06/11/2022
Der Beruf des Coiffeurs oder der Coiffeuse ist eine faszinierende Mischung aus Handwerk, Kunst und direktem Kundenkontakt. Es ist ein Beruf, der Kreativität, Präzision und ein feines Gespür für Ästhetik erfordert. Doch bevor man die Schere virtuos schwingen und Kunden mit neuen Frisuren begeistern kann, steht eine fundierte Ausbildung an. Die Dauer dieser Ausbildung ist ein häufig gestelltes Thema und variiert je nach dem angestrebten Abschluss und der gewählten Weiterbildung. In der Schweiz, wo der Berufsstand hoch angesehen ist, gibt es klare Wege, die zu verschiedenen Qualifikationsstufen führen.

Die Frage nach der Ausbildungsdauer ist nicht pauschal mit einer Zahl zu beantworten, da es mehrere Pfade gibt, die angehende Coiffeure einschlagen können. Von der ersten beruflichen Grundbildung bis zur höchsten Fachprüfung, die zur Führung eines eigenen Salons befähigt, erstreckt sich ein vielschichtiges System, das auf eine umfassende und praxisnahe Ausbildung abzielt. Werfen wir einen detaillierten Blick auf die einzelnen Stationen und die damit verbundene Zeitinvestition.
Die berufliche Grundbildung: Ihr Start als Coiffeur/Coiffeuse EFZ
Der erste und grundlegendste Schritt in die Welt des Friseurhandwerks ist die berufliche Grundbildung, die mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) abschliesst. Diese Ausbildung ist das Fundament für eine erfolgreiche Karriere im Coiffeurberuf und dauert in der Regel drei Jahre. Sie ist als duale Ausbildung konzipiert, was bedeutet, dass die Lernenden sowohl praktische Erfahrungen in einem Ausbildungsbetrieb sammeln als auch theoretisches Wissen in der Berufsfachschule erwerben.
Während dieser drei Jahre lernen die angehenden Coiffeure alle grundlegenden Fertigkeiten und Kenntnisse, die für den Berufsalltag unerlässlich sind. Dazu gehören unter anderem:
- Haarschnitttechniken: Das Schneiden von Damen-, Herren- und Kinderhaaren, von klassischen bis zu modernen Schnitten.
- Färbetechniken: Das Mischen und Auftragen von Haarfarben, Blondierungen und Tönungen sowie das Verständnis für Farbtheorie.
- Dauerwellen und Umformungen: Techniken zur Veränderung der Haarstruktur.
- Haarpflege und -beratung: Diagnose von Haar- und Kopfhautproblemen, Empfehlung und Anwendung von Pflegeprodukten.
- Waschen und Föhnen: Professionelle Techniken für Volumen und Halt.
- Frisuren und Styling: Das Kreieren von Alltags- und Festtagsfrisuren, Hochsteckfrisuren.
- Kundenberatung und -betreuung: Kommunikationsfähigkeiten, Bedarfsanalyse, Verkaufsgespräche.
- Hygiene und Arbeitssicherheit: Einhaltung von Vorschriften im Salonalltag.
- Betriebswirtschaftliche Grundlagen: Terminplanung, Kassenführung, Warenwirtschaft.
Die dreijährige Dauer dieser Ausbildung ist bewusst gewählt, um sicherzustellen, dass die Lernenden eine breite Palette an Fähigkeiten entwickeln und ausreichend praktische Erfahrung sammeln können, um nach dem Abschluss selbstständig und kompetent im Salon arbeiten zu können. Die Ausbildung schliesst mit einer umfassenden Abschlussprüfung ab, die sowohl praktische als auch theoretische Teile umfasst.
Weiterbildung zur Berufsprüfung: Coiffeur/Coiffeuse mit eidg. Fachausweis
Nachdem die berufliche Grundbildung erfolgreich abgeschlossen und erste Berufserfahrung gesammelt wurde, steht vielen Coiffeuren der Wunsch nach Weiterentwicklung offen. Die nächste Stufe ist die Weiterbildung zur Berufsprüfung (BP), die zum eidgenössischen Fachausweis führt. Diese Weiterbildung ist in der Regel berufsbegleitend und dauert mindestens ein Jahr.
Die Berufsprüfung richtet sich an Coiffeure, die ihre Fachkenntnisse vertiefen und sich für Führungspositionen qualifizieren möchten. Inhalte dieser Weiterbildung umfassen oft:
- Vertiefte Fachkenntnisse: Komplexe Haarschnitt- und Färbetechniken, Spezialbehandlungen.
- Betriebswirtschaft und Management: Personalführung, Salonorganisation, Marketing, Rechnungswesen.
