Welche Haarfarbe ist die beste?

Ammoniak & Grau: Die Wahrheit über Haarfarbe

26/05/2025

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Der Geruch von Ammoniak in einem Friseursalon ist für viele Menschen untrennbar mit dem Färben der Haare verbunden. Oft wird Ammoniak als schädlicher, aggressiver Bestandteil von Haarfarben angesehen, der um jeden Preis vermieden werden sollte. Doch ist dieser Ruf wirklich gerechtfertigt, insbesondere wenn es um die Abdeckung von hartnäckigem grauem Haar geht? In diesem ausführlichen Artikel tauchen wir tief in die Welt der Haarchemie ein, entlarven gängige Mythen rund um Ammoniak und beleuchten, warum die vermeintlich „besseren“ Alternativen oft das Gegenteil bewirken können.

Was sind die Nachteile von Farben mit Ammoniak?
Beachte auch die Nachteile, wenn du dich für Marken entscheidest, die Farben mit Ammoniak anbieten: Ammoniak riecht sehr streng. Häufig bleibt der Geruch nach der Haarfärbung für einige Zeit im Raum hängen. Die Chemikalie kann während des Färbens einen Hustenreiz auslösen.
Inhaltsverzeichnis

Warum Haarfarben Ammoniak benötigen: Das Geheimnis der Schuppenschicht

Um eine dauerhafte Farbveränderung im Haar zu erzielen, muss die Haarfarbe in das Innere des Haares, die sogenannte Haarinde, eindringen können. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die äußere Schutzschicht des Haares, die Schuppenschicht (Cuticula), geöffnet wird. Genau hier kommt Ammoniak ins Spiel. Ammoniak ist ein hochwirksames Alkalisierungsmittel, das den pH-Wert der Haarfarbe in den alkalischen Bereich anhebt. Dieser alkalische pH-Wert bewirkt, dass die eng anliegenden Schuppen der Cuticula sanft aufquellen und sich voneinander lösen. Dadurch entsteht ein Zugang für die Farbpigmente und das Wasserstoffperoxid, die dann ihre Arbeit im Haarinneren verrichten können.

Das Besondere an Ammoniak ist seine flüchtige Natur. Das bedeutet, dass Ammoniak bei Kontakt mit Luft schnell verdampft. Dieser scheinbare Nachteil – der unangenehme Geruch – ist tatsächlich sein größter Vorteil. Sobald das Ammoniak seine Aufgabe erfüllt hat und die Schuppenschicht geöffnet ist (was nur wenige Minuten dauert), verfliegt es größtenteils vom Haar. Dadurch sinkt der pH-Wert im Haar wieder ab, und die Quellung der Haare wird gestoppt. Dies minimiert die Belastung für die Haarstruktur, da das Haar nicht unnötig lange im aufgequollenen Zustand verbleibt. Die eigentliche Färbearbeit, also die Entwicklung der Farbpigmente und deren Verankerung im Haar, wird anschließend von den Farbstoffen und dem Wasserstoffperoxid übernommen, die nun ungehindert in das Haar eindringen können.

Graue Haare und Ammoniak: Eine unschlagbare Kombination

Graue Haare stellen für Haarfarben oft eine besondere Herausforderung dar. Sie sind in der Regel widerstandsfähiger und schwieriger zu färben, da ihre Struktur dichter sein kann und sie weniger natürliche Pigmente enthalten. Hier zeigt sich die Überlegenheit von Haarfarben mit Ammoniak besonders deutlich. Durch die effiziente und kontrollierte Öffnung der Schuppenschicht durch Ammoniak können die Farbpigmente optimal in das graue Haar eindringen und sich dort dauerhaft verankern. Dies führt zu einer:

  • Perfekten Grauabdeckung: Ammoniak ermöglicht eine vollständige und gleichmäßige Abdeckung selbst von sehr widerstandsfähigem grauem Haar.
  • Intensiveren Farbbrillanz: Die Pigmente können tiefer eindringen und reflektieren das Licht besser, was zu leuchtenderen und satteren Farbergebnissen führt.
  • Längeren Haltbarkeit: Da die Farbpigmente fest im Haar verankert sind, verblasst die Farbe langsamer und bleibt länger sichtbar.

