Kann man einen eigenen Friseursalon eröffnen ohne Meister?

Selbstständig als Friseur? So versichern Sie sich!

02/07/2025

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Der Schritt in die Selbstständigkeit als Friseur ist aufregend und eröffnet viele neue Möglichkeiten. Doch mit der Freiheit kommt auch eine große Verantwortung, insbesondere wenn es um die eigene Absicherung geht. Als Unternehmer sind Sie Ihr eigener Chef – und Ihr eigener Versicherungsberater. Die Zeiten, in denen ein Arbeitgeber sich um Ihre Versicherungen kümmert, sind vorbei. Nun liegt es an Ihnen, die eigene Existenz von A bis Z abzusichern. Das Thema Versicherungen kann schnell überfordern, denn der Markt ist unübersichtlich und die Angebote scheinen auf den ersten Blick kaum vergleichbar. Dennoch ist es unerlässlich, sich damit auseinanderzusetzen, um finanzielle Risiken zu minimieren und langfristig erfolgreich zu sein.

Wie kann man sich als selbständiger Friseur selbst versichern?
Auch als selbständiger Friseur muss man sich von A bis Z selbst versichern. Man hat keinen Arbeitgeber mehr, der das für einen erledigt. Man muss wissen, welche Versicherungen man unbedingt braucht, und man muss mit staatlich verordneten Pflichtversicherungen umgehen können, um Kosten zu minimieren und Geld zu sparen.
Inhaltsverzeichnis

Der Versicherungsdschungel: Warum die Wahl so schwerfällt

Die Welt der Versicherungen ist komplex und oft undurchsichtig. Genau wie die Vielfalt möglicher Risiken ist auch die Auswahl an entsprechenden Policen riesig. Für selbstständige Friseure, die sich auf ihr Handwerk konzentrieren möchten, kann dies eine echte Herausforderung darstellen. Ein großes Problem ist die mangelnde Vergleichbarkeit der Angebote. Auf den ersten Blick scheinen sich viele Versicherungen zu ähneln, doch im Detail können sich erhebliche Unterschiede verbergen.

Es gibt mitunter Preisunterschiede von bis zu 100 Prozent zwischen der günstigsten und der teuersten Versicherung für scheinbar gleiche Leistungen. Doch Vorsicht: Die günstigsten Policen sind nicht immer die preiswertesten. Oftmals steckt der sprichwörtliche „Pferdefuß“ im Kleingedruckten der Versicherungsbedingungen. Bestimmte Risiken werden ausgeschlossen, um einen attraktiveren Preis anbieten zu können. Das kann im Schadensfall böse Überraschungen mit sich bringen. Manchmal werden auch zusätzliche Leistungen als „Bonus“ beworben, die einen höheren Preis rechtfertigen sollen, aber für Ihre spezifische Situation als Friseur völlig nutzlos sind. Es ist entscheidend, genau hinzusehen und nicht nur auf den Preis zu achten, sondern auch auf den Leistungsumfang und die Ausschlüsse.

Der Ärger mit Versicherungsvertretern: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Erschwerend kommt hinzu, dass Versicherungen oft von fachlich schlecht ausgebildeten Nebenberuflern oder Neueinsteigern verkauft werden. Menschen aus dem Bekanntenkreis nutzen vorhandenes Vertrauen, um sich mit dem vermeintlich besten Versicherungsangebot eine hohe Provision zu verdienen oder einfach nur ihr vom Versicherer verordnetes Umsatzziel zu erreichen. Auch Call Center Agents können am Telefon mit immer günstigeren Versicherungsangeboten und der permanenten Bitte nach einem persönlichen Beratungstermin nerven, nur damit der Vertreter seinen „Fuß in Ihre Tür“ bekommt.

Diese ganze Situation macht das Thema „Versicherungen“ zu einem ungeliebten Kind bei vielen Friseuren. Als Berufsidealisten fühlen sich viele dem aufrichtigen Kundenvertrauen zumeist mehr verpflichtet als dem reinen Geldverdienen und kommen mit derartigem Verkaufsgebaren absolut nicht klar. Man hat eben einfach Angst, in das Fettnäpfchen eines Versicherungsverkäufers zu treten. Das führt oftmals sogar dazu, dass dieser wichtige Bestandteil der existenziellen Absicherung sträflich vernachlässigt wird. Doch genau das kann im Ernstfall verheerende Folgen haben.

