21/09/2022
In unserer heutigen Gesellschaft ist der Besuch beim Coiffeur oder Friseur eine Selbstverständlichkeit. An nahezu jeder Ecke finden sich Salons, die Haare schneiden, färben und stylen. Doch diese Allgegenwart ist ein relativ junges Phänomen. Der Beruf des Coiffeurs, wie wir ihn heute kennen, hat eine reiche und oft überraschende Geschichte hinter sich, die von medizinischen Aufgaben über gesellschaftliche Außenseiterrolle bis hin zum anerkannten Kunsthandwerk reicht. Begleiten Sie uns auf eine Reise durch die Zeit, um die Evolution dieses faszinierenden Berufsstands zu erkunden.

- Von Badern und Barbieren: Die Ursprünge des Handwerks
- Die Romantik und die Geburt des „Haarkünstlers“
- Wandel im 19. und 20. Jahrhundert: Technik, Geschlechterrollen und gesellschaftlicher Status
- Der moderne Friseurberuf: Fähigkeiten, Ausbildung und Spezialisierungen
- Die Bedeutung des Haares durch die Geschichte
- Friseur, Coiffeur, Stylist: Eine Frage der Bezeichnung
- Häufig gestellte Fragen zum Coiffeurberuf
Von Badern und Barbieren: Die Ursprünge des Handwerks
Die Wurzeln des Coiffeurberufs reichen weit zurück, bis ins Mittelalter. Damals war der Barbier oder Bader eine Schlüsselfigur in der Gemeinde, dessen Aufgaben weit über das reine Haareschneiden hinausgingen. Er war nicht nur für die Frisur und Bartpflege zuständig, sondern auch ein gefragter Mann im Bereich der allgemeinen Körperpflege und Wundheilung.
Barbiere und Bader kümmerten sich überwiegend um männliche Kunden und führten eine Vielzahl medizinischer Prozeduren durch, die heute undenkbar wären. Dazu gehörten das beliebte Schröpfen, der Aderlass und die Verabreichung von Klistieren. Sie waren Anlaufstelle für Zahnprobleme, Stich- oder Schussverletzungen und andere gesundheitliche Beschwerden. Bis ins 20. Jahrhundert hinein hatten Barbiere diese vielfältigen Aufgaben inne, bis der Fortschritt der Medizin und die Spezialisierung der Berufe sie aufteilten. Aus den Badern entwickelten sich die heutigen Heilberufe, während sich die Barbiere auf die Haarpflege und später auf die Perückenmacherei spezialisierten. Chirurgische und dentistische Eingriffe wurden zunehmend von Zahnärzten, Allgemeinmedizinern und Chirurgen übernommen. Staatlich geprüfte Bader und Barbiere gab es in Deutschland bis 1930.
Die Romantik und die Geburt des „Haarkünstlers“
Eine entscheidende Wende erfuhr der Beruf um 1800, im Zeitalter der Romantik und des aufkommenden Individualismus. Perücken, die lange Zeit ein Zeichen von Status und Konformität waren, verloren ihren Reiz. Sie galten nun als zu unauthentisch und nicht individuell genug. Dies eröffnete eine enorme Marktlücke, die Friseure geschickt zu nutzen wussten. Sie begannen, sich selbst als „Haarkünstler“ zu bezeichnen und ihre Frisuren als einzigartige, individuelle Meisterwerke zu verkaufen.
Wie der britische Literaturwissenschaftler Seán Williams von der Universität Sheffield in seiner Habilitation über die Kulturgeschichte des Friseurs aufzeigt, war dies eine clevere Marketingstrategie. Um ihre neue Existenz und mitunter hohe Preise zu rechtfertigen, integrierten Friseure künstlerische Diskurse in ihre Sprache. Sie hatten stets ein Gespür dafür, die Diskurse ihres Zeitalters auf ihr Geschäft anzuwenden.
Trotz dieser neuen künstlerischen Selbstwahrnehmung waren Friseure gesellschaftlich oft Außenseiter. Im Gegensatz zu Perückenmachern waren sie nicht in Zünften organisiert, sondern führten ein unabhängiges, oft reisendes Leben, was sie vielen Zeitgenossen suspekt machte. Doch wer geschickt und talentiert genug war, konnte den sozialen Aufstieg schaffen. Der Friseur wurde zu einem Paradigma des „Selfmademan“ dieser Zeit, jemand, der durch Charisma und Begabung gesellschaftlich vorankam.

