22/07/2020
Henna, ein uraltes Schönheitsgeheimnis, das seit Jahrtausenden zur Färbung von Haaren und Haut verwendet wird, genießt heute einen ambivalenten Ruf. Für viele ist es die perfekte natürliche Alternative zu chemischen Haarfärbemitteln, während andere besorgt sind, es könnte dem Haar schaden. Doch was steckt wirklich dahinter? Ist Henna schädlich für die Haare, oder sind es eher Missverständnisse und bestimmte Produkte, die seinen Ruf trüben? Lassen Sie uns diese Frage gründlich beleuchten und die Fakten von den Mythen trennen.

Was ist Henna überhaupt?
Bevor wir über mögliche Schäden sprechen, ist es wichtig zu verstehen, was Henna eigentlich ist. Echtes Henna wird aus den getrockneten und pulverisierten Blättern des Hennastrauchs (Lawsonia inermis) gewonnen. Die Pflanze stammt ursprünglich aus Nordafrika, dem Nahen Osten und Indien. Der Farbstoff, der für die rötlichen bis bräunlichen Töne verantwortlich ist, nennt sich Lawsone. Dieser natürliche Farbstoff bindet sich an das Keratin der Haare und bildet eine schützende Schicht um jede einzelne Strähne. Im Gegensatz zu chemischen Haarfarben, die in die Haarstruktur eindringen und die natürliche Pigmentierung verändern, legt sich Henna um das Haar.
Die vielen Gesichter des Hennas: Reinheit ist entscheidend
Der Schlüssel zur Beantwortung der Frage nach der Schädlichkeit liegt oft in der Art des Hennas, das verwendet wird. Es gibt nicht nur ein Henna, sondern verschiedene Produkte, die unter diesem Namen verkauft werden:
- Reines Naturhenna: Dies ist das Pulver, das ausschließlich aus den Blättern der Lawsonia inermis besteht. Es enthält keine Zusatzstoffe, Chemikalien oder Metallsalze. Dieses reines Naturhenna ist in der Regel nicht schädlich für die Haare, sondern kann ihnen sogar nützen. Es verleiht dem Haar rötliche bis kupferfarbene Töne, je nach Ausgangshaarfarbe und Einwirkzeit.
- Compound Henna oder Henna-Mischungen: Diese Produkte enthalten neben Henna oft auch andere Pflanzenpulver wie Indigo (für braune oder schwarze Töne), Cassia (für blonde oder goldene Töne und zur Pflege), Amla oder Rhabarber. Auch diese Mischungen können unbedenklich sein, solange sie nur aus Pflanzenbestandteilen bestehen.
- „Schwarzes Henna“: Hier liegt die größte Gefahr! „Schwarzes Henna“ ist oft kein reines Henna, sondern eine Mischung, die den chemischen Farbstoff PPD (Paraphenylendiamin) in sehr hohen Konzentrationen enthält. PPD ist ein starkes Allergen, das schwere allergische Reaktionen hervorrufen kann, von Juckreiz und Ausschlag bis hin zu Blasenbildung, dauerhaften Narben und sogar Atemproblemen. Diese Reaktionen können sofort oder auch Tage nach der Anwendung auftreten und eine Sensibilisierung für PPD verursachen, die lebenslang bestehen bleiben kann. Wenn Sie später mit einer herkömmlichen Haarfärbung in Kontakt kommen, die PPD enthält (was bei den meisten der Fall ist), können erneut heftige Reaktionen auftreten.
- Henna mit Metallsalzen: Einige ältere oder minderwertige Henna-Produkte können Metallsalze (z.B. Bleiacetat, Silbersalze) enthalten, um andere Farbtöne zu erzielen oder die Haltbarkeit zu verbessern. Diese Metallsalze können im Haar verbleiben und bei einer späteren chemischen Färbung (insbesondere mit Peroxid) zu unvorhersehbaren Reaktionen führen, wie z.B. einem Grünstich, Haarbruch oder einer starken Erhitzung des Haares.
Vorteile von reinem Naturhenna für die Haare
Wenn wir von reines Naturhenna sprechen, das frei von schädlichen Zusätzen ist, bietet es tatsächlich eine Reihe von Vorteilen für das Haar:
- Stärkung der Haarstruktur: Henna ummantelt jede einzelne Haarsträhne und bildet eine Art Schutzfilm. Dies kann dazu beitragen, das Haar vor Umwelteinflüssen zu schützen und es widerstandsfähiger gegen Bruch zu machen.
- Verleiht Glanz und Fülle: Durch die glättende Wirkung auf die Haaroberfläche reflektiert das Haar Licht besser und erhält einen gesunden, natürlichen Glanz. Viele Anwender berichten auch von einem volleren Haargefühl.
- Natürliche Farbe ohne Ammoniak und Peroxid: Es verzichtet auf aggressive Chemikalien, die das Haar austrocknen oder schädigen können.
