Wie behandelt man das Kalk-Haar-Problem?

Hartes Wasser & Gefärbtes Haar: Dein Leitfaden

25/08/2017

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Wenn Du an Deine Haarpflege denkst, dann kommen Dir wahrscheinlich Faktoren wie die richtige Bürste, Haarprodukte oder Umwelteinflüsse, die Deine Haarpracht beeinflussen, zuerst in den Sinn. Doch die wenigsten denken an das Wasser, mit dem die Haare und die Kopfhaut sogar wöchentlich in Berührung kommen. Dabei spielt die Wasserqualität eine entscheidende Rolle für die Gesundheit und das Aussehen Deiner Haare, insbesondere wenn sie gefärbt sind. Warum kalkhaltiges Wasser schädlich ist, was der Unterschied zwischen hartem und weichem Wasser ist und welche Lösungen es gibt, erklären wir Dir in diesem umfassenden Artikel.

Wie wirkt kalkhaltigeswasser auf gefärbte Haare?
Die Wirkung von Shampoos kann durch kalkhaltiges Wasser verringert werden, da Magnesium und Kalzium die Stoffe aus den Pflegeprodukten neutralisieren können. Bei gefärbten Haaren führt Kalk sogar dazu, dass die Farbe nicht so lange hält. Die oben genannten Folgen treffen auf Dich zu? Doch woran erkennst Du nun die Wasserhärte bei Dir zu Hause?
Inhaltsverzeichnis

Hartes vs. Weiches Wasser: Ein grundlegender Unterschied

Du hast den Begriff hartes Wasser vielleicht schon des Öfteren gehört, weißt aber nicht, was damit gemeint ist? Dann bist Du hier genau richtig! Hartes Wasser enthält eine höhere Konzentration an gelösten Mineralstoffen, insbesondere Calcium- und Magnesiumionen, als weiches Wasser. Diese Mineralien stammen aus den Gesteinsschichten, durch die das Wasser auf seinem Weg zu uns fließt. Leitungswasser kann je nach Region stark variieren in seiner Härte. Während weiches Wasser Deine Haare glatt und glänzend wirken lässt, führt hartes Wasser oft zum genauen Gegenteil. Doch wieso ist das so?

Die Wasserhärte wird in der Regel in deutschen Härtegraden (dH) oder Millimol pro Liter angegeben. Eine Einteilung könnte wie folgt aussehen:

  • Weiches Wasser: weniger als 8,4 °dH (unter 1,5 mmol/l)
  • Mittelhartes Wasser: 8,4 bis 14 °dH (1,5 bis 2,5 mmol/l)
  • Hartes Wasser: mehr als 14 °dH (über 2,5 mmol/l)

In Deutschland ist der pH-Wert des Leitungswassers meist regional abhängig und korreliert eng mit der Wasserhärte. Je höher der pH-Wert und die Härte, desto mehr Kalk ist im Wasser gelöst und desto schädlicher kann es für Deine Strähnen und Deine Haut sein.

Die weitreichenden Folgen von kalkhaltigem Wasser auf Deine Haare

Deine Mähne ist oft trocken, egal, was Du probierst? Dann könnte das durchaus am Leitungswasser liegen. Die unlöslichen Stoffe Magnesium und Calcium, die in hartem Wasser enthalten sind, legen sich wie ein feiner Film um das Äußere der Haarsträhnen. Diese Mineralablagerungen verhindern, dass Feuchtigkeit optimal ins Haar eindringen kann, und trocknen es so aus. Dadurch wirken sie oft glanzlos, werden spröde oder brüchig. Das Haar verliert an Elastizität und fühlt sich rau an.

Gefärbte Haare leiden besonders

Besonders bei gefärbten Haaren ist der Einfluss von hartem Wasser verheerend. Die Mineralien im Wasser können mit den Farbpigmenten im Haar reagieren und deren Struktur verändern. Dies führt dazu, dass die Haarfarbe nicht nur schneller verblasst, sondern oft auch einen unerwünschten, messingfarbenen Ton oder eine stumpfe, gräuliche Verfärbung annimmt. Blondtöne können gelbstichig werden, während dunkle Farben ihren Glanz verlieren und matt wirken. Die Lebensdauer Deiner teuren Haarfarbe wird drastisch verkürzt, und das Ergebnis des Friseurbesuchs hält nicht so lange, wie Du es Dir wünschst.

