03/09/2023
Die Festlegung der richtigen Preise für Dienstleistungen in Ihrem Friseursalon ist weit mehr als nur das Decken der Kosten. Es ist eine strategische Entscheidung, die den Erfolg, die Wahrnehmung und die langfristige Rentabilität Ihres Unternehmens maßgeblich beeinflusst. Von der Eröffnung Ihres Salons an sollten Sie nichts dem Zufall überlassen, wenn es um Ihre Preisstruktur geht. Eine präzise Preiskalkulation erfordert eine umfassende Erfassung und Harmonisierung aller Kosten, die in Ihrem Friseursalon oder Kosmetikbetrieb anfallen. Nur wenn Preise, Umsatzvorgaben für Mitarbeiter, die Qualität Ihrer Dienstleistungen und die Lohnkosten in einem gesunden Gleichgewicht zueinander stehen, können Sie einen nachhaltigen Erfolg erzielen und eine angemessene Vergütung für sich und Ihr Team sicherstellen.

Warum eine präzise Preiskalkulation entscheidend ist
Viele Saloninhaber neigen dazu, Preise basierend auf einem Bauchgefühl oder den Preisen der Konkurrenz festzulegen. Dies ist jedoch ein gefährlicher Ansatz, der schnell zu finanziellen Engpässen führen kann. Eine fundierte Preiskalkulation ermöglicht es Ihnen nicht nur, alle laufenden Kosten zu decken, sondern auch einen Gewinn zu erzielen, der Investitionen in die Zukunft Ihres Salons ermöglicht und Ihnen ein angemessenes Einkommen sichert. Es geht darum, den Wert Ihrer Arbeit und der Ihrer Mitarbeiter zu kennen und diesen Wert auch entsprechend zu bepreisen. Eine gut durchdachte Preisstrategie sendet auch eine klare Botschaft an Ihre Kunden über die Qualität und das Niveau Ihrer Dienstleistungen.
Die Grundlagen der Kostenanalyse im Friseursalon
Bevor Sie einen Preis für eine Dienstleistung festlegen können, müssen Sie ein klares Bild Ihrer gesamten Kosten haben. Diese lassen sich grob in fixe und variable Kosten unterteilen, zu denen noch die Lohnkosten als gesonderter, oft größter Posten hinzukommen.
Fixe Kosten (Strukturkosten)
Die Fixkosten, auch Strukturkosten genannt, sind Ausgaben, die unabhängig von Ihrem Umsatz- oder Produktionsniveau konstant bleiben. Sie fallen regelmäßig an, egal wie viele Kunden Sie bedienen oder wie viele Produkte Sie verkaufen. Eine genaue Erfassung dieser Kosten ist fundamental für Ihre Preiskalkulation.
- Miete und Nebenkosten: Dies umfasst die monatliche Miete für Ihre Geschäftsräume, Heizung, Wasser und allgemeine Betriebskosten.
- Versicherungen: Haftpflichtversicherung, Gebäudeversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung etc.
- Abschreibungen: Kosten für die Abnutzung von Salonmöbeln, Geräten und Inventar über deren Nutzungsdauer.
- Softwarelizenzen: Gebühren für Terminplanungs- und Management-Software.
- Kreditraten: Rückzahlungen für Darlehen, die für die Gründung oder Erweiterung des Salons aufgenommen wurden.
- Feste Gehälter: Gehälter für festangestellte Mitarbeiter, die unabhängig von der Auslastung bezahlt werden (z.B. Empfang, Verwaltung).
Variable Kosten (Betriebskosten/Aktivitätskosten)
Im Gegensatz dazu hängen die variable Kosten, auch Betriebskosten oder Aktivitätskosten genannt, direkt vom Umsatz- oder Produktionsvolumen Ihres Salons ab. Je mehr Dienstleistungen Sie erbringen, desto höher sind diese Kosten.
- Verbrauchsmaterialien: Shampoo, Conditioner, Haarfarben, Bleichmittel, Stylingprodukte, Dauerwellenmittel, Handtücher (falls nicht gemietet), Desinfektionsmittel, Einweghandschuhe. Diese Kosten steigen proportional zur Anzahl der Kunden.
- Energieverbrauch: Strom für Föhne, Glätteisen, Lockenstäbe, Waschmaschinen und Trockner. Obwohl es auch einen Fixkostenanteil gibt, variiert der Verbrauch stark mit der Auslastung.
- Arbeitskosten (variabler Anteil): Provisionen oder leistungsabhängige Boni für Mitarbeiter, die direkt an den Umsatz gekoppelt sind.
