16/11/2021
Für die Kunden in einem Friseursalon spielt es meist keine Rolle, ob ihre Haare von einer Friseurin, Frisörin, Friseuse oder Frisöse gestylt werden. Die Qualität der Arbeit steht im Vordergrund, nicht die genaue Berufsbezeichnung. Doch für viele weibliche Fachkräfte im Friseurhandwerk ist die Wahl des passenden Titels alles andere als irrelevant. Sie suchen nach einer Bezeichnung, die nicht nur ihre Tätigkeit korrekt beschreibt, sondern auch den Wert und die Kunst ihres Handwerks widerspiegelt. Mal ehrlich, klingt „Friseurin“ oder „Hairstylistin“ nicht weitaus eleganter und anspruchsvoller als „Friseuse“ oder „Frisöse“? Dieser Trend zur Aufwertung von Berufsbezeichnungen ist auch in anderen Branchen sichtbar, wie die Umbenennung der ehemaligen Arzthelferin in die „Medizinisch Technische Assistentin“ oder der Kindergärtnerin in die „Erzieherin“ beweist. Es geht um Anerkennung, Professionalität und ein zeitgemäßes Selbstverständnis.

Woher stammen die unterschiedlichen weiblichen Berufsbezeichnungen im Friseurhandwerk?
Die Geschichte der Berufsbezeichnungen im Friseurhandwerk, insbesondere für Frauen, ist vielschichtig und spiegelt gesellschaftliche Entwicklungen wider. Es mag überraschen, aber bis in die 1970er Jahre gab es im offiziellen Sprachgebrauch, wie in alten Ausbildungsverordnungen nachzulesen ist, tatsächlich keine spezifische Berufsbezeichnung für den weiblichen Friseur. Trotzdem waren die Begriffe „Friseurin“ und „Friseuse“ bereits seit 1941 im Duden zu finden, was zeigt, dass sie im allgemeinen Sprachgebrauch durchaus präsent waren, auch wenn sie nicht offiziell normiert waren.
Erst ab den 1970er Jahren begann sich der Begriff „Friseurin“ zu etablieren und wurde vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks aktiv kommuniziert und gefördert. Dies war ein wichtiger Schritt zur Standardisierung und Professionalisierung des Berufsfeldes. Parallel dazu, und besonders bis in die 1990er Jahre hinein, wurde häufig auch der Begriff „Friseuse“ oder „Frisöse“ verwendet, oft angelehnt an französische Sprachmuster. Diese Begriffe waren lange Zeit neutral besetzt, doch ihre Konnotation änderte sich dramatisch. Spätestens seit Micky Krauses anzüglichem Lied über „10 nackte Frisösen“ ist dieser Begriff definitiv negativ besetzt und wird von den meisten Fachkräften gemieden. Die moderne Friseurin sieht sich heute am liebsten als Hairstylistin für coole Frisuren und umfassende Beauty-Beratung. Im Gegensatz zum männlichen „Friseur“ gibt es für die weibliche Berufsausübung keine so eindeutig „richtige“ oder universell akzeptierte Berufsbezeichnung, was die Vielfalt und die persönliche Präferenz in den Vordergrund rückt.
Ausbildung und Gehalt der Friseurin: Identisch, aber vielseitig
Unabhängig von der bevorzugten Berufsbezeichnung – ob Friseurin, Friseuse oder Hairstylistin – ist die Ausbildung in Deutschland identisch mit der Ausbildung zum Friseur. Dies unterstreicht die Gleichwertigkeit und die hohen Standards, die an alle Fachkräfte im Friseurhandwerk gestellt werden. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre und ist dual aufgebaut. Das bedeutet, angehende Friseurinnen und Friseure lernen sowohl in der Praxis direkt in den Friseursalons als auch in der Theorie in der Berufsschule. Unter bestimmten Voraussetzungen, beispielsweise mit einem Abitur, kann die Ausbildungszeit auch verkürzt werden, was einen schnelleren Einstieg in den Berufsalltag ermöglicht.
