11/08/2023
Die Welt der Coiffeure ist eine faszinierende Mischung aus Kreativität, Handwerk und zwischenmenschlicher Interaktion. Für viele junge Talente ist ein Praktikum der ideale Einstieg, um erste praktische Erfahrungen zu sammeln und den Berufsalltag in einem Friseursalon kennenzulernen. Doch bevor Schere und Kamm in die Hand genommen werden, ist ein essenzielles Dokument unerlässlich: der Praktikumsvertrag. In der Schweiz sind dabei spezifische Vorschriften zu beachten, die sowohl Praktikanten als auch Saloninhabern Rechtssicherheit und Klarheit bieten. Dieser umfassende Leitfaden beleuchtet Schritt für Schritt, wie ein Praktikumsvertrag für ein Coiffeur-Praktikum in der Schweiz korrekt erstellt wird, um Missverständnisse zu vermeiden und eine fruchtbare Lernumgebung zu gewährleisten.

- 1. Die klare Definition des Coiffeur-Praktikums
- 2. Pflichten und Verantwortlichkeiten: Das Herzstück des Salon-Praktikums
- 3. Vergütung und Sozialleistungen im Friseurbereich
- 4. Dauer und Kündigung des Praktikumsverhältnisses im Salon
- 5. Vertraulichkeit und Datenschutz im Coiffeur-Umfeld
- 6. Schlussbestimmungen und rechtliche Sicherheit für das Coiffeur-Praktikum
- Zusätzliche Überlegungen für ein Coiffeur-Praktikum: Mehr als nur Haare schneiden
- Vergleichstabelle: Arten von Coiffeur-Praktika in der Schweiz
- Häufig gestellte Fragen (FAQs) zu Coiffeur-Praktika in der Schweiz
1. Die klare Definition des Coiffeur-Praktikums
Der erste und grundlegende Schritt bei der Erstellung eines Praktikumsvertrags für ein Coiffeur-Praktikum in der Schweiz ist die präzise Definition des Praktikums selbst. Dies schafft Klarheit für beide Parteien und legt den Rahmen der Zusammenarbeit fest. Hierbei geht es nicht nur um formale Aspekte, sondern auch um die inhaltliche Ausrichtung des Lernprozesses im Salonalltag.
- Zeitraum des Praktikums: Legen Sie das genaue Start- und Enddatum fest. Ein Praktikum ist per Definition befristet. Typische Praktika in Coiffeursalons können von wenigen Wochen (z.B. zur Berufsorientierung) bis zu mehreren Monaten (zur Vertiefung von Fertigkeiten) dauern.
- Wöchentliche Arbeitszeit: Geben Sie die vereinbarte Stundenzahl pro Woche an. Dies ist wichtig für die Einhaltung der Arbeitsgesetzgebung und die Planung im Salon. Klären Sie, ob Überstunden anfallen können und wie diese vergütet oder kompensiert werden.
- Ort des Praktikums: Nennen Sie die genaue Adresse des Coiffeursalons.
- Höhe der Vergütung: Auch wenn Praktika oft als Lerngelegenheit betrachtet werden, ist eine angemessene Vergütung in der Schweiz, insbesondere bei aktiver Mitarbeit, üblich und oft sogar gesetzlich vorgeschrieben. Stellen Sie sicher, dass die Vergütung den kantonalen Mindestlohnvorschriften entspricht, falls der Praktikant wesentliche Arbeiten verrichtet, die über reine Beobachtung und Hilfstätigkeiten hinausgehen. Ein unbezahltes Praktikum ist nur dann zulässig, wenn der Lerncharakter überwiegt und keine produktiven Tätigkeiten ausgeführt werden.
Beispiel für die Definition im Vertrag:
"Das Praktikum beginnt am [Startdatum] und endet am [Enddatum]. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt [Anzahl Stunden], verteilt auf [Anzahl] Tage. Das Praktikum findet am Standort [Name des Salons], [Strasse, PLZ Ort] statt. Der Praktikant wird mit einer monatlichen Vergütung von [Betrag] CHF entlohnt, zahlbar jeweils am Ende des Monats."