Die schnelle Verflüchtigung des Ammoniaks sorgt zudem dafür, dass das Haar nach dem Färbeprozess nicht übermäßig strapaziert wird, da die Quellung rechtzeitig gestoppt wird. Dies ist entscheidend für die Erhaltung der Haargesundheit und Struktur, selbst bei regelmäßiger Anwendung.

Der Mythos der "ammoniakfreien" Haarfarben: Eine kritische Betrachtung

Der Markt ist überschwemmt mit Produkten, die mit dem Versprechen „ohne Ammoniak“ werben. Dies klingt auf den ersten Blick verlockend, da es einen angenehmeren Geruch verspricht. Doch die Realität ist oft komplexer und kann für das Haar sogar schädlicher sein. Wenn kein Ammoniak verwendet wird, muss ein anderes Alkalisierungsmittel zum Einsatz kommen, um die Schuppenschicht zu öffnen. Diese Alternativen, wie zum Beispiel Ethanolamin, sind in der Regel nicht flüchtig. Das bedeutet, dass sie während der gesamten Einwirkzeit der Haarfarbe im Haar verbleiben und den pH-Wert konstant im alkalischen Bereich halten.

Die Konsequenz: Das Haar bleibt über die gesamte Einwirkzeit hinweg aufgequollen. Dies beansprucht die Schuppenschicht weit mehr als nötig und kann zu erheblichen Schäden führen, wie zum Beispiel:

  • Übermäßige Quellung: Das Haar quillt länger und stärker, was die Haarstruktur schwächt.
  • Erhöhte Porosität: Die Schuppenschicht schließt sich nach dem Färben nicht mehr vollständig, was das Haar anfälliger für Feuchtigkeitsverlust und äußere Schäden macht.
  • Geringere Farbhaltbarkeit: Die Pigmente können sich aufgrund der unkontrollierten Quellung nicht optimal im Haar verankern, was zu schnellerem Verblassen führt.
  • Schlechtere Grauabdeckung: Insbesondere bei hartnäckigem grauem Haar gelingt eine perfekte Abdeckung mit nicht-flüchtigen Alkalisierungsmitteln oft nicht, da die notwendige effiziente Öffnung und Verankerung fehlt.
  • Restquellung: Bei unzureichendem Ausspülen besteht die Gefahr, dass das Haar weiterhin aufgequollen bleibt, was die Schädigung zusätzlich verstärkt.

Der einzige echte Vorteil dieser Produkte ist der angenehmere Geruch. Doch dieser Komfort geht oft zulasten der Haargesundheit und der Farbleistung. Es ist ein klassisches Beispiel dafür, wie ein Marketingversprechen, das sich auf einen sensorischen Vorteil konzentriert, die tatsächliche chemische Wirkung und die potenziellen Nachteile verschleiern kann.

Wie wirkt Ammoniak auf graue Haare?
Auch die Farbbrillanz und die Abdeckung grauer Haare, sind bei Colorationen mit Ammoniak weitaus intensiver und dauerhafter. Die Haare quellen auf keinen Fall zu stark auf, denn Ammoniak verdampft schnell und damit geht auch der pH-Wert im Haar zurück und die Quellung der Haare wird dadurch gestoppt.

Ammoniak vs. Ammoniak-Alternativen: Ein Vergleich

Um die Unterschiede zwischen Haarfarben mit und ohne Ammoniak besser zu verstehen, werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Eigenschaften:

EigenschaftHaarfarben mit AmmoniakHaarfarben ohne Ammoniak (mit Ethanolamin etc.)
AlkalisierungsmittelAmmoniak (flüchtig)Ethanolamin, Monoethanolamin (MEA), etc. (nicht flüchtig)
GeruchIntensiv, stechend (verfliegt schnell)Angenehmer, kaum wahrnehmbar
Wirkung auf SchuppenschichtÖffnet effizient und kontrolliert; schnelle pH-Wert-Senkung durch VerflüchtigungÖffnet, aber pH-Wert bleibt konstant hoch während der Einwirkzeit
Dauer der QuellungKurz und gezieltLänger, über die gesamte Einwirkzeit
SchädigungspotenzialGeringer durch kurze Einwirkzeit des AlkalisPotenziell höher durch verlängerte Quellung
GrauabdeckungHervorragend, sehr dauerhaft und intensivOft unzureichend, besonders bei widerstandsfähigem Grau
Farbbrillanz & HaltbarkeitSehr gut, Pigmente verankern sich dauerhaftOft geringer, Farbe verblasst schneller

