19/08/2020
Für viele Menschen ist das Färben der Haare ein fester Bestandteil der Schönheitsroutine. Es ermöglicht uns, unser Aussehen zu verändern, graue Haare zu kaschieren oder einfach einen neuen Look auszuprobieren. Doch hinter dem glänzenden Ergebnis verbirgt sich oft ein komplexer Cocktail aus chemischen Substanzen, die nicht immer so harmlos sind, wie sie scheinen. Während ein Teil dieser Inhaltsstoffe als unbedenklich gilt, stehen andere im Verdacht, schädlich oder sogar krebserregend zu sein. Es ist eine wenig bekannte Tatsache, dass wir mit der regelmäßigen Anwendung chemischer Haarfärbemittel möglicherweise unsere Gesundheit aufs Spiel setzen.

Die Farbstoffe müssen eine gewisse Zeit auf dem Haar einwirken, damit sie ihre volle Wirkung entfalten können. Doch diese Einwirkzeit bietet auch schädlichen Chemikalien die Gelegenheit, in die Kopfhaut einzudiffundieren und von dort aus über die Blutbahn im gesamten Körper verteilt zu werden. Hinzu kommt, dass beim Färben auch flüchtige Giftstoffe eingeatmet werden, die tief in die Lunge gelangen können. Dieser Artikel beleuchtet, warum und wie gefährlich chemische Haarfärbemittel wirklich sein können und wie Sie die gesundheitlichen Risiken durch die Verwendung von natürlichen Pflanzenhaarfarben vermeiden können.
- Die unsichtbaren Gefahren chemischer Haarfärbemittel
- Veraltete Studien und der aktuelle Forschungsstand
- Wie chemische Haarfarben wirken: Ein Blick hinter die Kulissen
- Die gesündere Alternative: Natürliche Pflanzenhaarfarben
- Vergleich: Chemische vs. Natürliche Haarfarben
- Risikominimierung im Alltag: Was Sie tun können
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Thema Haarfärbemittel
Die unsichtbaren Gefahren chemischer Haarfärbemittel
Chemische Haarfärbemittel sind komplexe Produkte, die eine Vielzahl von Inhaltsstoffen enthalten, um die gewünschte Farbveränderung zu erzielen. Dazu gehören Oxidationsmittel wie Wasserstoffperoxid, Alkalisierungsmittel wie Ammoniak, Farbstoffvorstufen (Permantfärbemittel), Kuppler und andere Hilfsstoffe. Während diese Substanzen für die Farbgebung unerlässlich sind, bergen einige von ihnen potenzielle Risiken für die menschliche Gesundheit. Die Exposition erfolgt nicht nur über die Hautaufnahme, sondern auch durch Inhalation der Dämpfe, die während des Färbeprozesses freigesetzt werden.
Die Kopfhaut ist besonders empfänglich für die Aufnahme von Substanzen, da sie gut durchblutet ist und die Haarfollikel eine direkte Route in den Körper darstellen können. Wenn schädliche Chemikalien über die Kopfhaut in den Blutkreislauf gelangen, können sie theoretisch verschiedene Organe erreichen und dort unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Die langfristige Exposition gegenüber diesen Chemikalien, insbesondere bei regelmäßiger Anwendung über viele Jahre hinweg, ist das Hauptanliegen der Gesundheitsforschung.
Veraltete Studien und der aktuelle Forschungsstand
Tatsächlich gab es in der Vergangenheit wissenschaftliche Studien, die Haarfärbemittel mit der Entstehung von Krebs in Verbindung brachten. Diese Studien deuteten darauf hin, dass Menschen, die sich regelmäßig die Haare färben, insbesondere aber Friseurinnen und Friseure, ein erheblich höheres Krebsrisiko aufweisen könnten als der Rest der Bevölkerung. Diese Forschungsergebnisse führten zu großer Besorgnis und wurden oft zitiert, um die Gefährlichkeit von Haarfärbemitteln zu untermauern.
