28/08/2017
In der vielfältigen Welt der Kartenspiele nimmt der Jass in der Schweiz eine Sonderstellung ein. Er ist nicht nur ein Zeitvertreib, sondern ein kulturelles Phänomen, das Generationen verbindet und für spannende Abende sorgt. Unter den zahlreichen Jassarten sticht eine besonders hervor, nicht zuletzt wegen ihres ungewöhnlichen Namens: der Coiffeur-Jass. Wer nun an Scheren, Kämme und Haarschnitte denkt, liegt allerdings falsch. Denn dieser Jass wird, wie der Name es paradoxerweise andeutet, praktisch überall gespielt – nur eben nicht in Coiffeursalons. Seine Popularität in der Deutschschweiz ist immens, und seine strategische Tiefe macht ihn zu einem wahren Denkspiel, das weit über das reine Kartenglück hinausgeht.

- Die geheimnisvolle Herkunft des Namens: "Quoi faire?"
- Die grundlegenden Spielregeln des Coiffeur-Jass
- Die Vielfalt der Trumpfvarianten und ihre Wertigkeit
- Das strategische Dilemma: Schieben oder wagen?
- Die Bedeutung des richtigen Augenblicks
- Glück und Strategie: Ein unzertrennliches Paar
- Umgang mit Rückschlägen und die Kunst des Nicht-Resignierens
- Häufig gestellte Fragen zum Coiffeur-Jass
- Was ist der Ursprung des Namens "Coiffeur-Jass"?
- Wird der Coiffeur-Jass tatsächlich in Coiffeursalons gespielt?
- Wie viele Trumpfvarianten gibt es beim Coiffeur-Jass?
- Wie funktioniert das "Schieben" beim Coiffeur-Jass?
- Was bedeutet es, "im Zwang" oder "im Fass" zu sein?
- Warum ist die Wahl des richtigen Zeitpunkts so wichtig?
- Kann man beim Coiffeur-Jass auch mit schlechten Karten gewinnen?
Die geheimnisvolle Herkunft des Namens: "Quoi faire?"
Die Bezeichnung "Coiffeur-Jass" ist für viele Neulinge zunächst verwirrend. Sie hat absolut nichts mit dem Friseurhandwerk zu tun. Die wahre Geschichte hinter dem Namen führt uns über die Landesgrenzen hinaus nach Frankreich. Dort, so die Überlieferung, war das Spiel unter dem Namen «Quoi faire?» bekannt. Übersetzt bedeutet dies schlicht und einfach: «Was machen?» Diese Frage, die so banal klingt, ist der Kern und das ewige Dilemma dieses Jass-Spiels. Im Laufe der Zeit und der sprachlichen Anpassung in der Deutschschweiz wurde aus dem französischen «Quoi faire?» aus praktischen Gründen das eingängige Wort «Coiffeur». Trotz dieser sprachlichen Metamorphose sind die Spielregeln in Frankreich und der Schweiz identisch geblieben. Die Frage «Was machen?» zieht sich wie ein roter Faden durch jede Partie und fordert die Spieler immer wieder aufs Neue heraus, die richtige Entscheidung im richtigen Moment zu treffen.
Die grundlegenden Spielregeln des Coiffeur-Jass
Der Coiffeur-Jass ist, ähnlich wie der beliebte Schieber, ein Teamspiel. Es treten zwei Teams gegeneinander an, wobei sich jeweils zwei Spieler kreuzweise gegenübersitzen. Der fundamentale Unterschied zum Schieber liegt jedoch in der Art und Weise, wie die Karten und die Trumpfentscheidung gehandhabt werden. Beim Coiffeur-Jass wird nicht direkt zum Partner geschoben, sondern die Spielrichtung ist reihum. Auch das Geben der Karten erfolgt der Reihe nach in Spielrichtung. Dies sorgt für eine dynamische Verteilung der Verantwortung und der Entscheidungsmacht.
Die vielleicht wichtigste Phase jeder Runde ist die Trumpfwahl. Der Spieler, der rechts vom Spielgeber sitzt, hat die Möglichkeit, eine der vielen Trumpfvarianten zu wählen oder die Entscheidung weiterzuschieben. Dieses «Schieben» ist ein zentrales Element der Strategie und kann den Verlauf einer Partie maßgeblich beeinflussen. Wenn der erste Spieler schiebt, ist der nächste Spieler in Spielrichtung an der Reihe, die Trumpfentscheidung zu treffen. Dieses Prozedere setzt sich fort, bis ein Spieler eine Trumpfvariante wählt. Sollte es jedoch passieren, dass kein Spieler eine vielversprechende Möglichkeit sieht, einen Erfolg versprechenden Trumpf zu machen – sei es aus Vorsicht oder wegen schlechter Karten – gerät der erste Spieler in eine Zwangslage. Im Jasslatein wird dieser Zustand oft als «im Fass» oder einfach «im Zwang» bezeichnet. In dieser Situation muss der betreffende Spieler eine der noch offenen Varianten wählen, selbst wenn die Kartenlage ungünstig ist. Dies erhöht den Druck erheblich und kann zu verzweifelten, aber manchmal auch genialen Spielzügen führen.
