Wie wirkt Silikon auf die Haare?

Silikone im Shampoo: Glanz oder Last fürs Haar?

19/01/2019

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Der Wunsch nach glänzendem, geschmeidigem und leicht kämmbarem Haar ist universell. Jahrelang schien die Antwort der Kosmetikindustrie auf sprödes und widerspenstiges Haar in einem einzigen Inhaltsstoff zu liegen: Silikon. Es versprach sofortige Ergebnisse, verwandelte stumpfes Haar in eine glänzende Mähne und machte das Kämmen zum Kinderspiel. Doch hinter diesem verlockenden Sofort-Effekt verbirgt sich eine komplexe Debatte, die sowohl die Gesundheit unserer Haare als auch die unserer Umwelt betrifft. Ist Silikon wirklich der Freund, für den es sich ausgibt, oder gibt es Schattenseiten, die wir nicht ignorieren sollten? Tauchen wir ein in die Welt der Silikone und entdecken Sie, was wirklich in Ihrem Shampoo steckt.

Was ist die natürliche Haarpflege?
Die natürliche Haarpflege von Jean & Len enthält alles, was trockenes Haar benötigt: Glycerin und Hafer löschen den Durst, gleichzeitig wird auf beschwerende Silikone oder Parabene verzichtet. Besonders mögen wir den herben, krautigen Duft nach Rosmarin. Eine tolle Abwechslung zu blumigen Shampoos und daher unser Favorit für den Sommer.
Inhaltsverzeichnis

Was sind Silikone und wie wirken sie im Haar?

Silikone sind synthetische Polymere, genauer gesagt Kunststoffe, die aus Silizium gewonnen werden – einem der häufigsten Elemente der Erdkruste. In der Kosmetikindustrie werden sie aufgrund ihrer einzigartigen Eigenschaften geschätzt: Sie sind wasserabweisend, gleitfähig und bilden einen feinen Film. Wenn sie in Shampoos, Conditionern oder Haarölen eingesetzt werden, legen sich diese mikroskopisch kleinen Partikel wie ein unsichtbarer Mantel um jedes einzelne Haar. Dieser schützende Film versiegelt die aufgeraute Schuppenschicht des Haares, füllt kleine Unebenheiten auf und sorgt so für eine spürbar glattere Oberfläche.

Das Ergebnis ist beeindruckend: Das Haar wirkt sofort glänzender, geschmeidiger und fühlt sich seidig an. Frizz, also krauses und fliegendes Haar, gehört der Vergangenheit an, da die äußere Schicht des Haares versiegelt ist. Zudem wird die Kämmbarkeit erheblich verbessert, da die Haare weniger aneinanderhaften und sich nicht mehr so leicht verheddern. Silikone sind außerdem extrem hitzebeständig und bieten einen gewissen Schutz vor den Schäden, die durch Hitze-Styling (Föhn, Glätteisen) oder UV-Strahlung entstehen können, da sie eine Barriere zwischen dem Haar und äußeren Einflüssen bilden.

Die Schattenseiten der glänzenden Fassade: Warum Silikone kritisch sind

Trotz der offensichtlichen Vorteile gibt es gewichtige Gründe, warum Silikone in Haarpflegeprodukten zunehmend in der Kritik stehen und viele Verbraucher nach silikonfreien Alternativen suchen. Die Probleme beginnen oft erst bei langfristiger Anwendung und betreffen sowohl das Haar selbst als auch die Umwelt.

Der Trugschluss der Pflege: Der Build-up-Effekt

Einer der Hauptkritikpunkte ist, dass Silikone das Haar nur oberflächlich verschönern. Sie versiegeln zwar die Haaroberfläche und kaschieren Schäden, dringen aber nicht in das Haarinnere ein, um es tatsächlich zu nähren. Im Gegenteil: Durch die Bildung einer feinen Silikonschicht wird es nährenden Inhaltsstoffen aus Haarpflegeprodukten – wie Vitaminen, Proteinen oder Fetten – erschwert oder gar unmöglich gemacht, die Haarstruktur zu erreichen und ihre pflegende Wirkung zu entfalten. Bei längerem Gebrauch von silikonhaltigen Shampoos kommt es zum sogenannten Build-up-Effekt: Immer mehr Silikonschichten lagern sich übereinander ab. Das Haar wird dadurch zunehmend beschwert, wirkt stumpf, strähnig und kann sogar „lasch“ aussehen. Paradoxerweise kann das Haar unter dieser undurchlässigen Schicht unbemerkt austrocknen und brüchig werden, da es keine Feuchtigkeit und Nährstoffe mehr aufnehmen kann.