- Ausbildung von Lernenden: Pädagogische Fähigkeiten und rechtliche Grundlagen zur Betreuung von Auszubildenden.
- Kundenbeziehungsmanagement: Aufbau und Pflege langfristiger Kundenbeziehungen, Beschwerdemanagement.
Der eidgenössische Fachausweis ist ein wichtiger Schritt für alle, die mehr Verantwortung übernehmen möchten, sei es als Salonleiter, Fachexperte oder als Ausbilder im eigenen Betrieb. Die berufsbegleitende Form ermöglicht es, weiterhin im Beruf tätig zu sein und das Gelernte direkt in der Praxis anzuwenden.
Höhere Fachprüfung: Der Weg zum Meistertitel
Die höchste Qualifikationsstufe im Coiffeurhandwerk in der Schweiz ist die Höhere Fachprüfung (HFP), die zum eidgenössischen Diplom führt. Dies ist der äquivalente Abschluss zum Meistertitel in anderen Ländern und berechtigt zur Führung eines eigenen Salons oder zur Übernahme sehr verantwortungsvoller Positionen. Die Dauer bis zum Erwerb dieses Diploms ist flexibler und hängt stark von der individuellen Vorbereitung und den bereits erworbenen Qualifikationen ab. Voraussetzung ist in der Regel der eidgenössische Fachausweis (BP) und eine entsprechende Berufspraxis.
Die Vorbereitung auf die HFP kann ebenfalls berufsbegleitend erfolgen und umfasst ein breites Spektrum an fortgeschrittenen Themen:
- Umfassendes Salonmanagement: Strategische Planung, Finanzmanagement, rechtliche Aspekte der Betriebsführung.
- Personalentwicklung und -führung: Coaching, Motivation, Konfliktmanagement.
- Marketing und Kommunikation: Entwicklung von Marketingstrategien, Markenbildung, Öffentlichkeitsarbeit.
- Fachliche Expertise auf höchstem Niveau: Spezialisierung in Nischenbereichen, Entwicklung neuer Techniken.
- Pädagogik und Didaktik: Vertiefte Kenntnisse zur Ausbildung von Fachkräften und zur Weitergabe von Wissen.
Mit dem eidgenössischen Diplom der Höheren Fachprüfung positioniert man sich als anerkannter Experte und Unternehmer in der Coiffeurbranche. Es ist der ultimative Schritt für alle, die eine führende Rolle übernehmen, ihr eigenes Geschäft aufbauen oder als Dozenten tätig werden möchten.
Faktoren, die die Ausbildungsdauer beeinflussen können
Obwohl die Regeldauern für die einzelnen Ausbildungsstufen klar definiert sind, gibt es einige Faktoren, die die individuelle Ausbildungszeit beeinflussen können:
- Individuelles Lerntempo: Manche Lernende benötigen mehr Zeit, um bestimmte Fähigkeiten zu meistern, während andere schneller vorankommen.
- Teilzeitausbildung: Obwohl die Grundbildung in der Regel Vollzeit ist, können Weiterbildungen in Teilzeit länger dauern.
- Anerkennung von Vorkenntnissen: In seltenen Fällen können bereits erworbene Qualifikationen oder Erfahrungen die Ausbildungsdauer verkürzen.
- Regionale Besonderheiten: Obwohl die eidgenössischen Abschlüsse schweizweit anerkannt sind, können kantonale oder schulische Rahmenbedingungen leichte Abweichungen im Detail der Lehrpläne oder der Prüfungsmodalitäten mit sich bringen.
- Praktische Erfahrung: Für die höheren Prüfungen ist eine bestimmte Dauer an Berufserfahrung oft Voraussetzung, die die Gesamtzeit bis zum Abschluss verlängert.
