen.
Dauer und Struktur der Ausbildung
Die Regelausbildungszeit beträgt drei Jahre. Unter bestimmten Voraussetzungen, beispielsweise bei guten Leistungen in Schule und Betrieb oder einem höheren Schulabschluss, kann die Ausbildung auf zwei oder zweieinhalb Jahre verkürzt werden. Die Ausbildung ist in Lehrjahre unterteilt, in denen die Inhalte aufeinander aufbauen.
Inhalte der praktischen Ausbildung im Salon
Im Friseursalon erlernst du die praktischen Fähigkeiten, die du für den Berufsalltag benötigst. Du beginnst oft mit einfachen Aufgaben wie Haare waschen, Kopfmassagen und dem Reinigen des Salons. Mit der Zeit und zunehmender Erfahrung kommen komplexere Aufgaben hinzu:
- Kundenempfang und -beratung
- Diagnose von Haar- und Kopfhautzustand
- Schneidetechniken für Damen, Herren und Kinder
- Colorations- und Strähnchentechniken (Färben, Tönen, Blondieren)
- Dauerwellen- und Umformungstechniken
- Haarpflege und -styling
- Rasur und Bartpflege (besonders bei Herrenfriseuren/Barbern)
- Umgang mit Arbeitsgeräten und deren Pflege
- Hygiene- und Arbeitsschutzvorschriften
- Kasse und Terminvergabe
- Verkauf von Haarpflegeprodukten
Ein wichtiger Bestandteil der praktischen Ausbildung ist auch das Erlernen von Kommunikation und Kundenbindung. Du lernst, auf Kundenwünsche einzugehen, sie umfassend zu beraten und ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.
Inhalte der theoretischen Ausbildung in der Berufsschule
In der Berufsschule wird das praktische Wissen durch theoretische Grundlagen untermauert. Der Unterricht findet meist an ein bis zwei Tagen pro Woche oder in Blockform statt und umfasst Fächer wie:
- Fachkunde: Haar- und Kopfhautkunde, Chemie der Haarfarben und Dauerwellenmittel, Anatomie, Dermatologie, Produktkunde.
- Betriebswirtschaftslehre: Salonorganisation, Marketing, Rechnungswesen, Kalkulation, Kundenmanagement.
- Wirtschafts- und Sozialkunde: Arbeitsrecht, Sozialversicherungen, Berufsbildung.
- Deutsch und Kommunikation: Kundenberatung, Beschwerdemanagement, schriftliche Korrespondenz.
- Friseurtechnologie: Neue Techniken, Trends, Gerätekunde.
- Hygienelehre: Desinfektion, Sterilisation, Arbeitssicherheit.
Die Kombination aus Praxis und Theorie sorgt dafür, dass du nicht nur handwerklich versiert bist, sondern auch ein fundiertes Fachwissen besitzt.
Zwischenprüfung und Gesellenprüfung: Die Meilensteine der Ausbildung
Während der Ausbildung gibt es zwei wichtige Prüfungen, die deinen Fortschritt bewerten:
- Die Zwischenprüfung: Diese findet in der Mitte des zweiten Lehrjahres statt. Sie dient dazu, den Ausbildungsstand zu überprüfen und eventuelle Schwächen frühzeitig zu erkennen. Die Ergebnisse fließen nicht in die Endnote ein, sind aber eine wichtige Standortbestimmung. Meist umfasst sie einen praktischen und einen theoretischen Teil.
- Die Gesellenprüfung: Am Ende der Ausbildung steht die Gesellenprüfung, die aus einem praktischen, einem theoretischen und oft auch einem mündlichen Teil besteht. Hier musst du dein gesamtes erlerntes Wissen und Können unter Beweis stellen. Der praktische Teil umfasst in der Regel mehrere Arbeitsaufträge am Modell, wie z.B. einen Damen- und Herrenhaarschnitt mit Styling, eine Coloration oder Dauerwelle. Im theoretischen Teil werden Fragen zur Fachkunde, Wirtschafts- und Sozialkunde beantwortet. Mit dem Bestehen der Gesellenprüfung erhältst du den Abschluss als Friseurgeselle.
Vergütung während der Ausbildung: Was verdient ein Azubi?
Die Ausbildungsvergütung im Friseurhandwerk ist in den letzten Jahren gestiegen, variiert aber je nach Bundesland und Tarifvertrag. Sie steigt in der Regel mit jedem Ausbildungsjahr an. Hier eine grobe Orientierung (Stand 2024, kann variieren):
| Ausbildungsjahr | Durchschnittliche monatliche Bruttovergütung (ca.) |
|---|---|
| 1. Lehrjahr | 650 - 800 Euro |
| 2. Lehrjahr | 750 - 900 Euro |
| 3. Lehrjahr | 850 - 1000 Euro |
Es ist wichtig zu beachten, dass dies Durchschnittswerte sind und die tatsächliche Vergütung je nach Region und spezifischem Salon variieren kann. Erkundige dich am besten direkt bei den Betrieben oder der zuständigen Handwerkskammer.
