06/02/2023
Die Schwangerschaft ist eine aufregende Zeit voller Veränderungen, und viele werdende Mütter möchten sich trotz allem weiterhin wohlfühlen und gepflegt aussehen. Dazu gehört für viele auch das regelmäßige Färben der Haare. Doch die Frage, ob dies während der Schwangerschaft unbedenklich ist, beschäftigt unzählige Frauen. Immer wieder hört man widersprüchliche Meinungen, und die Sorge um das ungeborene Kind ist verständlicherweise groß. Sollten Sie auf Ihren Friseurtermin verzichten oder gibt es Wege, Ihre Wunschhaarfarbe ohne Risiko zu behalten? Wir haben uns bei Expertinnen umgehört, um Licht ins Dunkel zu bringen und Ihnen fundierte Antworten zu liefern.

Selbst Prominente wie Sofia Richie Grainge, die während ihrer Schwangerschaft weiterhin auf ihre blonde Mähne setzte, zeigen, wie präsent dieses Thema ist. Doch ist ihr Ansatz risikofrei? Oder sollten Sie lieber auf Nummer sicher gehen und auf das Nachfärben des Ansatzes, auf Colorationen, Balayage oder Strähnchen verzichten? Um diese Fragen zu klären, haben wir die Gynäkologin und Geburtshelferin Johanna Janku, Gründerin von Oh Yes Baby Yes, einem Praxis für Sexual- und Paartherapie, sowie die Friseurin Soraia da Silva Oliveira von Allure Cosmetics and Hair in Zürich, um ihre Einschätzung gebeten. Ihre gemeinsamen Erkenntnisse bieten eine wertvolle Orientierungshilfe für alle werdenden Mütter.
- Blondierung in der Schwangerschaft: Eine kritische Betrachtung
- Haarfarben und Schwangerschaft: Die wissenschaftliche Perspektive
- Coloration vs. Blondierung: Was ist der Unterschied?
- Zusammenfassung der Empfehlungen
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Haarefärben in der Schwangerschaft
- 1. Ist es wirklich gefährlich, die Haare im ersten Trimester zu färben?
- 2. Kann ich meine Haare mit Henna färben, wenn ich schwanger bin?
- 3. Was ist der Unterschied zwischen einer Tönung und einer Coloration?
- 4. Gibt es Haarfärbemittel, die speziell für Schwangere entwickelt wurden?
- 5. Sollte ich meinem Friseur sagen, dass ich schwanger bin?
- 6. Was mache ich, wenn ich meine Haare schon gefärbt habe, bevor ich von meiner Schwangerschaft wusste?
- 7. Kann ich während der Stillzeit meine Haare färben?
Blondierung in der Schwangerschaft: Eine kritische Betrachtung
Wenn es um das Aufhellen der Haare, also das Blondieren, geht, raten Expertinnen zur Vorsicht. Soraia da Silva Oliveira, eine erfahrene Friseurin, äußert sich hierzu sehr deutlich: „Ich rate davon ab, während der Schwangerschaft eine komplette Blondierung durchzuführen oder den Ansatz nachzufärben.“ Sie begründet dies damit, dass Haarblondierungen eine sehr aggressive Behandlung darstellen. Die dabei verwendeten chemischen Produkte, insbesondere das Wasserstoffperoxid, kommen in direktem Kontakt mit der Kopfhaut. Dies kann nicht nur zu Hautreizungen führen, sondern die Chemikalien könnten potenziell in den Organismus gelangen. Generell achtet Soraia da Silva Oliveira auch bei nicht-schwangeren Kundinnen darauf, die Dosis an Wasserstoffperoxid so gering wie möglich zu halten. „Sechs Prozent ist das absolute Maximum“, betont sie.