Wandel im 19. und 20. Jahrhundert: Technik, Geschlechterrollen und gesellschaftlicher Status
Das Bild des Friseurs als Selfmademan begann sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu wandeln. In einer Welt, die sich zunehmend um technischen Fortschritt drehte, konnte der Friseur diese Rolle nicht mehr ideal ausfüllen. Fabrikanten und Großunternehmer, die „Entrepreneurs“, kletterten nun die Gesellschaftsleiter empor, während Friseuren der gesellschaftliche Aufstieg zunehmend verwehrt blieb. Dieses Schicksal spiegelt sich eindrücklich in der Geschichte des Berner Originals Dällebach Kari wider, dessen Heirat mit seiner großen Liebe Annemarie auch an seinem sozialen Status scheiterte.
Der 20. Jahrhundert brachte eine weitere signifikante Veränderung mit sich: Der Friseurberuf entwickelte sich von einer ursprünglich männlich dominierten Profession zu einer klassischen Frauendomäne. Um 1930 begann sich dies abzuzeichnen, und bis 2010 lag der Frauenanteil in Ausbildung und Berufsausübung in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei rund 93 Prozent. Leider war diese Feminisierung auch mit einer geringeren Entlohnung verbunden, wie es bei vielen typischen Frauenberufen lange üblich war. Erst mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2015 erfolgte eine spürbare Verbesserung der Verdienstmöglichkeiten.
Der Beruf wurde technisch anspruchsvoller und verfeinerter. Während ein angehender Herrenfriseur im Jahr 1966 laut „Der junge Mann vor der Berufswahl“ das Einseifen, Rasieren, Haarwaschen, Kinderhaarschneiden, verschiedene Haarschnitte, Schnurrbartschneiden, Wasser- und Föhnwellen, Kompressen, Frictions sowie Kenntnisse in Haar- und Gesichtspflege erlernen musste, lagen die Schwerpunkte für den Damenfriseur auf dem Aufstecken von Frisuren, Wasserwellen, Ondulieren, Dauerwellen und den Grundzügen der Haut-, Gesichts- und Schönheitspflege. Schon damals wurden eine leichte und sichere Hand, geschmeidige Bewegungen, Höflichkeit, Taktgefühl und Freude am Umgang mit Menschen als grundlegende Anforderungen genannt.
Entwicklung des Friseurberufs: Früher vs. Heute
| Merkmal | Früher (Barbier/Bader) | Heute (Coiffeur/Friseur) |
|---|---|---|
| Hauptaufgaben | Haar- & Bartpflege, medizinische Eingriffe (Schröpfen, Aderlass, Wundversorgung) | Haareschneiden, Färben, Stylen, Beratung zu Haarpflege & Mode |
| Klientel | Überwiegend männlich | Männlich & weiblich (starke Feminisierung des Berufs) |
| Gesellschaftlicher Status | Oft Außenseiter, aber Potenzial zum "Selfmademan" | Anerkanntes Handwerk, aber oft unterbezahlt (historisch), mit Potenzial für Prominenz |
| Organisation | Nicht zünftig organisiert (unabhängig) | Staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, Innungen |
| Fokus | Körperpflege & Gesundheit | Ästhetik, Mode & individuelles Styling |
Der moderne Friseurberuf: Fähigkeiten, Ausbildung und Spezialisierungen
Der Friseurberuf der heutigen Zeit ist ein anspruchsvolles Handwerk, das sowohl Kreativität als auch Präzision erfordert. Friseure und Friseurinnen schneiden, färben und stylen das Kopfhaar ihrer Kunden und beraten umfassend zu Haartyp, Haarpflege und den neuesten Haarmoden. Die Berufsbezeichnung hat sich im Laufe der Zeit vielfältig entwickelt, von Barbier über Frisör bis hin zu Coiffeur, Coiffeuse, Coiffeurin (besonders aus der Schweiz und Frankreich stammend) und Stylist oder Hairstylist.
Was braucht man, um Coiffeur zu werden?
