23/05/2019
Der Beruf des Friseurs, oft auch Coiffeur genannt, ist weit mehr als nur Haare schneiden. Es ist eine Kunstform, die Kreativität, Präzision und ein ausgeprägtes Gespür für Ästhetik erfordert. Wer den Wunsch hegt, diesen vielseitigen und menschennahen Beruf zu erlernen, steht vor der Frage: Wie lange dauert die Ausbildung zur Coiffeuse oder zum Coiffeur eigentlich? Die Antwort ist nicht immer pauschal, denn es gibt verschiedene Faktoren, die die Dauer beeinflussen können. In diesem umfassenden Artikel beleuchten wir die Regeldauer, mögliche Verkürzungen und Verlängerungen, die Inhalte der Ausbildung und die vielfältigen Karrierewege, die sich danach eröffnen.

Die Ausbildung zum Friseur ist in Deutschland traditionell als duales System konzipiert. Das bedeutet, dass die Auszubildenden einen Teil ihrer Zeit im Betrieb, also in einem Friseursalon, verbringen und den anderen Teil in der Berufsschule. Diese Kombination aus praktischer Arbeit und theoretischem Unterricht stellt sicher, dass die angehenden Fachkräfte sowohl handwerkliches Geschick als auch fundiertes Wissen erwerben. Es ist ein Weg, der Engagement und Leidenschaft erfordert, aber auch enorme persönliche und berufliche Erfüllung bieten kann.
Die Regeldauer der Friseurausbildung
Standardmäßig beträgt die Ausbildungszeit zum Friseur oder zur Friseurin drei Jahre. Diese Dauer ist im Berufsbildungsgesetz (BBiG) festgelegt und bietet ausreichend Zeit, um alle notwendigen Fertigkeiten und Kenntnisse zu erlernen, die für diesen komplexen Beruf erforderlich sind. Innerhalb dieser drei Jahre durchlaufen die Auszubildenden verschiedene Lernphasen, in denen sie sukzessive anspruchsvollere Aufgaben übernehmen und ihr Wissen vertiefen.
Das duale System ist hierbei der Schlüssel zum Erfolg. Im Friseursalon sammeln die Auszubildenden täglich praktische Erfahrungen. Sie lernen unter Anleitung erfahrener Friseure den Umgang mit verschiedenen Haartypen, Schnitttechniken, Farbchemie und Stylinggeräten. Gleichzeitig entwickeln sie wichtige Soft Skills wie Kundenberatung, Kommunikationsfähigkeit und Zeitmanagement. Die Berufsschule ergänzt diese praktische Ausbildung durch theoretisches Wissen in Fächern wie Haar- und Hautkunde, Chemie, Betriebswirtschaftslehre und Hygienevorschriften. Die Kombination aus beidem bereitet optimal auf die Anforderungen des Berufslebens vor.
Struktur und Inhalte der Ausbildung
Die Ausbildung ist in verschiedene Ausbildungsjahre unterteilt, die jeweils auf den vorherigen aufbauen:
Erstes Ausbildungsjahr: Grundlagen schaffen
Im ersten Jahr liegt der Fokus auf den absoluten Grundlagen. Auszubildende lernen die Arbeitsabläufe im Salon kennen, die richtige Kundenbegrüßung und -betreuung, das Waschen, Föhnen und Pflegen der Haare. Auch die Grundkenntnisse der Hygiene und des Arbeitsschutzes sind essenziell. Erste einfache Schnitt- und Färbetechniken werden vermittelt, oft zunächst an Übungsköpfen, bevor es an echte Kunden geht. In der Berufsschule stehen Haar- und Hautkunde, Farb- und Formenlehre sowie grundlegende Betriebswirtschaftslehre auf dem Lehrplan.