Die Bedenken rühren daher, dass die Kopfhaut, obwohl robust, eine gewisse Durchlässigkeit besitzt. Insbesondere bei einer direkten und großflächigen Anwendung aggressiver Chemikalien besteht die theoretische Möglichkeit einer geringfügigen Aufnahme in den Blutkreislauf. Da die Forschung zu den Auswirkungen solcher geringen Expositionen während der Schwangerschaft begrenzt ist, wird hier oft das Vorsichtsmaßnahme-Prinzip angewendet. Dies bedeutet, dass man im Zweifelsfall lieber auf Behandlungen verzichtet, die ein potenzielles, wenn auch geringes, Risiko bergen könnten.
Sichere Alternativen zur Blondierung
Müssen Sie während der Schwangerschaft also komplett auf hellere Haare verzichten? Nicht unbedingt. Soraia da Silva Oliveira nennt hier praktikable Alternativen: „Viele meiner Kundinnen steigen während der Schwangerschaft auf Strähnchen oder Balayage um, sodass das Blondierungsprodukt nicht mit der Kopfhaut in Berührung kommt. Das ist dann kein Problem.“
Der entscheidende Unterschied bei Strähnchen und Balayage ist die Applikationsmethode. Bei diesen Techniken wird das Aufhellungsmittel gezielt auf einzelne Haarpartien aufgetragen und oft mit Folien oder Freihandtechniken so platziert, dass es keinen direkten Kontakt zur Kopfhaut hat. Das Risiko einer Aufnahme von chemische Substanzen über die Haut wird dadurch minimiert. Dies ermöglicht es werdenden Müttern, ihren gewünschten Look beizubehalten, ohne unnötige Risiken einzugehen.
Haarfarben und Schwangerschaft: Die wissenschaftliche Perspektive
Trotz der Vorsicht bei Blondierungen gibt Soraia da Silva Oliveira zu bedenken, dass es bisher keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise für eine Schädlichkeit von Haarfärbemitteln für den Fötus gibt. Sie berichtet, dass viele ihrer Kundinnen auch während der Schwangerschaft weiterhin ihre Haare färben. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Entwicklung der Produkte: „Heute sind viele Haarfärbemittel ammoniakfrei, was die Behandlung noch sicherer und weniger irritierend für die Kopfhaut macht“, erklärt sie.
Diese Einschätzung teilt auch die Gynäkologin Johanna Janku. „Ich schätze das Risiko einer Haarfärbung während der Schwangerschaft als gering ein“, sagt sie. Sie bestätigt, dass es zwar wenig zuverlässige Daten zu diesem Thema gibt, aber bekannt ist, dass die Zusammensetzung der Chemikalien anders und weniger aggressiv ist als noch vor einigen Jahrzehnten. Während einige ihrer Kollegen Schwangeren vom Färben abraten, sieht sie selbst keinen zwingenden Grund dafür. Allerdings fügt sie hinzu: „Wenn die Patientin ein großes Sicherheitsbedürfnis hat, rate ich jedoch vorsichtshalber während der Schwangerschaft und Stillzeit davon ab.“ Dies unterstreicht die Bedeutung des individuellen Wohlbefindens und der psychologischen Sicherheit der werdenden Mutter.
Das erste Trimester: Eine besonders sensible Phase
Einige Dermatologen und Mediziner weisen auf das ersten Trimester der Schwangerschaft als besonders kritische Phase hin. In diesen ersten drei Monaten erfolgt die entscheidende Organbildung des Babys. Die Theorie besagt, dass in dieser sensiblen Zeit selbst geringe Mengen an Substanzen, die über die Kopfhaut in den Blutkreislauf gelangen könnten, potenziell schädlich sein könnten. Die Haut der Kopfhaut ist extrem dünn, was die Aufnahme von Stoffen erleichtert. Es handelt sich hierbei primär um ein Vorsorgeprinzip, da konkrete Studien am Menschen aus ethischen Gründen kaum durchführbar sind.
Daher wird oft empfohlen, zumindest im ersten Trimester komplett auf das Färben und Blondieren zu verzichten. Einige Experten gehen sogar so weit, zu raten, während der gesamten Schwangerschaft bis zur Geburt keine chemischen Haarbehandlungen durchzuführen. Dies bietet die größte Sicherheit, auch wenn das tatsächliche Risiko als gering eingestuft wird.