Deine Kopfhaut leidet!

Die unlöslichen Stoffe sind nicht nur ein Problem für die Haare, sondern auch für die Kopfhaut. Bei ihr passiert das Gleiche wie bei Deiner Mähne: Sie trocknet aus. Die Kalkablagerungen können die Poren verstopfen und die natürliche Feuchtigkeitsbarriere der Kopfhaut stören. Dadurch entstehen Schuppen und im Zusammenhang leidest Du meistens an einem nervigen Juckreiz. Im schlimmsten Fall können kleine Risse in der ausgetrockneten Haut entstehen, in denen sich Keime und Bakterien leichter einnisten. Dies kann zu Entzündungen, vermehrter Talgproduktion und einer ungesunden Kopfhaut führen, die sich fettig anfühlt, obwohl sie eigentlich trocken ist.

Shampoos und Haarfarbe erfüllen ihren Zweck nicht mehr

Die Wirkung von Shampoos, Conditionern und anderen Pflegeprodukten kann durch kalkhaltiges Wasser erheblich verringert werden. Magnesium- und Calciumionen reagieren mit den Tensiden in Shampoos, was die Schaumbildung reduziert und die Reinigungswirkung mindert. Es entsteht eine Art Seifenrückstand, der sich auf Haar und Kopfhaut ablagert und das Haar beschwert. Die pflegenden Stoffe aus den Produkten können nicht optimal in das Haar eindringen, da die Mineralien eine Barriere bilden oder die Wirkstoffe neutralisieren. Bei gefärbten Haaren führt Kalk sogar dazu, dass die Farbe nicht so lange hält, da die Pigmente nicht richtig im Haar verankert werden können oder schneller ausgewaschen werden.

Spezielle Haarstrukturen sind stärker betroffen

Besonders „Afro-Haare“ und Locken leiden aufgrund ihrer Beschaffenheit unter hartem Wasser. Diese Haartypen sind von Natur aus oft trockener und haben eine offenere Schuppenschicht, was sie anfälliger für Mineralablagerungen macht. Hartes Wasser macht die Locken strohig und straff und streckt sie. Die Widerspenstigkeit nimmt zu, denn die Kalkablagerungen laden Dein Haar elektrisch auf, was zu Frizz und schwer zu bändigendem Haar führt. Auch feines Haar kann durch die Ablagerungen schnell platt und leblos wirken.

Hartes Wasser erkennen: Indikatoren im Alltag

Die oben genannten Folgen treffen auf Dich zu? Doch woran erkennst Du nun die Wasserhärte bei Dir zu Hause? Das ist eigentlich ganz einfach, wenn Du die Anzeichen kennst:

  • Geringe Schaumbildung: Dein Shampoo schäumt kaum, selbst wenn Du viel Produkt verwendest.
  • Seifenrückstände: Nach dem Duschen bleiben weiße Flecken auf Armaturen, Duschwänden oder Geschirr zurück.
  • Trockene Haut nach dem Duschen: Deine Haut fühlt sich nach dem Waschen gespannt und juckend an.
  • Stumpfes Geschirr: Gläser und Besteck haben nach dem Spülen einen milchigen Schleier.
  • Verkalkte Haushaltsgeräte: Wasserkocher, Kaffeemaschinen oder Waschmaschinen zeigen schnell Kalkablagerungen.

Du kannst auch direkt bei Deinem lokalen Wasserversorger nachfragen, welche Wasserhärte in Deiner Region vorliegt. Diese Informationen sind öffentlich zugänglich und oft auf den Webseiten der Versorger zu finden.