Darüber hinaus sollte in diesem Abschnitt eine allgemeine Beschreibung der angestrebten Lernziele und des Zwecks des Praktikums im Coiffeurhandwerk enthalten sein. Dies könnte das Kennenlernen des Salonbetriebs, das Erlernen grundlegender Handgriffe oder die Unterstützung des Teams bei spezifischen Aufgaben umfassen.
2. Pflichten und Verantwortlichkeiten: Das Herzstück des Salon-Praktikums
In einem Coiffeursalon ist Teamarbeit entscheidend. Daher müssen die spezifischen Aufgaben und Verantwortlichkeiten des Praktikanten sowie die Erwartungen an den Salon klar definiert werden. Dies fördert nicht nur die Effizienz, sondern auch die Qualität der Ausbildung und die Integration des Praktikanten ins Team.
Pflichten und Aufgaben des Praktikanten im Coiffeursalon:
- Mithilfe bei der Kundenbetreuung: Dazu gehören das Empfangen von Kunden, das Anbieten von Getränken, das Vorbereiten des Arbeitsplatzes und das Haarewaschen.
- Unterstützung bei Styling und Farbbehandlungen: Dies kann das Anreichen von Utensilien, das Mischen von Haarfarben, das Föhnen unter Anleitung oder das Abteilen von Haarpartien umfassen.
- Salonpflege und Hygiene: Reinigung des Arbeitsplatzes, Sterilisation von Werkzeugen, Fegen von Haaren und allgemeine Sauberkeit im Salon sind essenziell.
- Produktkenntnisse: Erlernen der im Salon verwendeten Produkte und deren Anwendung.
- Teilnahme an Schulungen: Aktive Beteiligung an internen Weiterbildungen oder Produktschulungen.
- Einhalten von Regeln: Pünktlichkeit, Einhaltung der Kleiderordnung und der internen Salonrichtlinien.
Es wird erwartet, dass der Praktikant über eine hohe Lernbereitschaft, gute kommunikative Fähigkeiten und ein ausgeprägtes Bewusstsein für Hygienevorschriften verfügt. Eine positive Einstellung und die Fähigkeit, eigenständig sowie im Team zu arbeiten, sind für den Erfolg im Salon unerlässlich.

Verantwortlichkeiten des Salons:
- Fachkundige Anleitung: Bereitstellung einer qualifizierten Betreuungsperson, die den Praktikanten anleitet und Feedback gibt.
- Lernmöglichkeiten: Sicherstellung, dass der Praktikant vielfältige Einblicke in den Coiffeurberuf erhält und die Möglichkeit hat, praktische Fertigkeiten zu entwickeln.
- Arbeitsmittel: Bereitstellung der notwendigen Werkzeuge, Produkte und Schutzkleidung.
- Arbeitssicherheit: Einhaltung aller Vorschriften zum Arbeits- und Gesundheitsschutz, insbesondere im Umgang mit Chemikalien und scharfen Werkzeugen.
- Feedback: Regelmässige Rückmeldungen zum Lernfortschritt und zur Leistung des Praktikanten.
3. Vergütung und Sozialleistungen im Friseurbereich
Die Frage der Vergütung ist ein wichtiger Aspekt jedes Praktikumsvertrags. In der Schweiz gelten Mindestlohnvorschriften, die auch für Praktikanten relevant sein können, insbesondere wenn sie produktive Arbeit leisten. Es ist entscheidend, dass die festgelegte Vergütung angemessen ist und den gesetzlichen Bestimmungen entspricht, um faire Arbeitsbedingungen zu gewährleisten.
Die Höhe der Vergütung hängt oft von der Art des Praktikums (schulisch vs. berufsorientiert), der Dauer und dem Grad der Eigenverantwortung ab. Für ein Praktikum im Coiffeursalon, das über reine Beobachtung hinausgeht und aktive Mithilfe bei Kunden oder im Salonbetrieb beinhaltet, ist eine Vergütung in der Regel obligatorisch.
Sozialleistungen:
Neben der monatlichen Vergütung haben Praktikanten in der Schweiz in der Regel Anspruch auf gesetzlich vorgeschriebene Sozialleistungen. Dazu gehören:
- Urlaubstage: Für Vollzeitpraktikanten sind mindestens vier Wochen bezahlter Urlaub pro Jahr vorzusehen. Praktikanten unter 20 Jahren haben oft Anspruch auf eine zusätzliche Urlaubswoche. Die Berechnung erfolgt pro rata für die Dauer des Praktikums.