Coloration vs. Blondierung: Was ist der Unterschied?
Es ist wichtig, zwischen einer Blondierung und einer Coloration zu unterscheiden. Eine Blondierung entzieht dem Haar Farbpigmente, oft unter Einsatz von Wasserstoffperoxid, und dringt tief in die Haarstruktur ein. Eine Coloration hingegen lagert Farbpigmente auf der Oberfläche des Haares ab, ohne die innere Struktur wesentlich zu verändern oder aufzubrechen. Dies macht sie zu einer deutlich schonenderen Methode.
„Mit einer Coloration ist man auf der sicheren Seite, da sie die Farbe nur auf der Haaroberfläche ablagert, ohne in die Haarstruktur einzudringen“, erklärt Soraia da Silva Oliveira. Dies minimiert das Risiko, dass chemische Substanzen über die Kopfhaut in den Körper gelangen. Daher ist eine Coloration, wenn überhaupt, die bevorzugte Option während der Schwangerschaft.
Pflanzenfarben: Die ultimative sichere Alternative
Wenn Sie absolut kein Risiko eingehen möchten oder einfach ein gutes Gefühl haben möchten, sind Pflanzenfarben die ideale Lösung. Diese natürlichen Produkte, oft auf Basis von Henna, Indigo oder Kassia, enthalten prinzipiell keine synthetischen Chemikalien. Sie umhüllen das Haar und verleihen ihm Glanz und Farbe, ohne die Haarstruktur zu schädigen oder bedenkliche Stoffe freizusetzen.

Allerdings gibt es auch hier eine kleine Einschränkung: „Henna-Colorationen enthalten prinzipiell auch keine Chemikalien, auch wenn diese je nach Anbauregion des Hennas Pestizide enthalten können“, so Soraia da Silva Oliveira. Achten Sie daher beim Kauf von Henna-Produkten auf Bio-Qualität und vertrauenswürdige Siegel, um auch hier auf der sicheren Seite zu sein.
Pflanzenfarben bieten eine breite Palette an Nuancen, von warmen Rottönen über Braun bis hin zu Schwarz. Auch wenn das Farbergebnis subtiler sein kann als bei chemischen Farben und die Anwendung manchmal etwas aufwendiger ist, bieten sie die Gewissheit, dass Sie und Ihr Baby keinerlei Risiken ausgesetzt sind. Sie sind die perfekte Wahl für werdende Mütter, die sich weiterhin schön fühlen möchten, ohne Kompromisse bei der Gesundheit einzugehen.
Zusammenfassung der Empfehlungen
Um Ihnen eine klare Übersicht zu geben, fassen wir die Empfehlungen der Expertinnen zusammen:
| Haarbehandlung | Empfehlung während der Schwangerschaft | Begründung |
|---|---|---|
| Komplette Blondierung | Nicht empfohlen | Aggressive Chemikalien (z.B. hohe Konzentrationen von Wasserstoffperoxid) kommen direkt mit der Kopfhaut in Kontakt; potenzielles Risiko der Aufnahme in den Körper. |
| Ansatzblondierung | Nicht empfohlen | Ähnlich wie bei der kompletten Blondierung besteht direkter Kopfhautkontakt. |
| Strähnchen / Balayage | In der Regel unbedenklich | Produkt kommt nicht direkt mit der Kopfhaut in Berührung; minimiert die Aufnahme von Chemikalien. |
| Chemische Coloration (Dauerhaft) | Geringes Risiko, aber Vorsicht | Lagert Farbe auf der Oberfläche ab; moderne Produkte oft Ammoniak-frei und weniger aggressiv. Bei starkem Sicherheitsbedürfnis wird abgeraten, insbesondere im ersten Trimester. |
| Pflanzen-/Naturfarben | Empfohlen | Keine synthetischen Chemikalien, umhüllen das Haar. Geringstes Risiko für Mutter und Kind. Auf Bio-Qualität achten (Pestizide). |
| Tönungen (temporär) | In der Regel unbedenklich | Lagern sich ebenfalls nur auf der Oberfläche ab und waschen sich schnell aus. |
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Haarefärben in der Schwangerschaft