- Kann die Kopfhaut beruhigen: Einige Anwender berichten, dass Henna bei juckender oder schuppiger Kopfhaut lindernd wirken kann.
- Dauerhafte Farbe: Henna wäscht sich nicht aus, sondern verblasst langsam. Die Farbe wächst mit dem Haar heraus.
Mögliche Nachteile und „Schäden“ (außerhalb von PPD und Metallsalzen)
Auch bei der Verwendung von reinem Henna gibt es Aspekte zu beachten, die fälschlicherweise als „Schäden“ interpretiert werden könnten:
- Trockenheit: In seltenen Fällen kann reines Henna, insbesondere bei sehr trockenem oder porösem Haar, ein Gefühl der Trockenheit verursachen. Dies liegt jedoch meist an der adstringierenden Wirkung des Hennas und kann durch die Zugabe von pflegenden Ölen (z.B. Kokosöl, Arganöl) zur Henna-Mischung oder durch eine intensive Haarkur nach der Färbung gemildert werden.
- Eingeschränkte Farbpalette: Henna kann das Haar nicht aufhellen. Es kann nur dunkler färben oder rötliche bis kupferne Reflexe hinzufügen. Ein Wechsel von dunklem zu hellem Haar ist mit Henna nicht möglich.
- Schwieriger Wechsel zu chemischen Farben: Da Henna das Haar ummantelt, kann es für chemische Farben schwieriger sein, ins Haar einzudringen. Dies kann zu ungleichmäßigen Farbergebnissen führen, wenn man versucht, chemisch gefärbtes Haar mit Henna zu färben oder umgekehrt. Ein Strähnchentest ist hier unerlässlich.
- Langwieriger Prozess: Die Anwendung von Henna ist zeitaufwendiger als chemische Färbemittel, da die Paste oft mehrere Stunden einwirken muss.
Vergleichstabelle: Reines Henna vs. Chemische Haarfarbe
Um die Unterschiede und potenziellen Auswirkungen besser zu verstehen, hilft ein direkter Vergleich:
| Merkmal | Reines Naturhenna | Chemische Haarfarbe |
|---|---|---|
| Inhaltsstoffe | Pflanzlich (Lawsonia inermis), keine synthetischen Zusätze | Synthetische Farbstoffe, Ammoniak, Peroxid, PPD etc. |
| Wirkungsweise | Ummantelt das Haar, legt sich wie ein Schutzfilm außen an | Dringt in die Haarstruktur ein, verändert die Pigmente |
| Potenzielle Schäden | Sehr gering, bei Reinheit keine Schädigung. Trockenheit selten und behebbar. | Austrocknung, Haarbruch, Allergien (PPD), Kopfhautreizungen |
| Farbspektrum | Rötliche, kupferne, bräunliche Töne (nicht aufhellend) | Sehr breit, von blond bis schwarz, Aufhellung möglich |
| Haltbarkeit | Permanent, wächst heraus | Semi-permanent bis permanent, wächst heraus |
| Einwirkzeit | Länger (oft 1-4 Stunden oder mehr) | Kürzer (oft 20-45 Minuten) |
| Allergiegefahr | Sehr gering (pflanzlich), außer bei speziellen Pflanzenallergien | Höher, insbesondere durch PPD und andere Chemikalien |
Wann ist besondere Vorsicht geboten?
- Bei blondiertem oder chemisch behandeltem Haar: Wenn Ihr Haar stark blondiert oder chemisch behandelt ist, kann Henna (insbesondere wenn es nicht 100% rein ist oder Metallsalze enthält) zu unvorhersehbaren Farbergebnissen führen, wie z.B. einem Grünstich. Testen Sie immer an einer unauffälligen Strähne!
- Wenn Sie später chemisch färben möchten: Haben Sie Henna verwendet, das Metallsalze enthielt, kann eine spätere chemische Färbung zu Haarbruch oder einer extremen Erhitzung führen. Informieren Sie Ihren Friseur immer über frühere Henna-Anwendungen.
- Bei „schwarzem Henna“-Tattoos: Wenn Sie bereits eine allergische Reaktion auf ein temporäres „schwarzes Henna“-Tattoo hatten, sollten Sie niemals Haarfärbemittel verwenden, die PPD enthalten, auch keine herkömmlichen chemischen Haarfarben.
- Bei Unklarheit über die Inhaltsstoffe: Kaufen Sie Henna immer von vertrauenswürdigen Quellen und prüfen Sie die Liste der Inhaltsstoffe sorgfältig. „100% reines Henna“ sollte nur Lawsonia inermis enthalten.
Tipps für die sichere Anwendung von Henna
- Kaufen Sie nur reines Naturhenna: Achten Sie auf Produkte, die ausdrücklich als 100% Lawsonia inermis deklariert sind und keine weiteren Inhaltsstoffe wie „PPD“, „Sodium Picramate“, „Metallic Salts“ oder ähnliches aufführen. Die Produktauswahl ist hier das A und O.