- Marketingkosten: Wenn Marketingausgaben an den Umsatz gekoppelt sind (z.B. pro Klick-Werbung, die je nach Kampagnenvolumen variiert).
- Wartung und Reparaturen: Unregelmäßige, aber oft nutzungsabhängige Kosten für die Instandhaltung von Geräten.
Die Rolle der Marktanalyse bei der Preisgestaltung
Bevor Sie sich der konkreten Preiskalkulation widmen, ist eine umfassende Marktanalyse unerlässlich. Diese sollte idealerweise bereits Teil Ihres Businessplans gewesen sein. Sie zeigt Ihnen nicht nur, wo sich andere Salons in Ihrer Umgebung befinden, sondern auch deren Preisstrukturen und Positionierungen. Analysieren Sie Elemente wie das Gründungsdatum, die Größe, die Ausstattung und natürlich die Preise der Salons in Ihrer Nähe. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Preise für dieselbe Art von Dienstleistung zwischen zwei Salons stark variieren, oft weil der eine Salon luxuriöser ist als der andere.
Eine Vergleichsstudie kann aufschlussreiche Daten liefern. Beispielsweise wurde festgestellt, dass die Kosten für einen Haarschnitt für Männer in ländlichen Gegenden durchschnittlich 24,90 € betragen, während sie in größeren Städten bei 29,90 € liegen können. Für Frauen liegen die Durchschnittspreise bei 29,90 € in ländlichen Gebieten und 34,90 € in Großstädten. Es ist ratsam, einen Durchschnittspreis von ähnlichen Salons in ähnlichen Gegenden zu ermitteln, um dann zu analysieren, in welcher Preiskategorie sich Ihr Salon befinden soll.
| Dienstleistung | Ländliche Gegend (Durchschnitt) | Großstadt (Durchschnitt) |
|---|---|---|
| Haarwäsche/Haarschnitt Männer | 24,90 € | 29,90 € |
| Haarwäsche/Haarschnitt Frauen | 29,90 € | 34,90 € |
Die Positionierung Ihres Friseursalons festlegen
Der nächste entscheidende Schritt ist die Festlegung der Positionierung Ihres Friseursalons. Welches Bild möchten Sie Ihren Kunden vermitteln? Ist Ihr Salon eher preisgünstig oder luxuriös? Diese Frage ist ausschlaggebend für die Entscheidung, ob Sie Ihre Dienstleistungen zu hohen oder niedrigen Preisen anbieten werden. Ein Luxussalon kann beispielsweise keinen Haarschnitt für 15 Euro anbieten, da dies die Erwartungshaltung der Kunden und das Markenimage untergraben würde. Umgekehrt wird in einem eher preisgünstigen Salon niemand für einen 150-Euro-Haarschnitt vorbeikommen.
Bewerten Sie Ihren Salon ehrlich anhand Ihrer Ausstattung, der angebotenen Dienstleistungen, Ihrer eigenen Erfahrung und der Ihres Mitarbeiterteams. Haben Sie exklusive Produkte, bieten Sie besondere Wellness-Erlebnisse oder sind Sie auf spezielle Techniken spezialisiert? All dies fließt in Ihre Positionierung ein und rechtfertigt höhere Preise. Eine klare Positionierung hilft Ihnen, die richtigen Kunden anzuziehen und eine konsistente Markenbotschaft zu senden.
Preiskalkulation in der Praxis: Ein detailliertes Rechenbeispiel
Nachdem Sie Ihre Marktforschung abgeschlossen und die Positionierung Ihres Salons festgelegt haben, können Sie sich an die eigentliche Preiskalkulation machen. Es ist von größter Bedeutung, dass Sie alle Kosten decken und darüber hinaus einen Gewinn erzielen, um Ihren Lebensunterhalt zu sichern und in die Zukunft Ihres Salons investieren zu können. Stellen Sie sich die Frage: Wie viel kostet es mich, eine Stunde lang meinen Salon zu betreiben?
Nehmen wir das Beispiel von Frau Rose, die monatlich folgende Ausgaben hat:
- 2500 € Lohnkosten
- 600 € fixe Kosten
- 300 € variable Kosten
Frau Rose arbeitet zudem 150 Stunden im Monat aktiv im Salon und möchte eine Marge von 20 % auf ihre Dienstleistungen erzielen.