Die Vielfalt der Trumpfvarianten und ihre Wertigkeit
Ein herausragendes Merkmal des Coiffeur-Jass ist die grosse Anzahl an Trumpfvarianten, die zur Verfügung stehen. Das Spiel kennt je nach regionaler Ausprägung acht oder sogar zehn verschiedene Möglichkeiten, einen Trumpf zu bestimmen. Diese Varianten unterscheiden sich nicht nur in ihrer Spielweise, sondern vor allem in ihrer Punktebewertung. Die einfachste Variante zählt den normalen Kartenwert, während die höchste Variante den acht- oder sogar zehnfachen Kartenwert einbringt. Diese enorme Spannweite der Punktwerte macht jede Entscheidung über den Trumpf zu einer potenziell spielentscheidenden Wahl.
Ein weiteres essenzielles Element ist, dass jede Variante von jedem Team nur einmal gewählt werden darf und von jedem Team auch einmal gespielt werden muss. Das bedeutet, dass pro Partie entweder 16 (bei acht Varianten) oder 20 (bei zehn Varianten) Spiele absolviert werden. Diese Struktur stellt sicher, dass alle Varianten im Laufe einer Partie zum Einsatz kommen und die Teams gezwungen sind, sich mit allen Herausforderungen auseinanderzusetzen.
Um die Wertigkeit der Varianten zu veranschaulichen, kann man sich eine Staffelung der Punktmultiplikatoren vorstellen. Während die Basisvariante lediglich den einfachen Kartenwert bringt, steigt der Multiplikator schrittweise an. Die genauen Punktwerte der einzelnen Karten bleiben beim Coiffeur-Jass oft den gängigen Jass-Konventionen treu, entscheidend ist der Multiplikator für den gesamten Stich. Hier ein hypothetisches Beispiel zur Verdeutlichung der Wertunterschiede:
| Trumpfvariante (Beispiel) | Multiplikator | Max. Punkte pro Stich (hypothetisch) |
|---|---|---|
| Einfacher Wert | 1x | 157 |
| Doppelter Wert | 2x | 314 |
| Dreifacher Wert | 3x | 471 |
| Vierfacher Wert | 4x | 628 |
| Fünffacher Wert | 5x | 785 |
| Sechsfacher Wert | 6x | 942 |
| Siebenfacher Wert | 7x | 1099 |
| Achtfacher Wert | 8x | 1256 |
| Joker 1 (Beispiel) | 9x | 1413 |
| Joker 2 (Beispiel) | 10x | 1570 |
(Anmerkung: Die "Max. Punkte pro Stich" sind hier hypothetisch angenommen, basierend auf einem maximalen Jass-Stich von 157 Punkten, um die dramatische Steigerung der Wertigkeit zu verdeutlichen. Die genauen Joker-Regeln können variieren, aber sie bieten oft die höchsten Multiplikatoren.)
Das strategische Dilemma: Schieben oder wagen?
Die namensgebende Frage «Was machen?» ist die Essenz des Coiffeur-Jass. Sie spiegelt das ständige strategische Dilemma wider, vor dem die Spieler stehen: Soll man mit den aktuellen Karten einen Trumpf wagen oder lieber schieben und auf eine bessere Kartenhand in einer späteren Runde hoffen? Diese Entscheidung ist von immenser Bedeutung, denn sie birgt eine doppelte Gefahr.
Wählt man zu früh einen Trumpf, obwohl man nur mittelmässige Karten auf der Hand hat, riskiert man, nur wenige Punkte zu erzielen. Dies kann bedeuten, dass man wertvolle Trumpfvarianten, die man nur einmal spielen darf, für eine geringe Ausbeute "verschwendet". Man gibt dem gegnerischen Team damit die Chance, später mit ihren hochwertigen Varianten einen grossen Punktevorsprung herauszuspielen.