- Krankenversicherung: Die obligatorische Krankenversicherung ist Sache des Praktikanten. Der Arbeitgeber ist jedoch verpflichtet, bei Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfall den Lohn für eine bestimmte Zeit weiterzuzahlen (Lohnfortzahlungspflicht gemäss OR).
- Unfallversicherung: Der Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, den Praktikanten gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle zu versichern. Dies ist besonders im Coiffeurberuf wichtig, wo der Umgang mit scharfen Werkzeugen und Chemikalien ein gewisses Risiko birgt.
- AHV/IV/EO-Beiträge: Ab einem bestimmten Mindestlohn sind auch für Praktikanten Beiträge zur Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), Invalidenversicherung (IV) und Erwerbsersatzordnung (EO) zu leisten.
Beispiel für die Klausel:
"Der Praktikant hat Anspruch auf eine monatliche Vergütung in Höhe von [Betrag] CHF. Der jährliche Urlaubsanspruch beträgt [Anzahl] Arbeitstage (pro rata für die Dauer des Praktikums). Der Arbeitgeber schliesst für den Praktikanten eine obligatorische Unfallversicherung ab. Die Beiträge für AHV/IV/EO werden gemäss den gesetzlichen Bestimmungen abgerechnet."
4. Dauer und Kündigung des Praktikumsverhältnisses im Salon
Ein Praktikumsvertrag wird in der Regel als befristeter Arbeitsvertrag abgeschlossen. Das bedeutet, dass er automatisch zu einem vorher festgelegten Datum endet. Dennoch sind Regelungen zur vorzeitigen Beendigung des Praktikumsverhältnisses essenziell, um auf unvorhergesehene Umstände reagieren zu können.
Dauer des Praktikums:
Im Vertrag muss das genaue Start- und Enddatum des Praktikums klar festgehalten werden. Eine Verlängerung ist nur im gegenseitigen Einvernehmen und durch eine schriftliche Vertragsänderung möglich. Befristete Verträge enden grundsätzlich ohne Kündigung.
Kündigungsmöglichkeiten:
Obwohl befristet, sollte der Vertrag Regelungen zur vorzeitigen Kündigung enthalten. Dies schützt beide Seiten. Man unterscheidet hierbei zwischen ordentlicher und fristloser Kündigung.

- Ordentliche Kündigung: Obwohl bei befristeten Verträgen unüblich, kann eine Klausel für eine ordentliche Kündigung mit einer bestimmten Frist (z.B. zwei Wochen oder ein Monat) sinnvoll sein, falls die Zusammenarbeit nicht den Erwartungen entspricht und eine Beendigung im gegenseitigen Einvernehmen nicht möglich ist. Dies bietet eine Ausstiegsmöglichkeit, ohne dass ein schwerwiegender Grund vorliegen muss.
- Fristlose Kündigung: Diese ist nur aus wichtigen Gründen möglich, die eine Fortsetzung des Praktikumsverhältnisses unzumutbar machen. Beispiele hierfür im Coiffeurkontext könnten sein:
- Schwerwiegende Verstösse gegen die Hygienevorschriften oder Sicherheitsbestimmungen, die die Gesundheit von Kunden oder Mitarbeitern gefährden.
- Wiederholtes unentschuldigtes Fehlen oder grobe Unpünktlichkeit.
- Diebstahl von Salonmaterialien oder Kundeneigentum.
- Grobe Verletzung der Geheimhaltungspflichten (z.B. Weitergabe von Kundendaten oder Geschäftsinformationen).
- Unprofessionelles Verhalten gegenüber Kunden oder Kollegen.
- Grobe Fahrlässigkeit im Umgang mit teuren Geräten oder Produkten.
- Einvernehmliche Auflösung: Arbeitgeber und Praktikant können das Praktikumsverhältnis jederzeit im gegenseitigen Einvernehmen beenden, wenn beide Seiten feststellen, dass das Praktikum keinen Mehrwert mehr bietet oder die Umstände eine Fortsetzung unmöglich machen. Dies sollte schriftlich festgehalten werden.