Zweites Ausbildungsjahr: Vertiefung und Spezialisierung
Im zweiten Jahr werden die Kenntnisse und Fertigkeiten vertieft. Anspruchsvollere Schnitttechniken, dauerhafte Haarumformungen (Dauerwelle), verschiedene Färbetechniken wie Strähnen oder Balayage sowie Hochsteckfrisuren und Make-up-Grundlagen gehören zum Alltag. Die Kundenberatung wird komplexer, da Auszubildende lernen, individuelle Wünsche zu erkennen und passende Lösungen anzubieten. Der Umgang mit chemischen Produkten wird sicherer, und das Verständnis für deren Wirkung auf das Haar wächst. Die Berufsschule ergänzt dies mit detaillierter Chemie der Haarfarben, speziellen Behandlungsmethoden und der Vertiefung der betrieblichen Abläufe.
Drittes Ausbildungsjahr: Perfektionierung und Prüfungsvorbereitung
Das dritte und letzte Ausbildungsjahr dient der Perfektionierung der erlernten Fähigkeiten und der intensiven Vorbereitung auf die Gesellenprüfung. Auszubildende arbeiten weitgehend selbstständig unter Aufsicht, meistern komplexe Frisuren und Farbbehandlungen und beraten Kunden umfassend. Sie lernen, Trends zu erkennen und umzusetzen, und entwickeln ihren eigenen Stil. Auch das Thema Salonmanagement, Marketing und die Rolle des Friseurs als Dienstleister werden behandelt. Die Berufsschule wiederholt und festigt alle prüfungsrelevanten Inhalte und bereitet gezielt auf die theoretischen und praktischen Prüfungen vor.
Möglichkeiten zur Verkürzung der Ausbildungszeit
Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Ausbildungszeit zum Friseur verkürzt werden. Dies ist besonders attraktiv für Auszubildende, die bereits Vorkenntnisse mitbringen oder über einen höheren Schulabschluss verfügen. Die häufigsten Gründe für eine Verkürzung sind:
- Abitur oder Fachhochschulreife: Wer bereits einen höheren Schulabschluss besitzt, kann die Ausbildungszeit in der Regel um sechs Monate, also auf zweieinhalb Jahre, verkürzen. Bei sehr guten Leistungen in Betrieb und Berufsschule ist in Ausnahmefällen sogar eine Verkürzung auf zwei Jahre möglich.
- Sehr gute Leistungen: Auch ohne Abitur kann die Ausbildung bei durchgehend hervorragenden Leistungen im Betrieb und in der Berufsschule verkürzt werden. Dies erfordert eine enge Abstimmung mit dem Ausbildungsbetrieb und der zuständigen Handwerkskammer.
- Berufsbezogene Vorkenntnisse: Wenn bereits eine andere Ausbildung abgeschlossen wurde, die relevante Inhalte für den Friseurberuf vermittelt hat (z.B. Kosmetiker/-in), kann dies ebenfalls zu einer Verkürzung führen.
Eine Verkürzung muss immer beim Ausbildungsbetrieb und der zuständigen Handwerkskammer beantragt und genehmigt werden. Es ist wichtig, dies frühzeitig zu besprechen und die Voraussetzungen genau zu prüfen.
Möglichkeiten zur Verlängerung der Ausbildungszeit
Nicht nur Verkürzungen, sondern auch Verlängerungen der Ausbildungszeit sind unter bestimmten Umständen möglich. Dies dient dazu, Auszubildenden die Möglichkeit zu geben, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen, auch wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten oder besondere Bedürfnisse bestehen:
- Teilzeitausbildung: Für Auszubildende mit familiären Verpflichtungen (z.B. Kinderbetreuung) oder gesundheitlichen Gründen kann die Ausbildung in Teilzeit absolviert werden. Die tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit reduziert sich, wodurch sich die Gesamtdauer der Ausbildung entsprechend verlängert.
- Krankheit oder Mutterschutz/Elternzeit: Längere Fehlzeiten aufgrund von Krankheit, Mutterschutz oder Elternzeit können zu einer Verlängerung der Ausbildungszeit führen, um sicherzustellen, dass alle Ausbildungsinhalte vermittelt werden können.
- Mangelnde Leistungen: In Ausnahmefällen kann die Ausbildung auch bei wiederholt mangelhaften Leistungen verlängert werden, um dem Auszubildenden eine weitere Chance zum Bestehen der Prüfung zu geben. Dies geschieht jedoch nur in Absprache mit dem Betrieb und der Handwerkskammer.