Die unumgängliche Notwendigkeit der richtigen Absicherung

Egal, ob Sie ein Kleinstunternehmen als mobiler Friseur gründen oder seit Jahren einen großen Beautysalon mit vielen Mitarbeitern führen: Eines müssen Sie beherzigen: Ohne die richtigen Versicherungen lässt sich kein Unternehmen auf ein solides Fundament stellen! Wer sich mit dem Thema „Versicherungen“ beschäftigt, der weiß, welche Policen man als Friseur unbedingt benötigt und auf welche man gut verzichten kann, welche dringend und sofort erforderlich sind und welcher Abschluss durchaus noch warten kann.

Mit diesem Wissen ausgestattet, sollten Sie unbedingt mehrere Angebote für jede erforderliche Versicherung einholen und vergleichen. Achten Sie dabei aber nicht allein auf den Preis, sondern neben eventuellen Ausschlüssen von Risiken auch auf den Ruf des Unternehmens im Bezug auf die Abwicklung im Schadensfall. Ein vermeintlich günstiger Anbieter, der im Ernstfall Zahlungen verzögert oder kompliziert macht, ist am Ende teurer als eine etwas höhere Prämie bei einem zuverlässigen Partner. Und vor allem: Schenken Sie nur wirklich erfahrenen Versicherungskaufleuten Ihr Vertrauen, die eine unabhängige Beratung anbieten und nicht an Produkte bestimmter Anbieter gebunden sind.

Wichtige Versicherungen für Friseure im Überblick

Um Ihnen eine Orientierung zu bieten, haben wir eine informative Zusammenstellung der infrage kommenden Versicherungen für Friseure erstellt. Erfahren Sie, welche Versicherungen welche Risiken abdecken und worauf Sie bei den einzelnen Policen speziell achten müssen:

1. Die Betriebshaftpflichtversicherung: Ihr Schutzschild im Salonalltag

Diese Versicherung ist für jeden selbstständigen Friseur absolut unverzichtbar. Sie schützt Sie vor Schadenersatzansprüchen Dritter, die durch Ihre berufliche Tätigkeit entstehen können. Das können Personenschäden, Sachschäden oder Vermögensschäden sein. Stellen Sie sich vor, ein Kunde rutscht auf dem frisch gewischten Boden aus und bricht sich ein Bein, oder Sie verursachen versehentlich einen Schaden an der Kleidung eines Kunden während des Haareschneidens. Auch allergische Reaktionen auf verwendete Produkte oder ein Schnittfehler, der eine ärztliche Behandlung nach sich zieht, können teure Folgen haben. Die Betriebshaftpflichtversicherung übernimmt in solchen Fällen die Kosten für den Schaden und wehrt unberechtigte Ansprüche ab.

  • Worauf achten? Achten Sie auf eine ausreichend hohe Deckungssumme (mindestens 3-5 Millionen Euro). Prüfen Sie, ob Behandlungen wie Haarverlängerungen, chemische Behandlungen (Färben, Dauerwelle) und die Nutzung von Geräten (z.B. Glätteisen) explizit mitversichert sind. Auch Mietsachschäden, falls Sie einen Salon mieten, sollten abgedeckt sein.

2. Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Ihre Einkommenssicherung

Als Friseur arbeiten Sie körperlich. Rückenprobleme, Hauterkrankungen oder andere gesundheitliche Einschränkungen können dazu führen, dass Sie Ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt Ihnen eine monatliche Rente, wenn Sie aufgrund von Krankheit oder Unfall nicht mehr in der Lage sind, Ihren Beruf zu 50% oder mehr auszuüben. Sie ist eine der wichtigsten Versicherungen zur Absicherung Ihrer persönlichen Existenz und sollte so früh wie möglich abgeschlossen werden, da die Beiträge mit zunehmendem Alter und Vorerkrankungen steigen.

  • Worauf achten? Achten Sie auf eine angemessene Rentenhöhe, die Ihren Lebensunterhalt sichert. Wichtig ist auch die sogenannte „abstrakte Verweisung“: Ein guter Vertrag verzichtet darauf, Sie auf einen anderen, zumutbaren Beruf zu verweisen, den Sie trotz Ihrer Einschränkung ausüben könnten.

3. Die Kranken- und Pflegeversicherung: Gesetzliche Pflicht

In Deutschland ist jeder Bürger krankenversichert, ob gesetzlich oder privat. Als Selbstständiger haben Sie die Wahl. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bietet einen soliden Basisschutz, dessen Beiträge einkommensbasiert sind. Die private Krankenversicherung (PKV) bietet oft bessere Leistungen, aber die Beiträge sind alters- und gesundheitsabhängig und können im Alter stark steigen. Parallel dazu ist die Pflegeversicherung eine Pflichtversicherung, die Leistungen im Falle der Pflegebedürftigkeit abdeckt.