In den Friseursalons lernen die Auszubildenden alles, was mit der perfekten Frisur zu tun hat: Haare schneiden, färben, tönen, Dauerwellen legen, Stylings kreieren, aber auch die umfassende Kundenberatung und das Management des Salons. Der Besuch der Berufsschule ist in jedem Ausbildungsjahr verpflichtend und vermittelt das theoretische Wissen über Haarstrukturen, Chemie, Hygienevorschriften, aber auch Betriebswirtschaft und Kundenpsychologie. Obwohl die Tendenz seit Jahren steigt, dass sich immer mehr Männer für eine Ausbildung zum Friseur entscheiden, bleibt der Beruf nach wie vor eine klare Frauendomäne.
Was das Gehalt betrifft, so wird im Friseurhandwerk generell nicht zwischen Friseur und Friseurin unterschieden. Die Vergütung in der Ausbildung richtet sich nach tarifvertraglichen Vereinbarungen. In diesem Jahr gibt es beispielsweise bereits ab dem ersten Ausbildungsjahr eine gesetzlich festgelegte Mindestausbildungsvergütung, die sich mit jedem weiteren Ausbildungsjahr erhöht. Dies schafft eine finanzielle Basis und Planungssicherheit für die Auszubildenden. Später als Angestellte in Friseursalons richtet sich die Höhe des Gehalts in tarifgebundenen Verträgen ebenfalls nach den tarifvertraglichen Vereinbarungen der jeweiligen Region. Bei nichttarifgebundenen Betrieben entscheiden individuelle Faktoren und Vereinbarungen zwischen dem Arbeitgeber und der Friseurin bzw. dem Friseur über die Höhe des Gehalts. Hier spielen oft Erfahrung, Spezialisierung und die Kundenbindung eine Rolle.
Die weibliche Friseur-Berufsbezeichnung im Wandel
Die Suche nach der idealen Berufsbezeichnung für die weibliche Fachkraft im Friseurhandwerk ist ein fortlaufender Prozess, der die Entwicklung des Berufs und dessen Selbstverständnis widerspiegelt. Der Duden, als maßgebliche Instanz der deutschen Sprache, empfiehlt in seiner aktuellen Ausgabe den Begriff „Friseurin“ und als alternative Schreibweise „Frisörin“ mit eingedeutschtem „ö“. Dies zeigt eine gewisse Flexibilität, aber auch eine klare Präferenz für die etablierteren und neutralen Begriffe.
Wir haben bei unseren weiblichen FMFM-Artists nachgefragt, wie sie sich selbst beruflich bezeichnen, und die Ergebnisse sind aufschlussreich. Eindeutig am häufigsten fiel die Berufsbezeichnung „Friseurin“. Dies bestätigt die Akzeptanz und Verbreitung dieses Begriffs. Doch gleichzeitig wird in der Branche und auch bei unseren Artists über alternative, höherwertige Begriffe nachgedacht, die das moderne Bild des Berufs besser widerspiegeln sollen. Dazu gehören Titel wie „Stylistin“, „Young Stylistin“, „Master Stylistin“, „Beauty Coach“, „Hair & Beauty Artistin“, „Top Stylistin“ oder „Hair Stylistin“. Diese Bezeichnungen betonen oft spezielle Fähigkeiten, Erfahrungslevel oder eine breitere Servicepalette, die über das reine Haareschneiden hinausgeht. Sie signalisieren Expertise in Bereichen wie Farbtechnik, Make-up, Haarverlängerungen oder individueller Stilberatung. Es ist ein Ausdruck des Strebens nach Professionalität und der Anerkennung als kreative Dienstleisterin im Beauty-Sektor.
