02/03/2022
Als Fachleute, die täglich mit Haaren und Kopfhaut arbeiten, begegnen wir in Friseursalons einer Vielzahl von Hautzuständen. Eine davon ist die Schuppenflechte, medizinisch Psoriasis genannt. Diese chronische Autoimmunerkrankung manifestiert sich oft auf der Kopfhaut, was für Betroffene nicht nur physisch unangenehm, sondern auch psychisch belastend sein kann. Es ist von entscheidender Bedeutung, die Auslöser dieser Erkrankung zu verstehen, um besser mit ihr umgehen zu können und das Wohlbefinden unserer Kunden zu fördern. Psoriasis ist keine reine Hauterkrankung, sondern ein komplexes Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren, die zu einer übermäßigen Produktion von Hautzellen führen. Doch was genau bringt diese Krankheit zum Ausbruch oder verschlimmert ihre Symptome?
Die Komplexität der Psoriasis-Auslöser verstehen
Psoriasis ist eine Erkrankung mit vielen Gesichtern, und ihre Auslöser sind ebenso vielfältig. Während die genetische Veranlagung eine Rolle spielt, sind es oft externe oder interne Faktoren, die den ersten Schub auslösen oder bestehende Symptome verschlimmern. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Auslöser von Person zu Person variieren können. Was bei einem Menschen einen Schub provoziert, hat bei einem anderen möglicherweise keine Auswirkungen. Daher ist eine individuelle Beobachtung und das Führen eines „Trigger-Tagebuchs“ oft sehr hilfreich.

Häufige und gut dokumentierte Psoriasis-Trigger
Es gibt eine Reihe von Faktoren, die in der medizinischen Forschung und in der klinischen Praxis immer wieder als Auslöser für Psoriasis-Schübe identifiziert werden:
- Infektionen: Besonders bakterielle Infektionen wie Streptokokken-Angina (Mandelentzündung) sind ein bekannter Auslöser, insbesondere für die Guttata-Psoriasis, die oft nach einer solchen Infektion auftritt. Auch andere Infektionen wie Erkältungen, Grippe oder Pilzinfektionen können einen Schub provozieren, da das Immunsystem überreagiert.
- Stress: Psychischer und physischer Stress ist einer der am häufigsten genannten Auslöser. Stress kann das Immunsystem beeinflussen und Entzündungsprozesse im Körper fördern, was wiederum Psoriasis-Symptome verschlimmern oder auslösen kann. Ein Todesfall in der Familie, Arbeitsdruck oder traumatische Ereignisse können hier eine Rolle spielen.
- Hautverletzungen (Köbner-Phänomen): Schnittwunden, Kratzer, Sonnenbrand, Insektenstiche oder sogar intensive Reibung können an der betroffenen Stelle neue Psoriasis-Läsionen hervorrufen. Dieses Phänomen ist als Köbner-Phänomen bekannt. Für uns Friseure bedeutet das, besonders vorsichtig beim Schneiden, Waschen und Bürsten der Kopfhaut unserer Kunden zu sein, um unnötige Reizungen zu vermeiden.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente können Psoriasis auslösen oder verschlimmern. Dazu gehören Beta-Blocker (oft bei Bluthochdruck eingesetzt), Lithium (bei bipolaren Störungen), Malariamittel und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Naproxen. Es ist wichtig, dass Betroffene ihren Arzt über alle eingenommenen Medikamente informieren.
- Alkohol und Rauchen: Beide Substanzen sind dafür bekannt, Psoriasis-Symptome zu verschlimmern. Rauchen kann nicht nur die Schwere der Erkrankung erhöhen, sondern auch die Wahrscheinlichkeit eines erstmaligen Auftretens. Alkohol kann Entzündungen im Körper fördern und die Wirkung bestimmter Psoriasis-Medikamente beeinträchtigen.
- Wetter und Klima: Kaltes, trockenes Wetter kann die Haut austrocknen und Psoriasis-Symptome verschlimmern, während moderate Sonneneinstrahlung oft lindernd wirkt. Extreme Hitze oder Feuchtigkeit können jedoch auch bei manchen Personen problematisch sein.
- Hormonelle Veränderungen: Pubertät, Schwangerschaft und Menopause sind Zeiten, in denen sich der Hormonhaushalt stark verändert. Bei einigen Frauen kann Psoriasis während der Schwangerschaft besser werden, bei anderen verschlechtert sie sich oder tritt sogar zum ersten Mal auf. Nach der Geburt kann es ebenfalls zu Schüben kommen.