  • Worauf achten? Vergleichen Sie Leistungen und Beiträge sorgfältig. Bedenken Sie, dass ein Wechsel von der PKV zurück in die GKV oft schwierig ist.

4. Die Inhaltsversicherung und Betriebsunterbrechungsversicherung: Schutz für Ihren Salon

Diese Versicherungen schützen Ihr Geschäft vor finanziellen Einbußen durch Schäden am Inventar oder durch Betriebsstillstand. Die Inhaltsversicherung (oft auch Inventarversicherung genannt) ersetzt Schäden an Ihrer Einrichtung, Ihren Geräten, Werkzeugen und Waren durch Gefahren wie Brand, Leitungswasser, Sturm, Hagel oder Einbruchdiebstahl. Die Betriebsunterbrechungsversicherung springt ein, wenn Ihr Salon aufgrund eines versicherten Schadens (z.B. Brand) vorübergehend schließen muss. Sie ersetzt den entgangenen Gewinn und deckt weiterhin anfallende Fixkosten wie Miete oder Gehälter.

  • Worauf achten? Achten Sie bei der Inhaltsversicherung auf die korrekte Bestimmung der Versicherungssumme, um eine Unterversicherung zu vermeiden. Bei der Betriebsunterbrechungsversicherung ist die maximale Entschädigungsdauer wichtig.

5. Die Rechtsschutzversicherung: Hilfe bei juristischen Auseinandersetzungen

Auch als Friseur können Sie in rechtliche Auseinandersetzungen geraten – sei es mit Kunden, Lieferanten, Vermietern oder Mitarbeitern. Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt die Kosten für Anwalt, Gericht und Gutachten. Dies kann besonders bei Streitigkeiten um Gewährleistung, Arbeitsrecht oder Mietrecht von großem Vorteil sein.

  • Worauf achten? Prüfen Sie, welche Rechtsbereiche abgedeckt sind (Privat-, Berufs-, Verkehrs-, Mietrecht). Achten Sie auf die Deckungssumme und mögliche Selbstbeteiligungen.

Vergleichstabelle der wichtigsten Versicherungen

Um Ihnen einen schnellen Überblick zu geben, haben wir die essentiellen Versicherungen für selbstständige Friseure in einer Tabelle zusammengefasst:

VersicherungstypWas sie abdecktWarum sie wichtig istHinweise & Tipps
BetriebshaftpflichtversicherungPersonen-, Sach- & Vermögensschäden an DrittenSchützt vor hohen Schadenersatzforderungen aus dem GeschäftsbetriebHohe Deckungssumme wählen, spezifische Friseur-Risiken prüfen
BerufsunfähigkeitsversicherungEinkommensausfall bei Berufs-unfähigkeit durch Krankheit/UnfallSichert Ihre persönliche Existenz und LebensstandardFrühzeitig abschließen, Verzicht auf abstrakte Verweisung
Kranken- & PflegeversicherungKosten für medizinische Behandlungen & PflegeleistungenGesetzliche Pflicht, sichert Ihre Gesundheit abGKV vs. PKV: Leistungen, Beiträge & Wechselmöglichkeiten vergleichen
InhaltsversicherungSchäden an Inventar, Geräten, Waren (Brand, Diebstahl etc.)Schützt Ihr materielles Betriebsvermögen vor VerlustVersicherungssumme regelmäßig anpassen (Neuwert)
BetriebsunterbrechungsversicherungEntgangener Gewinn & laufende Kosten bei BetriebsstillstandBewahrt vor finanziellen Engpässen bei längeren AusfällenOft in Kombination mit Inhaltsversicherung, Entschädigungsdauer prüfen
RechtsschutzversicherungÜbernahme von Anwalts- & Gerichtskosten bei RechtsstreitigkeitenSchützt vor hohen Kosten bei juristischen AuseinandersetzungenPassende Bausteine (Beruf, Privat, Verkehr, Miete) wählen

Die Berufsgenossenschaft – Ein spezieller Fall

Die gesetzliche Unfallversicherung über die Berufsgenossenschaft (BG) ist in der Friseurbranche ein großer Kostenfaktor, aber auch eine wichtige Absicherung. Sie ist für Ihre angestellten Mitarbeiter Pflicht, um sie bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten abzusichern. Als selbstständiger Friseur sind Sie nicht automatisch pflichtversichert, können sich aber freiwillig bei Ihrer zuständigen Berufsgenossenschaft (in der Regel die BGW - Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege) versichern, um auch für sich selbst Schutz bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten zu erhalten.

