26/04/2019
Der Beruf des Coiffeurs oder der Coiffeuse ist weit mehr als nur Haare schneiden. Es ist eine Kunstform, ein Handwerk und eine Dienstleistung, die Kreativität, Präzision und ein ausgeprägtes Gespür für Ästhetik erfordert. Um diesen anspruchsvollen und gleichzeitig erfüllenden Beruf professionell ausüben zu können, ist eine fundierte berufliche Grundbildung unerlässlich. Diese Ausbildung legt das Fundament für eine erfolgreiche Karriere in der dynamischen Welt der Haarmode und des Stylings.

- Was ist die berufliche Grundbildung zum Coiffeur/Coiffeuse?
- Die drei Säulen der Ausbildung: Lernorte im Detail
- EBA vs. EFZ: Die Unterschiede der Abschlüsse
- Die Bedeutung der Ausbildner: Das Rückgrat der Berufsbildung
- Karrierewege und Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Grundbildung
- Häufig gestellte Fragen zur Coiffeur-Ausbildung
- Fazit
Was ist die berufliche Grundbildung zum Coiffeur/Coiffeuse?
Die berufliche Grundbildung zum Coiffeur oder zur Coiffeuse, angeboten als Eidgenössisches Berufsattest (EBA) oder Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ), zielt darauf ab, Lernenden alle notwendigen Handlungskompetenzen zu vermitteln und zu erwerben, die für die Ausübung dieses vielseitigen Berufs erforderlich sind. Es geht dabei nicht nur um technische Fähigkeiten, sondern auch um Kundenberatung, Hygienevorschriften, Produktkenntnisse und betriebswirtschaftliche Grundlagen. Diese Ausbildung bereitet die zukünftigen Fachkräfte umfassend auf die Anforderungen des Berufsalltags vor.
Die Ausbildung ist systematisch aufgebaut und findet an drei voneinander unabhängigen, aber eng miteinander verzahnten Lernorten statt. Dieses duale System, bestehend aus praktischer Arbeit im Lehrbetrieb, theoretischem Unterricht in der Berufsfachschule und ergänzenden überbetrieblichen Kursen, gewährleistet eine ganzheitliche und praxisnahe Ausbildung. Es stellt sicher, dass die Lernenden sowohl die praktischen Fertigkeiten als auch das theoretische Wissen erwerben, um den Beruf des Coiffeurs/der Coiffeuse kompetent und selbstständig auszuüben.
Die drei Säulen der Ausbildung: Lernorte im Detail
Die Qualität der Coiffeur-Ausbildung hängt massgeblich von der effektiven Zusammenarbeit und den spezifischen Beiträgen der drei Lernorte ab. Jeder Ort spielt eine einzigartige Rolle bei der Entwicklung der Handlungskompetenzen der Lernenden.
1. Der Lehrbetrieb: Praxisnah und kundenorientiert
Der Lehrbetrieb, also der Coiffeursalon, bildet das Herzstück der beruflichen Grundbildung. Hier findet die Bildung in der beruflichen Praxis statt. Unter der Anleitung erfahrener Berufsbildnerinnen und Berufsbildner lernen die Auszubildenden den Berufsalltag von Grund auf kennen. Dies umfasst eine Vielzahl von Tätigkeiten und Fähigkeiten:
- Direkter Kundenkontakt: Erlernen der Beratung, Kommunikation und des Aufbaus von Kundenbeziehungen.
- Praktische Techniken: Schneiden, Färben, Dauerwellen, Hochsteckfrisuren, Waschen, Pflegen und Stylen von Haaren an echten Kunden.
- Produktekenntnisse: Umgang mit verschiedenen Haarpflege- und Stylingprodukten, Farbsystemen und chemischen Behandlungen.
- Hygiene und Sicherheit: Einhaltung strenger Hygienevorschriften und Sicherheitsstandards im Salon.
- Terminmanagement und Kassenführung: Grundlagen des Salonmanagements und des kaufmännischen Bereichs.
- Arbeitsorganisation: Effiziente Gestaltung des Arbeitsablaufs, Sauberkeit und Ordnung am Arbeitsplatz.