Es ist jedoch entscheidend zu verstehen, dass diese Studien und die darin untersuchten Produkte mehrere Jahrzehnte alt sind. Die chemische Zusammensetzung von Haarfärbemitteln hat sich seitdem erheblich weiterentwickelt. Viele der damals verwendeten Stoffe, die als bedenklich eingestuft wurden, sind heute von den Zutatenlisten verbannt. Seit dem Jahr 2006 gilt in der Europäischen Union eine neue, strengere EU-Vorschrift: Nur noch Inhaltsstoffe sind erlaubt, für die umfassende Sicherheitsdossiers vorliegen. Die Europäische Kommission stuft die in der EU erhältlichen Haarfärbemittel auf Basis dieser Vorschriften als sehr sicher ein.
Dennoch gibt es einen Inhaltsstoff, der weiterhin im Fokus der Forschung steht: aromatische Amine. Diese Substanzen sind häufig in Haarfärbemitteln enthalten und werden weiterhin mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht. Hier besteht nach wie vor Forschungsbedarf, um die potenziellen Langzeitwirkungen vollständig zu verstehen. Es ist wichtig zu betonen, dass die Forschung ständig neue Erkenntnisse gewinnt, und es ist durchaus möglich, dass sich in Zukunft weitere Inhaltsstoffe als schädlich erweisen könnten, auch wenn sie derzeit als sicher gelten. Daher ist ein bewusster Umgang und die Kenntnis der Alternativen von großer Bedeutung.
Wie chemische Haarfarben wirken: Ein Blick hinter die Kulissen
Um die potenziellen Risiken chemischer Haarfarben besser zu verstehen, ist es hilfreich, ihren Wirkmechanismus zu kennen. Dauerhafte Haarfarben, die am häufigsten verwendet werden, funktionieren nach einem Oxidationsprinzip. Zuerst wird die äußere Schuppenschicht des Haares, die Kutikula, durch ein alkalisches Mittel (oft Ammoniak oder dessen Derivate) geöffnet. Dies ermöglicht es den Farbstoffvorstufen, in das Innere des Haares, den Kortex, einzudringen.
Im Kortex reagieren die Farbstoffvorstufen mit einem Oxidationsmittel (meist Wasserstoffperoxid). Diese chemische Reaktion führt zur Bildung von größeren Farbmolekülen, die im Haar eingeschlossen werden und so eine dauerhafte Färbung erzeugen. Dieser Prozess verändert die natürliche Haarstruktur und kann das Haar mit der Zeit austrocknen und brüchig machen. Die Inhaltsstoffe, die für das Öffnen der Kutikula und die Oxidationsreaktion verantwortlich sind, sind oft auch diejenigen, die bei direktem Hautkontakt oder Inhalation Reizungen oder allergische Reaktionen hervorrufen können.

Die gesündere Alternative: Natürliche Pflanzenhaarfarben
Angesichts der potenziellen Risiken chemischer Haarfarben suchen immer mehr Menschen nach gesünderen Alternativen. Natürliche Pflanzenhaarfarben stellen hier eine hervorragende Option dar. Im Gegensatz zu chemischen Farben, die tief in die Haarstruktur eindringen, um die Farbe zu verändern, legen sich Pflanzenhaarfarben wie ein schützender Film um jedes einzelne Haar. Sie arbeiten nicht oxidativ und greifen die Haarstruktur nicht an. Stattdessen verbinden sie sich mit der äußeren Schicht des Haares und lassen dessen natürliche Pigmente durchscheinen, was zu einem sehr natürlichen und individuellen Farbergebnis führt.
