Wie kann man glattes und gewelltes Haar glätten?

Die Chemie Ihrer Traumfrisur: Glatt, Gelockt, Bunt

08/11/2018

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Der Besuch beim Friseur ist für viele ein kleines Ritual, eine Auszeit vom Alltag, die mit einem Gefühl der Verwandlung endet. Man lehnt sich zurück, blättert in Zeitschriften und verlässt den Salon mit einer neuen Frisur, die wie von Zauberhand entstanden zu sein scheint. Doch hinter den „magischen“ Ergebnissen und den Versprechen von „ultimativem Glanz“ oder „wilder Mähne“ steckt weit mehr als nur geschickte Handarbeit. Es ist die Wissenschaft, genauer gesagt die Chemie, die maßgeblich darüber entscheidet, wie unsere Haare ihre Form, Farbe und Struktur verändern können. Ob wir uns für eine dauerhafte Glättung, eine schwungvolle Dauerwelle oder eine lebendige neue Haarfarbe entscheiden – stets sind es komplexe chemische Reaktionen, die im Inneren unserer Haarfasern ablaufen.

Wie lange dauert eine Haarglättung?
Bei Coiffeur Hairseason ist das jetzt mit einer neuartigen Behandlungsmethode möglich. Die schonendste Art zum Glätten von krausen oder lockigen Haaren ohne einen chemischen Prozess. Für noch mehr Glanz können wir die Keratinglättung mit der Botoxbehandlung kombinieren. Die Haarglättung dauert 2 bis 4 Stunden.

In diesem Artikel tauchen wir tief in die chemischen Prozesse ein, die das Fundament jeder dauerhaften Haarveränderung bilden. Wir beleuchten, wie gewelltes Haar glatt wird, glattes Haar zu Locken findet und wie Farbpigmente unsere natürliche Haarfarbe dauerhaft verändern können. Es ist eine Reise unter die glänzende Oberfläche, um zu verstehen, welche „Zauberformeln“ wirklich wirken und warum das Wissen eines erfahrenen Friseurs bei diesen Prozessen unerlässlich ist.

Inhaltsverzeichnis

Die Anatomie des Haares: Eine chemische Meisterleistung

Um zu verstehen, wie chemische Behandlungen unsere Haare verändern, ist es wichtig, deren Grundstruktur zu kennen. Unser Haar besteht hauptsächlich aus Keratin, einem faserigen Protein. Jedes Haar ist wie ein komplexes Bauwerk aufgebaut:

  • Die Cuticula (Schuppenschicht): Die äußerste Schicht, die aus übereinanderliegenden, dachziegelartigen Zellen besteht. Sie schützt das Haarinnere und reflektiert Licht, was dem Haar Glanz verleiht. Eine intakte Cuticula sorgt für geschmeidiges und glänzendes Haar.
  • Der Cortex (Faserstamm): Die mittlere und dickste Schicht, die den Großteil der Haarmasse ausmacht. Hier befinden sich die Keratinfasern, die dem Haar seine Stärke und Elastizität verleihen. Im Cortex sind auch die Melanine eingelagert, die natürlichen Pigmente, die unsere Haarfarbe bestimmen.
  • Das Medulla (Haarmark): Der innerste Kern des Haares, der nicht bei jedem Haartyp vorhanden ist. Seine Funktion ist noch nicht vollständig geklärt.

Innerhalb der Keratinfasern im Cortex gibt es verschiedene Arten von Bindungen, die die Form des Haares bestimmen:

  • Wasserstoffbrücken: Diese Bindungen sind relativ schwach und können leicht durch Wasser oder Wärme gelöst werden. Sie sind für die temporäre Formbarkeit des Haares verantwortlich.
  • Disulfidbrücken (Schwefelbrücken): Dies sind sehr starke chemische Bindungen zwischen Schwefelatomen von Cystein-Aminosäuren im Keratin. Sie sind für die permanente Form des Haares verantwortlich und müssen chemisch aufgebrochen werden, um eine dauerhafte Formveränderung zu erzielen.

Temporäre Transformation: Wenn Wasser und Wärme die Form ändern

Die einfachste Art, die Haarform zu verändern, ist die Nutzung von Wasser und Wärme. Dies führt zu einer temporären Umformung, da dabei hauptsächlich die Wasserstoffbrücken im Haar beeinflusst werden:

  • Wirkungsweise: Wenn Haare nass werden, lagern sich Wassermoleküle zwischen die Wasserstoffbrücken ein und lösen diese auf. Das Haar wird flexibler und kann eine neue Form annehmen, zum Beispiel durch Wickler, Bürsten oder Flechten.
  • Fixierung: Beim Trocknen des Haares verdunsten die Wassermoleküle, und die Wasserstoffbrücken schließen sich in ihrer neuen Position. Die Haare behalten die angenommene Form, bis sie erneut nass werden oder starker Luftfeuchtigkeit ausgesetzt sind.
  • Beispiele: Das klassische Föhnen mit einer Rundbürste, das Kreieren von Locken mit einem Lockenstab oder das Glätten mit einem Glätteisen basieren auf diesem Prinzip. Auch geflochtene Haare, die über Nacht trocknen, erhalten temporäre Wellen. Diese Art der Umformung ist vollständig reversibel.