- Führen Sie einen Strähnchentest durch: Bevor Sie Ihr gesamtes Haar färben, testen Sie die Henna-Mischung an einer unauffälligen Strähne (z.B. unter dem Deckhaar). So sehen Sie das Farbergebnis und können die Einwirkzeit anpassen.
- Machen Sie einen Patch-Test (Allergietest): Tragen Sie eine kleine Menge der angerührten Henna-Paste (oder des Henna-Pulvers gemischt mit Wasser) auf eine kleine Hautstelle (z.B. in der Armbeuge oder hinter dem Ohr) auf und lassen Sie sie 48 Stunden einwirken. Achten Sie auf Rötung, Juckreiz oder Schwellung. Auch Naturprodukte können Allergien auslösen, wenn auch seltener als chemische.
- Pflegen Sie Ihr Haar: Nach dem Henna kann eine intensive Haarkur helfen, die Haarstruktur zu pflegen und eventuelle Trockenheit zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
F: Kann Henna Haare austrocknen?
A: Reines Henna hat eine leicht adstringierende Wirkung. Bei manchen Haartypen, insbesondere sehr trockenem Haar, kann dies zu einem Gefühl der Trockenheit führen. Dies ist jedoch kein dauerhafter Schaden und kann durch die Zugabe von pflegenden Ölen zur Henna-Mischung oder durch eine intensive Haarkur nach dem Färben leicht behoben werden.
F: Kann ich nach Henna meine Haare chemisch färben?
A: Ja, aber mit Vorsicht. Wenn Sie reines Naturhenna verwendet haben, ist dies in der Regel unproblematisch. Wenn das Henna jedoch Metallsalze enthielt, kann dies zu unvorhersehbaren Reaktionen mit chemischen Haarfarben führen (z.B. Grünstich, Haarbruch). Informieren Sie Ihren Friseur immer über frühere Henna-Anwendungen und führen Sie unbedingt einen Strähnchentest durch.
F: Ist schwarzes Henna sicher?
A: Nein! „Schwarzes Henna“, insbesondere das für temporäre Tattoos angebotene, enthält oft hohe Konzentrationen von PPD (Paraphenylendiamin), einem hochallergenen chemischen Farbstoff. Dies kann zu schweren allergischen Reaktionen, Narben und einer lebenslangen Sensibilisierung führen. Finger weg von „schwarzem Henna“!
F: Wie oft kann ich Henna verwenden?
A: Reines Henna ist sanft genug, um es regelmäßig anzuwenden, sobald der Ansatz nachwächst oder Sie die Farbe auffrischen möchten. Viele Anwender färben alle 4-6 Wochen.

F: Verändert Henna die Haarstruktur?
A: Henna dringt nicht in die Haarstruktur ein wie chemische Farben, sondern legt sich um das Haar. Es kann das Haar etwas dicker und griffiger machen, da es eine zusätzliche Schicht bildet. Dies wird jedoch eher als positiver Effekt wahrgenommen, da es dem Haar mehr Fülle verleiht.
F: Wäscht sich Henna aus?
A: Nein, reines Henna ist eine permanente Farbe und wäscht sich nicht aus. Die Farbe verblasst im Laufe der Zeit leicht und wächst mit dem Haar heraus. Um die Farbe zu erhalten, müssen Sie den Ansatz nachfärben.
Fazit: Die Wahrheit über Henna und Haarschäden
Zusammenfassend lässt sich sagen: Reines Naturhenna, das ausschließlich aus der Pflanze Lawsonia inermis besteht und frei von chemischen Zusätzen wie PPD oder Metallsalzen ist, ist in der Regel nicht schädlich für die Haare. Ganz im Gegenteil, es kann die Haare stärken, ihnen Glanz verleihen und eine natürliche, schonende Alternative zu synthetischen Haarfarben bieten.
Die Sorge um Haarschäden durch Henna rührt hauptsächlich von zwei Quellen her:
- Der Verwendung von verunreinigtem „schwarzem Henna“, das gefährliches PPD enthält und schwere allergische Reaktionen hervorrufen kann.
- Der Verwendung von Henna-Produkten, die Metallsalze enthalten, welche unvorhersehbare Reaktionen mit nachfolgenden chemischen Behandlungen verursachen können.
Wenn Sie sich für Henna entscheiden, achten Sie unbedingt auf die Reinheit des Produkts und wählen Sie vertrauenswürdige Anbieter. Mit der richtigen Produktauswahl und Anwendung kann Henna ein wunderbares, natürliches Mittel sein, um Ihre Haare zu färben und gleichzeitig zu pflegen.
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Ist Henna wirklich schädlich für die Haare? kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Haarpflege besuchen.
