25/09/2018
In einer Welt, die sich zunehmend nach Natürlichkeit sehnt, rücken auch bei der Haarpflege wieder vermehrt pflanzliche Alternativen in den Fokus. Viele Menschen suchen nach Wegen, ihre Haare zu färben, ohne sie den potenziell aggressiven Chemikalien auszusetzen, die in herkömmlichen Haarfarben oft zu finden sind. Die Antwort liegt in den Schätzen der Natur, die seit Jahrhunderten für ihre färbenden und pflegenden Eigenschaften geschätzt werden. Von leuchtendem Rot bis zu tiefem Schwarz – die Natur bietet eine überraschende Palette an Möglichkeiten, die Haare schonend zu verschönern und gleichzeitig zu nähren.

- Warum natürliche Inhaltsstoffe für Haarfarben wählen?
- Die Hauptakteure: Beliebte natürliche Inhaltsstoffe
- Wie natürliche Haarfarben funktionieren
- Anwendung und Vorbereitung für optimale Ergebnisse
- Herausforderungen und Mythen über natürliche Haarfarben
- Synthetisch vs. Natürlich: Ein Vergleich
- Pflegetipps für natürlich gefärbtes Haar
- Häufig gestellte Fragen zu natürlichen Haarfarben
- Können natürliche Haarfarben graues Haar vollständig abdecken?
- Wie lange hält eine natürliche Haarfarbe?
- Kann ich von chemisch gefärbtem Haar direkt auf natürliche Haarfarben umsteigen?
- Riechen natürliche Haarfarben anders als chemische?
- Kann ich verschiedene natürliche Inhaltsstoffe mischen?
- Sind natürliche Haarfarben für Schwangere geeignet?
Warum natürliche Inhaltsstoffe für Haarfarben wählen?
Die Entscheidung für natürliche Haarfarben ist oft eine bewusste Wahl für Gesundheit und Nachhaltigkeit. Herkömmliche chemische Haarfarben enthalten Substanzen wie Ammoniak, Peroxide, PPD (Paraphenylendiamin) und Resorcin, die allergische Reaktionen auslösen, die Haarstruktur schädigen und sogar die Kopfhaut reizen können. Natürliche Haarfarben hingegen basieren auf Pflanzenpulvern, die das Haar umhüllen und so eine schützende Schicht bilden, anstatt tief in die Haarstruktur einzudringen und diese zu verändern. Dies führt zu einer schonenderen Färbung, die das Haar oft gesünder und glänzender aussehen lässt.
Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die pflegende Wirkung. Viele natürliche Farbstoffe sind nicht nur dazu da, die Farbe zu verändern, sondern enthalten auch Nährstoffe, die das Haar stärken, Feuchtigkeit spenden und ihm einen natürlichen Glanz verleihen. Dies ist besonders vorteilhaft für Menschen mit trockenem, brüchigem oder strapaziertem Haar. Zudem sind natürliche Haarfarben in der Regel biologisch abbaubar und belasten die Umwelt weniger, was sie zu einer nachhaltigen Alternative macht.
Die Hauptakteure: Beliebte natürliche Inhaltsstoffe
Die Vielfalt der Natur bietet eine Fülle von Pflanzen, deren Extrakte und Pulver zum Färben der Haare verwendet werden können. Hier sind einige der bekanntesten und effektivsten:
Henna (Lawsonia inermis)
Henna ist wohl der bekannteste natürliche Haarfarbstoff und wird seit Jahrtausenden verwendet. Es wird aus den getrockneten und gemahlenen Blättern des Hennastrauchs gewonnen. Henna färbt das Haar in Rot- bis Kupfertönen und bindet sich dauerhaft an das Keratin des Haares. Es verleiht dem Haar nicht nur Farbe, sondern auch Glanz, Volumen und eine stärkere Struktur. Reines Henna kann graues Haar gut abdecken und ist für seine Langlebigkeit bekannt.
Indigo (Indigofera tinctoria)
Indigo, gewonnen aus den Blättern der Indigopflanze, ist der Schlüssel zu dunklen Haarfarben. Es färbt das Haar blau und wird oft in Kombination mit Henna verwendet, um Braun- und Schwarztöne zu erzielen. Henna muss in der Regel zuerst aufgetragen werden, da Indigo allein nicht gut an hellen oder grauen Haaren haftet. Die Mischung aus Henna und Indigo bietet eine reiche Palette an dunklen Nuancen.