1. Berechnung der Stundenkosten des Salons
Der erste Schritt ist, den Geldbetrag zu berechnen, der erforderlich ist, um Ihren Salon eine Stunde lang zu betreiben. Die Gleichung lautet wie folgt:
Gesamtbetrag = (Lohnkosten + Fixkosten + variable Kosten) / (Anzahl der im Salon geleisteten Arbeitsstunden)
Für Frau Rose ergibt sich:
(2500 € + 600 € + 300 €) / 150 Stunden = 3400 € / 150 Stunden = 22,67 € pro Stunde
Dieser Betrag deckt die reinen Betriebskosten pro Stunde. Nun müssen wir noch Pausenzeiten und unproduktive Stunden (z.B. Aufräumen, Produktbestellung) berücksichtigen. Eine gängige Methode ist, den berechneten Betrag mit einem Faktor von 1,2 zu multiplizieren, um diese Zeiten abzudecken.
22,67 € x 1,2 = 27,20 € pro Stunde
Dies ist der Betrag, den der Salon pro Stunde erwirtschaften muss, um kostendeckend zu arbeiten – ohne Defizit oder Gewinn.

2. Festsetzung des Preises für eine Dienstleistung
Nehmen wir an, eine Haarwäsche/ein Haarschnitt dauert etwa 30 Minuten (0,5 Stunden). Die Kosten für die Zeit der Dienstleistung betragen dann:
0,5 Stunden x 27,20 €/Stunde = 13,60 € (Kosten ohne Gewinn)
Nun muss Frau Rose ihre gewünschte Marge von 20 % hinzufügen. Die Marge wird auf die Kosten ohne Gewinn aufgeschlagen:
Marge = 13,60 € x 20 % = 2,72 €
Der Preis vor Mehrwertsteuer (Netto-Preis, HT = Hors Taxe) beträgt:
Netto-Preis = Kosten ohne Gewinn + Marge = 13,60 € + 2,72 € = 16,32 € HT
Zuletzt muss die Mehrwertsteuer (in Deutschland in der Regel 19 %) aufgeschlagen werden, um den Endpreis für den Kunden zu erhalten:
Mehrwertsteuer = 16,32 € x 19 % = 3,10 €
Der Endpreis inklusive aller Steuern (Brutto-Preis) beträgt:
Brutto-Preis = Netto-Preis + Mehrwertsteuer = 16,32 € + 3,10 € = 19,42 €
Dieser theoretische Preis von 19,42 € dient als Ausgangspunkt. Frau Rose muss diesen Preis nun an ihre Positionierung, die Konkurrenz und die Preiskategorie ihres Salons anpassen. Ein leicht aufgerundeter Preis von beispielsweise 19,50 € oder 20,00 € könnte psychologisch vorteilhafter sein.
Umsatzziele und Mitarbeiterzufriedenheit: Eine Synergie
Eine durchdachte Preisgestaltung hat direkte Auswirkungen auf die Umsatzvorgaben für Ihre Mitarbeiter. Wenn die Preise fair und profitabel kalkuliert sind, können Sie realistische Umsatzziele setzen, die sowohl den Salon als auch die Mitarbeiter motivieren. Eine angemessene Bezahlung der Mitarbeiter, die durch die Preisstruktur ermöglicht wird, führt zu höherer Zufriedenheit, geringerer Fluktuation und letztlich zu einer besseren Servicequalität. Mitarbeiter, die sich wertgeschätzt fühlen und fair entlohnt werden, tragen maßgeblich zum Erfolg und zur positiven Atmosphäre des Salons bei. Das gesunde Gleichgewicht zwischen Preisen, Qualität und Löhnen ist entscheidend für ein florierendes Geschäft.
Digitale Unterstützung: Effizienz durch Salonmanagement-Software
Die manuelle Erfassung und Analyse all dieser Daten kann zeitaufwendig und fehleranfällig sein. Hier kommt moderne Salonmanagement-Software ins Spiel. Systeme wie Treatwell PRO bieten auf Knopfdruck alle relevanten Daten, die Sie für eine präzise Preiskalkulation und kontinuierliche Anpassung benötigen.
- Verkaufsberichte: Sie können einsehen, welcher Mitarbeiter die meisten Produkte verkauft, die meisten Werbeaktionen durchgeführt oder in einem bestimmten Zeitraum den meisten Umsatz erzielt hat. Diese Statistiken sind von jedem Gerät aus zugänglich und können jederzeit abgerufen werden.
- Durchschnittlicher Bon: Die Software zeigt Ihnen die durchschnittlichen Ausgaben pro Kunde in Ihrem Salon an. Dies ist ein entscheidender Indikator, der Ihnen ermöglicht, Ihre Preise entsprechend anzupassen oder Upselling-Potenziale zu identifizieren. Sie können auch den Durchschnittsbon eines bestimmten Kunden basierend auf der Historie der erbrachten Leistungen und gekauften Produkte einsehen.