Die Ausnahme: Blondierungen

Während bei dauerhaften Haarfarben Ammoniak das Mittel der Wahl ist, verhält es sich bei Blondierungen anders. Eine Blondierung hat die Aufgabe, die natürlichen Farbpigmente im Haar aufzuhellen, was eine stärkere und länger anhaltende Quellung des Haares erfordert als bei einer reinen Farbablagerung. Daher wird in professionellen Friseursalons für Blondierungen oft kein oder nur wenig Ammoniak verwendet. Stattdessen kommen hier andere Alkalisierungsmittel wie Hirschhornsalz (Ammoniumbicarbonat) zum Einsatz. Diese halten den pH-Wert länger im alkalischen Bereich, um die intensive Aufhellung zu ermöglichen. Es ist wichtig zu verstehen, dass jede Blondierung einen chemischen Prozess darstellt, der das Haar stärker beansprucht als eine reine Farbveränderung. Unabhängig vom verwendeten Alkalisierungsmittel ist eine Blondierung immer ein intensiver Eingriff in die Haarstruktur.

Weitere Alternativen: Tönungen und Pflanzenhaarfarben

Neben den permanenten Haarfarben gibt es auch andere Optionen, die ohne Ammoniak auskommen:

  • Haartönungen: Die meisten Haartönungen (Level 1 und 2) verzichten gänzlich auf Ammoniak, da sie die Schuppenschicht nicht dauerhaft öffnen müssen. Sie lagern Farbpigmente lediglich an der Oberfläche des Haares an oder dringen nur leicht in die äußere Schuppenschicht ein. Der Nachteil ist, dass Tönungen graue Haare in der Regel nicht vollständig abdecken, sondern nur leicht kaschieren können. Sie waschen sich zudem nach wenigen Haarwäschen wieder aus und enthalten oft ebenfalls andere chemische Inhaltsstoffe, die bei häufiger Anwendung das Haar belasten können.
  • Pflanzenhaarfarben: Diese Produkte basieren auf natürlichen Inhaltsstoffen wie Henna, Indigo oder Kamille und kommen ohne synthetische Chemikalien aus. Sie sind eine gesündere Alternative für Mensch und Umwelt und pflegen das Haar oft zusätzlich, da viele auf Ölbasis formuliert sind. Allerdings sind Pflanzenhaarfarben in ihrer Farbvielfalt und Intensität begrenzt und bieten nicht immer eine vollständige Grauabdeckung, insbesondere bei einem hohen Grauanteil oder dem Wunsch nach kräftigen, nicht-natürlichen Farbtönen. Sie lagern sich ebenfalls eher an der Oberfläche ab und können das Haar nicht aufhellen.

So erkennen Sie Ammoniak auf Produktetiketten

Wenn Sie wissen möchten, ob ein Produkt Ammoniak enthält, können Sie dies auf der Inhaltsstoffliste (INCI-Liste) überprüfen. Ammoniak wird dort meist als „Ammonia“ oder „Ammonium Hydroxide“ aufgeführt. Es ist wichtig zu wissen, dass Ammoniak in zugelassenen Kosmetik- und Pflegeprodukten, die den EU-Richtlinien entsprechen, in Mengen verwendet wird, die als sicher gelten und dermatologisch getestet sind. Die Dosis macht das Gift, und in der kontrollierten Anwendung in Haarfarben ist Ammoniak ein bewährtes und effektives Mittel.

Fazit: Ammoniak – Der unterschätzte Helfer

Die pauschale Verteufelung von Ammoniak in Haarfarben ist, wie wir gesehen haben, nicht gerechtfertigt. Tatsächlich ist Ammoniak aufgrund seiner flüchtigen Natur oft die schonendere Wahl für eine dauerhafte Coloration, insbesondere wenn es um die effektive und langanhaltende Abdeckung von grauem Haar geht. Sein schneller Zerfall minimiert die Belastung für das Haar, während nicht-flüchtige Alternativen das Haar über die gesamte Einwirkzeit hinweg einer unnötig langen Quellung aussetzen können, was langfristig zu mehr Schäden führt. Der unangenehme Geruch ist der Preis für eine überlegene Leistung und eine paradoxerweise sanftere Wirkung auf die Haarstruktur.