Auswirkungen auf die Kopfhaut

Der Silikonfilm legt sich nicht nur um die Haare, sondern kann auch die Poren der Kopfhaut verstopfen. Dies kann die natürliche Funktion der Kopfhaut beeinträchtigen, da Schweiß und Schadstoffe nur noch schwer austreten können. Die Folge können diverse Kopfhautprobleme sein, darunter vermehrte Schuppenbildung, Juckreiz, Rötungen oder sogar ein brennendes Gefühl. Eine gesunde Kopfhaut ist jedoch die Basis für gesundes Haarwachstum, und eine gestörte Kopfhaut kann das Haar zusätzlich belasten.

Wie gut sind Shampoos ohne Silikone?
Zudem haben wir ihre Zutatenliste auf andere Kunststoffbestandteile überprüft, die ebenfalls die Umwelt belasten können. Das Ergebnis: 17 von insgesamt 40 Shampoos ohne Silikone im Test schneiden mit "sehr gut" ab, sieben weitere mit "gut". Damit ist mehr als die Hälfte der Produkte empfehlenswert. Darunter vor allem die getestete Naturkosmetik.

Die Umweltbelastung durch Silikone

Ein weiterer, immer wichtiger werdender Aspekt ist die Umweltbelastung. Silikone sind synthetische Kunststoffe, die in der Natur nur sehr schwer abbaubar sind. Jedes Mal, wenn wir unsere Haare mit silikonhaltigen Produkten waschen, gelangen diese Kunststoffe über das Abwasser in unsere Kläranlagen und von dort in Gewässer und Böden. Manche Silikone, insbesondere die ringförmigen Siloxane D4 (Cyclotetrasiloxan) und D5 (Cyclopentasiloxan), gelten als besonders kritisch, da sie sehr persistent (langlebig) sind und sich in der Umwelt anreichern können. Aufgrund dieser Bedenken wurden die Siloxane D4 und D5 in der EU ab 2020 in abwaschbaren Kosmetikprodukten wie Shampoos und Conditionern beschränkt. Dies zeigt, dass die Industrie auf die Umweltbedenken reagiert, aber viele andere Silikone bleiben weiterhin im Umlauf und stellen eine Herausforderung für Ökosysteme dar.

Wasserlösliche vs. Wasserunlösliche Silikone: Ein entscheidender Unterschied

Es ist wichtig zu wissen, dass nicht alle Silikone gleich sind. In Kosmetika kommen verschiedene Arten zum Einsatz, die sich insbesondere in ihrer Löslichkeit unterscheiden. Diese Eigenschaft hat maßgeblichen Einfluss darauf, wie sie sich auf Haar und Umwelt auswirken:

  • Wasserlösliche Silikone: Diese Silikone lassen sich leicht mit Wasser aus dem Haar und von der Kopfhaut spülen. Dadurch entstehen keine Ablagerungen oder der gefürchtete Build-up-Effekt. Sie bieten die Vorteile der Silikone – Glanz, Geschmeidigkeit, verbesserte Kämmbarkeit – ohne die langfristigen Nachteile der Ablagerung. Beispiele sind Dimethicone Copolyol, PEG-Dimethicone oder Polysiloxane. Sie sind oft an der Endung „-cone copolyol“, „-dimethicone copolyol“ oder der Vorsilbe „PEG-“ zu erkennen.
  • Wasserunlösliche (fettlösliche) Silikone: Diese Silikone haften stärker am Haar und lassen sich nicht einfach mit Wasser auswaschen. Sie sind es, die sich über die Zeit ansammeln und den Build-up-Effekt verursachen. Sie sind oft günstiger in der Herstellung, weshalb sie häufiger in preiswerteren Produkten zu finden sind. Typische Bezeichnungen sind Dimethicone, Cyclomethicone, Cyclopentasiloxane oder Amodimethicone. Diese erkennen Sie meist an den Endungen „-cone“, „-xane“ oder „-conol“.