- Kundenhistorie: Detaillierte Informationen über die in Anspruch genommenen Dienstleistungen und gekauften Produkte jedes Kunden helfen Ihnen, individuelle Preisstrategien (z.B. für Stammkunden) zu entwickeln und die Nachfrage nach bestimmten Dienstleistungen zu verfolgen.
- Bestandsverwaltung: Eine gute Software hilft Ihnen auch, Ihren Verbrauch an Materialien zu verfolgen, was direkt in Ihre variablen Kosten einfließt und Ihnen hilft, unnötige Ausgaben zu identifizieren.
Solche Analysen vereinfachen den Prozess der Preiskalkulation erheblich und ermöglichen es Ihnen, fundierte Entscheidungen zu treffen, um Ihren Salon effizienter zu führen und Ihre Rentabilität zu steigern.
Häufig gestellte Fragen (FAQs) zur Preiskalkulation
Die Preiskalkulation wirft oft spezifische Fragen auf. Hier sind Antworten auf einige der häufigsten:
F: Wie oft sollte ich meine Preise überprüfen und anpassen?
A: Es ist ratsam, Ihre Preise mindestens einmal jährlich zu überprüfen. Bei signifikanten Änderungen Ihrer Fixkosten (z.B. Mieterhöhung), variabler Kosten (z.B. Preiserhöhung bei Produkten), des Wettbewerbsumfelds oder der angebotenen Dienstleistungen kann eine frühere Anpassung notwendig sein.
F: Sollte ich meine Preise an die Konkurrenz anpassen?
A: Die Marktanalyse der Konkurrenz ist ein wichtiger Faktor, aber nicht der einzige. Ihre eigene Kostenstruktur, Ihre Positionierung (Luxus vs. Preisführer) und der Wert, den Sie Ihren Kunden bieten, sind ebenso entscheidend. Blindes Kopieren der Konkurrenzpreise kann zu einer Unterbewertung Ihrer Dienstleistungen oder zu einem Verlust von Kunden führen, wenn Ihre Kosten höher sind.
F: Was passiert, wenn meine Preise zu hoch oder zu niedrig sind?
A: Zu hohe Preise können potenzielle Kunden abschrecken und dazu führen, dass Ihr Salon nicht ausgelastet ist. Zu niedrige Preise hingegen gefährden Ihre Rentabilität, mindern den Wert Ihrer Dienstleistungen in der Wahrnehmung der Kunden und können zu einer Überlastung des Personals ohne ausreichenden Gewinn führen. Ein gesundes Gleichgewicht ist entscheidend.
F: Wie kommuniziere ich Preisanpassungen an meine Kunden?
A: Transparenz ist hier der Schlüssel. Informieren Sie Ihre Kunden frühzeitig, beispielsweise durch Aushänge im Salon, per E-Mail oder über Ihre Social-Media-Kanäle. Erklären Sie kurz die Gründe (z.B. gestiegene Betriebskosten, Investitionen in bessere Produkte oder Fortbildungen). Betonen Sie den Mehrwert, den Ihre Kunden weiterhin erhalten.
F: Kann ich für verschiedene Mitarbeiter unterschiedliche Preise verlangen?
A: Ja, das ist eine gängige Praxis in vielen Salons. Preise können je nach Erfahrung, Spezialisierung und Nachfrage des jeweiligen Mitarbeiters variieren (z.B. Junior-Stylist, Stylist, Top-Stylist, Master-Stylist). Dies sollte auf Ihrer Preisliste klar kommuniziert werden, damit die Kunden die Wahl haben und die Preisunterschiede nachvollziehen können.
Fazit: Ihr Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg
Eine fundierte und dynamische Preiskalkulation ist das Rückgrat eines jeden erfolgreichen Friseursalons. Sie ist nicht nur ein einmaliger Prozess bei der Eröffnung, sondern eine kontinuierliche Aufgabe, die Anpassung und Überwachung erfordert. Indem Sie Ihre Kosten genau kennen, den Markt analysieren, Ihre Positionierung klar definieren und moderne Tools zur Datenanalyse nutzen, schaffen Sie die Grundlage für faire Preise, die sowohl Ihre Kunden zufriedenstellen als auch die Rentabilität Ihres Salons sichern. Investieren Sie Zeit in diesen Prozess, denn er ist der Schlüssel zu Ihrem langfristigen Erfolg und der Zufriedenheit Ihres Teams.
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