Die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner sind dabei zentrale Bezugspersonen. Sie geben ihr Fachwissen weiter, korrigieren Techniken, fördern die Eigenverantwortung und begleiten die Lernenden auf ihrem Weg zu selbstständigen Fachkräften. Ihre Rolle ist es, nicht nur technische Fertigkeiten zu vermitteln, sondern auch professionelles Verhalten und eine positive Arbeitseinstellung zu prägen.
2. Die Berufsfachschule: Theoretische Grundlagen und Allgemeinbildung
Parallel zur praktischen Ausbildung im Salon besuchen die Lernenden die Berufsfachschule. Hier wird das theoretische Fundament für den Beruf gelegt. Berufsfachlehrpersonen vermitteln in berufskundlichem und allgemeinbildendem Unterricht das notwendige Fachwissen, das für ein tiefgreifendes Verständnis des Handwerks unerlässlich ist:
- Berufskunde: Vertiefung von Haaranatomie, Dermatologie, chemischen Prozessen (z.B. bei Färbungen und Dauerwellen), Farbenlehre, Schnitttechniken und Stylingkonzepten.
- Produktelehre: Detailliertes Wissen über Inhaltsstoffe, Wirkungsweisen und Anwendungsbereiche von Coiffeurprodukten.
- Kundenpsychologie und Kommunikation: Techniken der Beratung, Umgang mit Kundenwünschen und Beschwerden, Verkaufsgespräche.
- Betriebswirtschaftliche Grundlagen: Kalkulation, Marketing, Salonorganisation und rechtliche Aspekte.
- Allgemeinbildung: Fächer wie Sprache und Kommunikation, Gesellschaft und Wirtschaft. Diese fördern nicht nur die persönliche Entwicklung, sondern auch die Fähigkeit zur kritischen Reflexion und zum Verständnis gesellschaftlicher Zusammenhänge.
Die Berufsfachschule bereitet die Lernenden auch auf die Abschlussprüfungen vor und vermittelt die theoretischen Kenntnisse, die für die Planung komplexer Behandlungen und die Lösung unvorhergesehener Probleme im Salonalltag notwendig sind.
3. Die überbetrieblichen Kurse (üK): Vertiefung und Standardisierung
Die überbetrieblichen Kurse (üK) sind eine wichtige Ergänzung zur Ausbildung im Lehrbetrieb und in der Berufsfachschule. Sie bieten eine standardisierte Vermittlung von grundlegenden Arbeitstechniken und Fertigkeiten, die in allen Lehrbetrieben gleichermassen wichtig sind. Oft werden hier spezifische, komplexe Techniken oder neue Trends vermittelt, die nicht in jedem Salon täglich zum Einsatz kommen. Die üK werden von erfahrenen üK-Leiterinnen und üK-Leitern durchgeführt und bieten den Lernenden die Möglichkeit, in einer neutralen Umgebung neue Fähigkeiten zu erlernen und bereits Gelerntes zu vertiefen. Typische Inhalte können sein:
- Spezialisierte Schneidetechniken
- Fortgeschrittene Färbetechniken und Farbkorrekturen
- Umgang mit speziellen Haarstrukturen und -problemen
- Kreative Hochsteck- und Flechtfrisuren
- Prüfungsvorbereitung für die Abschlussprüfungen
- Workshops zu aktuellen Trends und Innovationen in der Branche
Die üK stellen sicher, dass alle Lernenden unabhängig von der Grösse oder Spezialisierung ihres Lehrbetriebs ein vergleichbares Niveau an Kernkompetenzen erreichen. Sie tragen massgeblich zur Sicherung der Qualität der Ausbildung bei und bereiten die Lernenden optimal auf die Abschlussprüfung vor.