Amla (Emblica officinalis)
Die indische Stachelbeere Amla ist ein wahrer Superfood für das Haar. Das Pulver aus der Amla-Frucht wird oft in Kombination mit Henna und Indigo verwendet, da es die Farbentwicklung von Indigo verstärkt und einen kühleren Braunton fördert. Amla ist reich an Vitamin C und Antioxidantien, stärkt die Haarwurzeln, fördert das Haarwachstum und kann sogar vor vorzeitigem Ergrauen schützen. Es verleiht dem Haar außerdem Glanz und Fülle.
Cassia Obovata (Neutrales Henna)
Obwohl oft als „neutrales Henna“ bezeichnet, ist Cassia Obovata keine Henna-Art. Es wird aus den Blättern der Cassia-Pflanze gewonnen und hat nur eine sehr geringe oder gar keine färbende Wirkung auf dunkles Haar. Auf sehr hellem, blondem oder grauem Haar kann es einen leichten Goldschimmer hinterlassen. Cassia ist jedoch ein hervorragendes Pflegemittel, das dem Haar Glanz, Volumen und Geschmeidigkeit verleiht, ohne die Farbe wesentlich zu verändern.
Walnussschalen (Juglans regia)
Walnussschalen enthalten natürliche Farbstoffe, die das Haar in Braun- bis Schwarztönen färben können. Das Pulver aus den Schalen wird oft für tiefere, dunkle Ergebnisse verwendet. Es kann das Haar stärken und ihm einen gesunden Glanz verleihen.
Kamille (Matricaria chamomilla)
Kamille ist bekannt für ihre aufhellende Wirkung auf helles Haar. Ein starker Kamillentee kann als Spülung verwendet werden, um blonde Haare sanft aufzuhellen und ihnen goldene Reflexe zu verleihen. Sie hat auch beruhigende Eigenschaften für die Kopfhaut.
Rote Bete und Karotten
Diese Gemüsesorten können verwendet werden, um rote und orangefarbene Töne zu erzielen, allerdings sind diese Farben weniger dauerhaft als Henna. Der Saft kann als Spülung oder in Masken verwendet werden, um temporäre Farbakzente zu setzen.
Kaffee und Schwarzer Tee
Starker Kaffee oder schwarzer Tee kann verwendet werden, um dunklem Haar Tiefe und Glanz zu verleihen und graue Haare leicht abzudecken. Die Wirkung ist jedoch ebenfalls temporär.
Wie natürliche Haarfarben funktionieren
Im Gegensatz zu chemischen Haarfarben, die die äußere Schuppenschicht des Haares öffnen, um Farbpigmente tief ins Haarinnere einzuschleusen, lagern sich natürliche Pflanzenfarben an die äußere Keratinschicht des Haares an. Sie umhüllen das Haar wie eine schützende Lasur. Dies hat mehrere Vorteile: Die Haarstruktur bleibt intakt, das Haar wird nicht angegriffen, und es erhält zusätzlichen Glanz und Volumen. Die endgültige Farbe hängt stark von der Ausgangshaarfarbe ab, da die natürliche Haarfarbe durch die pflanzlichen Pigmente durchscheint und so individuelle, lebendige Nuancen entstehen.
Anwendung und Vorbereitung für optimale Ergebnisse
Die Anwendung natürlicher Haarfarben erfordert etwas Vorbereitung und Geduld, aber die Ergebnisse sind es wert:
- Allergietest: Obwohl natürlich, können auch pflanzliche Inhaltsstoffe Allergien auslösen. Führen Sie immer einen kleinen Hauttest in der Armbeuge durch.
- Haarvorbereitung: Das Haar sollte vor der Anwendung sauber und frei von Stylingprodukten, Silikonen und Ölen sein. Eine Tiefenreinigung kann sinnvoll sein.
- Anmischen: Die Pulver werden in der Regel mit warmem Wasser zu einer joghurtartigen Paste angerührt. Für Henna ist oft eine Einwirkzeit vor dem Auftragen nötig, um die Farbstoffe zu aktivieren.