Auf der anderen Seite steht das Risiko, zu wählerisch zu sein und immer wieder zu schieben, in der Hoffnung auf die perfekte Kartenhand. Wer nichts wagt, riskiert, am Ende der Partie mit schlechten Karten in den «Zwang» zu geraten und eine der sehr wertvollen Varianten spielen zu müssen, für die man keine passenden Karten hat. In diesem Szenario erzielt man kaum Punkte, während das gegnerische Team möglicherweise seine wertvollen Varianten bereits erfolgreich gespielt hat. Der Punktverlust kann dann verheerend sein und eine Aufholjagd fast unmöglich machen.
Es geht also darum, die Balance zu finden zwischen Mut und Vorsicht, zwischen dem Erkennen einer Chance und dem Vermeiden eines unnötigen Risikos. Diese psychologische Komponente macht den Coiffeur-Jass so fesselnd und unberechenbar.
Die Bedeutung des richtigen Augenblicks
Wie im Leben so auch beim Coiffeur-Jass: Es geht darum, den richtigen Augenblick nicht zu verpassen. Das Spiel ist eine ständige Übung in Timing und Antizipation. Es gibt das «Zu-früh», bei dem man im Nachhinein bereut, nicht länger gewartet zu haben. Die Erkenntnis «Ich hätte auf bessere Zeiten warten sollen, aber jetzt kann ich nichts mehr ändern» ist schmerzhaft, aber oft Teil des Lernprozesses. Man hat eine Trumpfvariante vergeben, die man vielleicht besser für eine spätere, vielversprechendere Kartenhand hätte aufheben sollen.
Genauso gibt es das «Zu-spät». Hier kommt der Gedanke auf: «Ich hätte vorher etwas wagen müssen, aber jetzt ist es zu spät.» Man hat zu lange gezögert, die guten Karten nicht genutzt, und nun sind die wertvollen Varianten entweder schon vom Gegner gespielt worden, oder man ist selbst im «Zwang» und muss eine hoch bewertete Variante mit einer schlechten Hand spielen. In beiden Fällen – ob zu viel gewagt oder zu ängstlich gewesen – verpasst man eine entscheidende Chance, die das gegnerische Team nur allzu gerne ausnutzt, um seinen Punktevorsprung auszubauen.
Letztlich besteht die Kunst beim Coiffeur-Jass darin, mit den Karten, die man bekommen hat, die bestmögliche und am höchsten bewertete Variante zu spielen. Dies erfordert nicht nur ein tiefes Verständnis der eigenen Karten, sondern auch eine Einschätzung der Karten des Partners und der potenziellen Hände der Gegner. Die Kommunikation im Team, oft nonverbal durch das Schieben oder Wünschen bestimmter Trümpfe, ist hierbei entscheidend.
Glück und Strategie: Ein unzertrennliches Paar
Wie praktisch alle Jassarten ist auch der Coiffeur-Jass ein Glücksspiel. Es lässt sich nicht leugnen, dass die Kartenverteilung einen enormen Einfluss auf den Spielverlauf hat. Bekommt man über längere Zeit schlechte Karten, ist es extrem schwierig und oft auch unmöglich, den richtigen Augenblick für eine gewinnbringende Trumpfentscheidung zu finden. Selbst der versierteste Spieler kann mit einer konstant schlechten Hand kaum etwas ausrichten. Hier zeigt sich die brutale Seite des Kartenglücks.
Auf der anderen Seite kann es auch vorkommen, dass man hervorragende Karten hat, aber einfach keine Chance bekommt, diese gewinnbringend einzusetzen. Wenn der Partner oder die Gegner immer die Trumpfentscheidung treffen, bevor man selbst an der Reihe ist, oder wenn die Spielsituation einfach nicht zulässt, die eigenen Stärken auszuspielen, dann kommt man sprichwörtlich nicht auf einen «grünen Zweig». Das Frustrationspotenzial kann hier hoch sein, doch es gehört zum Wesen des Spiels dazu, mit diesen Unwägbarkeiten umzugehen.
Trotz des Glücksfaktors ist der Coiffeur-Jass aber weit mehr als nur ein reines Zufallsspiel. Die strategischen Entscheidungen, das Abwägen von Risiken, die Einschätzung der Gegner und die Kommunikation im Team sind entscheidend. Ein guter Coiffeur-Jass-Spieler zeichnet sich dadurch aus, dass er auch aus einer suboptimalen Kartenhand das Beste herausholt und die wenigen Chancen, die sich bieten, eiskalt nutzt.