EBA vs. EFZ: Die Unterschiede der Abschlüsse
Die berufliche Grundbildung zum Coiffeur/Coiffeuse wird in zwei verschiedenen Abschlussniveaus angeboten, die auf unterschiedliche Bildungsbedürfnisse und Lernstile zugeschnitten sind:
| Merkmal | Coiffeur/Coiffeuse EFZ (Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis) | Coiffeur/Coiffeuse EBA (Eidgenössisches Berufsattest) |
|---|---|---|
| Dauer der Ausbildung | 3 Jahre | 2 Jahre |
| Voraussetzungen | Abgeschlossene obligatorische Schulzeit, in der Regel mit guten Noten in den Kernfächern. Höhere Anforderungen an theoretisches Verständnis und Abstraktionsvermögen. | Abgeschlossene obligatorische Schulzeit. Geeignet für praktisch begabte Jugendliche mit Fokus auf die handwerklichen Aspekte. |
| Schwerpunkt | Umfassende Ausbildung mit tiefgreifendem theoretischem Wissen und breitem Spektrum an praktischen Fertigkeiten. Fokus auf komplexere Techniken und Kundenberatung. | Praxisorientierte Ausbildung mit Fokus auf grundlegende handwerkliche Tätigkeiten. Weniger theoretische Tiefe. |
| Karriereperspektiven | Breitere Weiterbildungsmöglichkeiten (z.B. Berufsprüfung, Höhere Fachprüfung, Berufsmaturität, Fachhochschule). Zugang zu Führungspositionen oder Selbstständigkeit. | Einstieg in den Arbeitsmarkt als Coiffeur/Coiffeuse mit grundlegenden Fähigkeiten. Möglichkeit, später eine EFZ-Ausbildung anzuschliessen oder sich weiterzubilden. |
| Inhalte | Vertiefte Kenntnisse in Chemie, Biologie, Farbtheorie, Schnitttechniken, Kundenpsychologie, Salonmanagement. | Grundlagen des Haareschneidens, Färbens, Waschens und Stylings. Fokus auf direkte Kundenbedienung. |
Beide Abschlüsse sind staatlich anerkannt und ermöglichen den Einstieg in den Berufsalltag. Das EFZ bietet jedoch eine breitere Basis und mehr Optionen für die berufliche Weiterentwicklung.
Die Bedeutung der Ausbildner: Das Rückgrat der Berufsbildung
Die Qualität der beruflichen Grundbildung steht und fällt mit dem Engagement und der Kompetenz der Ausbildnerinnen und Ausbildner. Ob als Berufsbildner im Salon, als Berufsfachlehrperson in der Schule oder als üK-Leiter – sie alle tragen eine grosse Verantwortung für die Zukunft der Lernenden. Ihre Rolle ist es, Wissen zu vermitteln, Fähigkeiten zu fördern und die Lernenden zu motivieren, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.
BerufsbildnerIn im Lehrbetrieb
Die Berufsbildner sind die täglichen Coaches der Lernenden. Sie planen die Ausbildung im Betrieb, führen Lernkontrollen durch, beurteilen die Leistungen und sind die ersten Ansprechpartner bei Fragen und Problemen. Ihre Aufgabe ist es, die Lernenden schrittweise an die selbstständige Berufsausübung heranzuführen und ihnen die Arbeitsweise im Salon zu vermitteln. Das erfordert nicht nur fachliche Exzellenz, sondern auch pädagogisches Geschick und viel Geduld.
Berufsfachschullehrperson
Berufsfachlehrpersonen sind Experten in ihrem Fachgebiet und vermitteln das theoretische Wissen, das die praktische Arbeit untermauert. Sie sind dafür verantwortlich, komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären, den Lernenden kritisches Denken zu vermitteln und sie auf die theoretischen Prüfungen vorzubereiten. Ihre Arbeit ist entscheidend für das Verständnis der Zusammenhänge im Coiffeurberuf.
üK-LeiterIn
üK-Leiter sind Spezialisten, die bestimmte Fertigkeiten und Techniken standardisiert vermitteln. Sie sorgen dafür, dass alle Lernenden die gleichen grundlegenden Kompetenzen erwerben, unabhängig von den spezifischen Schwerpunkten ihres Lehrbetriebs. Sie sind oft auch für die Vermittlung neuer Trends und die Vorbereitung auf die praktischen Abschlussprüfungen zuständig.
Interessieren Sie sich dafür, einen wichtigen Teil der Ausbildung der Lernenden zu übernehmen und sich als BerufsbildnerIn, üK-LeiterIn oder Berufsfachschullehrperson auszubilden? Diese Rollen sind nicht nur äusserst erfüllend, sondern auch entscheidend für die Sicherung des Fachkräftenachwuchses in der Coiffeurbranche. Sie erfordern Engagement, Freude am Lehren und die Bereitschaft, das eigene Wissen und die Erfahrung an die nächste Generation weiterzugeben.