Die Entscheidung für eine Haarfarbe sollte immer auf einer fundierten Kenntnis der Inhaltsstoffe und ihrer Wirkungsweise basieren und nicht allein auf Marketingversprechen oder dem Geruch. Für eine perfekte Grauabdeckung, brillante Farben und eine möglichst lange Haltbarkeit sind Haarfarben mit Ammoniak nach wie vor die erste Wahl im professionellen Bereich und auch für die Heimanwendung, wenn das Ziel eine permanente Farbveränderung ist.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Ammoniak in Haarfarben schädlich für das Haar?

Ammoniak ist ein Alkalisierungsmittel, das die Schuppenschicht des Haares öffnet. Es wird oft als schädlich wahrgenommen, aber seine flüchtige Natur bedeutet, dass es schnell verfliegt, sobald seine Aufgabe erfüllt ist. Dies minimiert die Zeit, in der das Haar aufgequollen ist, und kann paradoxerweise weniger schädlich sein als nicht-flüchtige Alternativen, die das Haar über die gesamte Einwirkzeit hinweg quellen lassen.

Welche Auswirkungen hat Ammoniak auf die haargesundheit?
Kurzfristig oder einmalig ist die Auswirkung gering, langfristig leidet die Haargesundheit unter wiederholten Farbbehandlungen mit Ammoniak. Die natürliche Schutzschicht wird schwächer, Feuchtigkeit und Nährstoffe nicht mehr optimal gespeichert. Trockenes Haar bricht leichter, Ammoniak fördert zudem Spliss und Haarbruch.

Sind Haarfarben ohne Ammoniak besser für mein Haar?

Nicht unbedingt. Obwohl sie angenehmer riechen, verwenden ammoniakfreie Haarfarben andere Alkalisierungsmittel (z.B. Ethanolamin), die oft nicht flüchtig sind. Das bedeutet, dass der pH-Wert des Haares während der gesamten Einwirkzeit hoch bleibt, was zu einer längeren und potenziell stärkeren Quellung und damit zu mehr Schädigung der Haarstruktur führen kann. Für eine dauerhafte Coloration, insbesondere bei grauem Haar, sind ammoniakfreie Produkte oft weniger effektiv in der Grauabdeckung und Haltbarkeit.

Warum riecht Ammoniak so stark?

Der starke Geruch von Ammoniak ist auf seine flüchtige Natur zurückzuführen. Ammoniak verdampft sehr schnell, was einerseits den Geruch verursacht, andererseits aber auch der Grund ist, warum es das Haar nicht unnötig lange im aufgequollenen Zustand belässt. Es ist ein Zeichen dafür, dass das Mittel seine Arbeit tut und dann schnell vom Haar verschwindet.

Wie wirkt Ammoniak auf graue Haare?

Ammoniak ist besonders effektiv bei grauem Haar, da es die oft widerstandsfähigere Schuppenschicht grauer Haare optimal öffnet. Dies ermöglicht den Farbpigmenten ein tiefes Eindringen und eine dauerhafte Verankerung im Haar. Das Ergebnis ist eine hervorragende, gleichmäßige Grauabdeckung, intensive Farbbrillanz und eine längere Haltbarkeit der Farbe.

Gibt es wirklich schonende Alternativen zu Haarfarben mit Ammoniak?

Für eine dauerhafte und vollständige Grauabdeckung sind Haarfarben mit Ammoniak oder nicht-flüchtigen Alkalisierungsmitteln notwendig. Schonendere Alternativen wie Haartönungen oder Pflanzenhaarfarben kommen ohne Ammoniak aus, können aber graue Haare meist nur kaschieren und bieten nicht die gleiche Intensität und Haltbarkeit wie permanente Colorationen. Sie sind eher für Farbauffrischungen oder temporäre Farbveränderungen geeignet.

Verwenden Friseure immer Haarfarben mit Ammoniak?

Für permanente Colorationen, insbesondere bei der Grauabdeckung, setzen viele Friseure weiterhin auf Haarfarben mit Ammoniak, da sie die besten und zuverlässigsten Ergebnisse liefern. Bei Blondierungen werden jedoch oft andere Alkalisierungsmittel verwendet, da hier eine stärkere und länger anhaltende Quellung des Haares erforderlich ist. Friseure wählen die Produkte entsprechend dem gewünschten Ergebnis und dem Haartyp aus.

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