Beispiel für die Klausel:
"Das Praktikum hat eine Dauer von [Anzahl Monaten/Jahren]. Sowohl der Arbeitgeber als auch der Praktikant haben das Recht, das Praktikum durch schriftliche Kündigung mit einer Frist von [Anzahl Wochen/Monaten] vorzeitig zu beenden, sofern ein wichtiger Grund vorliegt, der die Fortsetzung des Verhältnisses unzumutbar macht. Eine einvernehmliche Auflösung ist jederzeit möglich."
5. Vertraulichkeit und Datenschutz im Coiffeur-Umfeld
In einem Coiffeursalon werden täglich sensible Informationen gehandhabt – von persönlichen Kundendaten bis hin zu internen Geschäftsstrategien. Eine strikte Vertraulichkeits- und Datenschutzklausel im Praktikumsvertrag ist daher unerlässlich, um die Interessen des Salons und die Privatsphäre der Kunden zu schützen.
Umfang der Vertraulichkeit:
Der Praktikant erhält Einblick in verschiedene Aspekte des Salonbetriebs, die als vertraulich gelten können:
- Kundendaten: Namen, Kontaktdaten, persönliche Vorlieben (z.B. Lieblingsfrisuren, Farbwünsche), Allergien oder andere gesundheitsbezogene Informationen, die für die Behandlung relevant sind.
- Geschäftsgeheimnisse: Dazu gehören Preisstrategien, Marketingkampagnen, Lieferantenbeziehungen, spezielle Behandlungsmethoden oder Rezepturen sowie Umsatzzahlen.
- Interne Abläufe: Organisation des Salons, Schichtpläne, Mitarbeitereinsatzplanung.
- Wissen über Produkte: Detaillierte Kenntnisse über die im Salon verwendeten professionellen Produkte und deren spezifische Anwendung.
Der Praktikant verpflichtet sich, alle während des Praktikums erlangten Informationen, die nicht öffentlich zugänglich sind, streng vertraulich zu behandeln und diese weder direkt noch indirekt an Dritte weiterzugeben. Diese Pflicht besteht in der Regel auch nach Beendigung des Praktikums fort.
Datenschutz:
Zusätzlich zur Vertraulichkeit ist die Einhaltung der Datenschutzgesetze von grösster Bedeutung. In der Schweiz regelt das Datenschutzgesetz (DSG) den Umgang mit Personendaten. Der Praktikumsvertrag sollte explizit festhalten, dass der Praktikant verpflichtet ist, die geltenden Datenschutzrichtlinien des Salons und die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten.
- Dies bedeutet, dass Kundendaten nur für den vorgesehenen Zweck verwendet werden dürfen und nicht unbefugt eingesehen, kopiert oder weitergegeben werden dürfen.
- Auch der Umgang mit internen Mitarbeiterdaten oder Bewerbungsunterlagen, die dem Praktikanten möglicherweise zugänglich gemacht werden, unterliegt strengen Datenschutzbestimmungen.
Beispiel für die Klausel:
"Der Praktikant verpflichtet sich, während des Praktikums erlangte vertrauliche Informationen über den Salonbetrieb, dessen Kunden und Geschäftsgeheimnisse streng geheim zu halten und nicht an Dritte weiterzugeben. Diese Verpflichtung bleibt auch nach Beendigung des Praktikums bestehen. Ferner verpflichtet sich der Praktikant zur Einhaltung der geltenden Datenschutzrichtlinien des Unternehmens sowie des Schweizer Datenschutzgesetzes."
6. Schlussbestimmungen und rechtliche Sicherheit für das Coiffeur-Praktikum
Die Schlussbestimmungen eines Praktikumsvertrags sind zwar oft als "Standardklauseln" angesehen, aber sie sind entscheidend für die rechtliche Absicherung beider Parteien. Sie klären, welches Recht anwendbar ist und wo mögliche Streitigkeiten ausgetragen werden.
- Anwendbares Recht: Es sollte klar festgelegt werden, dass der Vertrag dem Schweizer Recht unterliegt. Dies ist besonders wichtig, wenn der Praktikant aus dem Ausland kommt oder der Salon internationale Bezüge hat.
- Gerichtsstand: Die Vereinbarung eines ausschliesslichen Gerichtsstands bestimmt, welches Gericht für die Beilegung von Streitigkeiten aus dem Vertrag zuständig ist. Dies schafft Klarheit und vermeidet aufwändige Rechtsstreitigkeiten in verschiedenen Jurisdiktionen. Meist ist dies der Ort des Coiffeursalons.