Auch eine Verlängerung muss beantragt und genehmigt werden. Das Ziel ist immer, den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung zu ermöglichen.
Die Prüfungen im Überblick: Der Weg zum Gesellenbrief
Während der Ausbildung zum Friseur sind zwei wesentliche Prüfungen zu absolvieren:
Die Zwischenprüfung
Etwa zur Mitte der Ausbildungszeit, in der Regel nach anderthalb Jahren, findet die Zwischenprüfung statt. Sie dient dazu, den aktuellen Leistungsstand der Auszubildenden zu überprüfen und festzustellen, ob die bisherigen Ausbildungsinhalte erfolgreich vermittelt wurden. Die Zwischenprüfung besteht meist aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil. Das Ergebnis der Zwischenprüfung hat keinen direkten Einfluss auf die Zulassung zur Gesellenprüfung, gibt aber wichtige Rückmeldung über den Lernfortschritt und mögliche Schwachstellen.
Die Gesellenprüfung
Die Gesellenprüfung ist der krönende Abschluss der Ausbildung und findet am Ende des dritten Ausbildungsjahres statt (oder entsprechend früher bei Verkürzung). Sie besteht aus einem praktischen und einem schriftlichen Teil. Der praktische Teil umfasst in der Regel verschiedene Aufgaben wie Haarschnitt, Coloration, Dauerwelle, Hochsteckfrisur und Kundenberatung. Im schriftlichen Teil werden das theoretische Wissen in Bereichen wie Haar- und Hautkunde, Chemie, Betriebswirtschaft und Arbeitsorganisation abgefragt. Nach erfolgreichem Bestehen der Gesellenprüfung erhält man den Gesellenbrief und ist offiziell anerkannter Friseur oder anerkannte Friseurin.
Was macht einen guten Friseur aus?
Neben den technischen Fertigkeiten sind bestimmte persönliche Eigenschaften entscheidend für eine erfolgreiche Karriere im Friseurhandwerk:
- Kreativität und Sinn für Ästhetik: Die Fähigkeit, neue Trends zu erkennen und umzusetzen, sowie ein Auge für Formen, Farben und Proportionen.
- Kommunikationsfähigkeit: Zuhören können, Wünsche der Kunden verstehen und klar kommunizieren.
- Empathie und Freundlichkeit: Ein guter Umgang mit Menschen und das Schaffen einer angenehmen Atmosphäre.
- Fingerfertigkeit und Präzision: Sorgfältiges Arbeiten und Liebe zum Detail.
- Belastbarkeit: Langes Stehen, oft unter Zeitdruck, erfordert körperliche und geistige Ausdauer.
- Lernbereitschaft: Der Beruf entwickelt sich ständig weiter, daher ist die Bereitschaft zur Weiterbildung unerlässlich.
Nach der Ausbildung: Karrierewege und Weiterbildung
Mit dem Gesellenbrief in der Hand stehen Ihnen zahlreiche Türen offen. Der Friseurberuf bietet vielfältige Karrierewege:
- Arbeit im Salon: Die meisten Gesellen beginnen ihre Karriere als angestellte Friseure in einem Salon. Hier können sie ihre Fähigkeiten festigen und weiter ausbauen.
- Spezialisierung: Viele Friseure spezialisieren sich im Laufe ihrer Karriere auf bestimmte Bereiche wie Coloration (Colorist), Hochsteckfrisuren (Stylist), Barber-Services für Herren oder Haarverlängerungen.
- Die Meisterprüfung: Ein wichtiger Schritt für viele ist die Meisterprüfung. Der Meisterbrief ist die höchste Qualifikation im Friseurhandwerk und berechtigt zur Führung eines eigenen Salons und zur Ausbildung von Lehrlingen. Die Meisterschule dauert in der Regel zwischen sechs Monaten (Vollzeit) und zwei Jahren (Teilzeit).
- Selbstständigkeit: Mit dem Meisterbrief oder ausreichend Berufserfahrung ist der Schritt in die Selbstständigkeit möglich, entweder mit einem eigenen Salon oder als mobiler Friseur.
- Arbeit in der Mode- und Medienbranche: Friseure sind auch bei Filmproduktionen, Fotoshootings, Modenschauen oder im Theater gefragt.