Typische Inhaltsstoffe von Pflanzenhaarfarben sind Henna, Indigo, Cassia, Walnussschalen, Rhabarberwurzel oder Kamille. Diese natürlichen Farbpigmente pflegen das Haar zusätzlich, verleihen ihm Glanz und Volumen und können sogar die Haarstruktur stärken. Da sie keine aggressiven Chemikalien enthalten, sind sie in der Regel viel verträglicher für die Kopfhaut und reduzieren das Risiko allergischer Reaktionen oder anderer gesundheitlicher Bedenken erheblich. Für Menschen mit empfindlicher Kopfhaut oder Allergien gegenüber chemischen Farbstoffen sind Pflanzenhaarfarben oft die einzige Möglichkeit, ihre Haare zu färben.
Vergleich: Chemische vs. Natürliche Haarfarben
Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, ist es hilfreich, die Eigenschaften von chemischen und natürlichen Haarfarben gegenüberzustellen:
| Merkmal | Chemische Haarfarben | Natürliche Pflanzenhaarfarben |
|---|---|---|
| Wirkmechanismus | Dringen ins Haar ein, verändern Pigmente durch Oxidation | Legen sich als Film ums Haar, überlagern Pigmente |
| Inhaltsstoffe | Synthetische Farbstoffe, Ammoniak, Wasserstoffperoxid, PPD, Toluoldiamin, aromatische Amine | Pflanzenpulver (Henna, Indigo, Cassia, etc.), Wasser |
| Farbergebnis | Breite Farbpalette, intensive, deckende Farben, Aufhellung möglich | Natürliche, changierende Farbtöne, keine Aufhellung, Überlagerung der Naturhaarfarbe |
| Haltbarkeit | Dauerhaft, wäscht sich nicht aus (Ansatz muss nachgefärbt werden) | Semi-permanent, verblasst langsam, wäscht sich aus (hält 4-8 Wochen) |
| Haargesundheit | Kann Haare schädigen, austrocknen, brüchig machen | Pflegt das Haar, verleiht Glanz und Volumen, stärkt die Haarstruktur |
| Gesundheitsrisiko | Potenzielle Risiken (Allergien, Hautreizungen, Inhalation, Langzeitwirkung unklar bei manchen Stoffen) | Sehr geringe Risiken (selten allergische Reaktionen auf Pflanzenstoffe), keine schädlichen Dämpfe |
| Anwendung | Oft schnell und einfach, präzise Farbergebnisse | Längere Einwirkzeit, kann unordentlicher sein, erfordert Übung |
| Grauhaarabdeckung | Vollständige Abdeckung | Transparentere Abdeckung, die Grautöne als Highlights wirken lässt oder einen natürlichen Schimmer verleiht |
Risikominimierung im Alltag: Was Sie tun können
Auch wenn moderne chemische Haarfarben sicherer sind als ihre Vorgänger, ist es ratsam, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und bewusste Entscheidungen zu treffen. Hier sind einige Tipps zur Risikominimierung:
- Patch-Test durchführen: Führen Sie vor jeder Anwendung einen Allergietest durch, selbst wenn Sie das Produkt schon früher verwendet haben. Allergien können sich im Laufe der Zeit entwickeln.
- Anweisungen genau befolgen: Halten Sie sich strikt an die Anweisungen des Herstellers bezüglich Einwirkzeit und Anwendung.
- Gute Belüftung: Färben Sie Ihre Haare in gut belüfteten Räumen, um die Inhalation von Dämpfen zu minimieren.
- Handschuhe tragen: Schützen Sie Ihre Hände und vermeiden Sie direkten Hautkontakt mit der Farbe.
- Weniger ist mehr: Versuchen Sie, die Häufigkeit des Färbens zu reduzieren, wenn möglich.
- Professionelle Anwendung: Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie Ihre Haare von einem erfahrenen Friseur färben, der mit den Produkten und Sicherheitsprotokollen vertraut ist. Viele Salons bieten mittlerweile auch Pflanzenhaarfarben an.
- Inhaltsstoffe prüfen: Achten Sie auf die Inhaltsstoffliste und versuchen Sie, Produkte zu wählen, die keine aromatischen Amine enthalten, falls dies möglich ist.