Karrierewege und Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Grundbildung
Nach erfolgreichem Abschluss der beruflichen Grundbildung stehen Coiffeurinnen und Coiffeuren zahlreiche Türen offen. Der Beruf ist äusserst vielseitig und bietet diverse Karrierepfade:
- Anstellung in einem Salon: Die meisten Absolventen beginnen ihre Karriere als angestellte Coiffeure in einem Salon.
- Spezialisierungen: Vertiefung in Bereichen wie Coloration, Schnitttechniken, Hochsteckfrisuren, Haarverlängerungen oder Bartpflege.
- Mobile Coiffeure: Selbstständige Tätigkeit mit Hausbesuchen.
- Salonleitung oder Selbstständigkeit: Mit entsprechender Erfahrung und Weiterbildung ist der Schritt zum eigenen Salon oder zur Übernahme einer Führungsposition möglich.
- Ausbildung und Lehre: Wie bereits erwähnt, besteht die Möglichkeit, selbst Berufsbildner, üK-Leiter oder Berufsfachlehrperson zu werden.
- Arbeit in der Mode- oder Filmbranche: Styling für Fotoshootings, Modenschauen oder Filmproduktionen.
- Produktexperte/Schulung: Tätigkeit für Kosmetikhersteller im Bereich Produktentwicklung, Schulung oder Vertrieb.
Für EFZ-Absolventen gibt es zudem vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten:
- Berufsprüfung (BP): Zum Beispiel zum Coiffeur/Coiffeuse mit eidgenössischem Fachausweis.
- Höhere Fachprüfung (HFP): Zum Beispiel zum dipl. Coiffeur/Coiffeuse.
- Berufsmaturität (BM): Ermöglicht den Zugang zu Fachhochschulen.
- Fachhochschule: Studiengänge in verwandten Bereichen wie Visagistik, Modedesign oder Management.
Häufig gestellte Fragen zur Coiffeur-Ausbildung
Wie lange dauert die Ausbildung zum Coiffeur/Coiffeuse?
Die Ausbildung zum Coiffeur/Coiffeuse EFZ dauert in der Regel 3 Jahre. Die Ausbildung zum Coiffeur/Coiffeuse EBA dauert 2 Jahre.
Welche schulischen Voraussetzungen benötige ich für die Ausbildung?
Für beide Ausbildungen ist der Abschluss der obligatorischen Schulzeit erforderlich. Für die EFZ-Ausbildung werden in der Regel gute schulische Leistungen, insbesondere in den Kernfächern, erwartet. Für die EBA-Ausbildung liegt der Fokus stärker auf der praktischen Begabung.
Welche persönlichen Eigenschaften sind für den Beruf wichtig?
Neben handwerklichem Geschick sind Kreativität, Sinn für Ästhetik, Kommunikationsfähigkeit, Freundlichkeit, Geduld, Belastbarkeit, Hygienebewusstsein und eine gute körperliche Verfassung (viel Stehen) sehr wichtig.
Muss ich gut zeichnen können, um Coiffeur zu werden?
Nein, zeichnerische Fähigkeiten sind keine zwingende Voraussetzung. Ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und ein Gespür für Formen und Farben sind jedoch von Vorteil.
Gibt es auch Weiterbildungsmöglichkeiten im Ausland?
Ja, der Coiffeurberuf ist international. Viele renommierte Akademien und Marken bieten Kurse und Weiterbildungen im Ausland an, die es ermöglichen, neue Techniken und Trends aus aller Welt zu lernen und internationale Erfahrungen zu sammeln.
Fazit
Die berufliche Grundbildung zum Coiffeur oder zur Coiffeuse ist eine umfassende und vielseitige Ausbildung, die den Grundstein für eine erfüllende Karriere in der Schönheitsbranche legt. Durch die Kombination aus praktischer Arbeit im Lehrbetrieb, theoretischem Wissen aus der Berufsfachschule und vertiefenden überbetrieblichen Kursen werden die Lernenden optimal auf die Anforderungen des Berufs vorbereitet. Die Rolle der Berufsbildner, üK-Leiter und Berufsfachlehrpersonen ist dabei von unschätzbarem Wert, denn sie prägen die Fachkräfte von morgen. Wer sich für diesen kreativen und kundenorientierten Beruf entscheidet, wählt einen Weg, der ständige Weiterentwicklung und vielfältige Möglichkeiten bietet, Menschen zu verschönern und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
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