Weniger häufige oder individuelle Trigger
Neben den oben genannten gibt es weitere Faktoren, die bei manchen Menschen eine Rolle spielen können, deren Einfluss aber weniger universell oder wissenschaftlich belegt ist:
- Ernährung: Obwohl keine spezifische Diät als Heilmittel für Psoriasis anerkannt ist, berichten einige Betroffene von einer Verbesserung ihrer Symptome durch den Verzicht auf bestimmte Lebensmittel wie Gluten, Milchprodukte oder Nachtschattengewächse. Eine entzündungshemmende Ernährung, reich an Omega-3-Fettsäuren, Obst und Gemüse, wird oft empfohlen, um die allgemeine Gesundheit zu fördern und Entzündungen zu reduzieren. Es ist jedoch wichtig, solche Ernährungsänderungen mit einem Arzt oder Ernährungsberater zu besprechen.
- Allergene: Obwohl Psoriasis keine allergische Erkrankung ist, können bestimmte Allergene oder Reizstoffe bei empfindlichen Personen Hautreaktionen hervorrufen, die dann einen Psoriasis-Schub an dieser Stelle auslösen können. Dies können Duftstoffe in Kosmetika, bestimmte Metalle oder auch chemische Substanzen sein.
- Übergewicht: Adipositas wird zunehmend als Risikofaktor für schwerere Formen der Psoriasis und ein schlechteres Ansprechen auf Therapien angesehen. Fettgewebe produziert entzündungsfördernde Botenstoffe, die die Psoriasis-Symptome verschlimmern können.
Die Rolle des Friseurs im Umgang mit Psoriasis
Als Friseure sind wir oft die Ersten, die Veränderungen an der Kopfhaut unserer Kunden bemerken. Unser Verständnis für Psoriasis und ihre Auslöser ist entscheidend, um unsere Kunden bestmöglich zu betreuen:
- Erkennung und Empathie: Wir können Anzeichen von Psoriasis erkennen und unseren Kunden mit Verständnis begegnen. Es ist wichtig, keine Diagnosen zu stellen, sondern sanft darauf hinzuweisen, dass eine Konsultation beim Dermatologen ratsam sein könnte.
- Sanfte Behandlung: Bei der Haarwäsche, dem Kämmen und Stylen ist höchste Vorsicht geboten, um die Kopfhaut nicht zu reizen und das Köbner-Phänomen zu vermeiden. Aggressives Bürsten oder zu heißes Föhnen sollte vermieden werden.
- Produktempfehlungen: Wir können Produkte empfehlen, die speziell für empfindliche oder schuppige Kopfhaut entwickelt wurden, idealerweise ohne starke Duftstoffe oder aggressive Chemikalien. Es gibt Shampoos und Conditioner, die beruhigende Inhaltsstoffe wie Salicylsäure oder Teer enthalten, die bei Psoriasis lindernd wirken können (immer in Absprache mit dem Kunden und ggf. seinem Arzt).
- Hygiene: Sicherstellen, dass alle Werkzeuge und Oberflächen im Salon stets sauber und desinfiziert sind, ist für alle Kunden wichtig, besonders aber für jene mit empfindlicher Haut.
Vergleich: Häufige vs. Individuelle Psoriasis-Trigger
Um die Vielfalt der Auslöser besser zu veranschaulichen, hier eine vergleichende Tabelle:
| Häufige und gut belegte Trigger | Weniger häufige oder individuelle Trigger |
|---|---|
| Infektionen (z.B. Streptokokken) | Spezifische Nahrungsmittel (z.B. Gluten, Milchprodukte) |
| Physischer und psychischer Stress | Bestimmte Allergene oder Reizstoffe |
| Hautverletzungen (Köbner-Phänomen) | Übergewicht / Adipositas |
| Bestimmte Medikamente (Beta-Blocker, Lithium etc.) | Hormonelle Veränderungen (stärker individuell) |
| Alkohol- und Nikotinkonsum | Extreme Wetterbedingungen (sehr individuell) |
Tipps für den Umgang mit Psoriasis im Salonalltag
Als Friseure können wir unseren Kunden mit Psoriasis helfen, sich wohler zu fühlen und ihre Kopfhaut zu schonen:
| Was zu tun ist (Do's) | Was zu vermeiden ist (Don'ts) |
|---|---|
| Sanftes Waschen und Massieren der Kopfhaut | Aggressives Kratzen oder Reiben |
| Verwendung milder, pH-neutraler Shampoos | Produkte mit starken Duftstoffen oder Alkohol |
| Trocknen der Haare mit kühler/lauwarmer Luft | Heißes Föhnen direkt auf die Kopfhaut |
| Regelmäßige, aber sanfte Bürsten mit weichen Borsten | Verwendung von scharfen Kämmen oder Bürsten |
| Kommunikation und Verständnis für den Kunden | Ungefragte Ratschläge oder Diagnosen |
| Empfehlung eines Hautarztes bei Bedarf | Versuch, Psoriasis selbst zu behandeln |
Häufig gestellte Fragen zu Psoriasis-Auslösern
Ist Psoriasis ansteckend?