Dauerhafte Ergebnisse: Chemische Glättung und Dauerwelle im Detail

Soll die neue Haarform nicht nur bis zur nächsten Haarwäsche halten, sondern über Monate bestehen bleiben, kommen chemische Prozesse ins Spiel, die die stärkeren Disulfidbrücken im Haar aufbrechen und neu zusammensetzen.

Die chemische Glättung

Für all jene, die von einer dauerhaft glatten Mähne träumen, ist die chemische Glättung eine beliebte Option. Der Prozess ist komplex und erfordert Präzision:

  1. Öffnung der Cuticula: Zuerst wird eine alkalische Creme oder Paste auf das Haar aufgetragen. Diese enthält in der Regel einen reduzierenden Wirkstoff (wie Thioglykolsäureverbindungen), der das Haar aufquellen lässt und die Schuppenschicht öffnet, damit die Chemikalien in den Cortex eindringen können.
  2. Aufbrechen der Disulfidbrücken: Im Cortex angekommen, reagiert der reduzierende Wirkstoff mit den Disulfidbrücken und spaltet diese. Das Haar verliert seine ursprüngliche Form und wird extrem flexibel und verformbar.
  3. Glätten und Formen: Das Haar wird nun sorgfältig glatt gezogen und gestreckt. Oftmals wird dabei zusätzlich Hitze angewendet, um die Glättung zu unterstützen und die neu gewünschte, glatte Struktur zu festigen.
  4. Fixierung (Neutralisation): Sobald die gewünschte Glätte erreicht ist, wird ein Oxidationsmittel – meist Wasserstoffperoxid – aufgetragen. Dieses Mittel bewirkt, dass sich die Disulfidbrücken in der neuen, glatten Form wieder schließen und fixiert werden. Die neue Form ist nun dauerhaft.

Die Dauerwelle

Das Prinzip der Dauerwelle ist der chemischen Glättung sehr ähnlich, nur mit dem entgegengesetzten Ziel: glattes Haar in dauerhafte Locken oder Wellen zu verwandeln.

  1. Vorbereitung und Wickeln: Das Haar wird gewaschen und dann auf spezielle Lockenwickler (sogenannte Dauerwellwickler) aufgedreht. Die Größe und Form der Wickler bestimmen die spätere Größe und Sprungkraft der Locken.
  2. Öffnung und Aufbrechen der Disulfidbrücken: Eine alkalische Dauerwelllotion (ebenfalls mit reduzierenden Wirkstoffen) wird auf die gewickelten Haare aufgetragen. Wie bei der Glättung öffnet sie die Cuticula und bricht die Disulfidbrücken im Cortex auf. Das Haar passt sich der Form der Wickler an.
  3. Fixierung: Nach einer Einwirkzeit wird die Dauerwelllotion gründlich ausgespült, ohne die Wickler zu entfernen. Anschließend wird eine Fixierlotion (wiederum Wasserstoffperoxid) aufgetragen. Diese neutralisiert den Reduktionsprozess und lässt die Disulfidbrücken in der neuen, gelockten Form der Wickler wieder zusammenwachsen.
  4. Entfernen der Wickler: Nach dem Fixieren werden die Wickler entfernt, und die Haare zeigen ihre neue, dauerhafte Lockenpracht.

Farbenspiel: Tönung vs. Färbung

Nicht nur die Form, auch die Farbe unserer Haare lässt sich chemisch verändern. Hierbei unterscheidet man primär zwischen Tönungen und permanenten Haarfarben, die unterschiedliche chemische Mechanismen nutzen.

Die Tönung

Eine Tönung ist eine temporäre Farbveränderung, die nach einigen Haarwäschen an Intensität verliert:

  • Wirkungsweise: Bei einer Tönung dringen die Farbpigmente nicht tief in den Cortex ein. Stattdessen lagern sie sich an die Oberfläche der Cuticula an und bilden einen Farbfilm um die Haarfaser. Die natürlichen Farbpigmente im Haar bleiben dabei unberührt.
  • Haltbarkeit: Da die Farbpigmente nur außen am Haar anhaften, werden sie mit jeder Haarwäsche schrittweise abgetragen. Die Intensität lässt nach und die Tönung wäscht sich aus.
  • Vorteile: Schonender für das Haar, da die Haarstruktur nicht so stark verändert wird. Ideal für experimentierfreudige Typen oder um erste graue Haare zu kaschieren.