Die Beiträge zur Berufsgenossenschaft berechnen sich in der Regel nach der Lohnsumme der versicherten Mitarbeiter und der Gefahrenklasse des Unternehmens. Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Kosten für die Beiträge zu senken oder unter Umständen sogar ganz einzusparen. Dies kann beispielsweise durch aktive Unfallprävention im Salon, die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften und die korrekte Meldung von Arbeitszeiten und Entgelten geschehen. Informieren Sie sich bei Ihrer BG über spezifische Präventionsprogramme und Möglichkeiten zur Beitragsoptimierung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss ich als selbstständiger Friseur wirklich alle diese Versicherungen abschließen?
Nein, nicht alle Versicherungen sind gesetzlich vorgeschrieben. Pflichtversicherungen sind die Kranken- und Pflegeversicherung sowie die gesetzliche Unfallversicherung für Ihre Mitarbeiter (falls vorhanden). Die Betriebshaftpflichtversicherung ist zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber dringend empfohlen, da die finanziellen Folgen eines Schadens existenzbedrohend sein können. Andere Versicherungen wie die Berufsunfähigkeitsversicherung oder die Inhaltsversicherung sind zwar optional, aber für eine umfassende Absicherung Ihrer Existenz und Ihres Geschäftsvermögens von großer Bedeutung.

Wo finde ich unabhängige Beratung, der ich vertrauen kann?
Suchen Sie nach unabhängigen Versicherungsmaklern oder Honorarberatern. Diese sind nicht an eine bestimmte Versicherungsgesellschaft gebunden und können Ihnen Angebote verschiedener Anbieter vergleichen. Auch Verbraucherzentralen bieten oft eine erste Orientierung und unabhängige Beratung an, jedoch meist kostenpflichtig und ohne Vertragsabschluss.

Wie oft sollte ich meine Versicherungen überprüfen?
Es ist ratsam, Ihre Versicherungen mindestens einmal jährlich zu überprüfen oder immer dann, wenn sich Ihre persönliche oder geschäftliche Situation ändert. Das kann eine Erweiterung Ihres Angebots, die Einstellung neuer Mitarbeiter, ein Umzug in größere Räumlichkeiten oder auch private Veränderungen wie Heirat oder Familiengründung sein. So stellen Sie sicher, dass Ihr Versicherungsschutz stets aktuell und ausreichend ist.

Ist die günstigste Versicherung immer die beste Wahl?
Nein, definitiv nicht. Wie im Artikel beschrieben, können günstige Angebote oft Leistungsausschlüsse oder schlechtere Bedingungen im Kleingedruckten verstecken. Achten Sie nicht nur auf den Preis, sondern vor allem auf den Leistungsumfang, die Höhe der Deckungssummen, mögliche Selbstbeteiligungen und den Ruf des Versicherers im Schadensfall. Ein vermeintlich höherer Beitrag kann Ihnen im Ernstfall viel Ärger und Kosten ersparen.

Was ist, wenn ich ausschließlich als mobiler Friseur arbeite? Brauche ich dann auch alle diese Versicherungen?
Auch als mobiler Friseur benötigen Sie eine solide Absicherung. Die Betriebshaftpflichtversicherung ist hier sogar noch wichtiger, da Sie in den Räumlichkeiten Ihrer Kunden agieren und dort Schäden verursachen könnten. Kranken- und Pflegeversicherung sind ohnehin Pflicht. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist ebenfalls dringend anzuraten. Eine Inhaltsversicherung für einen Salon fällt weg, aber eine spezielle Versicherung für Ihr mobiles Equipment und Transportmittel kann sinnvoll sein. Jede Selbstständigkeit, ob mobil oder stationär, erfordert eine individuelle Risikobewertung.

Fazit: Proaktive Absicherung für eine erfolgreiche Zukunft

Die Absicherung Ihrer selbstständigen Tätigkeit als Friseur mag auf den ersten Blick eine lästige Pflicht sein, ist aber in Wahrheit eine Investition in Ihre Zukunft und Ihre finanzielle Sicherheit. Nehmen Sie sich die Zeit, sich umfassend zu informieren und die für Sie passenden Versicherungen auszuwählen. Scheuen Sie sich nicht, professionelle und unabhängige Beratung in Anspruch zu nehmen. Eine durchdachte Versicherungsstrategie ist das Fundament, auf dem Sie Ihr Friseurgeschäft erfolgreich aufbauen und langfristig betreiben können, ohne sich vor unvorhergesehenen Risiken fürchten zu müssen.

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