- Pflanzenhaarfarben in Betracht ziehen: Wenn Sie Bedenken haben oder empfindlich reagieren, sind natürliche Pflanzenhaarfarben eine ausgezeichnete Alternative. Informieren Sie sich über die Möglichkeiten und lassen Sie sich gegebenenfalls von einem Naturfriseur beraten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Thema Haarfärbemittel
Sind alle chemischen Haarfarben gefährlich?
Nein, nicht alle chemischen Haarfarben sind per se gefährlich. Dank strengerer EU-Vorschriften seit 2006 wurden viele der ehemals problematischen Inhaltsstoffe verboten. Die meisten auf dem Markt erhältlichen Produkte gelten als sicher, sofern sie korrekt angewendet werden. Es gibt jedoch weiterhin Inhaltsstoffe wie aromatische Amine, bei denen noch Forschungsbedarf besteht und die potenziell bedenklich sein können.
Wie erkenne ich schädliche Inhaltsstoffe in Haarfarben?
Lesen Sie die Inhaltsstoffliste (INCI-Liste) auf der Verpackung. Achten Sie insbesondere auf Begriffe wie „Phenylendiamin“ (PPD), „Toluoldiamin“ (PTD) oder andere „aromatische Amine“. Diese sind für ihre Sensibilisierungseigenschaften bekannt. Bei Unsicherheiten können Sie sich an Verbraucherzentralen oder spezialisierte Apps wenden, die Inhaltsstoffe bewerten.
Können auch Friseure Risiken minimieren?
Ja, professionelle Friseure können und sollten Risiken minimieren. Dazu gehören die Verwendung von Schutzhandschuhen, die Arbeit in gut belüfteten Räumen, die Durchführung von Allergietests bei Neukunden und das Anbieten von weniger aggressiven oder natürlichen Alternativen wie Pflanzenhaarfarben. Viele Friseure sind sich der Thematik bewusst und schulen sich entsprechend weiter.
Sind Pflanzenhaarfarben für jeden Haartyp und jede gewünschte Farbe geeignet?
Pflanzenhaarfarben sind für die meisten Haartypen geeignet, auch für empfindliche Kopfhaut. Allerdings sind die Farbmöglichkeiten begrenzter als bei chemischen Farben. Eine Aufhellung ist mit Pflanzenhaarfarben nicht möglich, und das Ergebnis hängt stark von der Ausgangshaarfarbe ab, da die Pflanzenpigmente die Naturfarbe lediglich umhüllen und mit ihr interagieren. Für sehr helle, pastellfarbene oder extreme Farben sind sie oft nicht die erste Wahl. Ein professioneller Naturfriseur kann hierzu eine individuelle Beratung anbieten.
Wie oft sollte ich meine Haare färben, um Risiken zu minimieren?
Um die Exposition gegenüber Chemikalien zu reduzieren, ist es ratsam, die Häufigkeit des Färbens zu minimieren. Wenn möglich, lassen Sie zwischen den Anwendungen mehr Zeit verstreichen. Bei dauerhaften Farben kann das Nachfärben des Ansatzes eine gute Möglichkeit sein, die Anwendung auf das Notwendigste zu beschränken, anstatt das gesamte Haar jedes Mal neu zu färben.
Die Wahl der richtigen Haarfärbemittel ist eine persönliche Entscheidung, die sowohl ästhetische Wünsche als auch gesundheitliche Aspekte berücksichtigen sollte. Während chemische Haarfarben schnelle und vielfältige Ergebnisse liefern, bieten natürliche Pflanzenhaarfarben eine schonendere Alternative, die nicht nur das Haar, sondern auch die Gesundheit schont. Informieren Sie sich umfassend, wägen Sie die Vor- und Nachteile ab und treffen Sie eine bewusste Entscheidung für Ihre Schönheit und Ihr Wohlbefinden.
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