Vergleich der Berufsbezeichnungen
Um die Entwicklung und die heutige Vielfalt besser zu veranschaulichen, hier eine kleine Übersicht:
| Zeitraum / Kontext | Berufsbezeichnung(en) | Anmerkung / Konnotation |
|---|---|---|
| Bis 1970er Jahre (offiziell) | Keine spezifische weibliche Form | „Friseuse“/„Friseurin“ im Duden, aber nicht offiziell normiert |
| Ab 1970er Jahre (Manifestation) | Friseurin | Vom Zentralverband gefördert, neutral, professionell |
| Bis 1990er Jahre (parallel) | Friseuse, Frisöse | Französisch angelehnt, später negativ konnotiert durch Popkultur |
| Heute (Duden-Empfehlung) | Friseurin, Frisörin | Standard, neutral, allgemein anerkannt |
| Heute (Branchen-Präferenz/Modern) | Hairstylistin, Stylistin, Master Stylistin, Beauty Coach, Hair & Beauty Artistin | Werten den Beruf auf, betonen Spezialisierung und Kreativität |
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was ist der offizielle Begriff für eine weibliche Friseurin in Deutschland?
Der offiziell vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks und vom Duden empfohlene Begriff ist „Friseurin“. Als alternative Schreibweise wird auch „Frisörin“ akzeptiert.
Gibt es einen Unterschied in der Ausbildung für männliche und weibliche Friseure?
Nein, die duale Ausbildung zum Friseur ist für alle Geschlechter identisch. Sie dauert drei Jahre und umfasst praktische Arbeit im Salon sowie theoretischen Unterricht in der Berufsschule.
Warum wird der Begriff „Friseuse“ heute oft negativ wahrgenommen?
Der Begriff „Friseuse“ hat, insbesondere seit den 1990er Jahren und durch bestimmte populärkulturelle Referenzen wie Lieder, eine negative und oft anzügliche Konnotation erhalten, weshalb er von den meisten Fachkräften gemieden wird.
Welche modernen Berufsbezeichnungen gibt es für Friseurinnen?
Neben „Friseurin“ sind in der Branche Begriffe wie „Hairstylistin“, „Stylistin“, „Master Stylistin“, „Young Stylistin“, „Beauty Coach“ oder „Hair & Beauty Artistin“ verbreitet. Diese sollen den modernen und vielseitigen Charakter des Berufs betonen.
Verdienen Friseure und Friseurinnen unterschiedlich viel?
Nein, das Gehalt im Friseurhandwerk wird nicht nach Geschlecht unterschieden. Es richtet sich nach tarifvertraglichen Vereinbarungen oder individuellen Absprachen, abhängig davon, ob der Betrieb tarifgebunden ist oder nicht. Auch die Ausbildungsvergütung ist für alle Auszubildenden gleich.
Ist die Berufsbezeichnung „Hairstylistin“ geschützt?
Die Bezeichnung „Hairstylistin“ ist im Gegensatz zur offiziellen Berufsbezeichnung „Friseurin“ oder „Friseurmeister/in“ nicht gesetzlich geschützt. Sie wird jedoch oft verwendet, um eine höhere Qualifikation oder Spezialisierung im Bereich Styling zu signalisieren.
Fazit: Mehr als nur ein Name
Die Diskussion um die richtige Berufsbezeichnung für weibliche Fachkräfte im Friseurhandwerk ist weit mehr als eine reine semantische Debatte. Sie spiegelt den Wunsch nach Anerkennung, Professionalität und einem zeitgemäßen Selbstverständnis wider. Während „Friseurin“ die etablierte und offizielle Bezeichnung bleibt, zeigen die modernen Begriffe wie „Hairstylistin“ die Evolution eines Handwerks, das sich ständig neu erfindet und seinen Wert im Beauty-Sektor unterstreicht. Letztendlich ist es die Kunst, das Talent und die Leidenschaft, die zählen – unabhängig davon, wie der Titel auf der Visitenkarte lautet. Doch eine Bezeichnung, die Stolz und Professionalität ausstrahlt, trägt sicherlich dazu bei, das Ansehen dieses kreativen und wichtigen Berufs weiter zu festigen.
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