Karrieremöglichkeiten nach der Ausbildung: Dein Weg nach vorn
Mit dem Gesellenbrief in der Hand stehen dir zahlreiche Türen offen. Der Friseurberuf bietet vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten:
- Friseurgeselle/in: Als ausgebildeter Geselle kannst du direkt in einem Friseursalon arbeiten und deine Fähigkeiten weiter perfektionieren.
- Friseurmeister/in: Nach einigen Jahren Berufserfahrung kannst du die Meisterprüfung ablegen. Der Meistertitel berechtigt dich, selbst auszubilden und einen eigenen Salon zu eröffnen.
- Salonleitung/Filialleitung: Mit Führungserfahrung kannst du die Leitung eines Salons oder einer Filiale übernehmen.
- Spezialisierungen: Vertiefe dein Wissen in bestimmten Bereichen, z.B. als Colorist, Barbier, Visagist, Haarverlängerungs-Spezialist oder Brautstylist.
- Freiberuflichkeit/Selbstständigkeit: Viele Friseure entscheiden sich, auf eigene Rechnung zu arbeiten, sei es mobil, im eigenen kleinen Studio oder als Stuhlmieter in einem bestehenden Salon.
- Ausbilder/in: Als Meister kannst du dein Wissen an die nächste Generation weitergeben.
- Tätigkeiten außerhalb des Salons: Friseure sind auch gefragt in der Film- und Theaterbranche, bei Fotoshootings, Modenschauen oder in der Produktentwicklung für Kosmetikfirmen.
Die Friseurbranche ist dynamisch und bietet Raum für persönliche und berufliche Entfaltung. Lebenslanges Lernen und Weiterbildung sind hier der Schlüssel zum Erfolg.
Häufig gestellte Fragen zur Friseurausbildung
Kann man die Ausbildung zum Friseur verkürzen?
Ja, unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Verkürzung der Ausbildungszeit möglich. Dies ist der Fall, wenn du bereits einen höheren Schulabschluss (z.B. Abitur) hast, sehr gute Leistungen in Schule und Betrieb zeigst oder eine vorherige einschlägige Ausbildung abgeschlossen hast. Eine Verkürzung muss beim Ausbildungsbetrieb und der zuständigen Handwerkskammer beantragt und genehmigt werden.
Brauche ich einen bestimmten Schulabschluss, um Friseur zu werden?
Formal ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Viele Betriebe stellen jedoch bevorzugt Bewerber mit einem Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss ein. Wichtiger sind deine persönlichen Eigenschaften, dein Engagement und dein Interesse am Beruf.
Was sind die größten Herausforderungen während der Ausbildung?
Zu den Herausforderungen gehören langes Stehen, der Umgang mit chemischen Produkten (Allergien können auftreten), der manchmal hohe Druck in Stoßzeiten und der intensive Kundenkontakt, der auch mal anspruchsvoll sein kann. Auch die Notwendigkeit, ständig Neues zu lernen und sich an wechselnde Trends anzupassen, kann eine Herausforderung sein.
Wie sind die Arbeitszeiten als Friseur?
Die Arbeitszeiten können variieren. Viele Salons haben auch samstags geöffnet, was bedeutet, dass du regelmäßig am Wochenende arbeiten musst. Dafür hast du oft einen freien Tag unter der Woche. Es gibt auch Teilzeitmodelle, die besonders für Wiedereinsteiger oder Eltern interessant sein können.
Gibt es gute Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Ausbildung?
Absolut! Der Friseurberuf ist ein Handwerk, das von ständiger Weiterentwicklung lebt. Neben der Meisterprüfung gibt es zahlreiche Seminare und Kurse zu speziellen Schnitt-, Farb- und Stylingtechniken, Haarverlängerungen, Bartpflege, Make-up oder Salonmanagement. Viele Hersteller bieten auch Produktschulungen an. Lebenslanges Lernen ist hier der Schlüssel, um auf dem neuesten Stand zu bleiben und erfolgreich zu sein.
Die Ausbildung zum Friseur ist eine spannende Reise, die Kreativität, handwerkliches Geschick und den Umgang mit Menschen vereint. Wenn du deine Leidenschaft für Haare und Styling zum Beruf machen möchtest, bietet dir diese Ausbildung eine solide Grundlage für eine vielseitige und erfüllende Karriere.
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