Die permanente Haarfarbe

Eine permanente Haarfarbe sorgt für eine dauerhafte Farbveränderung, die erst herauswächst.

  • Öffnung der Cuticula:ente Haarfarben enthalten alkalische Substanzen (oft Ammoniak oder Ethanolamin), die die Cuticula aufquellen lassen und so die Farbstoffe in das Haarinnere, den Cortex, eindringen können.
  • Aufhellung und Pigmentzerstörung: Gleichzeitig wird ein Oxidationsmittel, typischerweise Wasserstoffperoxid, zugesetzt. Dieses hat zwei wichtige Funktionen: Es zerstört die natürlichen Melanin-Pigmente des Haares (was zu einer Aufhellung führt) und es ermöglicht die Entwicklung der neuen Farbstoffe.
  • Einlagerung neuer Farbpigmente: Die Farbstoffe selbst sind zunächst kleine, farblose Vorläufermoleküle. Im Haarinneren reagieren sie mit dem Wasserstoffperoxid und miteinander, um größere, farbige Moleküle zu bilden. Diese neuen Farbpigmente sind nun so groß, dass sie nicht mehr einfach aus dem Haar gespült werden können.
  • Haltbarkeit: Die Farbveränderung ist dauerhaft. Die Farbe verblasst zwar mit der Zeit leicht durch Oxidation und UV-Strahlung, wächst aber hauptsächlich mit dem Naturhaaransatz heraus.

Die Keratin-Glättung: Glanz und Geschmeidigkeit

Neben den traditionellen chemischen Glättungsverfahren hat sich in den letzten Jahren die Keratin-Glättung etabliert, die einen anderen Ansatz verfolgt, um glattes und glänzendes Haar zu erzielen.

  • Zielgruppe: Diese Behandlung ist speziell für widerspenstiges, krauses, frizziges oder geschädigtes Haar konzipiert. Sie zielt darauf ab, den Haarzustand zu verbessern, die Struktur kaputter Strähnen zu reparieren und gleichzeitig einen Glättungseffekt zu erzielen.
  • Wirkungsweise: Im Gegensatz zur chemischen Glättung, die die Disulfidbrücken des Haares aufbricht und neu formt, arbeitet die Keratin-Glättung mit dem Auffüllen der Haarstruktur. Eine spezielle Keratin-Haarkur, oft angereichert mit anderen pflegenden Proteinen und Ölen, wird auf das Haar aufgetragen. Dieses Keratin dringt in die geschädigten Bereiche des Haares ein und füllt Lücken in der Cuticula und im Cortex auf.
  • Versiegelung: Nach dem Auftragen wird die Keratinlösung mit Hitze, meist durch ein Glätteisen, im Haar versiegelt. Die Hitze sorgt dafür, dass das Keratin im Haar fixiert wird und eine schützende Schicht um die Haarfaser bildet. Dies glättet die äußere Schuppenschicht, reduziert Frizz und verleiht dem Haar einen intensiven Glanz.
  • Haltbarkeit: Der Glättungseffekt der Keratin-Behandlung hält – je nach Haartyp, Pflege und Produkt – zwischen 3 und 6 Monaten an. Die Behandlung wäscht sich nach und nach aus, ohne einen sichtbaren Ansatz zu hinterlassen, da die Haarstruktur nicht chemisch neu geordnet wurde.
  • Pflege nach der Behandlung: Um die Haltbarkeit der Keratin-Glättung zu maximieren, wird oft empfohlen, sulfatfreie Shampoos und Conditioner zu verwenden, da Sulfate die Keratinschicht schneller abbauen können.

Vergleich der Haarveränderungs-Methoden

Um einen besseren Überblick über die verschiedenen chemischen und semi-chemischen Haarbehandlungen zu geben, hier eine vergleichende Tabelle:

BehandlungZielWirkungsweiseDauerPrimäre Bindungen betroffen
Temporäres Styling (Föhnen, Lockenstab)Kurzzeitige FormänderungLösen von Wasserstoffbrücken durch Wasser/WärmeBis zur nächsten HaarwäscheWasserstoffbrücken
DauerwellePermanente Locken/WellenAufbrechen & Neubilden von Disulfidbrücken mit ChemikalienMonateDisulfidbrücken
Chemische GlättungPermanente GlätteAufbrechen & Neubilden von Disulfidbrücken mit ChemikalienMonateDisulfidbrücken
TönungTemporäre FarbveränderungFarbpigmente lagern sich auf der Haaroberfläche abEinige HaarwäschenKeine (Oberflächenhaftung)
Haare Färben (permanent)Permanente FarbveränderungZerstörung natürlicher Pigmente, Einlagerung neuer Farbpigmente im HaarinnerenDauerhaft (wächst heraus)Melanin-Pigmente, Cuticula-Struktur
Keratin-GlättungGlättung, Glanz, Frizz-KontrolleAuffüllen von Haarschäden mit Keratin, Versiegelung durch Hitze3-6 Monate(Oberflächenglättung, Füllung von Lücken)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist chemische Haarglättung schädlich für das Haar?

Chemische Haarglättungen greifen tief in die Haarstruktur ein. Bei unsachgemäßer Anwendung oder Überbeanspruchung können sie das Haar stark schädigen, es brüchig und trocken machen. Daher ist es entscheidend, diese Behandlungen nur von erfahrenen Profis durchführen zu lassen und die empfohlenen Pflegeprodukte zu verwenden, um das Haar zu regenerieren und zu schützen.

Was ist der Unterschied zwischen glattem und glatten Haar?

Was ist der Hauptunterschied zwischen einer Tönung und einer Färbung?

Der Hauptunterschied liegt in der Eindringtiefe der Farbpigmente und der Dauerhaftigkeit. Eine Tönung lagert Pigmente nur auf der Oberfläche der Cuticula ab und wäscht sich aus. Eine permanente Färbung hingegen dringt in den Cortex ein, zerstört die natürlichen Pigmente mit Wasserstoffperoxid und lagert neue, dauerhafte Farbpigmente im Haarinneren ein, die herauswachsen müssen.

Wie lange hält eine Dauerwelle?

Die Haltbarkeit einer Dauerwelle variiert je nach Haartyp, Haarzustand, der Stärke der Locken und der Pflege. Im Allgemeinen hält eine Dauerwelle zwischen 2 und 6 Monaten. Mit der Zeit lassen die Locken nach und wachsen mit dem natürlichen Haaransatz heraus.

Kann ich meine Haare direkt nach einer chemischen Behandlung waschen?

In den meisten Fällen wird dringend davon abgeraten, die Haare unmittelbar nach einer chemischen Behandlung zu waschen. Bei Dauerwellen und chemischen Glättungen wird oft eine Wartezeit von 48 bis 72 Stunden empfohlen, damit sich die neu geformten Disulfidbrücken vollständig stabilisieren können. Bei Keratin-Glättungen können ähnliche Wartezeiten gelten, um das Keratin im Haar zu versiegeln. Ihr Friseur wird Ihnen genaue Anweisungen zur Nachbehandlung geben.

Ist Keratin-Glättung für alle Haartypen geeignet?

Keratin-Glättungen sind besonders gut für krauses, widerspenstiges, trockenes oder geschädigtes Haar geeignet, da sie Frizz reduzieren und Glanz verleihen. Für sehr feines Haar, das Volumen benötigt, ist sie möglicherweise nicht die beste Wahl, da sie das Haar beschweren kann. Eine individuelle Beratung durch einen Fachmann ist hier immer empfehlenswert.

Fazit: Wissen ist Macht – auch im Friseursalon

Der Mythos von „Zauberformeln für die perfekte Frisur“ oder „magischer Sprungkraft für definierte Locken“ ist damit, genau wie Rapunzels meterlanger Zopf, eindeutig in die Ecke der Märchen gerückt. Dass chemische Prozesse beim Friseur die entscheidende Rolle spielen, mag ernüchternd sein, aber es ist eine faszinierende Realität. Jede permanente Veränderung an unseren Haaren ist das Ergebnis präziser chemischer Reaktionen, die darauf abzielen, die Haarstruktur gezielt zu beeinflussen.

Dieses Verständnis unterstreicht die Bedeutung des Fachwissens und der Erfahrung eines professionellen Friseurs. Die Anwendung von alkalischen Lösungen, Wasserstoffperoxid und anderen chemischen Wirkstoffen erfordert nicht nur Geschick, sondern auch ein tiefes Verständnis der Haarchemie, um gewünschte Ergebnisse zu erzielen und gleichzeitig Haarschäden zu minimieren. Bevor man sich selbst an Bleichmittel und Co. heranwagt, sollte man bedenken, dass der Friseur nicht nur den „Zauberstab“ schwingt, sondern auch das chemische Labor im Kopf hat, um Ihre Haare sicher und effektiv zu verwandeln. So können Sie sicher sein, dass Ihre Traumfrisur nicht nur schön, sondern auch gesund bleibt.

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