Nein, Psoriasis ist absolut nicht ansteckend. Man kann sie nicht durch Berührung, gemeinsame Nutzung von Handtüchern oder Friseurwerkzeugen übertragen. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, die im Körper selbst entsteht.
Können Haarfärbemittel oder Stylingprodukte Psoriasis auslösen?
Direkt auslösen im Sinne eines ersten Schubes ist unwahrscheinlich, aber sie können einen bestehenden Zustand verschlimmern oder Reizungen hervorrufen, die dann das Köbner-Phänomen auslösen können. Produkte mit aggressiven Chemikalien, starken Duftstoffen oder Alkohol können die empfindliche Kopfhaut reizen. Es ist ratsam, vor der Anwendung neuer Produkte einen Patch-Test durchzuführen und dem Friseur stets über die Psoriasis zu informieren.
Kann Stress wirklich Psoriasis verursachen?
Stress ist ein sehr häufiger und gut dokumentierter Auslöser für Psoriasis-Schübe bei Personen, die bereits eine Veranlagung haben. Er kann das Immunsystem beeinflussen und Entzündungsreaktionen im Körper verstärken. Stressmanagement-Techniken können daher ein wichtiger Bestandteil der Psoriasis-Behandlung sein.
Gibt es eine spezielle Diät, die Psoriasis-Schübe verhindert?
Es gibt keine wissenschaftlich anerkannte „Psoriasis-Diät“, die Schübe universell verhindert. Einige Betroffene berichten jedoch von Verbesserungen durch den Verzicht auf bestimmte Lebensmittel oder durch eine entzündungshemmende Ernährung. Eine ausgewogene Ernährung, reich an Obst, Gemüse und Omega-3-Fettsäuren, kann die allgemeine Gesundheit fördern und Entzündungen reduzieren. Individuelle Reaktionen auf Lebensmittel sollten immer mit einem Arzt oder Ernährungsberater besprochen werden.
Was soll ich meinem Friseur sagen, wenn ich Psoriasis habe?
Es ist sehr hilfreich, wenn Sie Ihrem Friseur mitteilen, dass Sie Psoriasis haben. So können wir besondere Rücksicht nehmen, geeignete Produkte verwenden und die Behandlung an Ihre Bedürfnisse anpassen, um Irritationen zu vermeiden. Offene Kommunikation hilft uns, Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten.
Wie kann ein Friseur bei Psoriasis helfen?
Ein Friseur kann helfen, indem er die Kopfhaut sanft behandelt, schützende Techniken anwendet (z.B. beim Färben), milde Produkte empfiehlt und auf die individuellen Bedürfnisse eingeht. Wir können auch auf Anzeichen hinweisen, die eine ärztliche Untersuchung erforderlich machen könnten, und so zur allgemeinen Kopfhautgesundheit beitragen.
Das Verständnis der Auslöser von Psoriasis ist ein Schlüsselfaktor für jeden, der mit dieser Erkrankung lebt oder beruflich damit zu tun hat. Für uns Friseure bedeutet es, unsere Kunden nicht nur äußerlich zu verschönern, sondern auch ihr Wohlbefinden zu fördern, indem wir achtsam und informiert handeln. Jeder Psoriasis-Fall ist einzigartig, und die Kenntnis der individuellen Trigger ist der erste Schritt zu einem besseren Management der Symptome. Bei anhaltenden oder sich verschlimmernden Symptomen sollte immer ein Facharzt konsultiert werden, um eine geeignete Diagnose und Behandlungsstrategie zu erhalten. Gemeinsam können wir dazu beitragen, dass sich Menschen mit Psoriasis in ihrer Haut – und mit ihren Haaren – wohler fühlen.
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