- Schriftformklausel: Eine Klausel, die besagt, dass Änderungen oder Ergänzungen des Vertrages der Schriftform bedürfen, um gültig zu sein. Dies verhindert Missverständnisse und mündliche Absprachen, die schwer nachweisbar sind.
- Salvatorische Klausel: Sollte eine Bestimmung des Vertrags unwirksam sein, bleibt der Rest des Vertrages gültig. Die unwirksame Bestimmung wird durch eine wirksame Bestimmung ersetzt, die dem wirtschaftlichen Zweck der unwirksamen Bestimmung am nächsten kommt.
Beispiel für die Klausel:
"Dieser Vertrag unterliegt dem Schweizer Recht. Für alle Streitigkeiten aus oder im Zusammenhang mit diesem Vertrag wird als ausschliesslicher Gerichtsstand [Gerichtsstand, z.B. der Sitz des Salons] vereinbart. Änderungen oder Ergänzungen dieses Vertrages bedürfen der Schriftform. Sollten einzelne Bestimmungen dieses Vertrages unwirksam sein oder werden, so wird die Gültigkeit der übrigen Bestimmungen davon nicht berührt."
Zusätzliche Überlegungen für ein Coiffeur-Praktikum: Mehr als nur Haare schneiden
Über die rechtlichen Rahmenbedingungen hinaus gibt es spezifische Aspekte, die ein Praktikum im Coiffeursalon besonders machen und im Vorfeld bedacht werden sollten, um eine optimale Lernerfahrung zu gewährleisten:
- Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz: Der Umgang mit Chemikalien (Haarfarben, Dauerwellenflüssigkeiten), scharfen Werkzeugen (Scheren, Rasiermesser) und elektrischen Geräten (Föhn, Glätteisen) erfordert besondere Vorsicht. Der Salon ist verpflichtet, den Praktikanten umfassend in die Sicherheitsvorschriften einzuweisen und Schutzausrüstung (z.B. Handschuhe) bereitzustellen.
- Umgang mit Kunden: Im Coiffeurberuf ist die Kundenbetreuung von zentraler Bedeutung. Praktikanten sollten lernen, wie man Kunden professionell empfängt, berät und auf ihre Wünsche eingeht. Dies schliesst auch den Umgang mit Reklamationen oder schwierigen Situationen ein.
- Lernziele und Mentoring: Es ist hilfreich, wenn Salon und Praktikant gemeinsam konkrete Lernziele definieren (z.B. "Erlernen von drei Föhntechniken", "Sicheres Mischen von Standard-Haarfarben"). Ein fester Mentor oder eine Ansprechperson im Salon kann den Lernprozess optimal begleiten.
- Berufsgeheimnis: Coiffeure erfahren oft persönliche Geschichten ihrer Kunden. Der Praktikant sollte für die Wichtigkeit des Berufsgeheimnisses sensibilisiert werden, auch wenn es nicht direkt vertraglich festgehalten ist.