Um Coiffeur oder Friseur zu werden, ist in Deutschland eine dreijährige anerkannte handwerkliche Ausbildung erforderlich. Diese erfolgt im dualen System, das heißt im Wechsel zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb. Bei besonders guten Leistungen kann die Ausbildungszeit in Absprache mit dem Betrieb um ein halbes Jahr verkürzt werden.
Die Ausbildung vermittelt umfassende Kenntnisse und Fähigkeiten, die weit über das reine Haareschneiden hinausgehen. Angehende Friseure lernen:
- Verschiedene Haarschneidetechniken
- Färbe- und Tönungstechniken
- Dauerwellen und Lockenstyling
- Haarwäsche und Kopfhautpflege
- Frisuren aufstecken und Hochsteckfrisuren
- Beratung zu Haartyp und Haarpflegeprodukten
- Grundlagen der Haut- und Gesichtspflege (oft auch Make-up)
- Kundenkommunikation und Salonmanagement
Neben den fachlichen Fertigkeiten sind bestimmte persönliche Eigenschaften von großer Bedeutung:
- Eine leichte und sichere Hand
- Geschmeidige und flinke Bewegungen
- Gute körperliche Verfassung (man steht viel)
- Höfliches Benehmen und Taktgefühl
- Freude am Umgang mit Menschen
- Sinn für Ästhetik, Geschmack und ein Gefühl für Formen und Farben (besonders beim Damenfriseur)
- Freundlichkeit und ein umgängliches Wesen
Karrierewege und Spezialisierungen
Viele ausgebildete Friseure streben früher oder später die Selbstständigkeit an. Um einen eigenen Friseursalon eröffnen zu können, ist in Deutschland eine Meisterprüfung erforderlich. Diese Weiterbildung dauert je nach Vollzeit- oder berufsbegleitender Form zwischen drei Monaten und zwei Jahren. Ein angehängtes Studium zum Betriebswirt/in für Friseure kann den Lebenslauf perfekt ergänzen und auf eine Karriere in der Selbstständigkeit oder in führenden Positionen in berühmten Salons vorbereiten.

In vielen Friseursalons gibt es zudem unterschiedliche Leistungsstufen, die sich nach Berufserfahrung und Expertise richten:
| Leistungsstufe | Beschreibung | Typische Erfahrung |
|---|---|---|
| Jung-Stylist/in | Beginner, frisch aus der Ausbildung, sammelt Erfahrung | 0-2 Jahre |
| Stylist/in | Erfahrene/r Friseur/in, beherrscht alle gängigen Techniken | 2-5 Jahre |
| Top-Stylist/in | Sehr erfahren, spezialisiert, kann anspruchsvolle Kundenwünsche umsetzen | 5+ Jahre |
| Master-Stylist/in | Höchste Erfahrungsstufe, oft mit internationaler Erfahrung, Trendsetter, Mentor | 10+ Jahre, oft mit Meistertitel |
Selbstverständlich spiegelt sich die Professionalität des Stylisten in der Vergütung wider. Ein Master-Stylist mit internationaler Erfahrung, der in einem angesagten Frisiersalon in bester Lage arbeitet, kann mit seinem Handwerk ein hohes Maß an Ansehen und Reichtum erreichen, ähnlich den Promifriseuren, die sich – wie einst die „Haarkünstler“ der Romantik – oft selbst als Künstler bezeichnen.
Die Bedeutung des Haares durch die Geschichte
In fast allen Kulturen wird dem Kopfhaar eine große Bedeutung beigemessen. Schon die alten Ägypter pflegten ihr Haar aufwendig und trugen kunstvolle Frisuren, wie zahlreiche Wandmalereien belegen. Frisuren dienten nicht nur der Ästhetik, sondern auch als Ausdruck von Macht, sozialem Status oder sogar Rebellion. In einigen Kulturen wurden Menschen durch aufgezwungene Frisuren unterdrückt, während in anderen das Haar als Symbol der Freiheit oder des Protests diente. Lange Zeit demonstrierten Menschen, besonders Damen, ihre Macht und ihren Reichtum durch aufwendig aufgetürmte Frisuren. Auch heute noch nutzen Jugendliche oft grelle Haarfarben, um gegen vermeintlich spießige Gesellschaftsnormen zu rebellieren.