- Lehrtätigkeit: Erfahrene Friseure können ihr Wissen auch als Ausbilder in Berufsschulen oder Akademien weitergeben.
Die Möglichkeiten sind vielfältig und bieten für jeden Geschmack und jede Ambition den passenden Weg.
Vergleich der Ausbildungsdauern
| Ausgangssituation | Regeldauer | Mögliche Verkürzung | Verkürzte Dauer |
|---|---|---|---|
| Hauptschulabschluss | 3 Jahre | Bei sehr guten Leistungen | 2,5 Jahre (selten 2 Jahre) |
| Realschulabschluss | 3 Jahre | Bei sehr guten Leistungen | 2,5 Jahre (selten 2 Jahre) |
| Abitur / Fachhochschulreife | 3 Jahre | Regulär | 2,5 Jahre |
| Abitur / Fachhochschulreife | 3 Jahre | Bei sehr guten Leistungen | 2 Jahre |
| Vorherige berufsbezogene Ausbildung | 3 Jahre | Individuell nach Anrechnung | Variabel (z.B. 2 oder 2,5 Jahre) |
Häufig gestellte Fragen zur Coiffeur-Ausbildung
Kann ich die Ausbildung verkürzen, wenn ich sehr gute Noten habe?
Ja, bei konstant sehr guten Leistungen sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule kann ein Antrag auf Verkürzung der Ausbildungszeit gestellt werden. Dies muss in Absprache mit Ihrem Ausbildungsbetrieb und der zuständigen Handwerkskammer erfolgen.
Was passiert, wenn ich die Gesellenprüfung nicht bestehe?
Keine Sorge, das ist kein Beinbruch. Sie haben die Möglichkeit, die Gesellenprüfung zweimal zu wiederholen. In Absprache mit Ihrem Ausbildungsbetrieb kann die Ausbildungszeit um bis zu ein Jahr verlängert werden, um Ihnen die nötige Zeit zur Vorbereitung auf die Wiederholungsprüfung zu geben.
Brauche ich Abitur, um Friseur zu werden?
Nein, ein Abitur ist für die Friseurausbildung nicht erforderlich. Die meisten Auszubildenden beginnen mit einem Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss. Ein höherer Schulabschluss kann jedoch die Möglichkeit einer Ausbildungsverkürzung bieten.
Wie viel verdient man während der Ausbildung als Friseur-Azubi?
Die Ausbildungsvergütung für Friseure ist im Vergleich zu anderen Berufen oft geringer, steigt aber von Jahr zu Jahr. Die genaue Höhe variiert je nach Tarifvertrag der Region und des Ausbildungsbetriebs. Informieren Sie sich vorab bei der Handwerkskammer oder Gewerkschaft über die aktuellen Sätze. Trotzdem ist die Ausbildung eine Investition in eine erfüllende Zukunft.
Kann ich die Ausbildung auch in Teilzeit absolvieren?
Ja, unter bestimmten Voraussetzungen, wie zum Beispiel familiären Verpflichtungen, ist eine Ausbildung in Teilzeit möglich. Die wöchentliche Ausbildungszeit reduziert sich dann, und die Gesamtdauer der Ausbildung verlängert sich entsprechend. Dies muss mit dem Ausbildungsbetrieb und der Kammer vereinbart werden.
Die Ausbildung zum Friseur ist eine spannende und lohnende Reise. Sie erfordert Disziplin, Kreativität und eine echte Leidenschaft für das Handwerk. Die standardmäßigen drei Jahre bieten eine solide Grundlage, aber die Möglichkeiten zur Anpassung der Dauer an individuelle Bedürfnisse zeigen die Flexibilität des Systems. Wer diesen Beruf wählt, entscheidet sich für eine Karriere, die stets im Wandel ist, persönliche Entfaltung ermöglicht und jeden Tag neue Herausforderungen und Erfolgserlebnisse bereithält. Die Investition in diese Ausbildung zahlt sich aus, denn das Friseurhandwerk bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft, der Schönheit und Wohlbefinden in den Alltag der Menschen bringt.
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