1. Ist es wirklich gefährlich, die Haare im ersten Trimester zu färben?
Das erste Trimester ist die wichtigste Phase für die Organentwicklung des Babys. Obwohl es keine eindeutigen Beweise für eine direkte Schädigung durch Haarfärbemittel gibt, empfehlen viele Ärzte und Dermatologen aus reiner Vorsichtsmaßnahme, in dieser Zeit auf chemische Behandlungen zu verzichten. Die Kopfhaut ist sehr dünn und kann Substanzen aufnehmen, die in den Blutkreislauf gelangen könnten.
2. Kann ich meine Haare mit Henna färben, wenn ich schwanger bin?
Ja, reines Henna gilt als sichere Alternative, da es eine Naturfarbe ist und keine synthetischen Chemikalien enthält. Achten Sie jedoch darauf, reines Henna ohne Zusätze zu verwenden und idealerweise auf Bio-Qualität zu setzen, um das Risiko von Pestiziden zu minimieren.
3. Was ist der Unterschied zwischen einer Tönung und einer Coloration?
Eine Tönung ist temporär und wäscht sich nach einigen Haarwäschen wieder aus, da die Farbpigmente nur auf der äußeren Schicht des Haares liegen. Eine Coloration ist dauerhafter, da sie die Haarstruktur leicht öffnet, um die Farbe tiefer einzulagern, aber immer noch weniger aggressiv ist als eine Blondierung, die Pigmente entzieht.
4. Gibt es Haarfärbemittel, die speziell für Schwangere entwickelt wurden?
Es gibt keine spezifischen "schwangerschaftsfreundlichen" chemischen Haarfärbemittel, die als völlig risikofrei zertifiziert sind. Allerdings gibt es Produkte, die als "ammoniakfrei" oder "natürlicher" beworben werden. Die sicherste Option bleiben jedoch rein pflanzliche Haarfarben.
5. Sollte ich meinem Friseur sagen, dass ich schwanger bin?
Ja, unbedingt! Informieren Sie Ihren Friseur über Ihre Schwangerschaft. Ein professioneller Friseur kann Sie dann entsprechend beraten und gegebenenfalls sicherere Techniken oder Produkte empfehlen, die für Schwangere besser geeignet sind, wie zum Beispiel Strähnchen, die nicht die Kopfhaut berühren, oder pflanzliche Farben.
6. Was mache ich, wenn ich meine Haare schon gefärbt habe, bevor ich von meiner Schwangerschaft wusste?
Machen Sie sich keine Sorgen! Die meisten Frauen erfahren erst nach einigen Wochen von ihrer Schwangerschaft. Das einmalige Färben vor diesem Wissen wird in der Regel als unbedenklich angesehen, da die Exposition sehr gering war. Besprechen Sie Ihre Bedenken bei Ihrem nächsten Arztbesuch, aber Panik ist hier unangebracht.
7. Kann ich während der Stillzeit meine Haare färben?
Die meisten Expertinnen sehen das Haarefärben während der Stillzeit als unbedenklicher an als während der Schwangerschaft, da die Absorption in die Muttermilch minimal ist. Dennoch gilt auch hier das Vorsichtsprinzip: Wenn Sie sich unsicher fühlen, greifen Sie zu pflanzlichen Alternativen oder Techniken, die keinen direkten Kopfhautkontakt haben.
Letztendlich liegt die Entscheidung bei Ihnen. Wägen Sie die Informationen ab, besprechen Sie Ihre Bedenken mit Ihrem Arzt und Ihrem Friseur und wählen Sie die Option, bei der Sie sich am wohlsten und sichersten fühlen. Ihre Gesundheit und die Ihres Babys stehen an erster Stelle.
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