Archäologische Funde legen nahe, dass bereits unsere frühen Vorfahren in der Steinzeit Formen der Haarpflege betrieben. Sie nutzten kleine Klingen aus Feuerstein oder Obsidian zum Kürzen der Haare, während Knochen-, Zahn- oder Borstenfragmente und Fischgräten zum Kämmen verwendet wurden.
Friseur, Coiffeur, Stylist: Eine Frage der Bezeichnung
Die Vielfalt der Berufsbezeichnungen im Bereich der Haarpflege ist bemerkenswert. Im Deutschen wurde das Wort „Friseur“ gegen Ende des 17. Jahrhunderts eingeführt, abgeleitet vom französischen Verb „friser“ (in Locken legen). Interessanterweise war es in Frankreich selbst als Berufsbezeichnung nie sehr gebräuchlich und wird heute dort gar nicht mehr verwendet. Stattdessen sind dort „coiffeur“ und „coiffeuse“ die gängigen Begriffe, die auch in der Schweiz weit verbreitet sind und zunehmend in den deutschen Sprachraum überschwappen.
Während sich die Anrede vom „Barbier“ oder „Bader“ zum heutigen „Friseur“ oder „Frisör“ entwickelt hat, gibt es in der weiblichen Form „Frisörin“, „Friseurin“, „Friseuse“ oder „Frisöse“. Die elegant klingenden Begriffe wie „Coiffeur“, „Coiffeuse“ und „Coiffeurin“ verleihen dem Beruf eine besondere Note und werden oft in gehobeneren Salons verwendet. Daneben haben sich englische Begriffe wie „Hairstylist“ und „Hairstylistin“ etabliert, die die kreative und modische Komponente des Berufs betonen.
Häufig gestellte Fragen zum Coiffeurberuf
Was ist der Unterschied zwischen einem Barbier und einem Coiffeur?
Historisch gesehen war der Barbier (oder Bader) im Mittelalter für Haare, Bärte und medizinische Eingriffe zuständig. Der Coiffeur (oder Friseur) entstand später, insbesondere um 1800, als sich der Fokus auf das kunstvolle Schneiden und Stylen von Haaren als individuelles Meisterwerk verlagerte. Heute spezialisiert sich der Barbier oft auf traditionelle Herrenhaarschnitte und Bartpflege, während der Coiffeur ein breiteres Spektrum an Dienstleistungen für alle Geschlechter anbietet.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Friseur in Deutschland?
Die Ausbildung zum Friseur oder zur Friseurin dauert in Deutschland in der Regel drei Jahre und erfolgt im dualen System (Berufsschule und Ausbildungsbetrieb).
Kann man als Friseur reich werden?
Während der Friseurberuf historisch oft gering entlohnt wurde, gibt es heute durchaus Möglichkeiten, ein gutes Einkommen und hohes Ansehen zu erzielen. Dies gelingt besonders Master-Stylisten mit internationaler Erfahrung, Promifriseuren oder selbstständigen Saloninhabern in Top-Lagen, die sich als „Haarkünstler“ etablieren können.
Warum ist der Friseurberuf heute hauptsächlich weiblich?
Der Friseurberuf hat sich im 20. Jahrhundert zu einer klassischen Frauendomäne entwickelt. Die Gründe sind vielfältig, aber die Feminisierung vieler Dienstleistungsberufe nach den Weltkriegen und die Möglichkeit der Frauen, in diesem Handwerk eine kreative und oft flexible Tätigkeit zu finden, spielten eine Rolle. Auch wenn die Entlohnung anfangs gering war, fanden viele Frauen hier eine berufliche Heimat.
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Friseurausbildung?
Nach der Ausbildung können Friseure die Meisterprüfung ablegen, um sich selbstständig zu machen oder eine Führungsposition zu übernehmen. Weitere Optionen sind Spezialisierungen (z.B. Colorist, Visagist), Fortbildungen in Salonmanagement oder sogar ein Studium zum Betriebswirt für Friseure.
Der Coiffeurberuf hat eine beeindruckende Entwicklung durchgemacht – vom medizinischen Allrounder zum kreativen Experten für Ästhetik und Stil. Er bleibt ein dynamisches Handwerk, das sich ständig den gesellschaftlichen und modischen Veränderungen anpasst und auch heute noch Raum für individuellen Aufstieg und künstlerische Entfaltung bietet.
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