Vergleichstabelle: Arten von Coiffeur-Praktika in der Schweiz
Praktika im Coiffeurhandwerk können unterschiedliche Formen annehmen, je nach Zweck und Dauer. Diese Tabelle hilft, die gängigsten Arten zu unterscheiden:
| Merkmal | Schulisches/Orientierungspraktikum | Berufsorientiertes/Lernpraktikum |
|---|---|---|
| Zweck | Erste Einblicke in den Coiffeurberuf, Berufsorientierung, Erfüllung schulischer Anforderungen. | Vertiefung spezifischer Fertigkeiten, Vorbereitung auf eine Coiffeurlehre, Erwerb praktischer Erfahrungen. |
| Dauer | Kurz (wenige Tage bis Wochen, z.B. Schulferienpraktikum). | Länger (mehrere Wochen bis Monate, oft als Überbrückung oder zur gezielten Qualifikation). |
| Vergütung | Oft unbezahlt, da der Lerncharakter und die Beobachtung im Vordergrund stehen und keine wesentliche produktive Tätigkeit erfolgt. | Meist vergütet, da der Praktikant aktiv im Salon mitarbeitet und produktive Aufgaben übernimmt. Die Vergütung muss den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. |
| Haupttätigkeiten | Beobachten der Stylisten, einfache Hilfsarbeiten (z.B. Fegen, Haare waschen), Kennenlernen des Salonbetriebs und der Produkte. | Aktive Assistenz bei Kunden (z.B. Haare föhnen, Farbe auftragen unter Anleitung), Produktberatung, Mitarbeit an Salonprojekten. |
| Rechtliche Anforderungen | Weniger formell, aber ein schriftlicher Vertrag oder eine Bestätigung ist auch hier empfehlenswert, um Erwartungen zu klären. | Ein detaillierter, schriftlicher Praktikumsvertrag mit klaren Regelungen zu allen oben genannten Punkten ist zwingend erforderlich. |
| Fokus | Den Arbeitsalltag eines Coiffeurs verstehen und die eigene Berufswahl überprüfen. | Spezifische praktische Fähigkeiten erwerben und sich auf eine berufliche Laufbahn im Coiffeurhandwerk vorbereiten. |
Häufig gestellte Fragen (FAQs) zu Coiffeur-Praktika in der Schweiz
Potenzielle Praktikanten und Saloninhaber haben oft spezifische Fragen, die über die reinen Vertragsformalitäten hinausgehen. Hier sind einige der häufigsten:
- Muss ich meine eigenen Scheren oder andere Werkzeuge mitbringen?
In der Regel stellt der Salon die notwendigen Arbeitsmittel und Produkte zur Verfügung. Für spezifische Übungszwecke kann es jedoch sinnvoll sein, eigene Übungsköpfe oder Basiswerkzeuge zu besitzen. Dies sollte vorab geklärt werden. - Welche Kleiderordnung gilt in einem Friseursalon?
Die meisten Salons erwarten eine gepflegte, professionelle Erscheinung. Oft wird dunkle, bequeme Kleidung bevorzugt, die Schmutz und Haare gut kaschiert. Fragen Sie im Salon nach den spezifischen Erwartungen. - Darf ich während des Praktikums selbstständig Haare schneiden oder färben?
Dies hängt stark von Ihrem Erfahrungsstand, der Dauer des Praktikums und der Philosophie des Salons ab. In den meisten Fällen werden Praktikanten zunächst assistieren und nur unter sehr enger Anleitung oder an Übungsköpfen selbstständig arbeiten dürfen. Der Fokus liegt auf dem Lernen und der Sicherheit. - Was passiert, wenn ich während des Praktikums krank werde?
Sie sollten den Salon umgehend informieren. Die Regelungen zur Lohnfortzahlung bei Krankheit sind im Praktikumsvertrag oder durch das Schweizer Obligationenrecht (OR) festgelegt. - Gibt es spezielle Schulungen oder Weiterbildungsmöglichkeiten für Praktikanten im Salon?
Viele Salons bieten interne Produktschulungen oder Workshops zu neuen Techniken an. Fragen Sie nach, welche Lernmöglichkeiten über die tägliche Arbeit hinaus geboten werden. - Wie wichtig ist der Umgang mit Kunden im Praktikum?
Sehr wichtig! Auch wenn Sie anfangs vielleicht nur assistieren, ist der professionelle und freundliche Umgang mit Kunden ein zentraler Bestandteil des Coiffeurberufs. Üben Sie aktives Zuhören und Empathie. - Besteht die Möglichkeit einer Übernahme oder einer Lehrstelle nach dem Praktikum?
Ein Praktikum ist oft eine hervorragende Gelegenheit, sich für eine spätere Anstellung oder eine Lehrstelle zu empfehlen. Besprechen Sie Ihre Zukunftsperspektiven und das Interesse des Salons offen gegen Ende des Praktikums.
Ein gut durchdachter und umfassender Praktikumsvertrag ist die Grundlage für ein erfolgreiches Praktikum im Coiffeursalon in der Schweiz. Er schützt nicht nur beide Parteien rechtlich, sondern schafft auch eine klare Erwartungshaltung und fördert eine produktive Lernumgebung. Nehmen Sie sich die Zeit, alle Punkte sorgfältig zu definieren und bei Unsicherheiten fachkundigen Rat einzuholen. So steht einer glänzenden Zukunft im Friseurhandwerk nichts im Wege!
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