Nützliche Tipps gegen Kalk im Haar

Es gibt unterschiedliche Methoden, etwas gegen hartes Wasser oder seine Folgen zu tun. Welche das sind, haben wir für Dich im Folgenden zusammengetragen:

1. Kalkfilter: Die Lösung an der Wurzel

Die erste Lösung, die das Problem an der Wurzel packt, ist die Verwendung eines Filters. Ein Hauswasserfilter säubert das Wasser im gesamten Haushalt, sodass Du an jeder Quelle Zugriff auf sauberes H₂O hast. Das ist jedoch kostenintensiv in der Anschaffung und Installation. Eine günstigere und gezieltere Alternative für die Haarpflege ist ein Duschfilter. Diesen schraubst Du entweder auf den Hahn Deines Waschbeckens oder direkt auf den Duschkopf. Diese Filter nutzen verschiedene Technologien, um Chlor, Schwermetalle und Mineralien zu reduzieren, was sich unmittelbar positiv auf Deine Haare und Haut auswirkt.

2. Spezielle Pflegeprodukte: Gezielte Hilfe

Ist Dir ein Filter zu aufwendig, gibt es noch einfachere Alternativen. Es existieren Pflegeprodukte, die genau für dieses Problem entwickelt wurden, beispielsweise ein sogenanntes Kalkshampoo oder Chelating Shampoos. Doch wie funktioniert das? Diese Shampoos enthalten spezielle Inhaltsstoffe, sogenannte Chelatbildner (z.B. EDTA, Phytinsäure), die in der Lage sind, Calcium- und Magnesiumionen zu binden und sie so beim Ausspülen aus dem Haar zu entfernen. So kommt es zu strahlendem Haar dank passender Pflegeprodukte. Es ist ratsam, solche Shampoos nicht bei jeder Haarwäsche zu verwenden, sondern ein- bis zweimal pro Woche oder nach Bedarf, um das Haar nicht zu überpflegen oder auszutrocknen. Ergänzend dazu können spezielle Conditioner helfen, die Haarstruktur nach der Mineralentfernung zu glätten und zu versiegeln.

Wie wirkt kalkhaltigeswasser auf gefärbte Haare?
Die Wirkung von Shampoos kann durch kalkhaltiges Wasser verringert werden, da Magnesium und Kalzium die Stoffe aus den Pflegeprodukten neutralisieren können. Bei gefärbten Haaren führt Kalk sogar dazu, dass die Farbe nicht so lange hält. Die oben genannten Folgen treffen auf Dich zu? Doch woran erkennst Du nun die Wasserhärte bei Dir zu Hause?

3. Hausmittel gegen trockenes Haar: Die saure Rinse

Auch das ist Dir zu kompliziert? Dann greife zu simplen Hausmitteln, die Du höchstwahrscheinlich bereits zu Hause stehen hast. Aus etwas Zitrone oder Essig zauberst Du rasch eine selbstgemachte Spülung – die sogenannte saure Rinse. Und so geht's:

Gib einfach ein bis zwei Esslöffel Apfelessig oder Zitronensaft (frisch gepresst oder aus der Flasche) in einen Liter kaltes Wasser. Danach das Ganze gut vermischen und nach dem Shampoo und Conditioner als letzte Spülung in Deine Haare geben. Schon hast Du eine saure Rinse! Nun etwas einwirken lassen (1-2 Minuten) und nicht mehr ausspülen. Der saure pH-Wert hilft, die durch den Kalk aufgeraute Schuppenschicht des Haares zu schließen, wodurch das Haar glatter und glänzender wird und weniger anfällig für Mineralablagerungen ist. Aber Achtung: Nicht zu viel Zitrone oder Essig verwenden, denn auch das kann bei zu hoher Konzentration Deine Haare und Kopfhaut austrocknen oder reizen. Beginne mit einer geringeren Konzentration und steigere sie bei Bedarf.