Die Wahl zwischen wasserlöslichen und wasserunlöslichen Silikonen kann also einen großen Unterschied machen, wenn Sie die Vorteile von Silikonen nutzen möchten, ohne die Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

Vorteile von Silikonen: Wann sie doch sinnvoll sein können

Trotz der genannten Nachteile haben Silikone unbestreitbar auch ihre Berechtigung und Vorteile, die je nach individuellen Bedürfnissen und Haartyp von Bedeutung sein können:

  • Sofortige Ästhetik: Sie liefern einen sofort sichtbaren Glanz und eine verbesserte Geschmeidigkeit, indem sie die Haaroberfläche glätten und versiegeln. Für einen schnellen optischen Effekt sind sie unschlagbar.
  • Verbesserte Kämmbarkeit: Besonders bei langem, feinem oder zu Verfilzungen neigendem Haar erleichtern Silikone das Entwirren nach der Haarwäsche erheblich und reduzieren Haarbruch beim Bürsten.
  • Hitzeschutz: Silikone sind hervorragende Hitzeschutz-Agenten. Sie bilden eine Barriere um das Haar, die es vor den hohen Temperaturen von Föhn, Glätteisen oder Lockenstab schützt. Wenn Sie Ihr Haar häufig mit Hitze stylen, können Silikone dazu beitragen, Strukturschäden und Austrocknung zu minimieren.
  • UV-Schutz: Ähnlich wie beim Hitzeschutz können Silikone das Haar auch vor schädlicher UV-Strahlung schützen, die das Haar ausbleichen und spröde machen kann.

Für Menschen, die täglich Hitzestyling verwenden oder deren Haar extrem strapaziert ist und einen schnellen „Reparatur“-Effekt benötigt, können Produkte mit wasserlöslichen Silikonen eine gute temporäre Lösung sein.

Silikonfreie Shampoos: Eine wachsende Alternative

Angesichts der zunehmenden Kritik an Silikonen und einem wachsenden Umweltbewusstsein haben sich silikonfreie Shampoos zu einer beliebten und weit verbreiteten Alternative entwickelt. Der Markt bietet mittlerweile eine enorme Vielfalt an Produkten, die ohne diese Kunststoffe auskommen – von zertifizierter Naturkosmetik bis hin zu konventionellen Marken.

Einige der Vorteile von silikonfreien Shampoos sind:

  • Echtere Pflege: Ohne die Silikonschicht können pflegende Inhaltsstoffe wie natürliche Öle, Vitamine oder Proteine besser in das Haar eindringen und es von innen heraus nähren.
  • Leichteres Haar: Das Haar wird nicht beschwert und behält sein natürliches Volumen und seine Sprungkraft.
  • Gesündere Kopfhaut: Die Kopfhaut kann besser atmen, was das Risiko von Verstopfungen und damit verbundenen Problemen reduziert.
  • Umweltfreundlicher: Weniger schwer abbaubare Kunststoffe gelangen ins Abwasser.

Tests von Verbrauchermagazinen haben gezeigt, dass viele silikonfreie Shampoos hervorragende Ergebnisse liefern. Bei einem Test von 40 silikonfreien Shampoos schnitten beispielsweise 17 Produkte mit „sehr gut“ und sieben weitere mit „gut“ ab, wobei Naturkosmetikprodukte besonders positiv auffielen. Allerdings zeigte der Test auch, dass „silikonfrei“ nicht immer „frei von Problemstoffen“ bedeutet. Einige Produkte enthielten andere bedenkliche Inhaltsstoffe wie Polyethylenglykole (PEG) und chemisch verwandte Stoffe, die die Haut durchlässiger machen können, oder problematische Konservierungs- und Duftstoffe sowie andere Kunststoffe. Es lohnt sich also, auch bei silikonfreien Shampoos einen Blick auf die vollständige Zutatenliste zu werfen.

Vergleichstabelle: Silikonhaltig vs. Silikonfrei

Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Vor- und Nachteile von silikonhaltigen und silikonfreien Shampoos gegenübergestellt:

MerkmalSilikonhaltige ShampoosSilikonfreie Shampoos
Glanz & GeschmeidigkeitSofortiger, starker Glanz durch Oberflächenversiegelung; sehr geschmeidig.Natürlicher Glanz, der über die Zeit aufgebaut wird; kann anfangs weniger geschmeidig wirken.
KämmbarkeitSehr gute Kämmbarkeit, besonders bei langen Haaren.Gute Kämmbarkeit, erfordert aber oft zusätzliche Pflegeprodukte (Conditioner).
HaarvolumenKann das Haar beschweren und Volumen reduzieren (besonders wasserunlösliche Silikone).Erhält das natürliche Volumen und die Sprungkraft des Haares.
PflegewirkungOberflächliche Pflege, Nährstoffe können das Haarinnere schwer erreichen (Build-up).Ermöglicht eine tiefere Pflege, da Nährstoffe besser eindringen können.
KopfhautKann Poren verstopfen und zu Problemen führen (Juckreiz, Schuppen).Fördert eine gesunde, atmungsaktive Kopfhaut.
UmweltverträglichkeitSchwer abbaubar, kann Gewässer und Böden belasten.Umweltfreundlicher, da keine schwer abbaubaren Kunststoffe.
HitzeschutzBietet guten Schutz vor Hitze- und UV-Schäden.Bietet keinen direkten Schutz; zusätzlicher Hitzeschutz ist notwendig.
LangzeitwirkungKann zu Build-up, Austrocknung des Haares unter der Schicht führen.Fördert die natürliche Haargesundheit und langfristige Stärke.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie erkenne ich Silikone in Shampoos?