- Auftragen: Tragen Sie die Paste gleichmäßig auf das handtuchtrockene Haar auf, am besten mit Handschuhen. Arbeiten Sie Strähne für Strähne.
- Einwirkzeit: Die Einwirkzeit variiert je nach gewünschter Farbintensität und Produkt, oft zwischen 30 Minuten und mehreren Stunden. Wickeln Sie das Haar mit Frischhaltefolie und einem Handtuch ein, um Wärme zu speichern.
- Ausspülen: Spülen Sie das Haar gründlich mit warmem Wasser aus, bis keine Farbreste mehr vorhanden sind. Verwenden Sie anfangs kein Shampoo, um die Farbentwicklung nicht zu stören.
Herausforderungen und Mythen über natürliche Haarfarben
Obwohl natürliche Haarfarben viele Vorteile bieten, gibt es auch einige Aspekte, die man beachten sollte:
- Keine Aufhellung: Natürliche Farbstoffe können das Haar nicht aufhellen. Sie können nur dunkler färben oder Töne hinzufügen.
- Farbvorhersagbarkeit: Die endgültige Farbe kann schwieriger vorherzusagen sein als bei chemischen Farben, da sie stark von der ursprünglichen Haarfarbe und -struktur beeinflusst wird. Ein Probesträhnentest ist empfehlenswert.
- Grauabdeckung: Graue Haare können mit natürlichen Farben gut abgedeckt werden, oft aber in einem anderen Ton als das restliche Haar, was zu schönen Reflexen führt. Bei dunklen Farben ist oft ein Zwei-Schritt-Verfahren (Henna, dann Indigo) nötig.
- Langlebigkeit: Während Henna sehr dauerhaft ist, können andere pflanzliche Farben wie Rote Bete oder Kaffee eher als Tönung wirken und sich mit der Zeit auswaschen.
Synthetisch vs. Natürlich: Ein Vergleich
Um die Unterschiede zwischen chemischen und natürlichen Haarfarben zu verdeutlichen, hier eine vergleichende Tabelle:
| Merkmal | Chemische Haarfarben | Natürliche Haarfarben |
|---|---|---|
| Wirkungsweise | Dringen in die Haarstruktur ein, verändern Pigmente | Ummanteln das Haar, lagern sich äußerlich an |
| Aufhellung | Möglich | Nicht möglich |
| Farbpalette | Sehr breit, präzise, auch unnatürliche Töne | Erdige Töne (Rot, Braun, Schwarz), abhängig von Ausgangsfarbe |
| Haargesundheit | Kann austrocknen, schädigen, Allergien auslösen | Pflegend, stärkend, geringes Allergierisiko |
| Grauabdeckung | Meist deckend | Oft transparent, kann zu Reflexen führen; Zwei-Schritt-Verfahren nötig für volle Deckkraft bei dunklen Tönen |
| Haltbarkeit | Dauerhaft | Variabel (Henna dauerhaft, andere Tönungen temporär) |
| Anwendung | Schneller, weniger aufwändig | Zeitaufwändiger, erfordert Übung |
Pflegetipps für natürlich gefärbtes Haar
Nach der Anwendung natürlicher Haarfarben ist die richtige Pflege entscheidend, um die Farbe zu erhalten und die Haarstruktur optimal zu unterstützen:
- Shampoo-Wahl: Verwenden Sie milde, sulfatfreie Shampoos, die die Farbe nicht so schnell auswaschen.
- Spülungen und Masken: Regelmäßige Spülungen und Haarmasken mit natürlichen Inhaltsstoffen wie Aloe Vera, Kokosöl oder Amla können die Farbe intensivieren und das Haar pflegen.
- Hitze vermeiden: Übermäßige Hitze durch Föhnen, Glätten oder Lockenstäbe kann die Farbe schneller verblassen lassen.
- Sonnenschutz: Schützen Sie Ihr Haar vor direkter Sonneneinstrahlung, die die Farbe ausbleichen kann.
- Erste Wäsche: Warten Sie nach dem Färben mindestens 24-48 Stunden, bevor Sie Ihr Haar das erste Mal mit Shampoo waschen, damit sich die Farbe vollständig entwickeln kann.