Vergleich der Ausbildungswege im Coiffeurberuf
Um einen besseren Überblick über die verschiedenen Ausbildungswege und deren Dauer zu erhalten, bietet sich folgende Vergleichstabelle an:
| Abschluss | Regeldauer | Fokus der Ausbildung | Typische Karrieremöglichkeiten |
|---|---|---|---|
| Coiffeur/Coiffeuse EFZ (Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis) | 3 Jahre | Grundlagen des Coiffeurhandwerks, praktische Fertigkeiten, Kundenberatung, Hygiene | Angestellter Coiffeur/Coiffeuse, Junior Stylist |
| Coiffeur/Coiffeuse mit eidg. Fachausweis (Berufsprüfung BP) | Mind. 1 Jahr (berufsbegleitend nach EFZ + Berufserfahrung) | Vertiefte Fachkenntnisse, Salonmanagement, Mitarbeiterführung, Ausbildung von Lernenden | Salonleiter/in, Spezialist/in für bestimmte Techniken, Ausbilder/in, Betriebsleiter/in |
| Coiffeur/Coiffeuse mit eidg. Diplom (Höhere Fachprüfung HFP) | Variabel (nach Fachausweis + Berufserfahrung, oft 1-2 Jahre Vorbereitung) | Umfassendes Salonmanagement, Unternehmensführung, Marketing, höchste Fachkompetenz, Personalentwicklung | Saloninhaber/in, Geschäftsführer/in, Dozent/in für Fachschulen, Unternehmensberater/in |
Warum eine fundierte Ausbildung so wichtig ist
Die Coiffeurbranche ist dynamisch und ständig im Wandel. Trends kommen und gehen, neue Techniken und Produkte werden entwickelt. Eine solide und umfassende Ausbildung stellt sicher, dass Coiffeure nicht nur die aktuellen Anforderungen erfüllen, sondern auch flexibel auf zukünftige Entwicklungen reagieren können. Sie vermittelt nicht nur technische Fähigkeiten, sondern auch wichtige Soft Skills wie Kreativität, Kommunikationsfähigkeit, Empathie und ein ausgeprägtes Verständnis für die Bedürfnisse der Kunden.
Die Investition in eine qualitativ hochwertige Ausbildung zahlt sich langfristig aus. Sie ebnet den Weg zu vielfältigen Karrieremöglichkeiten, von der Arbeit in einem renommierten Salon über die Selbstständigkeit bis hin zu Positionen in der Produktentwicklung oder als Fachtrainer.
Häufig gestellte Fragen zur Coiffeur-Ausbildung
Kann ich die Ausbildung zum Coiffeur/zur Coiffeuse verkürzen?
Eine Verkürzung der dreijährigen beruflichen Grundbildung (EFZ) ist in der Regel nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich, beispielsweise bei sehr guten schulischen Leistungen und nach Absprache mit dem Ausbildungsbetrieb und der Berufsfachschule. Dies ist jedoch eher die Ausnahme als die Regel und muss individuell geprüft werden.
Welche Voraussetzungen benötige ich für die Coiffeur-Ausbildung?
Für die berufliche Grundbildung (EFZ) wird in der Regel ein abgeschlossener Sekundarschulabschluss oder eine vergleichbare Vorbildung vorausgesetzt. Wichtiger als der reine Schulabschluss sind jedoch persönliche Eigenschaften wie Kreativität, handwerkliches Geschick, Interesse an Mode und Trends, Freude am Umgang mit Menschen, Kommunikationsfähigkeit und eine gepflegte Erscheinung.
Gibt es Fördermöglichkeiten für die Ausbildung?
In der Schweiz gibt es verschiedene kantonale und private Stipendien oder Ausbildungsbeiträge, die Lernende unterstützen können. Es lohnt sich, bei den kantonalen Berufsberatungsstellen oder bei spezialisierten Stiftungen nachzufragen. Die Ausbildung im dualen System beinhaltet zudem ein Lehrlingsgehalt, das zur Deckung der Lebenshaltungskosten beiträgt.
Kann ich mich nach der Ausbildung spezialisieren?
Ja, der Coiffeurberuf bietet zahlreiche Spezialisierungsmöglichkeiten. Nach der Grundausbildung oder im Rahmen von Weiterbildungen können Sie sich beispielsweise auf Farbtechniken (Colorist), Hochsteckfrisuren, Barbering (Herrenfrisuren und Bartpflege), Haarverlängerungen oder als Stylist für Fotoshootings und Events spezialisieren. Lebenslanges Lernen ist in dieser Branche der Schlüssel zum Erfolg.
Ist die Ausbildung zum Coiffeur/zur Coiffeuse schwer?
Die Ausbildung ist anspruchsvoll und erfordert Engagement und Fleiss. Neben dem Erlernen komplexer Techniken ist auch das Verständnis für Anatomie, Chemie (Haarfarben, Produkte) und Betriebswirtschaft gefragt. Die Kombination aus Theorie und viel praktischer Übung macht die Ausbildung jedoch sehr abwechslungsreich. Mit Leidenschaft und Übung ist sie aber definitiv zu meistern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Weg zum professionellen Coiffeur oder zur Coiffeuse in der Schweiz eine gut strukturierte Reise ist, die je nach Ambition und angestrebtem Abschluss unterschiedlich lange dauern kann. Von der dreijährigen Grundausbildung bis zu den weiterführenden Prüfungen ist jede Stufe darauf ausgelegt, umfassende Kompetenzen zu vermitteln und die Absolventen optimal auf die Anforderungen des Berufs vorzubereiten. Wer diesen Weg einschlägt, investiert in eine kreative und zukunftssichere Karriere.
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