Silikone sind in der Inhaltsstoffliste (INCI-Liste) auf der Verpackung zu finden. Achten Sie auf Bezeichnungen, die auf „-cone“, „-xane“ oder „-conol“ enden. Beispiele sind Dimethicone, Cyclomethicone, Cyclopentasiloxane, Phenyl Trimethicone, Amodimethicone oder Dimethiconol. Wasserlösliche Silikone sind oft an der Vorsilbe „PEG-“ oder der Endung „-copolyol“ zu erkennen, z.B. PEG-12 Dimethicone.

Wie wirkt Silikon auf die Haare?

Muss ich komplett auf Silikone verzichten?

Nein, die Entscheidung liegt bei Ihnen und hängt von Ihren individuellen Bedürfnissen ab. Wenn Sie häufig Hitze-Styling verwenden, können Silikone (insbesondere wasserlösliche) einen nützlichen Schutz bieten. Wenn Sie jedoch unter beschwertem, schnell fettendem Haar oder Kopfhautproblemen leiden und Wert auf eine naturnähere Pflege legen, sind silikonfreie Produkte eine gute Wahl. Viele finden einen Kompromiss, indem sie Shampoos ohne Silikone verwenden und bei Bedarf Leave-in-Produkte mit wasserlöslichen Silikonen für den Hitzeschutz einsetzen.

Was passiert, wenn ich von silikonhaltig auf silikonfrei wechsle?

Die Umstellung kann eine Übergangsphase erfordern. Zunächst kann sich das Haar stumpf, strohig oder fettig anfühlen, da die Silikonschicht abgebaut wird und die natürlichen Strukturen des Haares zum Vorschein kommen. Das ist normal und legt sich in der Regel nach einigen Haarwäschen. Um den Prozess zu beschleunigen und alte Silikonablagerungen zu entfernen, kann es hilfreich sein, zu Beginn ein Tiefenreinigungsshampoo zu verwenden.

Was ist ein Tiefenreinigungsshampoo?

Ein Tiefenreinigungsshampoo (auch Clarifying Shampoo genannt) ist speziell formuliert, um Rückstände von Stylingprodukten, überschüssigem Talg, Chlor, Mineralien aus hartem Wasser und eben auch Silikonablagerungen gründlich aus dem Haar zu entfernen. Es reinigt das Haar und die Kopfhaut intensiver als normale Shampoos. Es sollte jedoch nicht täglich verwendet werden, da es das Haar austrocknen kann. Eine Anwendung alle paar Wochen oder bei Bedarf (z.B. vor einer Haarfärbung oder nach der Umstellung auf silikonfreie Produkte) ist ausreichend.

Fazit

Die Frage nach Silikonen im Shampoo ist komplex und es gibt keine pauschale Antwort, die für jeden gilt. Während Silikone unbestreitbar für einen sofortigen Glanz und eine verbesserte Kämmbarkeit sorgen können, bergen sie bei längerfristiger Anwendung – insbesondere wasserunlösliche Silikone – das Risiko von Build-up, Haaraustrocknung unter der Oberfläche und Kopfhautproblemen. Hinzu kommt die Umweltbelastung durch schwer abbaubare Kunststoffe.

Silikonfreie Shampoos hingegen ermöglichen eine tiefere, natürlichere Pflege und sind umweltfreundlicher, erfordern aber möglicherweise eine Eingewöhnungsphase. Letztendlich ist die Entscheidung eine sehr persönliche, die auf Ihrem Haartyp, Ihren Stylinggewohnheiten, Ihren Umweltbedenken und Ihren individuellen Präferenzen basiert. Es lohnt sich, bewusst zu wählen und auf die Bedürfnisse Ihres Haares zu hören, um eine gesunde und nachhaltige Haarpflegeroutine zu finden, die Ihnen und der Umwelt guttut.

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