Häufig gestellte Fragen zu natürlichen Haarfarben
Können natürliche Haarfarben graues Haar vollständig abdecken?
Ja, natürliche Haarfarben können graues Haar abdecken, insbesondere Henna. Allerdings entsteht oft ein transparenterer Effekt als bei chemischen Farben. Bei dunklen Farbwünschen ist für eine intensive Grauabdeckung häufig ein Zwei-Schritt-Verfahren notwendig: Zuerst wird mit Henna eine rote Grundlage geschaffen, und anschließend wird mit Indigo oder einer Henna-Indigo-Mischung der gewünschte Braun- oder Schwarzton erzielt. Dies erfordert etwas mehr Zeit, liefert aber wunderschöne, facettenreiche Ergebnisse.
Wie lange hält eine natürliche Haarfarbe?
Die Haltbarkeit hängt stark vom verwendeten Inhaltsstoff ab. Henna ist sehr dauerhaft und wächst mit dem Haar heraus, ohne sich wesentlich auszuwaschen. Andere Pflanzenfarben wie Kaffee oder Rote Bete sind eher temporär und waschen sich nach einigen Wäschen wieder aus. Pigmente wie Indigo, die mit Henna kombiniert werden, sind ebenfalls sehr haltbar, können aber bei häufigem Waschen leicht verblassen und müssen aufgefrischt werden.
Kann ich von chemisch gefärbtem Haar direkt auf natürliche Haarfarben umsteigen?
Ja, das ist in den meisten Fällen möglich. Es wird jedoch empfohlen, eine Übergangszeit von einigen Wochen einzuhalten, um dem Haar Zeit zur Erholung zu geben. Bei stark geschädigtem Haar oder sehr hellen, chemisch behandelten Blondtönen ist Vorsicht geboten, da die Farbe ungleichmäßig ausfallen oder unerwartete Töne annehmen könnte (z.B. Grünstich bei Indigo auf blondiertem Haar). Ein Probesträhnentest ist hier unerlässlich. Silikon- und chemische Rückstände im Haar können die Haftung der Pflanzenfarben beeinträchtigen, daher ist eine gründliche Reinigung vorab ratsam.
Riechen natürliche Haarfarben anders als chemische?
Ja, definitiv. Natürliche Haarfarben haben einen charakteristischen, erdigen oder heuartigen Geruch, der von den Pflanzenpulvern stammt. Dieser Geruch ist völlig normal und verfliegt in der Regel nach der ersten oder zweiten Haarwäsche. Viele empfinden diesen Geruch als angenehmer oder zumindest weniger stechend als den chemischen Geruch von Ammoniak und anderen Inhaltsstoffen in synthetischen Farben.
Kann ich verschiedene natürliche Inhaltsstoffe mischen?
Absolut! Das Mischen verschiedener Pflanzenpulver ist sogar sehr üblich und ermöglicht es, eine breite Palette an individuellen Farbtönen zu kreieren. Henna und Indigo werden häufig gemischt, um verschiedene Braun- und Schwarztöne zu erzielen. Amla wird oft hinzugefügt, um die Farbentwicklung zu beeinflussen oder pflegende Eigenschaften zu verstärken. Experimentieren Sie auf einer Probesträhne, um Ihre perfekte Mischung zu finden.
Sind natürliche Haarfarben für Schwangere geeignet?
Viele Schwangere bevorzugen natürliche Haarfarben, um den Kontakt mit potenziell schädlichen Chemikalien zu vermeiden. Reines Henna und andere pflanzliche Farben gelten im Allgemeinen als sicher. Es ist jedoch immer ratsam, vor der Anwendung während der Schwangerschaft oder Stillzeit Rücksprache mit einem Arzt zu halten, insbesondere wenn Sie zu Allergien neigen oder Bedenken haben.
Die Welt der natürlichen Haarfarben ist reich an Möglichkeiten, die Haare auf schonende und pflegende Weise zu verschönern. Wer sich für diese Alternative entscheidet, investiert nicht nur in die Gesundheit seines Haares, sondern auch in eine nachhaltigere Zukunft. Mit etwas Geduld und Experimentierfreude lassen sich atemberaubende, individuelle Ergebnisse erzielen, die das Haar zum Strahlen bringen.
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