Umgang mit Rückschlägen und die Kunst des Nicht-Resignierens
Beim Coiffeur-Jass kann es schnell passieren, dass man auf der Strecke bleibt. Wenn das gegnerische Team bei den wertvollen Varianten Stich um Stich macht – im Jargon oft als «Matsch um Matsch» bezeichnet – gerät man selbst dermassen in Rückstand, dass eine Aufholjagd nahezu aussichtslos wird. Die Punktedifferenz zwischen der einfachsten und der zehnfachen Variante ist enorm; sie kann, wie im Beispiel gezeigt, über 1400 Punkte betragen. Ein solch grosser Rückstand ist kaum mehr aufzuholen, selbst wenn man danach bessere Karten erhält.
Doch gerade hier liegt eine der wichtigsten Lektionen des Coiffeur-Jass: Es geht darum, sich an dem zu freuen, was man hat, und nicht zu resignieren, wenn der «Zug schon abgefahren ist». Das Spiel lehrt auf spielerische Art und Weise, mit Widrigkeiten umzugehen und die Situation zu akzeptieren. Auch wenn man im Rückstand ist, muss man versuchen, die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen, um den Schaden zu minimieren oder zumindest kleine Erfolge zu verbuchen. Diese Mentalität des Durchhaltens und der positiven Einstellung, selbst in einer scheinbar aussichtslosen Lage, ist eine wertvolle Eigenschaft, die man auch im Alltag gebrauchen kann.
Häufig gestellte Fragen zum Coiffeur-Jass
Was ist der Ursprung des Namens "Coiffeur-Jass"?
Der Name stammt vom französischen Ausdruck «Quoi faire?», was «Was machen?» bedeutet. Dies bezieht sich auf die zentrale strategische Frage im Spiel und hat nichts mit dem Friseurberuf zu tun. In der Deutschschweiz wurde «Quoi faire?» zu «Coiffeur» vereinfacht.
Wird der Coiffeur-Jass tatsächlich in Coiffeursalons gespielt?
Nein, paradoxerweise wird der Coiffeur-Jass praktisch überall ausser in Coiffeursalons gespielt. Der Name ist eine sprachliche Verballhornung und hat keine direkte Verbindung zum Ort des Spiels.
Wie viele Trumpfvarianten gibt es beim Coiffeur-Jass?
Es gibt in der Regel acht oder zehn verschiedene Trumpfvarianten, einschliesslich zwei Jokermöglichkeiten. Jede Variante hat eine unterschiedliche Punktebewertung, von einfach bis zum acht- oder zehnfachen Kartenwert.
Wie funktioniert das "Schieben" beim Coiffeur-Jass?
Der Spieler rechts vom Spielgeber kann entscheiden, ob er eine Trumpfvariante wählt oder die Entscheidung an den nächsten Spieler weitergibt («schiebt»). Dies setzt sich reihum fort, bis jemand einen Trumpf wählt. Wenn niemand eine Wahl trifft, gerät der erste Spieler «im Zwang» und muss eine offene Variante wählen.
Was bedeutet es, "im Zwang" oder "im Fass" zu sein?
Dies beschreibt eine Situation, in der ein Spieler gezwungen ist, eine Trumpfvariante zu wählen, weil alle anderen Spieler zuvor geschoben haben. Dies geschieht oft, wenn die Kartenlage ungünstig ist und niemand einen Trumpf machen wollte. Der Spieler muss dann eine der verbleibenden Varianten spielen, auch wenn die Aussichten auf Erfolg gering sind.
Warum ist die Wahl des richtigen Zeitpunkts so wichtig?
Die Entscheidung, wann man einen Trumpf wählt und welche Variante, ist entscheidend. Wählt man zu früh mit schlechten Karten, verliert man Punkte. Wartet man zu lange, riskiert man, am Ende eine wertvolle Variante mit einer schlechten Hand spielen zu müssen. Es geht darum, das Risiko abzuwägen und die beste Balance zu finden.
Kann man beim Coiffeur-Jass auch mit schlechten Karten gewinnen?
Es ist sehr schwierig und oft unmöglich, mit konstant schlechten Karten zu gewinnen, da der Glücksfaktor eine Rolle spielt. Jedoch kann ein strategisch kluges Spiel und die Fähigkeit, das Beste aus einer ungünstigen Situation zu machen, den Schaden minimieren und manchmal für Überraschungen sorgen.
Der Coiffeur-Jass ist somit weit mehr als nur ein Kartenspiel; er ist eine Schule für strategisches Denken, Risikobereitschaft und den Umgang mit Glück und Unglück. Seine einzigartige Namensherkunft und die tiefe Verankerung in der Schweizer Jass-Kultur machen ihn zu einem faszinierenden Zeitvertreib, der immer wieder zum Nachdenken über die Frage anregt: «Was machen?»
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