Vergleichstabelle: Hartes vs. Weiches Wasser

MerkmalHartes WasserWeiches Wasser
Mineraliengehalt (Ca, Mg)HochNiedrig
Auswirkung auf HaareTrocken, spröde, glanzlos, Frizz, Farbverblassen, MessingstichGlatt, glänzend, weich, geschmeidig, Farbbrillanz
Auswirkung auf KopfhautTrocken, juckend, Schuppen, Reizungen, verstopfte PorenAusgeglichen, gesund, weniger Irritationen
Produktivität von ShampooGeringe Schaumbildung, Seifenrückstände, reduzierte WirkungReichhaltige Schaumbildung, effektive Reinigung, optimale Wirkung
Lebensdauer der HaarfarbeKürzer, schnelleres Verblassen und FarbveränderungenLänger, bessere Farbbeständigkeit und Leuchtkraft

Häufig gestellte Fragen zu kalkhaltigem Wasser und Haaren

Was sind die Folgen von kalkhaltigem Wasser auf die Haare?

Durch die ungelösten Stoffe Magnesium und Calcium, die sich um das Äußere der Strähnen legen, trocknen Deine Haare aus. Sie werden spröde, glanzlos und neigen zu Frizz. Bei gefärbten Haaren führt dies zu schnellerem Verblassen und unerwünschten Farbstichen. Das Gleiche geschieht bei der Kopfhaut, die austrocknet, juckt und Schuppen bildet.

Welches Wasser ist am besten für Haare?

Weiches Wasser, also solches mit einem geringen Mineralienanteil, eignet sich am besten für Deine Haarwäsche. Es enthält wenig Kalk, sodass Deine Mähne nicht austrocknet, glänzend bleibt und Pflegeprodukte optimal wirken können. Idealerweise sollte der pH-Wert des Wassers leicht sauer bis neutral sein.

Welche Wasserhärte ist gut für die Haare?

Eine Härte unter 8,4 Grad dH (weiches Wasser) ist optimal, da dann der Kalkanteil sehr gering ist. Je näher am Idealwert von 0 °dH, desto besser für die Haare und die Kopfhaut.

Kann hartes Wasser Haarausfall verursachen?

Direkter Haarausfall durch hartes Wasser ist selten. Jedoch kann die Austrocknung der Kopfhaut, die Verstopfung der Follikel und die daraus resultierende Reizung und Entzündung ein ungesundes Umfeld für das Haarwachstum schaffen. Das Haar kann durch die Brüchigkeit auch leichter abbrechen, was den Eindruck von Haarausfall erwecken kann.

Wie oft sollte man eine saure Rinse anwenden?

Eine saure Rinse kann ein- bis zweimal pro Woche angewendet werden, besonders wenn Du in einer Region mit sehr hartem Wasser lebst. Achte auf die Konzentration, um eine Überreizung von Haar und Kopfhaut zu vermeiden. Bei empfindlicher Kopfhaut oder sehr trockenem Haar solltest Du die Anwendungshäufigkeit reduzieren.

Wie behandelt man das Kalk-Haar-Problem bei gefärbten Haaren?

Um die negativen Auswirkungen von Kalk auf gefärbtes Haar zu minimieren, solltest Du auf spezielle Shampoos für gefärbtes Haar zurückgreifen, die auch Chelatbildner enthalten oder explizit als „Kalkshampoo“ ausgewiesen sind. Ein Duschfilter kann ebenfalls eine gute Investition sein. Regelmäßige saure Rinsen helfen, die Schuppenschicht zu schließen und den Glanz zu erhalten. Vermeide zudem zu heißes Wasser, da dies die Schuppenschicht zusätzlich öffnet.

Alles in allem hören sich die ganzen Nachteile nach einer „haarigen Angelegenheit“ an, finden sie nicht? Doch ist hartes Wasser stets von Nachteil? Nein, nicht immer! Für das Trinkwasser ist ein gewisser Mineraliengehalt sogar gesund. Aber für Deine Haare, insbesondere wenn sie gefärbt sind, ist es eine Herausforderung. Mit dem richtigen Wissen und den passenden Maßnahmen kannst Du jedoch Deine Mähne optimal schützen und ihre Schönheit bewahren. Dein Haar wird es Dir mit Glanz, Geschmeidigkeit und langanhaltender Farbe danken.

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